Schneehöhen: Das Lechtal holt auf

Jeder Winter verläuft anders, doch bei längerfristigem Betrachten finden sich meist gewisse Häufungen und Regelmäßigkeiten.

Lassen wir mal die Entwicklung der Monate Oktober und November außen vor und beginnen unsere Betrachtung mit dem ersten dauerhaften Wintereinbruch.

Die Topographie der betrachteten Region (Allgäu, Außerfern, Bregenzer Wald) spielt bei der regelmäßig wiederkehrenden Schneeverteilung eine entscheidende Rolle. Die Ostalpen ragen östlich des Rheintals ein ganzes Stück weiter nach Norden hervor als die jenseits des Rheintals gelegenen Westalpen. Somit bremsen sie bei West oder Nordwestströmung regelmäßig auch die am Alpenrand entlang geschobenen Schnee- und Regenwolken aus. Diese beglücken dann im besonderen Maße den Bregenzer Wald und das westliche Oberallgäu.

Bei einem reinen Nordstau wird in der Regel der gesamte Alpennordrand mit Niederschlägen eingedeckt. In diesem Fall auch die Grüntenregion, das Ostallgäu und das Tannheimer Tal.

Je nach Stärke der anströmenden Fronten erwischt es eher die allerersten Erhebungen am Alpenrand oder die ersten großen Berge bzw. das unmittelbare Lee dahinter.

In den Lechtaler Alpen kommt in der Regel nur etwa die Hälfte von dem an, was in den typischen Schneelöchern im Allgäu und Bregenzer Wald gefallen ist. Allenfalls bei markanter Westströmung Profitiert die Region Steeg-Kaisers noch vom Leeniederschlag. Bei einer starken Nordströmung lässt der bei Füssen offene Alpenrand, die Stauniederschläge bis Berwang-Namlos reichen

Die andere Größe ist die Schneefallgrenze.

In abgeschlossenen alpinen Tälern liegt diese zumindest im Hochwinter meist deutlich tiefer. Insbesondere dann, wenn bei einem Warmfrontniederschlag die Kaltluft nicht so einfach aus einem Alpental davon geschoben werden kann. Was natürlich voraussetzt, dass das betroffene Tal, nicht genau in der Strömungsrichtung der Front verläuft.

Haben wir es schließlich mit einer länger anhaltenden, stürmischen und milden Westwetterlage zu tun, verlieren die Berge am Alpenrand ihren Vorsprung bei der Schneehöhe rasch. Während am Hochgrat bei Oberstaufen in 1300 m Höhe (Station Hörmoos) der zuvor gefallene Meter Schnee rasch dahin schmilzt, bleiben die 30 cm in  Boden (Hahntenjoch) in etwas gleicher Höhe weitgehend erhalten.

Hörmoos 05.01.2015

Boden 11.1.2015
Betrachten wir die Station Hochgrat-Hörmoos (westliches Oberallgäu) und Boden (Hahntenjoch) Beide Stationen liegen in etwa der selben Höhe. Am Hörmoos betrug der Verlust der Schneedecke seit Neujahr rund 70 cm und ging de facto auf 0 zurück, in Boden wirkte sich der warme Regensturm deutlich schwächer aus. Es blieb sogar noch etwas Altschnee liegen. Der Neuschneezuwachs vom 11.1. fiel ebenfalls geringer aus. Beide Stationen liegen nun ungefähr gleich.

Hörmoos 11.01.2015

Obermarkter 11.1.2015
Werfen wir nun noch ein Blick auf Südseite der Lechtaler Alpen. Die Warmfront vom Samstag, 10.1 2015 führte nur zu einem Verlust von ca. 10 cm Diese Station hat die Station Hörmoos bereits überholt.

Je nach Verlauf des Winters holen die Lechtaler Alpen bis zum Spätwinter in punkto Schneehöhe deutlich auf. Erst mit stärkerer Sonneneinstrahlung im Frühling stoppt das sonnenreichere und trockene inneralpine Klima den Überholvorgang wieder.

Nachstehend noch ein paar Niederschlagsdaten: Quelle DWD bzw. ZAMG

Balderschwang (westliches Oberallgäu)         2450 l/m²

Oberstdorf (südliches Oberallgäu)                     1831 l/m²

Holzgau (Lechtal)                                                            1335 l/m²

Imst (Tiroler Oberland)                                                  789 l/m²

Die typischen Schneelöcher liegen regelmäßig dort, wo eine mächtige Bergkette vor zu viel Sonne und den milden Westwinden schützt, gleichzeitig noch nah genug am Alpenrand, sprich meist im Lee der ersten großen Bergkette.

Als Beispiel seien genannt: Baad/Kleinwalsertal, Schröcken/Bregenzer Wald, Giebelhaus/Ostrachtal.

IMG_3830
Das Obertal mit Schochen und Seekopf. Ein typisches Allgäuer Schneelochtal. Nah genug am Alpenrand um noch den vollen Stauniederschlag (bzw. das unmittelbare Lee davon) zu bekommen, tief genug im Gebirge drin, um vom warmen Westwind geschützt zu sein. Aufnahme vom 10.1.2015. Der Talboden liegt etwa 1100 m hoch. An vielen Stellen war in dieser Höhenlage zu dieser Zeit die Schneedecke völlig verschwunden.

Der erfahrene Skibergsteiger weiß diese oft wiederkehrende Regelmäßigkeit zu nutzen und beginnt seine Tätigkeit meist in den Vorbergen des westlichen Oberallgäus  um die dann im Laufe des Winters über das Kleinwalsertal, den Bregenzer Wald in die Allgäuer Hochalpen und das Lechtal zu verlagern. Das Skitourenfinale findet schließlich häufig am Arlberg oder am Großen Wilden im Ostrachtal statt.

Messwerte zum vergleichen für Interessierte:

Messtationen

Fellhorn, Jöchlspitze Obermarkter Alm

http://www.lawinenwarndienst-bayern.de/daten_meldungen/messstationen/

https://apps.tirol.gv.at/hydro/#/Schneeh%C3%B6he?station=101170

sowie

Hochgrat Hörmoos und Boden

Diese Betrachtung beschreibt die Situation im Allgäu, Außerfern  und Bregenzer Wald uns ist nicht repräsentativ für andere Alpenregionen.

Advertisements

Ein Kommentar zu “Schneehöhen: Das Lechtal holt auf”

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s