Zum Teufel mit der Nachhaltigkeit

Zum Teufel mit der Nachhaltigkeit

Begriffserklärung Nachhaltigkeit

Als nachhaltig bezeichnet man etwas, dessen Wirkung lange anhält und sichtbar oder spürbar ist.

Das kann positiv oder negativ sein. Zum Beispiel  eine standortgerechte Waldbewirtschaftung. Die positiven Folgen können Jahrzehnte, Jahrhunderte anhalten. Aber auch der Zweite Weltkrieg. Dieser hat Europa nachhaltig verändert.

Meist ist dieser Begriff zu Unrecht ausschließlich positiv belegt. Man verbindet damit oft schonenden Umgang mit der Natur und den Ressourcen. Der Begriff wird inzwischen inflationär für beinahe jeden Mist verwendet, wenn man seine Mitmenschen, Kunden, Gäste von irgend Etwas überzeugen möchte.

Real existierende Nachhaltigkeit

Für Alpinisten und Reisende bedeutet Nachhaltigkeit: unflexibel, teuer, kompliziert.

Besonders dann, wenn sich die Tourismuswirtschaft mit dem Naturschutz zu verbünden und ein Besucherlenkungskonzept verabschieden. Das führt in der Regel dazu, dass der Besucher gezwungen wird, irgend Etwas zu konsumieren, dass er gar nicht braucht, er ist in der Flexibilität eingeschränkt. Genau das Gegenteil von dem Ideal des „freien und eigenständigen Reisen und Bergsteigen“.

Real existierende Nachhaltigkeit ist häufig an einem Schilderwald, Parkscheinautomaten, Biwakverboten, Betretungsverboten, absichtlich verfälschten Wander- und Tourenkarten, den Zwang auf unflexible öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen und einer oftmals überteuerten Gastronomie zu erkennen.

Eigenverantwortlicher Alpinismus

Eigenverantwortlicher Alpinismus bedeutet keineswegs zwangsweise Konsumverzicht und spartanische Biwaknächte. Eigenverantwortlicher Alpinismus bedeutet sein Ziel an die Natur, das Wetter, die aktuellen Verhältnisse, an den Schnee und den Fels anzupassen. Damit verbunden ist eine hohe Flexibilität und spontane Entscheidungen. Langfristige Hüttenreservierungen, Hotelbuchungen, zeitliche oder quantitative Zugangsbeschränkungen stehen diesen Sachzwängen häufig entgegen.

 

Beispiel Matterhorn

Bis 2013 war es  üblich, dass man, sofern die Hörnlihütte belegt war, in deren Nähe die Nacht in einem (Zelt)-Biwak verbrachte. Die Vorteile lagen klar auf der Hand. Man blieb zeitlich flexibel, war nicht an eine Reservierung gebunden und konnte den Aufstieg zu einer beliebigen Zeit beginnen.

Quelle: alpin.de
Quelle: alpin.de

Im Jahr 2014 wurde die die alte Hörnlihütte abgerissen. Während an deren Stelle eine neue Bergunterkunft entsteht, deren oberste Priorität die „Nachhaltigkeit“ ist, wurde ein Stück weiter unten ein Lager aus Aluzelten errichtet. Natürlich sind diese auch nachhaltig. Gleichzeitig wurde ein Camping- und Biwakverbot erlassen

Unser Zelt im Oktober 2011 am Matterhorn. Damals noch erlaubt
Unser Zelt im Oktober 2011 am Matterhorn. Damals noch erlaubt

Wer 2014 von der Schweizer Seite aufs Matterhorn wollte, war also gezwungen, für 150,– CHF pro Person und Nacht in einem dieser Aluzelte zu übernachten. Waren die insgesamt 50 Plätze ausgebucht, so hatte man Pech gehabt. Für ein Biwak zwischen Schwarzsee und alter Hörnlihütte drohen nun Strafen bis zu 5.000,– CHF. Ein Zutritts- und Permitsystem durch die Hintertüre. Bei geeigneten Verhältnissen waren die Plätze meist durch Bergführer mit ihren Gästen belegt.

Zur rechten Zeit am rechten Ort. Ein sonniger Herbsttag auf dem Gipfel des Matterhorns
Zur rechten Zeit am rechten Ort. Ein sonniger Herbsttag auf dem Gipfel des Matterhorns

Dem Zeitgeist entsprechend wird das Ganze natürlich mit Naturschutz und Nachhaltigkeit begründet. Das beginnt mit dem teuren Parkplatz in Täsch, der obligatorischen Zugfahrt und endet mit der langfristigen Reservierung eines Schlafplatzes.

Das Ganze noch mit Naturschutz zu begründen erscheint angesichts der verdrahteten und planierten Bergwelt und den alltäglichen Hubschrauberrundflügen schon sehr an den Haaren herbei gezogen.

Die alte Hörnlihütte im Schatten des Horns. Ganz klein rechts unten unser Zelt
Die alte Hörnlihütte im Schatten des Horns. Ganz klein rechts unten unser Zelt

2015 soll die neue Hörnlihütte eröffnet werden. Nachhaltig und komfortabler soll sie sein. Und kleiner – um den Massenandrang entgegenzuwirken und das Matterhorn zu entschleunigen. Glücklich, wer künftig einen der Plätze an einem Tag reservieren konnte, an dem Wetter und Verhältnisse passen. Ansonsten bleibt noch den Berg von Italien aus zu besteigen oder sich einen rüpelhaften zermatter Bergführer anzuvertrauen, der einem für rund 1.000,– CHF zum begehrten Gipfel hinaufzerrt.
Beispiel Dent Blanche

Vom kostenlosen Parkplatz am Talschluss folgt man dem langen, anstrengenden Weg hinauf zur kleinen gemütlichen Dent-Blanche-Hütte. Sollte diese, wie in unserem Fall belegt sein, so packt man ein Leichtzelt und einen Schlafsack ein und nächtigt ein Stück unterhalb am Rand des Gletschers. Gut, bei rechtzeitigen Reservierung auf der Hütte wäre der Rucksack leichter gewesen, die ganze Tour etwas komfortabler. Dafür haben wir den Berg spontan an einem Tag bestiegen, an dem Wetter und Verhältnisse einfach nicht zu überbieten waren. Im Tal ließen wir uns dann ein walliser Raclett schmecken.

Wir haben keine Spuren und keinen Müll zurückgelassen. Am Berg kein Geld gebraucht. Das war zwar nicht nachhaltig. Aber nachhaltig will ich auch gar nicht sein.

Allgäu

Auch im Allgäu wird in Verbindung mit dem Naturpark Nagelfluhkette oder dem „Bergsteigerdorf Hinterstein“ gerne die Nachhaltigkeit strapaziert.  —> Wehret den Anfängen.
Weiterführende Links und Zitate

Die Nachhaltigkeit hat oberste Priorität

Quelle: http://www.hoernlihuette.ch/home.html

Wer dem „Konsens“ dann nicht zustimmt, kann somit nur verrückt, böswillig oder korrupt sein: Statt Argumenten setzt es dann Hiebe mit der Moralkeule. Verkürzt lässt sich der deutsche Mainstream-Konsens so zusammenfassen: mehr soziale Gerechtigkeit, mehr Nachhaltigkeit, mehr Pazifismus, weniger Markt, weniger individuelle Freiheit, mehr Staat.

Quelle: http://www.cicero.de/salon/politisch-korrekt-die-gleichschritt-gesellschaft/57080

Ob Bananen, Olympische Spiele, Hotels oder Konsumgüter – alles muss heute „nachhaltig“ sein. Doch der Begriff ist oft Etikettenschwindel. Wir sollten ihn meiden.

Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/nachhaltigkeit-bojanowski-ueber-bedeutung-des-begriffs-im-umweltschutz-a-982513.html

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s