Tourenbindung Diamir Vipec 12: Der Erste Eindruck

Lange Zeit konzentrierte sich Fritschi auf die Herstellung konventioneller Rahmenbindungen. Im vergangenen Winter 2013/14 betrat nun auch Fritschi den wachsenden Markt der „Pin-Bindungen“. Die Vorteile dieses Bindungstypus  liegen klar auf der Hand: Geringes Gewicht und damit Aufstiegskomfort.

Die Nachteile waren der geringere Einstiegskomfort, sowie die Sicherheit. Im Aufstiegsmodus löst die klassische Pin-Bindung nicht aus, was zu schwerwiegenden Folgen im Falle eines Sturzes im hartgefrorenen Steilgelände oder bei einer Lawinenverschüttung im Aufstieg haben kann.

Diese gravierenden Nachteile hat Fritschi nun mit der Vipec 12 beseitigt. Nach Angaben des Herstellers ermöglicht die Fronteinheit über eine vollfunktionierende Seitwärtsauslösung  auch im Aufstieg.

Vipec Ifen
Mit der neuen „Diamir Vipec 12“ auf Tour. Blick vom Hohen Ifen über das Rheintal hinweg zum Säntis

Seit zehn Tagen bin ich in Besitz einer „Diamir Vipec 12“ Tourenbindung. Montiert ist diese auf einem „K2 way back“ in 174 cm Länge.

Die ersten 3000 Höhenmeter hat dieses Paar unter meinen Füßen nun hinter sich. Das es nicht mehr geworden sind, liegt daran, dass ich in diesem immer noch schneearmen Winter den neuen Ski schonen wollte und somit auf meine alte Ausrüstung zurück gegriffen habe.

Diese 3000 Höhenmeter legte ich bei überwiegend weichen Pulverschneeverhältnissen zurück. Keine Stresstest also für eine Bindung. Keine seitwärts wirkenden Kräfte, wie sie beim Aufstieg auf einer hart gefrorenen Schneedecke entstehen. Kein kräftiges Treten um vor einer Spitzkehre einen sicheren Stand zu erhalten. Die Harscheisen verwendete ich nur einmal um zu sehen, wie sie überhaupt funktionieren. Eine Belastungsprobe war damit nicht verbunden.Vipec 2

Vipec harscheisen
Die Harscheisen lassen sich leicht bedienen.

Die Harscheisen wirken solide und lassen sich leicht montieren.

Der erste Eindruck ist positiv. Optisch überwiegt Kunststoff. Für eine „Pin-Bindung“ empfinde ich den Einstieg überraschend komfortabel. Die Steighilfe (aus Kunststoff) lässt sich leicht bedienen, ebenso die Umstellung vom Aufstiegs- in den Abfahrtsmodus.

 Mögliche Probleme:

Die Kinderkrankheit der ersten Serien, nämlich das Verlieren des Pin, wurde lt. Angaben des Herstellers beseitigt. Das Problem, dass sich beim Aufstieg im Hartschnee, insbesondere bei Spitzkehren, die Fronteinheit vom Schuh löst, konnte ich nicht feststellen. Allerdings habe ich die Bindung noch nicht unter solchen Bedingungen getestet. Dieses Problem hatte ich in der Vergangenheit mit einer Pin-Bindung eines anderen Herstellers.

Wie stabil sich unter Dauerbelastung etwa bei einer mehrtägigen Skidurchquerung oder auf Expedition das gesamte System erweisen wird dazu kann ich derzeit noch keine Angaben machen. Vor allem stellt sich die Frage, wie stabil  der Kunststoff im Dauereinsatz ist. Wie gut lässt sich etwas reparieren, wenn der nächste Fachhändler mehrere Tagesmärsche oder Flugstunden entfernt ist?

Wie gesagt: Das sind nur Überlegungen.  Keines dieser Probleme ist bisher aufgetreten. Mein erster Eindruck ist durchwegs positiv.

Technische Daten lt. Hersteller:

DIN 5 –12 (Z-Wert)

Skibreite > 67mm

Gewicht 470 g / Einheit ohne Skistopper

Skistopper, Optionen

serienmässige Ausstattung 80 / 90 / 100 / 115

Das Diamir SAFETY PIN SYSTEM enthält mehrere patentierte

Technologien, welche auch bei durchgebogenem Ski eine definierte

Auslösung ermöglichen.

Kompatibel mit allen gängigen Skitourenschuhen mit entsprechenden Inserts.

http://www.diamir.com/produkt/diamir-vipec-12/

Ein weiterer Erfahrungsbericht erscheint an dieser Stelle am Ende des Winters

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3 Kommentare zu “Tourenbindung Diamir Vipec 12: Der Erste Eindruck”

  1. Hi Kristian,
    erst mal Glückwunsch zum eigenen Blog, habe schon mit viel Gewinn darin gelesen.
    Ich hätte einen Ergänzungsvorschlag zu Deinem Vipec Artikel: Füge doch noch hinzu, wie Du darauf gekommen bist einen Artikel darüber zu schreiben und wie Du zu der Bindung gekommen bist. Bei Gensweins Schaufeltest fand ich es zum Beispiel sehr beruhigend zu lesen, dass alle Schaufeln selbst im Bergsportgeschäft gekauft wurden…
    Bin schon gespannt auf Deine nächsten Artikel,
    Grüße Claudius

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  2. Nach einer Saison mit Vipec, u.a. einem Transalp über eine Woche mit mehreren Steilabfahrten kann ich folgende Erfahrungen geben.

    Pro:
    – Umstellen von Abfahrt auf Aufstieg und umgekehrt sehr komfortabel
    – Harscheisen greifen auch mit Steighilfe besser als bei vergleichbaren Bindungen.
    – Sicherheitsfunktion (keine Fehlauslösungen).
    – Umstellen der Steighilfe geht sehr leicht.
    – Trotz des ersten Eindrucks mit relativ viel Plastik hat die Bindung auch bei extremen Verhältnissen während etwa 20 Touren nicht enttäuscht.

    Contra:
    – Die Steighilfe ist in der obersten Stufe viel zu niedrig. Mit meinen Skischuhen (Scott Cosmos II) drücke ich bei steileren Anstiegen teilweise unangenehm gegen das Schienbein.
    – Die Harscheisen sind relativ schwer.
    – Einsteigen finde ich persönlich schwieriger wie bei Dynafit.
    – Mit Vereisung im Frontbereich hatte ich einmal richtig Mühe, überhaupt wieder in die Bindung zu kommen. Da es viele Vertiefungen im Vorderbackenbereich gibt, ist es auch sehr schwierig Vereisungen ohne Zuhilfenahme von Werkzeug zu entfernen.
    – Der vordere Hebel zum fixieren bei Aufstieg ist sehr leichtgängig. Bei schwerem Schnee passierte es mir gelegentlich, dass dieser Hebel selbständig von „Ski“ auf „Aufstieg“ umklappte, womit die Sicherheitsfunktion blockiert ist.
    – Skibremse und Harscheisen gibt es nur in der Stufe 90mm und 110mm. Dies ist mir leider erst nach dem Skikauf aufgefallen. Mein Ski hat unter der Bindung 94mm Breite. Sowohl Harscheisen wie Skibremse ragen deutlich über den Ski hinaus.

    Fazit:

    Derzeit würde ich die Bindung eher wieder nehmen, gerade weil ein Freund von mir sich mit dem Konkurrenzprodukt einen Wadenbeinbruch zugezogen hatte und der Sturz mit Dreheinwirkung unter vollständig durchgebogenem Ski ereignet hat. Hier dürfte die Vipec deutlich mehr Sicherheitsreserven bieten. Der Komfort der Umstellung ist schon sehr angenehm, insbesondere bei häufigen Gegenanstiegen. Das oft gemeldete Problem zum Öffnen der Bindung in steilen und harten Anstiegen war hingegen kein Problem. Beim Kauf sollte man aber achten, dass man einen zu der Bindung passend breiten Ski wählt.

    Fritschi hat aber noch einiges an Verbesserungspotential, z.B. wären Harscheisen/Skistopper in 100mm Breite eine leicht umzusetzende Verbesserung ebenso wie eine höhere Steighilfe.
    Langfristig könnte man vielleicht den Frontbacken etwas vereisungssicherer gestalten. Im Gewicht, insbesondere der Harscheisen, liässt sich mit wenig Aufwand noch viel machen; insbesondere die 110er Harscheisen sind echte Platzfresser im Rucksack.

    Gruß,
    Christian

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  3. Hallo Christian,

    danke für Deinen Bericht, der sich mit meinen Erfahrungen deckt.

    Ein Hinweis zu diesem Punkt:
    – Der vordere Hebel zum fixieren bei Aufstieg ist sehr leichtgängig. Bei schwerem Schnee passierte es mir gelegentlich, dass dieser Hebel selbständig von “Ski” auf “Aufstieg” umklappte, womit die Sicherheitsfunktion blockiert ist-

    Die Vipec hat bei beiden Verriegelungen immer ein offene Sicherheitsfunktion (Auslösung)
    Einzig was mir mehr taugen würde wäre, wenn sich der Z-Wert Linear im Verrigelten Modus als „fester“ dartsellen würde.

    Gefällt mir

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