Grüne Berge

Viele Berge  der  Allgäuer- und Lechtaler Alpen und des Bregenzer Waldes erstrahlen während des Sommers in einem einzigartigem grün. Nichts besonderes, ist ja jeden Sommer so – auf vielen Bergen. Mich faszinieren markante Kalkklötze,  Gletscherberge oder Wüstenlandschaften mehr. Das solche grüne Berge etwas besonders sind, wurde mir erst im Laufe meiner zahlreichen Reisen klar, aber auch durch den Austausch mit Menschen aus anderen Berggegenden.

Um die Berge in diesem Maß ergrünen zu lassen, sind mehrere  Voraussetzungen nötig. Zum einen das Klima mit reichlich Niederschlag in der Hauptvegetationsperiode, also im Sommer, zum anderen der geologische Untergrund aus einem wasserspeichernden, nährstoffreichen Material.  Eine weitere Bedingung ist die Höhe der Berge über dem Baumgrenze, aber unterhalb der Schneezone.

Sind alle Bedingungen erfüllt,  so ist der Berg im Sommer von einem leuchtend grünen Mantel überzogen, der nur dort Fels zu Tage treten lässt, wo die Neigung in die Vertikale übergeht oder sich die Höhe des Berges der Vegetationsgrenze nähert.

Ausflug in die Geologie

 

Dies soll nur ein kurzer, bewusst einfach gestalteter Überblick in die Geologie sein.

Die wichtigsten Gesteinsklassen

  1. Tiefengesteine: Gesteine aus dem flüssigen Erdinneren, die durch Hebung und Faltung langsam an die Erdoberfläche gehoben wurden. Z.B. Granit
  2. Ergussgesteine: Durch Vulkanausbruch an die Erdoberfläche gelangt. Z.B. Basalt
  3. Umwandlungsgesteine: Vormals Sedimente und Kalke, die durch Faltung ins Erdinnere gelangten, dort geschmolzen sind und wieder an die Oberfläche gedrückt wurden. Z.B. Gneiss
  4. Sedimente: Bestehen aus abgestorbenen Tier- und Pflanzenteile, Staub, Sand usw. die auf den Grund eines Meeres oder eines Sees gesunken sind, sich dort verfestigt haben und durch Hebung und Faltung wieder an die Erdoberfläche gehoben wurden. B. Kalke, Dolomit, Mergel und Flysch.
Fleckenmergel
Fleckenmergel: Der Baustoff für die „grünen Berge“

In den Allgäuer Alpen kommen nur Kalke und Sedimente vor. Abhängig von der Tiefe und der Temperatur  des Meeres, lebten dort unterschiedliche Tiere und Pflanzen, was in Laufe der Millionen Jahre auch unterschiedliche Steine entstehen ließ.

Das Baumaterial für unsere „grünen Berge“ ist in der Regel Fleckenmergel, ein kalkarmes, oft saures, tonhaltiges Sediment, dass in flachen, tropischen Lagunen entstanden ist. Es ist ein weiches Gestein, dass meist zu großen, sanft geformten Bergen gefaltet wird, in die die Erosion tiefe Gräben geschnitten hat. Der Fleckenmergel wird zu den Allgäuschichten gezählt.

Das Gestein der Allgäuschicht zeigt sich lediglich auf steilen, von Erosionsrinnen gefurchten Hängen – wo die Erde abgerutscht ist oder sich von Grund auf nicht halten konnte – und scharfen Graten. Diese Gesteinsschichten bilden die so genannten „Allgäuer Grasberge“. Für die Alpwirtschaft sind die Allgäuschichten eine wichtige Basis: Auf ihr konnte sich Grünland bilden, was für die Viehzucht von existenzieller Bedeutung ist.

Wikipedia Allgäuschichten

Am Nordrand der Allgäuer Alpen bildet der Flysch, sanfte große Hügel. Das weiche, soft sandige oder tonige Gestein  neigt zu Erdrutschen, bildet keine Felswände aus und sorgt in Verbindung mit reichlich Niederschlag für überwiegend grüner Hügel mit sumpfigen Weiden, Heidelbeerbewuchs oder dichten Wäldern.

Eine Sonderform der „grünen Berge“ bilden diese aus Aptychenkalk. Dieses Gestein ist härter, bildet messerscharfe Grate steile Wände und eignet sich dort, wo es nicht von einem Grasmantel überzogen ist, durchaus zum Klettern. Als Bespiel seien Höfats, Schneck, aber auch der Heelzapfen und die Rockspitze genannt.

Ebenso wie die Allgäuschichten sind die Aptychenkalke reich an Nährstoffen, die das Pfanzenwachstum fördern.

Auf den früher  oft fälschlich  als „saure Kalke“ bezeichneten Böden fühlen sich sowohl typische Kalkpflanzen, als auch typische Pflanzen saurer Böden wohl. Das führt in den Allgäuer- und Lechtaler Alpen zu einer einzigartigen Artenvielfalt, sowohl mit einer kalkalpinen, als auch mit einer zentralalpinen Flora.

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Trettach
Dort wo der graue Hauptdolomit der Lechttaldecke den Fleckenmergel überlagert, gibt es einen scharfen Übergang von den grünen Bergen zu einer kahlen Dolomitlandschaft

Interessant, dass die jüngeren Allgäuschichten oft von dem älteren, hellgrauen und bewuchsarmen Hauptdolomit überlagert wird, dessen kahle Felsberge einen deutlichen Kontrast zu den grünen Gipfel aus Fleckenmergel darstellt

Von den grünen Bergen stellen nur jene aus Flysch das dar, was sich viele darunter vorstellen. Sanfte, harmlose Grasbuckel, ideal zum Wandern und Blumen ansehen und im Winter zum Skifahren.

 

Die Mergelberge weisen trotz ihrer sanften Formen oft eine beträchtliche Neigung auf. Bei Regen verwandeln sich die steile Flanken in gefährliche Rutschbahnen, die Wege  werden dann oft schlammig und rutschig.  Im Sommer überzieht  ein wahres Blütenmeer den Grasmantel.

Die Grastechnik

Änhlich wie beim Schnee gilt es bei steilen Grastouren die aktuellen Verhältnisse imFocus zu haben. Bei Nässe werden die steilen Flanken zu gefährlichen Rutschbahnen, bei Trockeheit  wird der Boden sandig und die Grasbüschel lassen sich herausziehen. Im Herbst wird dass Gras glatt und rutschig, wie ein nordisches Strohdach. Am besten sind die Verhältnisse im Sommer, ca. 2- 5 Tage nach dem letzten Regen, wenn das Gras gut im Saft ist.

Bei langem Gras fasst man den ganzen Grasbüschel und dreht das Gras mit der Hand ein und zieht sich daran hinauf, bei kurzem Gras krallt man hinten mit gespreizten Fingern in den Graswasen und belastet diesen mach unten. Damit kann man bei guten Verhältnissen erstaunlich steil steigen. Bei glattem Gras, gefrorenen Boden werden rasch Steigeisen und Eisgeräte nötig. Auch das geht erstaunlich gut.

Grastechnik lang

Grastechnik kurz

Kleine Höfats
Kleine Höfas
gruene berge 1
Am „Habam“ Linkerskopf

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Alpendost

Hoefats 11
Höfats- Überschreitung
Heiterberg 2
Heiterberg
Abends Höfer
Höferspitze
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Höfats

Hoefats

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Knapp oberhalb der Schlüsselstelle der Höfatsüberschreitung: Tiefblick ins Rote Loch
Aelpelekopf
Blick vom Heiterberg
Rädlergrat
Der Rädlergrat hat inzwischen auch Eingang in „Pauses Extremen Fels“ gefunden. Meine erste und einzige Begehung war im Jahr 1995.

Grüne Berge in anderen Regionen

Selbst in der Trockenzeit noch saftig grün, aber eben ein dunkles, schweres grün: Dschungelberge am Ostrand der Anden.

Macchu Pichu

Macchu Picchu 2
Machu Picchu , Peru
Island
Grüne Berge in Island. Danke Jonathan für das Foto

 

Die schönsten Touren in den „grünen Bergen“

Von der Kanzelwand zum Söllereck:

Bequeme Wanderung, auch ohne alpine Kenntnisse und Ausrüstung  gut möglich.

Kreuzeck-Rauheck

Alpine Wanderung auf markiertem Weg  (in obigem Link allerdings „herbstbraun“)

Höfatsüberschreitung

Der Klassiker der Steilgrastouren

Über den Heiterberg

in etwa wie die Höfatsüberschreitung

Elmer Rotwand-Pfeilspitze

Das Tiroler Pedant zur Höfatsüberschreitung

Rädlergrat

Die Tour, die ein Allgäuer Bergsteiger mal gemacht haben muss. Berühmt und berüchtigt. Hat inzwischen Eingang in Pauses „Im extremen Fels“ gefunden.

https://www.youtube.com/watch?v=GsiFbU6qjhg

 

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