Helft dem Schrecksee

Helft dem Schrecksee ist ein Aufruf den die Gemeinde Bad Hindelang  derzeit über soziale Netzwerke verbreitet. Einem Aufruf, dem ich mich anschließen möchte. Zwar setzte ich mich immer wieder für einen freien, eigenverantwortlichen Alpinismus ein, der das naturverträgliche biwakieren mit und ohne Zelt einschließt, doch hier ist leider etwas gewaltig auf dem Ruder gelaufen. Wegen einiger Vollidioten, die anstatt dezent zu biwakieren ein Zeltlager aufgeschlagen haben, mangels natürlichem Holzvorkommen die Zaunpfähle der Alphirten für´s Lagerfeuer verwendet sowie  Müll und Fäkalien  zurückgelassen  haben, hat die Belastung für die Natur am Schrecksee die Grenze des Verträglichen überschritten, den Unmut der Alphirten und den Aktionismus der Bürokraten auf dem Landratsamt ausgelöst.  Doch es sind nicht nur die Zelte, es ist die Summe der Belastungen vom Trittschaden durch Menschen, Kühe, Umweltbelastung durch Sonnenöl, Seifen, Shampoo´s, Fäkalien  die vor allem der Vegetation im Uferbereich und der Wasserqualität schaden.

 

Der Aufruf der Gemeinde Hindelang gefällt mir schon deshalb, weil er an die Vernunft appelliert und nicht Verbote gefordert werden.

Der Schrecksee liegt 1800 m über dem Meer und somit über der Baumgrenze. Das bedeutet, dass die Vegetationsperiode dort sehr kurz ist. Die Vegetation in den Feuchtwiesen des Uferbereich hat nur wenige Wochen Zeit sich von Trittschäden, Verschmutzungen und Verletzungen zu regenerieren. Werden die Belastungen im Sommer täglich wiederholt so ist dies nicht mehr möglich.

Dabei ist es unerheblich ob  Trittschäden  oder eine  Verschmutzung von einem Zeltler, einem Urlauber, einem Einheimischen, einem Tagesausflügler von Kühen oder Schafen kommen. Es ist die Summe der Belastungen, die einfach zu viel wird.

Es gibt dabei Bereiche, die vertragen tägliche Belastungen , bei anderen ist schon eine Nacht im Zelt, die Feuerstelle davor und ein paar weidende Kühe zu viel.

Viel Unsinn war in der letzten Zeit zu diesem Thema in der Allgäuer Zeitung zu lesen. Polizei kontrolliert, wer im Zelt übernachtet bekommt vom Landratsamt einen Bußgeldbescheid, Recht und Ordnung sind wieder hergestellt und alles wird gut.  Müll, Fäkalien, Lärm wurde stets den Zeltlern zugeschrieben. Dabei können unschöne Hinterlassenschaften von jedem kommen, der sich dort aufhält. Mit diesem verkürztem Weltbild helfen wir der Natur dort oben nicht weiter.

Naturschutzgebiet durch Urlauber zerstört

Ein selten dämlicher Bericht  auf AllgäuHit. Die betroffene Fläche beträgt nicht mal 1% der Fläche des Naturschutzgebietes und es sind eben nicht nur die Urlauber, sondern auch Einheimische und Tagesgäste.

wollgraswiese
Wollgraswiese im Uferbereich eines Allgäuer Bergsees. Hier hat kein Zelt, aber auch kein Fußgänger und keine Kuh etwas verloren. Über Müll und Lagerfeuer brauchen wir wohl kaum diskutieren.

Wo  und wie man legal in den Allgäuer Hochalpen biwakieren kann, habe ich hier beschrieben.  Ob diese Regelung sinnvoll ist oder nicht, sei dahingestellt.  Die  Wiesen am Seeufer lassen sich auch bei großzügiger Auslegung der Verordnung kaum als „felsnah“ bezeichnen. Erlaubt oder verboten ist die eine Sache. Naturverträglich die andere. Naturverträglich ist ein Zeltlager in der „Wollgraswiese“ gegenüber der Insel sicher nicht. Allerdings stelle ich auch die Naturverträglichkeit von legalem Baden,  Liegen, Brotzeit machen oder weidenden Kühen an dieser Stelle  des Ufers in Frage.

Wegen einiger Idioten, die sich daneben benommen haben, stehen nun sämtliche Leute die naturverträglich die Nacht im Gebirge verbringen im Focus von Jägern und radikalen Naturschützern, die nur darauf warten ein Exempel statuieren zu können. Wer unbedingt im Bereich des Schrecksees übernachten will, der rollt seinen Schlafsack wenn es dunkel wird im Kiesbereich vor der kleinen Hütte aus, packt ihn am Morgen gleich wieder zusammen und verwendet einen Kocher und kein Feuerholz. Die andere Alternative wäre am Südrücken des Kugelhorns wenige Meter jenseits der Grenze auf Tiroler Boden, für einen kurzen durch den Anlass gebotenen Zeitraum, wie es im tiroler Campinggesetz heißt. Aber auch hier gilt: Kein Feuer, kein Lärm, kein Müll.

Fazit:

Ich schließe mich dem Aufruf der Gemeinde Hindelang an und  glaube, dass es am Seeufer einige Bereiche geben könnte, die gar nicht betreten werden sollten.  Auch sollte  man auf Seife, Schampoo usw. beim Baden verzichten Das gilt nicht nur für Zeltler, sondern für alle Besucher des See.  Jeder sollte dort sein Verhalten  kritisch betrachten. Vielleicht trägt dieser Aufruf dazu bei, den Schrecksee als  einen der schönsten Seen der Alpen so zu erhalten, wie wir ihn kennen  und anderseits das dezente Biwakieren im Gebirge nicht gänzlich zu verteufeln. Mit gutem Willen klappt das ohne Landratsamt und Polizeihubschrauber.

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2 Kommentare zu “Helft dem Schrecksee”

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