Gleitschnee- Ein tückisches Risiko

Gleitschneelawinen sind eine unberechenbare Lawinenart. Es ist kaum möglich, vorherzusagen, wann sie abgehen. Ein gewisse Häufung gibt es zwar bei starker Sonneneinstrahlung oder Regen, doch wurden Gleitschneelawinen auch schon in kalten und klaren Nächten beobachtet: Gleitschneelawinen haben einen völlig anderen Auslösemechanismus als Schneebrettlawinen. Bei Gleitschneelawinen gibt es keine Schwachschicht innerhalb der Schneedecke, die durch Zusatzbelastung gestört werden kann, wie dies bei Schneebrettlawinen der Fall ist. Gleitschneelawinen gleiten am glatten Boden ab. Die Voraussetzung dafür: Der Schnee muss am Boden feucht sein. Je feuchter, desto geringer die Reibung, desto leichter kommt der Schnee ins Gleiten, desto wahrscheinlicher sind Lawinenabgänge.

Eine Gleitschneelawine löst sich. Gleich einem kalbenden Gletscher unabhängig von der Tageszeit an einem kalten, sonnigen Morgen am 26.02.2015 am Laufbichler Kirche Foto: J. Sutter
Eine Gleitschneelawine löst sich. Gleich einem kalbenden Gletscher unabhängig von der Tageszeit an einem kalten, sonnigen Morgen am 26.02.2015 am Laufbichler Kirche
Foto: J. Sutter

Eine gewisse Häufung ist im Frühwinter zu beobachten, wenn es einen warmen, glatten Grasboden überschneit hat oder bei und nach starker Tageserwärmung. Warum nach? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Eine Möglichkeit ist, dass tagsüber durch die sich gebildeten Risse Wasser bis zum Boden vordringt und sich langsam zwischen Schneedecke und dem glatten Boden, in dem es nicht eindringen kann, ausbreitet. Die Wirkung folgt also verspätet. Eine andere Möglichkeit ist, dass nach einem warmen Tag der Schnee wieder oberflächlich gefriert, die Schneedecke weniger plastisch wird und dadurch Spannungen entstehen, die zum Bruch führen können. Werner Munter bezeichnete dieses Phänomen auch als „Abendlawine“

Vorsorgliche Lawinensprengungen ergeben bei Gleitschnee keinen Sinn, da die Schneedecke in dem Betroffenen Bereich in der Regel frei von Schwachschichten ist.

Neben  steilen, glatten Grashängen, wie sie in den Allgäuer und Lechtaler Alpen häufig vorkommen sind auch glatte Granitplatten betroffen

 Welches Risikomanagement ist angemessen?

  1. Grundsätzlich gilt es, den Bereich unter offenen Gleitschneemäulern zu vermeiden oder diesen rasch und in der Gruppe einzeln zu durchqueren.
  2. In den kritischen Perioden im Frühwinter, starker Erwärmung oder Regen entsprechendes Gelände (glatte Grashänge, Granitplatten) zu meiden.
  3. Weitere Punkte sind gute Ortkenntnisse (was ist unterm Schnee) und Kenntnisse des Wetterverlaufes über den gesamten Winter (hat es warmen Boden geschneit, oder war dieser gefroren)
  4.  Natürlich geben die aktuellen Lawinenwarndienste täglich Hinweise zu dieser Problematik. Diese sind jedoch in der Regel im Text erwähnt, da sie schlecht in das Schema der „Bayrischen Matrix“ passen.

 

Ein positiver Aspekt noch zum Risiko: Wahrend Schneebrett- und Lockerschneelawinen meist genau dann losbrechen, wenn ein Skifahrer den kritischen Hang befährt, (sie werden ja durch diesen ausgelöst) brechen Gleitschneelawinen einfach irgendwann los. Die Wahrscheinlichkeit, dass man davon betroffen ist, bleibt gering, sofern man sich nur kurz im potentiellen Einzugsbereich aufhält

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Ein Kommentar zu “Gleitschnee- Ein tückisches Risiko”

  1. Früher konnte man lesen bzw. war teilweise die Lehrmeinung, dass ein Hang unter einem Gleischneemaul sicher sei, weil sich der Hang entlastet hat. Das Gegenteil hat ein Erblebis bei uns in Osttirol im März 2001 gezeigt. Es war im Villgratner Tal, Skitour „Pürgeles Kunke“. Warmlufteinbruch, wir sind früh los und zeitig ca. 10.30 Uhr abgefahren. Nach einer einzeln befahrenen Querung unter einem breiten Gleitschneemaul hat sich kurz nach unserem Zusammentreffen an einem Sammelpunkt eine rießige Gleitschneelawine gelöst. Wären wir 10min später abgefahren, wäre das der sichere Tod gewesen.

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