Iran Teil 3: Damavand

Er ist der Höchste im Land und auch der Höchste   westlich des Karakorum, je nach Höhenangabe auch höher als der Elbrus. Als solcher ist er weithin bekannt und entsprechend hoch begehrt.  Er überragt alle umliegend Gipfel um gut 1500  und ist mit einer Schartenhöhe von 4.660 m  einer der höchsten freistehenden Berge der Welt. Einzig die Zuordnung des Iran in die „Achse des Bösen“ hat den technisch einfachen Berg vor dem Massenansturm ausländischer Bergtouristen bewahrt.  Seine Skibesteigung sollte das große Ziel unserer Iranreise sein; wohl wissend, das solch hohe, freistehende Berge skifahrerisch selten einen Hochgenuß bieten.

Damavand von Süd
Der Damavand von Süd, einen Tag nach unserer Besteigung. Der Aufstieg verläuft im linken Bereich

Diverse Wetterdienste verkünden in den nächsten Tagen sonniges und relativ windarmes Wetter. Nach rund einer Woche im Gebirge sollte auch die Akklimatisation passen.  Zeit einen Versuch zu starten.

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Start an der Straße bei Rineh in 2400 m . Vor einer Woche hätten wir mit dem Auto noch fast 600 Höhenmetert weiter hinauf fahren können
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Das klassische Bild, das bei einem Skitourenartikel über den Iran niemals fehlt: Die Moschee von Gusfandara mit dem Damawand
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Hüttenaufstieg, im Hintergrund die Dobarar Berge

In der letzten Woche hatte es kräftig gschneit und so war die Straße zum Basislager an der Örtlichkeit Gusfandsara (3.020 m) nicht mehr befahrbar.  So schnallten wir wenige Kilometer vor Rineh in rund 2400 m die Skier an. Vor einer Woche hätte man noch mit dem Auto hinauf fahren können. Wir planten eh nicht an diesem  Ort zu übernachten, der  nicht zu bieten hat als eine kleine Moschee und einen offenen,  versifften Bau. Unser Ziel war die neue Bargah Sevon Hütte in ca. 4200 m Höhe.

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Hüttenzustieg: Wir haben die Bergspechte eingeholt. Nur in den Gräben liegt ausreichend Schnee

Die Hütte sei unbewirtschaftet, jedoch würde der Wirt extra für uns öffnen, sagt unser Vermieter Masoud. Gut, dass noch eine Gruppe von den Bergspechten unterwegs war und dass es oben auf der Hütte ganz schön eng werden sollte, hatte man uns verschwiegen. Die Bergspechte hatten die Nacht zuvor im Basislager verbracht und hatten schon einen gewissen Vorsprung. Doch bei organisierten Reisegruppen hält so ein zeitlicher Vorsprung meist nicht lange an. Die Schneelage war recht mager und beschränkte sich auf die Neuschneedecke der letzten Woche, sowie die von Altschnee gefüllten Gräben. Das sollte aber für Aufstieg und die Abfahrt reichen, bedeutete aber viele, viele Spitzkehren, da man die gesamte Hangbreite eben nicht nutzen konnte.

Nach zahlreichen Spitzkehren in brennender Sonne erreichten wir die Hütte. Selbige war noch verschlossen. Der Hüttenwirt war noch unterwegs. Aufgrund des inzwischen gewachsenen Wochenbartes, des von zahlreichen Skitouren gebräunten Gesichts und meiner guten, alten verschlissenen Fleecejacke, die mir schon auf einigen 6000ernd treue Dienste geleistet hatte, hielten mich die Bergspechte für den afghanischen Hüttenwirt. Dieser kam allerdings etwas später. Zu Fuß und mit Lederjacke.

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IMG_1574Die Hütte selbst, ein Neubau mit großem Speisesaal und wenigen, zu engen Lagern war unbeheizt und nicht sonderlich bequem, jedoch eine deutliche Steigerung zur Hütte am Kasbeck in Georgien, auf der wir ein Jahr zu vor genächtigt hatten. In Iranischer Bergführer, der die Bergspechte begleitete machte noch etwas Stress und wegen unserem Permit, für das Masoud zwar 50 U$ kassiert hatte, uns aber kein Papier ausgestellt hatte.  Bald löste sich das ganze in Wohlgefallen auf.

Das Permit für den Damavand. Masoud händigte es uns erst nach der Tour aus.
Das Permit für den Damavand. Masoud händigte es uns erst nach der Tour aus.

Draußen nahm abends der Wind bedenklich zu. Den unvergleichlichen Sternenhimmel und das ferne Lichtermeer von Teheran konnte man daher abens vor der Türe kaum genießen.

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Zum morgen hin ließ der Sturm wieder deutlich nach und gegen 7.00 Uhr begannen wir bei wolkenlosem Wetter den Aufstieg. Über einen Aufstieg auf einen Vulkanberg gibt es  naturgemäß  nicht viel zu berichten. Viele viele Spitzkehren in immer dünnerer Luft. Der Schne: Bruchharschig, windgespresst und im Aufstieg recht gutartig, so dass die manchmal empfohlenen Steigeisen als auch die Harscheisen nicht benötigt wurden. Irgendwann, schon deutlich über 5000 Meter gings dann nur noch zu Fuß weiter. der Gipfelbau ist dermaßen den Stürmen ausgesetzt, dass sich hier wohl kaum jemals eine geschlossene Schneedecke ausbilden kann.

Mühsam, im nachrutschenden Lockerschutt legten wir die letzten Höhenmeter zurück. Knapp unterm Gipfel passiert man dabei noch mehrere Schlote, aus denen heißer, übelriechender Schwefeldampf austritt. Schließlich ist es geschafft. Das Panorama gleicht dem vom einem Fluzeug aus, nur ohne die Einschränkung einer zerkratzten Plastikschreibe. Ich umrunde den Krater und schließlich folgt noch die obligatorische Fotosession.

Die Abfahrt: Na ja. Mag ja sein, dass gewisse Arten von Bruch- und Windharsch im Aufstieg ganz komfortabel sind. Bei der Abfahrt sind dererlei Schneearten eher suboptimal. Besonders wenn die Luft auf 5000 Meter schon deutlich dünner ist. Also eher ein unelegantes Höhevernichten als ein elegantes hinabschwingen. Immerhin schneller und bequemer als zu Fuß.

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Erst unterhalb der Hütte ging der Schnee langsam in einen firnähnlichen Weichschnee über, der ein genußvolles Fahren bis weit hinab ermöglichte.

Aber wie dem auch sei. Wir hatten es geschafft und Berge wie den Damawand besteigt man eh nicht wegen der Abfahrt.

Die Bergspechte hatten an unserem Gipfeltag einen Ruhetag eingelegt. Wie wir später erfahren haben, waren sie einen Tag später auch erfolgreich.

Beim Abendessen in Rineh bei Masoud konnten wir mit alkoholfreiem, iranischen Pfirsichbier auf unseren Gipfel anstoßen.

Karte: Mt. Damavand, R. Kostka Graz 1:50.000 (nicht in alpenländischer oder gar schweizer Qualität)

Führer: Kein Skitourenführer bekannt.

Hütten: Bargah Sevon Hütte in ca. 4200 m, evenutell noch der offene Bau neben der Moschee bei Gusfandara

Ausrüstung:   Normale Skitourenausrüstung, zusätzlich können Steigeisen und Pickel bei harten Verhältnissen hilfreich sein. Warme, winddichte Kleidung !

Geeignet für wen? Erfahrene Skibergsteiger, die  Hänge bis zu 40 Grad Neigung sicher befahren können.

Zeit: Zwei Tage, Reservetage sollten einkalkuliert werden.

Höhenmeter: Straße bei Rineh-Bargh Sevon Hütte: 1800 m, Hütte Gipfel ca 1400 m. Bei wenig Schnee lässt sich die Moschee bei Gusfadara mit dem Auto erreichen, was 600 Höhenmter spart.

Permit: Für die Besteigung ist ein Permit erforderlich, dass man in der Regel in seiner Unterkuft bekommt. http://www.damawand.de/Tour/Permit.html

Weitere Hinweise: https://wordpress.com/post/71969085/1247/

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