Still und starr ruht der See

Ruhig und einsam liegt derzeit der Schrecksee unter einem dicken Eispanzer. Keine Wildcampierer, die man mittels Polizeihubschrauber vertreiben muss. Unsere Polizei , die gemäß zahlreicher Pressemeldungen wegen der Flüchtlingskrise personell an der Belastungsgrenze angekommen ist, kann sich also wieder um ihre Aufgaben kümmern. Zum Beispiel Radarkontrollen. Damit sind sie derzeit ziemlich fleißig, wenn man die Berichte in Allgäu-Blitzer verfolgt.

Auf dem im Hintergrund des Titelbildes verlaufenden Grenzkamm zu Österreich wurde noch kein Grenzzaun errichtet, auch wenn das von der AfD, der FPÖ und Teilen der CSU immer wieder gefordert wird. Ach ja, über eines würde ich mich mit Petry, Strache, Söder usw. gerne mal unterhalten. Nämlich, woher die Arbeitskräfte kommen, die einen Grenzzaun entlang einer 784 Kilometer langen Grenze errichten und bewachen. Eine Grenze die überwiegend im Hochgebirge verläuft. Das ist ein ganz anderer Aufwand, als es die DDR Grenze war, die ja im Flachland verlief. Da es weder in Bayern noch in Tirol eine nennenswerte Arbeitslosenquote gibt, müssten wir wohl nochmal eine Million arbeitsfähige Flüchtlinge ins Land holen um diese Aufgabe zu bewältigen.

Auf der gegenüberliegenden Talseite musste inzwischen das Gipfelkreuz am Laufbichler Kirche abgebaut werden. Der Jagdpächter und die Grundeigentümer befürchteten, dass dieses Kreuz vermehrt Besucher auf diesen Berg lockt. Sicher spielte es auch eine Rolle, dass es von Bergsteigern aus dem nördlichen Allgäu aufgestellt wurde, die nicht als Einheimische gelten. Klar, die Jungs hätten fragen können, aber die Reaktion auf ein kleines Metallkreuz passt nicht so wirklich ins Bild einer Gemeinde, die sich mit einem Ortsteil um den Titel eines gastfreundlichen Bergsteigerdorfs beworben hat.

Ach ja, unten im Tal wurde das Kutschenmuseum geschlossen. Vorgeblich weil die Brandschutzbestimmungen nicht eingehalten wurden. Das fällt also nach 30 Jahren auf. Der konstruierte Zusammenhang mit der Brandkatastrophe von Schneizlreuth hinkt alleine schon deswegen, weil sich im Museum keine Matratzenlager unterm Dach befinden, wo man bei einem ausbrechenden Feuer im Schlaf überrascht wird. Auch das Argument, dass die Zufahrt nicht mit einem Feuerwehrfahrzeug zu befahren ist, spricht nicht für die Intelligenz der Gemeinde. Mit dem selben Argument müsste man jede Berghütte schließen. Sturer Bürokratismus hat innerhalb kürzester Zeit etwas zerstört, was in 30 Jahren erschaffen wurde. Es ist egal ob man das jetzt Kitsch nennt oder staunend betrachtet… was dort entstanden ist zieht Jahr für Jahr die Menschen an und selbst Kinderaugen staunen.

Eigentlich lebt man in einem Allgäuer Bergtal in einer heilen Welt. Die Wirren und Stürme unserer Zeit erreichen unsere heile Welt, wenn überhaupt, dann nur ein abgeschwächter Form. Manchmal erscheint es aber, dass es dank dem Mangel an echten Problemen Zeitgenossen gibt, die regelrecht nach selbigen suchen um sich darüber zu empören und sich in dem darauf folgenden Aktionismus profilieren zu können.

 

 

 

 

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3 Kommentare zu “Still und starr ruht der See”

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