Lagebericht ohne Gefahrenstufe

Noch ist die Schneedecke in den Alpen deutlich unterdurchschnittlich und die Lawinenprognostiker haben noch nicht mit der Herausgabe der täglichen Lageberichte begonnen. Das heißt aber nicht, dass eine potentielle Lawinengefahr im alpinen Gelände nicht vorhanden ist.
Statt einem täglichen Lagebericht bieten einige Lawinenwarndienste eine Gesamtbeschreibung der Situation heraus, die recht präzise die Situation und auch die Gefahr darstellt. Allerdings ohne Gefahrenstufe. Das reicht auch, sollte man meinen. Doch der Nutzer mit lehrbuchgemäßem Scheuklappendenken kommt ohne eine Gefahrenstufe rasch in die Bredouille.

Bauen doch die gängigen Methoden (Munter, Snowcard, Stop-or go) zur Risikominimierung auf der Gefahrenstufe auf
Laut einer Studie der Bergrettung Oberösterreich liegt die Verweildauer auf den Webseiten der Lawinenwarndiensten gerade mal bei 8 bis 15 Sekunden. Das reicht um die Gefahrenstufe zu erfassen. Die wichtigen Informationen wo und warum es gefährlich ist, können in dieser Zeit niemals erfasst werden.
Auch Leute, die Lawinenkurse anbieten stehen nun vor dem Problem, die gültige Lehrmeinung zu vermitteln, da ein wesentlicher Baustein fehlt.

Eine gute Gelegenheit selbige zu überdenken und die Aufmerksamkeit vermehrt auf die Inhalte im Text zu lenken.

Es geht in diesem Beitrag ausdrücklich nicht darum, die genannten statistischen Methoden zur Risikoreduzierung schlecht zu reden. Es geht darum über diese hinaus zu denken und deren Grenzen zu erkennen.

Der bayrische Lawinenlagebricht vom 4.1.2016

Kleinräumige Triebschneeansammlungen sind in den Hochlagen leicht zu stören.
04.01.2016

Kurzinformation vom 03.01.2016 (gültig bis auf Weiteres):

Oberhalb von ca. 1500m erhielt der bayerische Alpenraum bei starken Wind aus meist west- bis norwestlicher Richtung, einen Neuschneezuwachs von verbreitet 10 – 20 cm, stellenweise bis zu 30 cm. Der Neuschnee liegt schattseitig unterhalb von 1500m auf einem gefrorenen Untergrund, sonnseitig auf einem vielfach noch warmen Boden. Oberhalb von 1500m hat sich der Neuschnee auf einer dünnen Schneeauflage aus der Neujahrsnacht abgelagert. Bodennah ist der Schnee schattseitig unterhalb von dünnen Harschkrusten meist aufbauend umgewandelt und besteht aus kantigen und lockeren Schneekristallen. Insgesamt liegt noch zu wenig Schnee um Skitouren abseits beschneiter Skipisten durchführen zu können. Kammnah sind zwar kleinräumige frische Triebschneeansammlungen leicht zu stören, jedoch ist derzeit die Gefahr mitgerissen zu werden und sich an Steinen zu verletzen oder abzustürzen höher einzuschätzen als die Gefahr durch eine Lawine verschüttet zu werden. Sonnseitig können sich vereinzelt an steilen Grashängen kleine Lockerschneelawinen lösen, die am Boden abgleiten.

Die Herausgabe regelmäßiger, täglicher Lawinenlageberichte wurde noch nicht aufgenommen,
da detaillierte Informationen zum Schneedeckenaufbau in den einzelnen Gebirgsregionen noch nicht vorliegen.
Aktuelle Informationen zur den Schneehöhen, den Windverhältnissen und den Temperaturen in den bayerischen Bergen erhalten Sie aus unserem
automatischen Messnetz.

damit sollte eigentlich alles gesagt sein.

 

Die Tiroler geben immerhin im Text die verbale Bezeichnung der Gefahrenstufe an „mäßig“.  Um das zu erfassen, muss man allerdings den Text lesen

Information zur Lawinensituation, Sonntag, den 03.01.2016, um 07:30WARUM? – Gefahrenmuster (gm):

gm.1 – bodennahe Schwachschicht vom Frühwinter
gm.6 – lockerer Schnee und Wind

Im Westen auf kleinräumige, frische Triebschneepakete in hohen Lagen achten

Beurteilung der Lawinengefahr

Die Lawinengefahr bleibt vorerst im Großteil des Landes gering. Einzig im Arlberggebiet ist die Gefahr aufgrund des verhältnismäßig größeren Neuschneezuwachses leicht angestiegen. Dort herrscht oberhalb etwa 2200m mäßige Lawinengefahr. Aufpassen heißt es dort v.a. auf frisch gebildete, kleinräumige Triebschneepakete, vermehrt im sehr steilen, schattigen Gelände in Kammnähe sowie in Rinnen und Mulden. Wintersportler können diese kleinen Gefahrenbereiche leicht erkennen. Dennoch, es reicht mitunter geringe Belastung, um Rutsche auszulösen. Zu beachten ist dabei v.a. die Mitreiß- und Absturzgefahr im extrem steilen Gelände. Ähnlich schaut es im hochalpinen Gelände der Regionen Silvretta-Samnaun sowie der Südlichen Ötztaler und Stubaier Alpen aus, wo auch auf frische Triebschneepakete zu achten ist. Aufgrund der geringeren Neuschneemengen sind diese kleiner. Zudem werden aus besonnten, felsdurchsetzten Hängen heute vereinzelt harmlose Lockerschneelawinen zu beobachten sein.

 

Einzig die Vorarlberger bringen derzeit (4.1.2016) einen Lagebericht in der gewohnten Form heraus. Das „Ländle“ ist allerdings neben den einigen Regionen Westtirols und den Hochlagen des Allgäues im Moment das einzige ostalpine Gebiet mit einer halbwegs brauchbaren Schneebedeckung.

Beurteilung der Lawinengefahr

Es besteht in höheren Lagen vor allem schattseitig verbreitet erhebliche Lawinengefahr – Stufe 3. Gefahrenstellen in Form von frischen Triebschneeablagerungen finden sich vor allem oberhalb der Waldgrenzen, im schattseitigen Steilgelände sowie in eingewehten Rinnen und Mulden. In solchen Bereichen können einzelne Wintersportler bereits Schneebrettlawinen auslösen. Anzahl und Verbreitung der Gefahrenstellen nehmen im Tagesverlauf durch Windeinfluss und weiteren Schneefall zu. Unerfahrene sollten daher gesicherte Pisten nicht verlassen. Auch in Bereichen mit mäßiger Gefahr können kleinräumig frische Triebschneepakete leicht ausgelöst werden. Eine sorgfältige Beurteilung und Routenwahl vor Ort ist deshalb erforderlich. Neben einer Verschüttung ist auch die Absturzgefahr zu beachten.

Bleibt noch die Frage, warum in Bayern und Tirol noch keine detaillierten Informationen über die Schneedecke vorliegen, wie der Webseite der Bayern zu entnehmen ist.
Ganz einfach. Neben den Messstationen erhalten die Warndienste zahlreiche Informationen von den Mitarbeitern des Rettungsdienstes (Bergwacht, Bergrettung) in den Skigebieten. Wenn davon viele wegen Schneemangel geschlossen sind, fehlen eben diese Informationen und sind mit einem angemessenen Aufwand auch nicht anderweitig zu beschaffen.

 

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