„Die Grünen“ fordern mehr Besucherlenkung im Alpenraum

Um eines vorweg zu nehmen. Die Grünen waren für unsere Gesellschaft wichtig. Zur Zeit ihrer Entstehung haben sie das damals noch in Ansätzen erkennbare Meinungsdiktat von Kirche, Konservativen und Altnazis zum Einsturz gebracht. Ebenso verdanken wir ihnen, dass in der Gesellschaft die Erkenntnis angekommen ist, dass grenzenloses Wachstum und Konsum in die Sackgasse führen kann. An ihrem Beginn standen sie auch für Toleranz und Freiheit. Von Freiheit ist bei den Grünen heute nicht mehr viel zu spüren. Empörung wegen Nichts,  Dagenpositionen und die Forderungen nach Einschränkung der selbstbestimmten Lebensgestaltung prägen heute das Bild dieser Partei.   Das betrifft auch den Alpinismus im Bayerischen Alpenraum. Gemäß einem Antrag  vom 6.5.2015 im Bundestag fordern „die Grünen“

bestehende erfolgreiche Konzepte der Besucherlenkung im Alpenraum, wie etwa die Ergebnisse des vom Deutschen Alpenverein aufgebauten Systems „Skibergsteigen umweltfreundlich“ in Deutschland deutlich auszuweiten und im Dialog mit den anderen Alpenstaaten schrittweise zur alpenweiten Anwendung bringen;

Quelle: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/048/1804816.pdf  Das in dem verlinkten Dokument auf vier Seiten 18 mal das nichtssagende Unwort „nachhaltig“ vorkommt, darüber mag man vielleicht noch schmunzeln. Darüber, dass  der Besucher und Bewohner der Alpen zu einem „nachhaltig gelenkten Freizeitkonsumenten“ werden soll, darüber kann man schon weniger lachen. Darüber, dass  dem DAV,  dessen Führungskreis von alpenfernen, ökologisch angehauchten und fern der alpinen Realität positionierten Städtern dominiert wird, die Deutungshoheit zugesprochen wird, was nun als umweltfreundliche Skitour gilt und was nicht, darüber kann man auch nicht wirklich lachen. Keine Frage, punktuelle Besucherlenkung kann unter bestimmen Voraussetzungen nötig und sinnvoll sein. Beispielsweise dort, wo verschiedene Interessen kollidieren, um einen wertvollen Wildeinstand herum zu lenken oder einfach die optimale Route durch die Waldzone zu beschildern. Das wird in Österreich  teils recht erfolgreich im Obernberger Tal, im Schirmtal und im Sellrain praktiziert. Nun beschränkt sich der ÖAV mit seiner Lenkung auf Brennpunkte:

Lenkung von Tourengehern nur an Brennpunkten?

Birgit Kantner, zuständig für Lenkungsprojekte im Österreichischen Alpenverein (ÖAV), berichtete über die Erfahrungen auch bei anderen Tiroler Skitouren-Lenkungsprojekten und erläuterte den grundsätzlichen Ansatz des ÖAV: Lenkungsinitiativen werden nur an Brennpunkten mit hohem Handlungsbedarf unterstützt und mit bewährten Methoden bearbeitet. Eine flächendeckende Bearbeitung ganzer Tourenregionen oder Bundesländer ist nicht vorgesehen und wird aufgrund der Weiträumigkeit des Tourengeländes in Österreich auch nicht für erforderlich gehalten.

Der DAV hingegen hält eine flächendeckende Lenkung für nötig.

 Aufgrund des enormen Besucherdrucks in den eher kleinräumig strukturierten Bayerischen Alpen und dem damit verbundenen weit verbreiteten Handlungsbedarf, ist diese Region im Rahmen der Projekte „Skibergsteigen umweltfreundlich“ des DAV und „Wildtiere und Skilauf im Gebirge“ des Bayerischen Umweltministeriums während der letzten 20 Jahre flächendeckend bearbeitet worden.

http://www.alpenverein.de/natur-umwelt/erfahrungsaustausch-natuerlich-auf-tour-vergleich-von-skitouren-lenkungskonzepten-in-bayern-und-tirol_aid_15394.html Doch selbst das ist den Grünen  nicht genug. Das Konzept soll „deutlich ausgeweitet“ werden und alpenweit eigeführt werden. Was für eine moralische Überheblichkeit unseren Nachbarländern noch ein Konzept aufzudrängen, das keineswegs so erfolgreich ist, wie gerne mal behauptet wird.  Rückblickend kann man sagen, dass im Zuge von „Skibergsteigen umweltfreundlich“ schlafende oder nicht vorhandene Probleme auferstanden sind, die anschließend am „runden Tisch“ unter großem Zeitaufwand mal erfolgreich, mal weniger erfolgreich wieder gelöst wurden.  Mit einer Beschränkung auf die Brennpunkte wäre so manche überflüssige Diskussion erspart geblieben. Doch damit nicht genug. Jetzt fordern die Grünen, das ganze noch deutlich auszuweiten. Werfen wir noch einen Blick auf die Personen, die im Namen der Grünen diesen Unsinn fordern.

Antrag

der Abgeordneten Markus Tressel, Dr. Anton Hofreiter, Steffi Lemke, Dr. Valerie

Wilms, Claudia Roth, Annalena Baerbock, Bärbel Höhn, Sylvia Kotting-Uhl, Oliver

Krischer, Christian Kühn (Tübingen), Peter Meiwald, Dr. Julia Verlinden, Harald

Ebner, Matthias Gastel, Stephan Kühn (Dresden), Nicole Maisch, Friedrich

Ostendorff und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Keine dieser Personen stammt aus dem Alpenraum. Keiner dieser Personen hat sich als Alpinist oder Skibergsteiger einen Namen gemacht. Sie maßen sich aber an, zu bestimmen, was im Bayerischen Alpenraum und in den anderen Alpenländern zu geschehen hat.  Claudia Roth stammt wenigstens aus dem Unterallgäu und es ist bekannt, dass sie hin und wieder auf den künstlich beschneiten Pisten in Grasgehren Ski fährt. Ist das nicht ein bisschen inkonsequent? Ob sie dorthin mit Bus und Bahn anreist, so wie das von den Grünen gefordert wird?  Eine Skitour hat sie, ihrer Figur nach zu urteilen, noch nie gemacht. Unterzeichnet haben den Antrag Anton Hofreiter und Katrin Göring Eckardt. Erster stammt aus Bayern. Da ist es vielleicht noch denkbar, dass ein gewisser  praktischer Bezug zum Alpenraum vorhanden ist. Die Andere stammt irgendwo aus der DDR, meint aber den Alpenbewohnern und den Touristen des Alpenraums eine deutlich ausgeweitete Besucherlenkung aufdrücken zu müssen. Im Zuge einer ausgewogenen Berichterstattung weise ich darauf hin, dass der Antrag auch Sätze enthält, die man ohne Weiteres unterschreiben kann.

Umso wichtiger erscheint es, über die Förderung nachhaltiger Innovationen und wirtschaftlicher Betätigung der Unternehmer vor Ort, regionale Wertschöpfung, langfristige und saisonunabhängige Arbeitsverhältnisse, sowie klima- und umweltverträgliche Urlaubsangebote zu stärken

Soweit so gut. Für einen Menschen der die Freiheit der Berge liebt, der sich gerne eigenständig und eigenverantwortlich in der Natur bewegt, bleibt eine Partei , die eine deutliche Ausweitung der Besucherlenkung fordert ein „no-go“. Die Alpen sind vielfältig von ihren  Landschaften und von ihren  wirtschaftlichen Strukturen. Der Alpenraum hat genügend helle Köpfe herausgebracht. Innovative und bewahrende, fortschrittliche und konservative. Da braucht es keine Forderungen von alpenfernen Theoretikern mit ihrer moralischen Überheblichkeit. Die Grünen wird es nach wir vor geben und das ist gut so. Ich wünsche sie mir als Oppositionspartei mit knapp über 5%, die hin und wieder mal kritisch hinterfragen. Keines Falls  mehr und keines Falls in der Regierung.

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7 Kommentare zu “„Die Grünen“ fordern mehr Besucherlenkung im Alpenraum”

  1. Es tut immer wieder gut, daß es noch Leute gibt welche die Grüne Scheinheiligkeit enttarnen. Danke Kristian.

    Es ist schon paradox, daß die Grünen die bayerischen Vorberge vor den Tourengehern schützen wollen, gleichzeitig aber mit fanatischem Eifer die totale Zerstörung der deutschen Mittelgebirgshöhen mit 200 Meterhohen Windradgiganten fordern.
    In den deutschen Bundesländern wo die Grünen mit in der Regierung sind, sind die Eingriffe in Natur und Landschaft am Größten.

    Dort wo es um diese Technik geht sind sie auf beiden Augen blind für die Schäden die sie an der Natur anrichten. Dort zählt kein Landschaftsschutzgebiet und kein Naturpark.
    Wenn in Stuttgart für einen Bahnhof einige Bäume im Stadtpark gefällt werden ketten sich die Grünen daran und besetzen die Bäume.
    Wenn sich Buldozer den Weg durch deutsche Wälder bahnen für den 100 Tonnen Kran und pro Windrad 2 Hektar Wald abgeholzt wird, ist von der grünen Kaste keiner zu sehn.
    Opfer müssen schließlich gebracht werden für die Rettung des Klimas und der Menschheit.
    Geschehen Abholzungen aber im tropischen Regenwald dann sind sie wieder zur Stelle.
    Das ist unerträglich und solche Leute würde ich gerne in der politischen Bedeutungslosigkeit sehen!

    Nie wieder Grün, hat schon mancher treue Nachfolger gerufen, wenn er in seinem Umfeld mit den Folgen grüner Politik konfrontiert wird und man kann nur hoffen, daß es täglich mehr werden.
    Ich wage zu behaupten, daß nahezu jedem Natursportler der Erhalt der Natur am Herzen liegt.
    Wo wirklich Lenkung und Einschränkung erforderlich ist, braucht es einheimische Leute die eine Ahnung haben wovon sie reden.
    Von solchen Leuten lasse ich mir gerne als Gast in den Bergen etwas sagen.

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  2. Christian Servus,
    ein grosses Dankeschön, dass Du die Regulierungswut so aufmerksam verfolgst und dokumentierst.
    Als Lindauer können wir den grossen Unterschied zwischen DAV-regulierten Bergen (Allgäu, selten Oberbayern) und denen in Vorarlberg und der Ostschweiz auf vielen Ski- und Bergtouren immer wieder „live“ erleben!
    Das geht los mit Skitourenrennen (im DAV nur noch auf Wegen und Pisten .. gut der Jennerstier hat noch 400Hm halbwilden Spinnergraben) und endet mit Wegweisern im freien Skigelände. Deine Sorge, dass der grüne Stadtwahnsinn jemals die gesamten Alpen erfassen könnte, teile ich (noch) nicht
    … da ja zum Glück der gesamte südliche Alpenbogen in Italien und Slowenien und der Westen in der Schweiz und Frankreich liegt
    (und Österreich ja nach wie vor nur punktuell eingreift)

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  3. Claudia Roth kann man mögen oder nicht, aber Dinge wie „Eine Skitour hat sie, ihrer Figur nach zu urteilen, noch nie gemacht.“ zu schreiben ist unterirdisch. Weniger ist mehr, und sachlicher ist besser.

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    1. Eine Anspielung auf die Figur von Claudia Roth und der sich daraus ergebenden nicht vorhandenen Praxis zum Thema Skibergsteigen ist nicht unterirdisch sondern offensichtlich und logisch. Ich werte die Figur auch nicht positiv oder negativ. Was ich sehr wohl bewerte (und zwar negativ) wenn jemand die deutliche Ausweitung von etwas fordert, von dem er offensichtlich keine Ahnung hat. So etwas ist dann wirklich unterirdisch. Gemäß den mir vorliegenden Protokollen zu Sitzungen zu Skibergsteigen umweltfreundlich war keiner der Antragsteller jemals auf einer Exkursion oder auf einer entsprechenden Sitzung

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      1. Ich wurde gefragt, was es mit nachstehenden Satz auf sich hat:

        Rückblickend kann man sagen, dass im Zuge von “Skibergsteigen umweltfreundlich” schlafende oder nicht vorhandene Probleme auferstanden sind, die anschließend am “runden Tisch” unter großem Zeitaufwand mal erfolgreich, mal weniger erfolgreich wieder gelöst wurden.

        Als Beispiel möchte ich eine Tour im Hintersteiner Tal nennen, die bisher weder in Karten-oder Führerwerken beschrieben war und fast ausschließlich von Einheimischen und Bergschulen seit rund 70 Jahren genutzt wurde. Klagen, Beschwerden, Sperrungen gab es dazu keine. Es wurden auch keine Sperrungen beantragt. Mag sein, dass es dem Jäger vor Ort nicht gefallen hat. Ärger gab es an dieser Stelle bisher keinen.
        Hätte sich der DAV mit Skibergsteigen umweltfreundlich auf Brennpunkte konzentriert, wäre dies wohl für alle Zeiten so geblieben. Durch die flächige Behandlung jedoch, wurden Jagd und Naturschutzvertreter de facto herausgefordert hier etwas zu beantragen, was dann auch geschehen ist. Natürlich waren die Bergschulen und die Einheimischen nicht einverstanden. Während Letztere eher dazu neigen, das Ganze zu ignorieren, ist dies bei einer geführten Tour kaum möglich. Somit wurde ein Konflikt generiert, der mühsam und unter großem Zeitaufwand „auf Probe“ gelöst wurde. Fortsetzung dürfte gewiss sein.

        Die Protokolle zu den entsprechenden Sitzungen und Exkursionen liegen mir vor. Sie sind lt. DAV nur für den internen Gebrauch und dürfen nicht veröffentlich werden. Aus diesem Grund nenne ich weder die Tour noch den Inhalt der Protokolle. Wer nähere Angaben wünscht, kann diese erfragen, wenn er mir für sein Interesse einen nachvollziehbaren Grund angibt.

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