Südwinter sind Autofahrerwinter Resümee zum Winter 2013/14

Südwinter sind Autofahrerwinter“, zumindest wenn man als Skibergsteiger am Nordrand  der Alpen  wohnt. Doch zunächst mal von Anfang an. Bereits am 12. November konnte man bei oben guten unten ganz brauchbaren Verhältnissen von Mittelberg aus das Walmendiger Horn mit Ski besteigen und vor allem auch von oben abfahren. 30- 40 cm frischer Pulverschnee, das reicht wenn der Untergrund als Piste dient und entsprechend geglättet ist.

Bisschen früh für den Start in den Tourenwinter. Ich sag ja immer in Bezug auf den Winterbeginn „lieber spät aber dann gescheit“. Also lieber erst kurz vor Weihnachten. Ob sich hinter dem Spruch „November kalt, nimmt dem Winter die G´walt“ eine statistisch nachweisbare Regelmäßigkeit verbirgt, sei dahin gestellt.

Klimadaten oberstdorf winter 13 14
Wetterdaten des Winters 2013/14 in Oberstdorf, Allgäu. Die Durchschnittstemperatur lag im November unter dem langjährigen Mittel, in allen anderen Monaten teils weit darüber. Quelle DWD, Die Graphik des Jahres 2014 wurde von mir um die Nov und Dez 2013 ergänzt.

Jedenfalls kam ab Dezember der Winter im Nordalpenraum nicht wirklich in Fahrt, wobei die Regionen Allgäu und Vorarlberg mit einem blauen Auge davon kamen, während es weiter östlich fast einen Totalausfall gab.

Mit entsprechender Geländekenntnis konnte man ab Mitte November im Hintersteiner Tal, im Oytal, in Baad/Kleinwalsertal und in der Arlbergbergregion durchaus gute Skitouren unternehmen, vorausgesetzt, man wählte ein Ziel mit einem glatten, grasigen Untergrund.

Niederschlag Holzgau

Im Lechtal sah es mehr oder weniger nach einem Totalausfall aus. Die Niederschlagstabelle von Holzgau/Tirol (Quelle ZAMG) verdeutlicht dies. Neben dem, im Vergleich zu Oberstdorf schon geringeren Niederschlagsmengen, war die Negativabweichung zum langjährigen Mittel hier noch markanter, als im Allgäu

Der Grund dafür war, dass die wenigen, schwachen Nordweststaulagen kaum den Allgäuer Hauptkamm überwinden konnten und somit der Niederschlag kaum noch das Lechtal erreichte.

Immerhin, genau so wie der Allgäuer Hauptkamm die Schnee bringenden Wetterlagen abhielt, so hielt er auch die milden Westströmungen ab und so konnten die Lechtaler Alpen, was die Skitourenverhältnisse betrifft, zum Ende des Hochwinters hin aufholen und boten mit entsprechender Ortskenntnis hier und da doch noch ganz brauchbare Verhältnisse.

Im Dezember wartete man am Alpennordrand also vergeblich auf den großen Schneefall. Aber immerhin bildete sich in den wind- und sonnengeschützten Nordostlagen nach und nach eine brauchbare Unterlage aus.

Januar 2014 im  Allgäu (Schneck). Dort Wo um diese Jahreszeit meist über zwei Meter liegen, ist es derzeit gerade mal ein halber. Doch dank des glatten Untergrundes  gab es an dieser Tour fat über den ganzen Winter gute Bedingungen.
Januar 2014 im Allgäu (Schneck). Dort Wo um diese Jahreszeit meist über zwei Meter liegen, ist es derzeit gerade mal ein halber. Doch dank des glatten Untergrundes gab es an dieser Tour fast über den ganzen Winter gute Bedingungen.

Die Betreiber der Skigebiete im Allgäu nutzten die wenigen Frosttage zur künstlichen Beschneiung und konnten somit die Saison retten, besonders dann, wenn deren Pisten nicht zu sehr der Sonne oder den milden Westwinden bzw. dem Föhn ausgesetzt waren.

Die Güntlespitze im Kleinwalsertal. Auch hier gabs den ganzen Winter gute Verhältnisse. Dank der  leichten Erreichbarkeit wurde diese schöne , kurze Tour am Wochenende regemäßig von den Massen überrannt. Was zu Unmut vor allem wegen der Parksituation führte.
Die Güntlespitze im Kleinwalsertal. Auch hier gabs den ganzen Winter gute Verhältnisse. Dank der leichten Erreichbarkeit wurde diese schöne , kurze Tour am Wochenende regemäßig von den Massen überrannt. Was zu Unmut vor allem wegen der Parksituation führte.
Stuiben  anfang Jan 2014
Der Stuiben im Gunzesrieder Tal (Allgäu) Mitte Januar 2014. Nur kümmerliche Schneereste in diesem sonst sehr schneereichen Tal.
IMG_0541
Mitte Januar 2014. Der Hirschber bei Bad Hindelang läd zum Wandern und zum Klettern ein

Während dessen versanken die Südalpen im Schnee, was die Graphik aus dem Ultental/Südtirol zeigt. Zwar war der Winter auch hier teils deutlich zu warm, aber oberhalb von rund 1000 bis 1500 m fielen die Niederschläge überwiegend als Schnee, so dass sich von November bis Februar eine teils rekordverdächtigte Schneedecke bilden konnte. Von März bis Mai waren die Niederschläge unterdurchschnittlich, was ja meist mit vermehrtem Schönwetter gleichzusetzten ist. Somit konnte man den gefallenen Schnee bis weit in den Frühsommer hinein genießen.

Niederschlag Ultental

Wetterdaten des Winters 2013/14 in St. Waldburg/Ultental (Südtirol/Ortlergruppe)

Schon im Januar konnte man in den Dolomiten und im Vinschgau Abfahrten genießen, die schon seit Jahren nicht mehr möglich waren. Latschenfelder, Blockwerk, all das lag tief unter einer meterhohen Schneedecke verborgen.

Hütten Dolos
Mitte Januar 2014 im Gardertal, Dolomiten
Haunold Spuren
Ende Februar 2014. Traumhafte Verhältnisse am Haunold in den Sextner Dolomiten

Da der erfahrene Skibergsteiger gelernt hat, sich den jeweiligen Verhältnissen anzupassen boten sich je nach aktueller Wetterlage drei Möglichkeiten seinem Hobby zu frönen.

Stets die wenigen, gleichen Touren am Nordalpenrand unternehmen, die halbwegs geeignete Verhältnisse boten.

  1. Pistenbergsteigen
  2. Sich am Wochenende auf den Weg in die Südalpen zu machen

So kam es, dass ich öfters Samstag früh, oder besser gesagt in der Nacht von Freitag auf Samstag im Auto auf dem Weg nach Italien saß. Bis Mitte Januar war selbst das Hahntenjoch noch geöffnet, ab dann hieß es, sich irgendwie durch das Nadelöhr Fernpass zu zwingen. Das Anpassen an die jeweiligen Verhältnisse betrifft nicht nur das ausgewählte Tourenziel, sondern in einem Autofahrerwinter auch die Anfahrt. Den regelmäßigen Wochenendstau am Fernpass konnte man mit antizyklischen Fahrzeiten weitgehend vermeiden. Da selten einmal ein Auto mit weniger als drei Personen besetzt war, hielten sich die Kosten trotz den Wegelagerern der ASFINAG in Grenzen. Doch über den ganzen Winter gerechnet , kam doch ein ordentlicher Betrag zusammen. Brenner-Landstraße fahren, wenn am gleichen Tag noch eine ausgedehnte Dolomitentour auf dem Programm steht, das strapaziert den ohnehin schon straffen Zeitplan zusätzlich.

Überraschender Weise gelang es jedes mal, doch eine Unterkunft für eine oder zwei Nächte zu finden.

Ab April war dann mit längeren Tagen und milderen Nächten eh wieder das Parkplatzbiwak angesagt. Letzteres erspart eine zeitaufwendige Quartiersuche erhöht die Flexibilität und fördert den besonders im Frühjahr wichtigen zeitigen Aufbruch.

Zufritt 4
Anfang Mai 2014. Aufstieg zur Zufrittspitze im Ultental, Südtirol
Pala
Die Palagruppe Anfang Juni 2014 . Noch ist die Abfahrt ins Tal möglich
Waldabfahrt Dolos
Frühsommerliche Waldabfahrt in den Dolomiten
Palü 2
Ende Mai 2014. Pulverschnee am Piz Palü, Engadin

Während sich die Klimaflucht in den Süden im Hochwinter noch auf ca. zwei Fahrten pro Monat beschränkte, erhöhte sich die Frequenz im Mai und Juni bald auf wöchentliche Fahrten. Grund dafür, war, dass im Mai die im Winter vergeblich erwarteten Nordstaulagen die Nordalpen mit Niederschlägen eindeckten, während im Süden die Sonne lachte.

Stelli 1
Abfahrt vom Stellihorn, südliche Walliser Alpen Ende Juni 2014

Am 22. Juni, einen Tag nach der Sommersonnwende endete für mich der Autofahrerwinter 2013/-14 mit einer Skitour auf das Stellihorn im südlichen Wallis. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob eine Tour nach der Sonnenwende nicht schon dem Winter 2014/-15 zuzurechnen ist.

Wie dem auch sei, hoffen wir für 2014/-15 wieder auf einen „Nordstauwinter“ damit man so manche Stunde anstatt im Auto, im Bett oder auf den Skiern, so manchen Euro anstatt für Benzin und Maut für eine gute Einkehr investieren kann.

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3 Kommentare zu „Südwinter sind Autofahrerwinter Resümee zum Winter 2013/14“

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