Roadtrip Albanien und Montenegro

Kaum Tourenbeschreibungen, kein Lawinenwarnsystem, die Anfahrt im Geländewagen: Wer sich im Winter in die Gebirge von Montenegro  und Albanien wagt, erlebt einsame Abfahrten, freundliche Menschen, reichliches und gutes Essen und langwierige Grenzübertritte. Es hätte ein ambitionierter Skitourenurlaub werden sollen. Das launische Balkanwetter gestattete jedoch nur bescheide Ziele. Herausgekommen ist ein Roadtrip durch zwei Balkanstaaten mit einigen kleineren Ski- und Wandertouren.

Da ist zum einen Montenegro, ein kleines Land, das aus den Trümmern des Kunststaates Jugoslawien hervorgegangen ist. Nur wenig größer als Vorarlberg offenbart es doch die ganze Vielfalt der Balkanhalbinsel auf engem Raum.

Zum anderen Albanien. In meiner Jugend noch das streng abgeschottete Nordkorea Europas weckt Jugendträume und Abenteuersehnsüchte. Wer hat nicht in der Jugend  Karl May´s „Durch die Schluchten des Balkans“ oder „Im Land der Skipetaren“ gelesen?

Dann noch der Kosovo, auf deutsch das Amselfeld. Ein vom Jugoslawienkrieg erschütteter Kleinstaat, den wir nur einmal beim Umrunden eines Gipfelsteinmanns betreten haben.

Neugierig geworden, durch das Tourismusförderungsprojekt „Peaks of Balkan“ begann unsere Planung. Die erhältlichen Informationen beziehen sich jedoch ausschließlich auf den Sommer. Die Bilder im Netz zeigen jedoch eine vielfältige, teilweise dolomitenhafte Landschaft, die durchaus auch im Winter etwas hergeben müsste. Es gibt ein paar Wanderführer und Landkarten von eher bescheidener Qualität. Mit diesen Informationen sollte unsere Tourenwoche beginnen. Als bevorzugtes Gebiet haben wir das Prokletije-Gebirge im Dreiländereck Albanien-Kosovo-Montenegro ausgesucht.

Die Anreise vom Flughafen Munic West, aka Allgäu-Airport nach Podgorica ist denkbar entspannt. Anzumerken ist, dass das Skigepäck mehr kostet, als der günstige Flugpreis von rund 30,– Euro. Wohlwissend über die schwierigen Straßenverhältnisse im winterlichen Balkan hatten wir für unsere private Gruppe zwei Dacia Duster angemietet. Nachdem wir diese in Empfang genommen hatten, konnte es losgehen. Der kürzeste Weg nach Plav führte durch Albanien. Es war also eine Staatsgrenze zu überwinden. Gut das mache ich zu Hause eigentlich jeden Tag, aber hier war eine Staatsgrenze noch eine Staatsgrenze. Rund eine Stunde dauerte der Grenzübertritt von Montenegro nach Albanien. Nachdem zwei mal jeder Pass kontrolliert und gestempelt wurde, öffnete sich der Schlagbaum nach Albanien. Durch eine atemberaubende Landschaft führte eine neue ausgebaute Straße hinein ins Gebirge. Ja, jetzt waren wir hier in den Schluchten des Balkans. Anders als bei Karl May wirkte außer dem Wetter nichts bedrohlich und neue Wegweiser, Rastplätze und Informationstafeln zeugen vom Aufbau einer touristischen Infrastruktur.

Kurz nach der Grenze: Albanien, das ehemalige „Nordkorea Europas“ überrascht mit gut ausgebauten Straßen
Auch die Nebenstraße von Hot nach Plav ist neu und gut ausgebaut
Immer wieder findet man gut ausgestattete Rastplätze
Ein Paradies für Outdoorsportler. Die Attraktionen sind mit EU-Mitteln beschildert worden
Bei Tamare/Albanien

Bald schon war wieder die Grenze zu Montenegro erreicht. Wieder die selbe Prozedur. Die Pässe mussten zum Beamten in das Grenzhäuschen gebracht werden, wo er die Daten in Buch eintrug und mit der Fahndungsdatei abglich. Dann öffnete sich der Schlagbaum zur Ausreise100 Meter weiter bei der Einreise die selbe Prozedur. Wegen des inzwischen einsetzendem Regen machte man sich nicht mal die Mühe, die Bilder in den Pässen mit den Personen im Auto abzugleichen. Der Pass meiner Großmutter hätte man auch vorzeigen können. Effektive Polizeiarbeit sieht anders aus, aber Hauptsache etwas Stau verursacht. Wobei zu sagen ist, dass die Grenzer nicht unfreundlich waren.

Der Einreisestempel gibt an, mit welchen Fortbewegungsmittel man eingereist ist. Ob es für Bergsteiger auch einen Stempel mit Ski gibt?
Blick von Gusinje ins Prokletije-Gebirge

In Gusinje am Fuß des Prokletije Gebirges fanden wir sogleich ein Hotel, dass einen Gewissen Schmuddelcharme des ehemaligen Ostblocks ausstrahlt. Für 13 Euro  bekamen wir saubere, aber schon sehr verwohnte Zimmer inkl. Frühstück. Das reichliche Abendessen ließ ebenso keine Wünsche offen.  Eine gewisse Resistenz gegen Zigarettenrauch sollte man allerdings mitbringen.WP_20170306_004

 

Als erste Tour haben wir den Tromeda, den Dreiländergipfel Albanien-Kosovo -Montenegro ausgewählt. Nach ein paar Sonnenstrahlen am Morgen setzte jedoch bald Regen ein. Wir gingen trotzdem. Bei der Anfahrt von Plav ins Balbino Tal wurde rasch klar, wie richtig die Entscheidung war, Allradfahrzeuge zu mieten.  Wir waren nicht alleine unterwegs. Zum einen entdeckten wir ein paar alte Skispuren, zum anderen war eine Polizeistreife zur Grenzsicherung unterwegs, die sogleich unsere Ausweise kontrollierte. Irgendwann war der Regen und Schnee übergegangen und es schien sogar ein bisschen aufzureißen.

Grundsätzlich sind die Berge im Balbinotal eher leicht, etwa vergleichbar mit den Bergen ums Schwarzwassertal (Kleinwalsertal). So auch der Tromeda. Dennoch zeigte der dank kräftigem Sturm im Gipfelbereich durchaus die Zähne.

Männerspielzeug

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Gut markierte Wanderwege
Tromeda
Der Dreiländergipfel Tromeda wird sichtbar

Der Gipfel des Tromedas

 

Die Hauptverbindungsachse von Ost nach West.

Am nächsten Morgen beschlossen wir bei starkem Schneeregen den Bergen für die nächsten zwei Tage den Rücken zu kehren und an die Küste zu fahren, wo es immerhin ein paar Sonnenstunden geben sollte. Dazu war das ganze Land von Ost nach West zu durchqueren. Hört sich weit an, jedoch bei einem Land, kaum größer als Vorarlberg sollte das kein großes Problem sein. War es auch nicht, denn dank unseren Allradfahrzeugen konnten wir auch die nicht geräumten Passstraßen gut überwinden.

Immerhin, bei der Fahrt von Kolasin nach Podgorica gab es eine kleine Schnee- und Regenpause, die wir für einen kurzen Abstecker in die Mrtvica Schlucht nutzten.

Noch am selben Abend erreichten wir die kleine Küstenstadt Budva. Sehenswert, aber schon ein bisschen touristisch versaut, was man vor allem am Preisniveau spürt. 2,50 € waren für einen Cupucino zu bezahlen. Für uns nicht viel, aber mehr als das Doppelte, wie landesüblich. Trotzdem. die Altstadt im venezianischen Stil ist eine Reise wert.

Abends in Budva

Bereits den nächsten Abend verbrachten wir wieder im Prokletije-Gebirge.

 

Man beachte das Nummernschild vor und nach der Flussquerung

Nach der Erkundung des Seitentals von Vermosch in Albanien und dem Grenzübertritt bezogen wir unser Zimmer im Hotel „lake view“ in Plav. Das Hotel im Blockhausstil war sauber, aber wohl nur auf Sommergäste ausgerichtet, da die Heizung fehlte. Kein Problem, sofot bekamen wir einen kleinen Elektroofen und  die Zimmer wurden angenehm warm. Auch hier ist das gastfreundliche Personal und der günstige Preis (17,–€ inkl. Frühstück) zuerwähnen.

Für den nächsten Tag war endlich sonniges Wetter vorhergesagt. Die Tour sollte in das dolomitenhafte Ropojana Tal führen. Von dort aus wolten wir oberhalb des Seitentals Zastan Koliba irgendeinen Gipfel erreichen. Leider hielt sich das Wetter nicht an die Vorhersage, so das es eine neblige Skiwanderung wurde. Bei diesen Sichtverhältnissen und den gewaltigen Neuschneemengen  in Verbindung mit dem schlechten Kartenmaterial machte es schlichtweg keinen Sinn über die Baumgrenze hinaus zu gehen. Heraus  kam eine Skitour mit ein paar netten Hängen zwischen den Bäumen  und viel Talhatscherrei. Nur kurz blitzten mal gewaltige Berge durch den Nebel und gaben ein Eindruck davon, was es hier zu sehen gibt.

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Gebietstypische Moschee mit Holzturm in Vusanje
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Vusanje mit Ropojana Tal
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Nur kurz gibt der Nebel ein Blick auf die Berge frei

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Oberhalb von 1.500 m recht schneereich

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Mit Kraftaufwand einigermaßen fahrbar

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Für die letzten beiden Tage war dann endlich und wirklich sonniges Wetter angekündigt. Allderdings nur an der Küste. Also wieder dorthin. Ist ja auch kein Problem in einem Land mit überschaubaren Entfernungen.

Bei der Fahrt  dorthin am nächsten Morgen riss es kurz nach der albanischen Grenze wenigstens andeutungsweise auf, so dass wir uns spontan zu einer Skitour von Lepushe zum knapp 2000 Meter hohen Maja Berizhdolit Diese Tour machte wirklich Spass, sieh führte durch lichte Buchewälder und schließlich über einen kurzen Steilhang zum sturmumtosten Gipfel. Nach anfänglichen Bruchharschgegurke gabs wirlich schon zu fahrenden „Buchenwaldpfludder“ Einen Typ Schnee der Irgendwo zwischen Nassschnee und Sommerschnee liegt und sich mit etwas Kraftaufwand ganz gut fahren lässt.Überhaupt erscheint mir die Gegend um Lepushe (richtig mit Pünktchen über dem e geschrieben) als ein wirklich gutes und vielseitiges Tourenrevier, sowohl bei gutem als auch bei schlechtem Wetter.

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Albanischer Stangenbuchenwald
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Gipfel in Sicht
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Gipfelpause im Schneesturm
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Durchaus brauchbare Abfahrt
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Gar nicht so schlecht: Abfahrt im „Buchenwaldpfludder“

Der letzten Tag verbrachten wir mit einer Bergtour auf die Supra im Orjengebirge und der Besichtigung der Hafenstadt Kotor.

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Kotor
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Buch von Kotor

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Die Supra im Orjengebirge. Der Karst gestaltet den Aufstieg mühsamer, als man glaubt
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Karst
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Karst
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Die Bora brachte die Sonne: Trotzdem kein geeignetes Outdoorwetter. Auf dem Gipfel der Supra
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Blick über den Skadarsee aka Skutarisee
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Zu was braucht man Schnee

 

Allgemeins zu Skitouren in Montenegro und Albanien

Es gibt eine brauchbare touristische Infrastruktur. Im Sommer wird der Bergtourismus unter dem Titel „peak of balkan“ beworben. Die Wegmarkierungen sind vorbildlich. Im Winter sind zuverlässige Informationen kaum erhältlich. Skitouren im Prokletije Gebirge haben alleine schon deshalb Abenteuercharakter.

 

Wetter/Klima

Montenegro und Albanien liegen im Übergangsbreich zwischen kontinentalem Klima und der mediteranen Klimazone mit Sommertrockenheit und reichlich Niederschlag im Winter. Im Orjengebirge befindet dich das europäische Niederschlagsmaximum. Das bedeutet im Winterhalbjahr recht unbeständiges Wetter mit reichlich Schnee oberhalb von rund 1500 m. Ein weiteres, nicht zu unterschätzendes Wetterphänomen ist die Bora. Ein stürmischer Fallwind, der zu den stärksten Winden der Erde zählt und jegliche alpine Ambitionen rasch vom Winde verwehen lässt. Die Bora tritt im Küstengebirge auf. Klimadaten Balkan.jpg

Im Vergleich dazu: Balderschwang/Allgäu  ca. 2.450 mm, Imst/Tirol ca. 700 mm

Einreise/Grenzen

Für Deutsche, Österreicher und Schweizer reicht ein maschinenlesbarer Personalausweis. Ein Reisepass wird empfohlen. An den Grenzübergängen ist mit Wartezeiten zu rechnen.

Sicherheit

Unser Eindruck war jene eines sicheren Reiselandes (Montenegro). Diese Einschätzung wird durch das Auswärtige Amt bestätigt. Im Kosovo soll es in den Gebirgsregionen noch Minenfelder aus dem Jugoslawienkrieg geben. Bei Skitouren und Schneebedeckung wohl nicht relevant.

Es gibt keinen Lawinenlagebericht. Die Lawinengefahr ist eigenständig zu beurteilen. Wer dazu nicht in der Lage ist, sollte sich einer organisierten Skitourenreise anschließen.

Ohne Gefahrenstufe, kein „Munterrechnen“ oder „Snowcardhinhalten“

Ob im Notfall mit einer organisierten Bergrettung zu rechnen ist, wage ich zu bezweifeln. Man ist auf die Kameradenrettung angewiesen.

Währung/Preise

Montenegro:  Euro.

Generell recht preiswert: Halbe Bier 1,00  €, Capuccino 0,90 €, Fleischgericht 7,–€ . In den touristisch versauten Küstenorten auch deutlich teurer.

Albanien:        Lek,  (Euro wird auch angenommen)

Wir haben in Tamare für 10 !! Getränke (Kaffee, Wein) in einer Kneipe 6,– € bezahlt.

 

Anreise

Mit dem eigenen Auto ca. 1.500 Kilometer ab München auf dem Landweg. Rund 20 Std. Alternativ über Italien und mit der Fähre ab Ancona. Wesentlich entspannter ist es ab dem Allgäu Airport/Munic West für wenige Euros nach Podgorica zu fliegen und dort ein Fahrzeug zu mieten.

Organisierte Reisen

Unter der Suchanfrage „Skitouren Montenegro“ spuckt Tante Google organisierte Skitourenreisen nach Montenegro an

Führer/Karten

Huber Verlag  „Peaks of the Balkan“ Halbwegs brauchbare Wanderkarte mit grober Geländezeichnung. Kann von der  Qualität nicht an  die Alpenvereinskarten oder die Schweizer Landeskarten heranreichen. Mangels Alternativen dennoch für die Tourenplanung nötig. Im Bergverlag Rother in München sind zwei Wanderführer erschienen, die sich jedoch auf den Sommer beziehen. Dennoch enthalten diese auch die eine oder andere sinnvolle Informationen für den Winter.

Mögliche Ziele

Balbino Tal bei Plav.

Ein Tal mit eher sanften Bergen. Dort befindet sich auch der Dreiländergipfel Tromeda. Vielseitiges Gelände mit alles Expositionen. Für die Anfahrt ist ein Allradfahrezug mit Bodenfreiheit nötig, oder es steht ein sehr langer Talhatscher an. Der Startpunkt liegt je nach Befahrbarkeit der Straße um die 1600 m.

Zentrum Prokletije.

Vom Ausgangspunkt Gusinje lassen sich jede Menge Touren in aller Schwierigkeit durchführen. Es überwiegen lange Touren in einer dolomitenähnlichen Landschaft. Die Ausgangspunkte liegen um die 1000 m. Es ist also auch mit Ski tragen zu rechnen.

Lepushe Albanien

Wohl das pflegeleichteste Tourengebiet im Prokletije. Der Wechsel zwischen sanften Wiesenhängen und lückigen Wäldern gestatten Touren auch bei kritischen Verhältnissen. Zudem auch anspruchsvolle Möglichkeiten. Für die Anfahrt dürfte in der Regel ein normales Auto genügen.Dank hoch gelelegenem Ausgangspunkt auch recht schneesicher.

Weitere Ziele (von uns nicht besucht)

Rund um Kolasin soll es gute Tourenmöglichkeiten geben. Ebenso im Durmitor-Nationalpark im Norden Montenegros.

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2 Kommentare zu “Roadtrip Albanien und Montenegro”

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