Wie war der Winter 2014/-15?

Im Dezember 2014 habe ich eine Wintervorschau veröffentlicht. Die Kernaussage lautete: „November kalt dem Winter die G´walt“. Nun wird es Zeit für einen Rückblick auf den zurückliegenden Winter und eine Antwort auf die Frage, ob die genannten Bauernregel zutreffend war oder nicht.

Winter Forchach
23.12.2014: Forchach im Lechtal mit Blick auf die Tannheimer Berge
Weiherkopf
27.12.2014: Erste Skitour im Dezember nach kräftigen Schneefällen in der Hörnergruppe im Allgäu
Wetterwerte Oberstdorf Winter 2014 15
Die Wetterdaten des Winters 201/-15 aus Oberstdorf. Quelle: Deutscher Wetterdienst. Wohl kaum ein Wetterdienst im Alpenraum macht aus den Wetterdaten so ein Staatsgeheimnis. Der Versuch, die Wetterdaten im WWW zu finden scheitert ebenso, wie die Telefonnr. oder Email des Standortes Oberstdorf herauszufinden. Deshalb wurden die Daten einfach in Oberstdorf im Schaukasten bei der Gemeinde abfotografiert und zurechtgeschnitten 🙂

Der November 2014 war  in Oberstdorf um 3,2 Grad zu warm. Auch in Dezember 2014 ließ der Winter auf sich warten. Noch am Heilig Abend konnten ohne nennenswerten Schneekontakt die Knittelkarspitze in den Lechtaler Alpen von Süden aus besteigen. Nordseitig lag eine dünne Schicht aus völlig aufgebautem Schnee. Meine Annahme, dass wir damit im kommenden Winter noch unsere Problem haben würden, hat  sich in den zentralalpinen Gebieten leider bestätigt.  Am 25.12. setzten endlich die ersehnten Schneefälle ein und dass massiver als angekündigt. So war bereits am zweiten Feiertag die erste Skitour in der Hörnergruppe möglich.

Daumen Käseralpe 10.1.2014
10.1.2015 nach einer regnerischen Nacht reißt es bei stürmischem Wetter auf. Die Schneefallgrenze lag deutlich über 2500 m. Nur in den typischen Schneelöchern konnte sich eine geschlossene Unterlage halten. Aufstieg zum Großen Daumen (Oberallgäu)

In der Folgezeit gaben sich warme Westwetterlagen und Schneebringende Nordstaulagen die Klinke in die Hand. Besonders markant war das Tauwetter am 10.1.2015. Im Allgäu regnete es bis über die höchsten Gipfel (2650 m) hinaus. Die Schneefallgrenze lag weiter südlich wohl knapp unter 3000 m. Dieses Tauwetter hatte eine markante Nebenwirkung. Dort wo die Altschneedecke 100%ig durchfeuchtet wurde, verklebte auch der Schwimmschnee vom Frühwinter. Ein stabiles Fundament entstand. In inneralpinen Bereichen und in größeren Höhen wirkte das Tauwetter abgeschwächt, so dass nur eine Eiskruste entstand, die auf dem bodennahen Schwimmschnee oft noch für weitreichende Bruchfortpflanzung uns somit zu besonders heiklen Situationen führte. Siehe dazu eine Zusammenfassung des LWD Salzburg

Toreck Aufstieg
Anfang Februar 2015: Endlich beginnt ein sonniger, kalter Hochwinter. Erste Spur zum Toreck (Oberallgäu)

Ab Anfang Februar 2015 setzte eine lange Phase mit überwiegend sonnigem und kalten Winterwetter ein. So kam es auch, dass der Februar 2015 als einziger Wintermonat deutlich zu kalt war. Am Nordalpenrand konnte man lange Zeit bei geringer Lawinengefahr traumhafte Bedinungen genießen, während innerhalpin das schwache Altschneefundament  nach wieder wo eine unberechenbare Gefahr darstellte.   Die Schneemengen blieben im Nordalpenbereich leicht unterdurchschnittlich, die Temperaturen blieben mit Ausnahme des Februars etwas zu warm.

Monviso
31.3.2015: Blick aus der Poebene auf den Monviso. Im äußersten Südwesten bekamen auch die Südalpen reichlich Schnee. Ansonsten hat Frau Holle im Winter 2015 die Südalpen weitgehend vergessen.

In den Südalpen war der Winter durch Schneearmut gekennzeichnet. An Touren in den Dolomiten war faktisch gar nicht zu denken. Eine Ausnahme bildete der äußerste Südwesten. Im inneren Alpenbogen rund um Cuneo lag reichlich Schnee, der für oft perfekte Bedingungen bis weit ins Frühjahr sorgte.

Langtaufers
April bis ca. Anfang Mai. Endlich gibt es auch in den Ötztaler Alpen verbreitet und nicht nur vereinzelt sehr gute Verhältnisse (Langtaufers)

Im April waren endlich die Verhältnisse in den zentralen Ostalpen, sprich Ötztaler, Stubaier, Ortlergruppe ideal.

Dodero und Matterhorn
Mai und Anfang Juni: Die Zeit für die 4000er. Beste Bedinungen am Dent de Herens und am Tete de Valpelline (Walliser Alpen). Im Hintergrund das Matterhorn
IMG_2967
Anfang Juni: Typische Saisonabschlusstour nach Aufhebung der Wintersperre von einem hohen Alpenpass aus. (Großer St. Bernhard – Aostatal)

Fazit:

Meiner Ansicht nach konnte die Regel: „November kalt nimmt dem Winter die G´walt“ im Winter 2014/-15 weder bestätigt noch eindeutig widerlegt werden. Ein  zumindest am Nordalpenrad guter Skitourenwinter liegt hinter uns. In zentralalpinen Gebieten war das Altschneeproblem markant, in den Dolomiten der Schneemangel.

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2 Kommentare zu „Wie war der Winter 2014/-15?“

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