Iran Teil 4: ZOS- Zentralorientalisches Schwimmschneefundament

Die Muster sind sich überall auf der Welt ähnlich. Je weiter ein Gebirge in der Hauptzugrichtung der Wetterfronten vom nächsten Meer entfernt ist, je trocknener das Klima, desto häufiger ist man mit einem Altschneeproblem konfrontiert. Das ist in den Alpen so, in den Rocky Mountains, in Zentralasien und auch im Iran. In Gebieten, in denen kein Lawinenlagebricht zur Verfügung steht, hilft nur der Blick in die Schneedecke und das Verständnis der Prozesse darin. Doch selbst langjährige Erfahrung schützt nicht zwangsläufig davor sich am Ende der Reise, bei der es keine kritischen Situationen gab, durch Gruppendynamik und Finaldenken in genau so eine kritische Situation zu begeben.

Nach der erfolgreichen Besteigung des Damavands stand uns noch ein Tag zur Verfügung, bevor es zurück nach Teheran gehen sollte. Plan war es, den alpinen Teil unserer Iran-Reise mit einer kurzen Halbtagestour gegenüber des Damavans zu beschließen. Nachdem uns Masoud in den Talort gefahren hatte, begann diese mit einem kurzen Fußmarsch.

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Die Nordhänge gegenüber von Rineh

Es folgte nur kurzzeitig tragfähiger Firn, der bald in eine windbeeinflusste Bruchharschdecke  überging. Darunter teils harter, teils weicher Altschnee. Eigentlich sollten jetzt schon die Alarmglocken schrillen. Sie schrillten aber nicht. Zum einen war das Gelände stark kupiert und nicht besonders steil, zum anderen schien die Sonne, wir waren als größere Gruppe unterwegs und bestaunten immer wieder den erst gestern bestiegenen Damavand.

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Gutes und im Bearfsfall auch sicheres Aufstiegsgelände. Eigentlich wäre hier die kritische Situation schon gut zu erkennen gewesen.

Nach rund 1000 Höhenmetern, erreichten wir den direkt gegenüber von Rineh gelegenen Gipfel, an dessen Namen ich mich nicht mehr erinnern kann. Die Aussicht war grandios, die Abfahrt drohte auf Grund der Schneequalität mehr als nur ein bisschen beschissen zu werden. Doch gabs da nicht noch die steileren, nordseitigen Rinnen, wo sich noch teilweise guter Powder gehalten hatte?zos-6

Abfahrt nach Norden, kurz vor dem Lawinenabgang

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Wenige Sekunden später. Flucht zu dem Felsen, der auch am Bild zuvor rechts unten sichtbar ist.

 

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Der Bruch breitete sich bis zur Grathöhe fort.

Fazit:

  • Langjährige Erfahrung schützt nicht zwingend vor Fehlentscheidungen
  • Auch am Ende eines erfolgreichen Urlaubs sollte man öfters mal in die Schneedecke schauen
  • Auch ohne Alarmzeichen, wie „Wumm-Geräusche“ kann es ein Altschneeproblem geben.
  • Das Fehlen eines Lawinenlageberichts fordert um so mehr, sich intensiv mit dem Schneedeckenaufbau zu befassen
  • Öfters mal selbstkritisch das eigene Verhalten hinterfragen.

 

Alles gut gegangen: Inschallah

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