Skitourentage im Valle di Cogne (AOSTA)

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Wer sich aus den Ostalpen auf den langen Weg in die Gran Paradiso Gruppe macht, hat meist deren höchsten Gipfel, den 4061 m hohen Gran Paradiso zum Ziel. Weitere bekannte Ziele findet man rund um das Rifugio Benevolo. Ein Gebiet das etwa mit den Sellrainer Bergen vergleich bar ist. Ansonsten wird die valdostanische Bergwelt  vom ostalpinen Bergsteiger mit Verachtung gestraft und auch bei den Italienern scheint deren Gipfelwelt abseits der genannten Ziele nicht besonders hoch im Kurs zu stehen. Doch gerade hier findet man die Perlen über dem Aostatal. Doch Vorsicht. Die Schartenübergänge sind oft heikel, die Hüttenzustiege steil und wenig skifreundlich und die Winterräume sind eng, kalt und nicht beheizbar. Leicht verdauliche Kost sieht anders aus.

 

Unser Ziel im Februar 2016 war eine Durchquerung mit dem Ausgangspunk Rifugio Sella oberhalb von Cogne. Sturm und eine unsichere Wetterprognose führten dazu, dass wir das ursprüngliche Vorhaben, nämlich von dort nach Süden, in Richtung Gran Paradiso vorzudringen bald verworfen wurde. Schließlich kam eine dreitägige Tour bei stürmischem Wetter und wechselhaftem Schnee heraus. Eine Tour abseits vom alpinen Mainstream im wilden Süden der Alpen.

Wie so oft  in diesem Teil der Alpen führt der Beginn der Tour durch wenig skifreundliches Gelände. Die Steilstufe aus dem Talboden lässt sich nur dank einer breiten Wegtrasse mit Ski bewältigen. Elegant schlängelt sich der Weg zwischen Felsstufen und Wasserfällen die ersten 400 Höhenmeter hinauf.

Danach öffnet sich ein breites Hochtal. Im leichten Skigelände erreichen wir die Hütte.  Wie nicht anders erwartet war der Winterraum offen aber nicht beheizbar und verfügte auch über keinen Herd. Eingewickelt in Decken verbrachten wir den Abend. Draußen tobte der Sturm.

Cogne 2
Winterraumromantik ohne Ofen im Rifugio Sella

Am nächsten Morgen hatte der Sturm deutlich nachgelassen. Wir beschlossen den Gran Serra zu besteigen. Eine klassische Skihochtour mit einer möglicherweisen Steilstufen in der Mitte und leichter Kletterei am Gipfelbau.

Gran Serra mit Route
Die Route zum Gran Serra

Kurz und knapp: die Steilstufe entpuppte sich  lawinentechnisch an diesem Tag als harmlos und die leichte Kletterei zum Gipfel machte richtig Spaß. Der Abfahrtsgenuss hielt sich dagegen in Grenzen.

Ansonsten  lasse ich hier einfach mal die Bilder sprechen.

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Abendliche Ankunft am Rif. Vittorio Sella
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Aufbruch zum Gran Serra

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Nach einer stürmischen Nacht gestalltete sich die Suche nach Pulver schwierig, aber nicht ganz erfolglos.

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Zurück an der Hütte fanden wir etwas offenes Wasser, was  beim abendlichen Kochen die etwas knapp bemessenen Gasvorräte schonte.

Nach einer weiteren kalten Nacht stand die Überschreitung der Punta Rossa an mit ihrer 2200 m Abfahrt über den Glacier du Traju direkt nach Epinel.   Auch diese Tour hatte ihre Tücken. Nachstehend ein paar Bilder dazu.

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Aufbruch zur Punta Rossa

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Die Grivola
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Schartenübergang bei der Abfahrt von der Punta Rossa nach Epinel
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Zwei Tage später. Blick auf die Punta Rossa von Nordosten

Oftmals spielt bei der empfundenen Ernsthaftigkeit einer Tour der Kopf die Hauptrolle. Alleine im wild/einsamen Hochgebirge entfaltet man in der Regel ein deutlich ausgeprägteres Gefahrenbewusstsein, als bei einem Massenaufbruch von einer bewirtschafteten Hütte aus. Lt. eigener Webseite ist das Refugio Sella ab Ostern bewirtschaftet, was den Touren dann einen gewissen Komfort verleiht und die empfundene Ernsthaftigkeit mildert.

Karte: IGC Valle di Cogne, Gran Paradiso 1.25.000. Mangels Alternative bedingt zu empfehlen. Die Kartenzeichnung ist schlecht, teilweise unter aller Sau und enthält gefährliche Fehlinformationen.

Kartenausschnitt
Der Kartenzeichnung nach könnte man über diese Gletscherzunge abfahren. (roter Kreis)
Wirklichkeit
Das Gelände aus obigem Kartenausschnitt

Führer: Panico: Skitourenführer Aostatal

Hütten: Rifugio Vittorio Sella, 2588 m. Ab Ostern bewirtschaftet. Es steht ein offener, nicht beheizbarer Winterraum zur Verfügung. Matratzen, Decken, Tische und Stühle sind vorhanden. Kein Gas, keine Kochmöglichkeit.

Ausrüstung: Normale Skitourenausrüstung, zusätzlich können Steigeisen und Pickel bei harten Verhältnissen hilfreich sein.  Je nach Belieben persönliche Komfortausrüstung für die Nacht im Winterraum. Bei ausreichend Schnee halte ich ein Seil auf diesen Gletschern für entbehrlich.

Geeignet für wen? Erfahrene Skibergsteiger, die ich auch im unverspurten Hochgebirge zurechtfinden und Hänge bis zu 40 Grad Neigung sicher befahren können. Die Route lässt zahlreiche Varianten zu. Persönliche, farblich abgestufte Risikoeinschätzung bei Lawinenwarnstufe:              1             2             3             4             5

 

Nachtrag zum Valle di Cogne

 

Wir haben noch vier weitere Tage im Valle di Cogne verbracht und bei wechselhaftem Wetter Touren von einer Talunterkunft unternommen. In erster Linie besuchen italienische Langläufer das Tal. Unter den Alpinisten ist es vor allem für seine zahlreichen Eisklettermöglichkeiten bekannt. Besonders gefallen hat mir, dass der ursprüngliche Charakter der Dörfer im valdostanischen Stil  bei gleichzeitig guter touristischer Infrastruktur erhalten geblieben ist.  Ein kostenloser Linienbus verbindet die einzelnen Orte im Tal. Allerdings zu für Bergsteiger etwas ungünstigen Zeiten.

Klima:

Im Lee der Mont Blanc Gruppe und gleichzeitig im inneren Alpenbogen  gelegen, bekommt  die Gran-Paradiso Gruppe unregelmäßig und oft erst spät im Winter ausreichend Schnee.  Die Beobachtung der aktuellen Schnee- und Wettersituation sollte man vor der Anreise genau checken. Talabfahrten sind trotz der relativ hohen Berge keinesfalls selbstverständlich.

Sprache und Namen:

Die Bezeichnungen in verschiedenen Karten oder zwischen Karte und Führer weichen oft ab. Grund ist, dass die Namen teils in italienisch, teils in französisch und teils in der frankoprovenzalischen Umgangssprache geschrieben werden.

1Cogne 1

Tiefblick Cogne
Tiefblick von der Pointe Arpisson auf Cogne
! cogne 3
Pointe de la Pierre. Eine der wenigen Möglichkeiten bei Neuschnee und kritischen Verhältnissen im Valle di Cogne
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