Schneehöhenmessung der ZAMG

Die Ankündigung des automatischen Schneehöhenmesssystem „Snowgrid“ klingt nach dem, was der Alpinist lange sehnsuchtsvoll gewünscht hat. Eine  flächige und zentimetergenaue Schneehöhenmessung für Österreich und auch für die angrenzenden Gebiete. Seit dem Winter 2015/-16 ist dieses Tool nun auf der Webseite der ZAMG verfügbar. Die Beschreibung klingt vielversprechend.

Das Programm berechnet für 28 Millionen Punkte in Österreich und Umgebung die Schneehöhe und Neuschneemenge sowie den Schneewasserwert und die mittlere Schneetemperatur. Zahlreiche Anwender nutzen bereits die Daten, wie Lawinenwarndienste, hydrologische Dienste, die Energiewirtschaft und Straßendienste. Ab sofort sind SNOWGRID-Analysen frei zugänglich auf

Doch taugt dieses Tool auch für die Tourenplanung. Ich habe die Probe aufs Exempel gemacht.

Eine Skitour steht an. Nein, nicht direkt vor der Haustüre, sondern 20, 30 oder gar über 100 Kilometer entfernt. Liegt im Zielgebiet ausreichend Schnee? Lohnt es sich aufzubrechen? Gute Informationen helfen dabei, gut zu planen und Enttäuschungen zu vermeiden. Gerade im Frühwinter oder zum Frühjahr hin stellt sich oft die Frage: Hat es schon genügend Schnee? Reicht der Schnee noch bis ins Tal hinunter. Die Schneehöhenagaben in der Tageszeitung oder auf den Webseiten den Wintersportorte sind in der Regel unbrauchbar, da sie die Schneehöhe auf der künstlich beschneiten Piste wiedergeben.

Pitztal 29.4.2016
Schneebericht lt. Bergfex.at vom 29.4.2016. Bei 208 cm Schneehöhe im Tal, wäre eine Abfahrt durchs Taschachtal  oder sonst wo her ohne Bodenkontakt bis ins Tal gut möglich. In der Realität war das Pitztal zu dieser Zeit bereits schneefrei. Abgesehen von wenigen Kunstscheestreifen auf den Pisten.

Die Schneehöhenangaben  der Wintersportorte aufs freie Gelände zu übertragen, wäre in etwa so, als würde man die Wassertemperatur in einem Hamburger Schwimmbad mit der Wassertemperatur der Nordsee gleichsetzen.

Auflösung im 100 m Raster

das Programm verwendet die aktuellsten Daten spezieller Analyse- und Vorhersagemodelle der ZAMG, um die zeitliche Änderung der Schneedecke in 15-Minuten-Intervallen mit einer räumlichen Auflösung von 100 Meter zu berechnen – für ganz Österreich und der angrenzenden Regionen. Dafür werden die Daten an 28 Millionen Punkten in Österreich berechnet.

Bei einem 100 m Raster bleiben kleinräumige Umverteilungen durch Wind ebenso unberücksichtigt, wie eine mit Lawinenschnee gefüllte Rinne, durch die man im Frühjahr noch weit ins Tal abfahren kann. Aber immerhin. Eine flächige Schneehöhenkarte im 100 m Raster ist schon ein Quantensprung, wenn sie denn stimmt.

Die Probe aufs Exempel

Am 28.4.2016 habe die Schneehöhe an einigen Stellen im Außerfern, im Allgäu und in Vorarlberg nachgeprüft.

Snowgrid 28.4.2016 mit Pfeilen
Die angzeigten Daten von Snowgrid am 28.4. 2016 um 9. 00 Uhr. Im Vergleich dazu Bilder der Situation, durch die Pfeilspitzen markiert.

Dazu  habe ich den zwischen Oberjoch und dem Tannheimer Tal gelegenen Kühgundkopf bestiegen. Die Schneehöhen am Berg variieren naturgemäß stark. Bei einem 100 m Raster hatte ich aber immer den Eindruck, dass die farblich anzeigten Werte der Realität entsprechen. Anders sah es im Tal aus. Das Tannheimer Tal  bereits schneefrei. Trotzdem zeigte „Snowgrid“ eine geschlossene Schneedecke. (Bild 1), ebenso in Sonthofen (Bild 2). Einzig im Kleinwalsertal (Bild 3) lag Snowgrid  mit der angegebenen Schneehöhe von 10-20 cm richtig.

Tannheim
Bild 1: Das Tannheimer Tal ist am Abend des 27.4.2016 bereits grün. In der darauf folgenden klaren Nacht kam kein Neuschnee hinzu. Dennoch zeigt Snowgrid eine  geschlossene Schneedecke an.

 

Sonthofen 28.4.2016
Bild 2: Bei Sonthofen am 28.4.2016. Keine Schneedecke mehr
Riezlern 29.4.2016
Bild 3: Riezlern am 28.4.2016 12.00  Uhr Hier lag Snowgrid richtig. Es wird eine Schneedecke von 10-20 cm angezeigt. 20 cm waren zutreffend.

Fazit

Snowgrid eignet sich als grobe Orientierung, mehr nicht. Grade bei der Frage ob man irgendwo noch/schon ins Tal abfahren kann, liefert es keine zuverlässigen Werte.  In zwei von drei  Fällen lag Snowgrid grob daneben. Man ist also immer noch zuverlässige, aktuelle Berichte anderer Bergsteiger und eigener Erfahrungen angewiesen. Als Ergänzung können Snowgrid und günstig platzierte Webcams diesen.

 

Anmerkungen zu den Bildern: Die Bilder entstanden am 27. und 28.4. 2016. Aufgrund des kalten und niederschlagsfreiem Wetter in diesem Zeitraum gab es keine relevanten Änderungen der Schneehöhe.

Direkter Link zu Snowgrid: klick (im Reiter Gesamtschnee auswählen)

Nachtrag zur Schneeverteilung (hat nichts mit Snowgrid zu tun)

Wie sooft werden  immer die selben Gebiete bei den häufigen Nordweststaulagen bevorzugt. Die obigen Bilder belegen es. Tannheim und Riezlern liegen ziemlich genau gleich hoch.

Alpesee.jpg
28.4.2016 7.30 Uhr Teleaufnahme vom Kühgundkopf.  Ungleiche Schneehöhenverteilung. Westlich der Iller reicht der Schnee bis zurm Alpesee (730 m) hinab. Snowgrid hat diesen Bereich grün/orange gefärbt. Könnt in etwa passen.

 

 

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