Überraschende Riesenlawine am Schneck

Auf den ersten Blick wirkt es schockierend zu sehen, über welche Schwachsichten wir im Laufe des Winters bedenkenlos gefahren und aufgestiegen sind. Die Bilder stammen vom 14.5.2015. Der Lawinenabgang dürfte maximal zehn Tage alt sein. Die Länge der Anrisskante beträgt fast einen Kilometer, die Höhe bis zu drei Metern!!!. Während des gesamten Winters wurde dieser Hang mit mäßiger, aber regelmäßiger Frequentierung befahren, ohne dass es zu Zwischenfällen gekommen ist. Wie kann es nun zu so einer Riesenlawine kommen?Anrisskante Lawine Schneck 16.5.2015Am 10.1.2015 regnete es bis bis über die Gipfellagen der Allgäuer Alpen hinauf. Also mit einer Schneefallgrenze über 2600 m. Bei der anschließenden Abkühlung bildete sich eine Eisschicht mit kompaktem, gesetzten Schnee darunter. Also kein klassisches Altschneeproblem. Erst oberhalb von rund 2200 m wurde die Eisschicht dünn und brüchig, so dass sie, falls darunter die aufbauende Umwandlung in Gang kommt, zur gefährlichen Schwachschicht. Unfälle deshalb sind im Allgäu jedoch keine vorgekommen, in den Lechtaler Alpen hingegen kam es zu einigen kritischen Situationen deshalb. Eben deshalb,weil die Lechtaler Alpen etwas inneralpiner liegen, der Regen und damit die Druchfeuchtung abgeschwächt angekommen sind, und sich so verbreitet eine Schwachschicht bilden konnte.

Lawine Schneck 14.05.2015 3
Tiefblick vom Schneck. Ohne Bezugspunkt kann die Größe des Schneebretts kaum erkannt werden
Lawine Schneck 14.05.2015
Wer genau schaut findet dort meine Wenigkeit als Bezugspunkt. Genau in Falllinie des Hochvogelgipfels unterhalb der Anrisskante

IMG_5278 Am 14.5.2014 war der Schnee dort feinkörnig, leicht durchfeuchtet und „sommerhart“. Trotz nächtlichem Regen und Temperaturen um die plus 15 Grad betrug die Einsinktiefe oft weniger als ein Zentimeter. Ein Skifahrer hätte dieses Schneebrett nicht auslösen können. Vermutlich war die Situation auch während des Winters nach eher harmlos, nachdem sich der Neuschnee auf der Eisschicht gesetzt hatte. Oder reden wir uns diese Harmlosigkeit nur ein, um zu verdrängen, auf was wir im vergangenen Winter herumgefahren sind? Wie kam es jetzt aber zu diesem Riesenschneebrett? Vermutlich ein Gleitprozess bzw. Reibungsproblem durch Wasserstau auf harter Kruste als die Durchfeuchtung von oben die Eisschicht erreichte. Ähnlich dem Gleitschnee, nur dass der Schnee nicht auf dem Grasboden sondern auf einer Eisschicht abgegangen ist. Lawine Schneck 14.5.2015 2

IMG_5285 Schneck

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2 Kommentare zu “Überraschende Riesenlawine am Schneck”

  1. warum ist die Eislamelle nach dem Regen vom 10.1.2015 in den Lechtalern gefährlicher als in den Allgäuer Begen? .
    DAS hab ich nicht verstanden, nach deinen Ausführungen.

    mfg
    hermann

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  2. Ich möchte an dieser Stelle die Frage von Hermann beantworten, warum die Eisschicht im Lechtal ein höheres Risiko darstellt als im Allgäu.

    Eine harte vereiste Schneedecke ist nicht der allerschlechteste Untergrund für künftige Schneefälle. Wenn die Überlagernde Schneedecke sich gesetzt hat und spannungsarm ist, bindet diese zwar schlecht auf dem eisigen Altschnee aber in einer homogehen, harten und eisigen Altschneedecke aus Schmelzformen kann es auch zu keiner Bruchfortpflanzung kommen.

    Regnet es nur kurz weil zum einen die Berge höher sind und die Niederschlagsmenge geringer ist, wird der Schnee nicht vollständig durchfeuchtet. Es bildet sich eine brüchige Eiskruste unter der anschließend die aufbauende Umwandlung in Gang kommt. Ist die Eiskruste dünn, sowenig tief eingeschneit, dass die Belastung durch einen Skifahrer von oben wirkt, dann kann es zum Bruch kommen. Der aufgebaute Schnee unter der Schicht wirkt als Kugellager, die Eisschicht begünstigt die Bruchfortpflanzung.
    Noch weiter südlich, also in den inneralpinen Gebieten hat die genannte Situation im vergangen Winter für zahlreiche Unfälle geführt. Am Alpenrand zu gar keinen.

    Siehe dazu auch: https://freieberge.wordpress.com/2015/01/12/schneehohen-das-lechtal-holt-auf/

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