Zeit um Danke zu sagen – Klettern am Grünten

Es sind manchmal Kleinigkeiten, manchmal eine tage- wochen- oder jahrelange Arbeit, die hinter etwas steckt, dass wir allzu gerne als selbstverständliche ansehen. An dieser Stelle möchte ich zweimal Danke sagen. Zum einen für das Entgegenkommen der Bauern und Alphirten, zum anderen für die unermüdliche Arbeit ein vergessenes Klettergebiet wieder zum Leben zu erwecken und den allgäuer Kletterern einen besonders schönen Klettergarten zu schenken.  Es geht um ein Klettergebiet auf der Ostseite des Grüntens.

Die Kleinigkeit

Der Zugang zu unserem Kletterfelsen für über den Grund der Kranzegger Bauern. Möglicherweise auch einer Alpgenossenschaft. So genau weiß ich das nicht.

Dieser Zugang folgt alten Pfaden, die vermutlich schon längst zugewachsen wären, würden sie nicht regelmäßig von Kletterern begangen. Extra für uns Kletterer haben die Bauern dort den Elektrozaun absenkt um den Zugang zu erleichtern. Nur eine Kleinigkeit, aber dennoch eine nette Geste, für die ich einfach mal Danke sagen möchte.

Zaun
Nur eine Kleinigkeit, aber eine schöne Geste der Kranzegger Bauern und Hirten. Nur für uns Kletterer wurde der Zaun abgesenkt. Danke!

Die Riesenarbeit

Der nächste Dank geht an die Erschließer, allen voran Pat Schwarzmann, die diesen alten Klettergarten  in den späten 90ger Jahren wieder zum Leben erweckt haben. Vereinzelt zeugen alte Schlaghaken noch von früheren, lange zurückliegenden Aktivitäten. Mit einem kaum vorstellbaren Fleiß und auch mit viel finanziellem Einsatz wurden rund 100 Sportklettertouren zwischen zehn Metern und fünf Seillängen erschlossen. Der Schwierigkeiten liegen zwischen IV und IX, wobei der VI und der VII. Grad überwiegt.

Alte Verbotsforderungen

Das Allgäu liegt nicht in Frankreich oder in Tirols „climbers ‚Paradise“ und so ist es nicht verwunderlich, dass die Erschließung dieses Felsen nicht die übliche Empörung von Seiten der Jagd und des Naturschutz ausgelöst hat. Besonders perfide der Inhalt des von einem oberallgäuer Wildbiologen erstellten Gutachten, der die Naturverträglichkeit des Kletterbetriebes vom Bau oder „Nichtbau“ des ATA (Alpines Trainingszentrum Allgäu) im benachbarten Skigebiet abhängig machte.

Gutachten Gigglstein Text (002)
Auszug aus einem Gutachten eines oberallgäuer Wildbiologen, der u.a. auch das Projekt „Skibergsteigen umweltfreundlich“ begleitet. Im Prinzip wird hier eine „Entweder-Oder-Situation“ geschaffen. Den Kletterfelsen als Ausgleich für neue Pisten zu sperren und damit Leute gegeneinander aufbringen, die friedlich nebeneinander ihren Sport betreiben könnten, dass war schon ein starkes Stück.

Gut: Der Bau des ATA´s am Grünten scheiterte am Geld und an internen Streitereien und somit war auch das Gutachten hinfällig. Stress machte lediglich noch der Leiter der Bayrischen Staatsforsten in Sonthofen in deren Besitz die Südseite der Felsen ist.

Zusammenarbeit im Konsens

Da nach den bitteren Erfahrungen am Hohen Ifen  um das Jahr 2002 ein weiterer schöner Felsen gesperrt werden sollte, wurde die IG Klettern Allgäu gegründet. Gemeinsam mit dem LBV, dem Landratsamt und den örtlichen DAV Sektionen wurde ein guter Kompromiss gefunden, um dass Klettern dort weiterhin zu ermöglichen.

Schild Gigglstein

Dieser sieht unter anderem vor:

Reguläre Einschränkungen:

  • In der Zeit vom 1. Januar bis 15. April ist grundsätzlich ein freiwilliger Kletterverzicht vereinbart
  • Nistet innerhalb dieser Zeit keine der gefährdeten Felsbrüterarten am XXXXX, ist ab dem 15.4. das Klettern uneingeschränkt möglich.
  • Haben gefährdete Felsbrüter am XXXX bis zum 15. April mit der Eiablage begonnen, wird die IG Klettern zusammen mit dem Landratsamt, DAV und dem LBV regeln, auf welchen Routen zu welchen Zeiten geklettert werden kann oder nicht.
    Diese Bereiche werden dann entsprechend markiert. In bestimmten Fällen kann ein Verzicht auf Klettern am gesamten XXXXX bis August notwendig werden. Es kann auch zu Einschränkungen kommen, wenn eine Eiablage nach dem 15. April entdeckt wird. Dies wird je nach Situation entschieden.
  • Skizzen, Topos und Routenbeschreibungen werden weder in Führern noch in Alpinzeitschriften o. a. veröffentlicht
  • Es dürfen keine weiteren Routen am XXXX incl. Nebenfelsen erschlossen werden. Zu den Nebenfelsen zählen auch die xxxx und der xxxxxx
  • Der Zugang zu den Felsen darf ausschließlich von Norden („Jörg-Alpe“) erfolgen.
  • Biwakieren, Feuer machen etc. an den Felsen ist nicht gestattet.
  • Es ist hoffentlich allen interessierten Kletterern/innen klar, dass nur bei Einhaltung dieser Regelung eine komplette Sperrung dieser Felsen verhindert wird! Insofern bitten wir dringend um Beachtung.

 

 

Aufruf zur Beachtung der getroffenen Vereinbarungen.

Im Gegensatz zu anderen Brennpunkten mit Zielkonflikt wurden hier im Konsens gute Lösungen gefunden. Daher ein klarer Aufruf das Regelment einzuhalten und auch alles zu unterlassen, was die Grundbesitzer beim nordseitigen Zustieg verärgern könnte.

Ausblick

Die Grüntenlifte sollen modernisiert werden. Hoffen wir, dass nicht wieder ein Gutachter daher kommt und als Ausgleich für die Baumaßnahme vorschlägt, den Fels zu sperren. Bestehen wir auf den gefundenen Kompromiß. Umso wichtiger ist es, dass wir Kletterer uns daran halten.

Um welches Klettergebiet geht es jetzt?

Da für dieses Gebiet ein Veröffentlichungsverzicht vereinbart wurde, werde ich weder den Namen, die Lage noch Daten zu irgend welchen Touren veröffentlichen. Im Allgäu ist es allgemein bekannt, so dass die Masse der Leser eh weiß, worum es geht.

Advertisements

3 Kommentare zu „Zeit um Danke zu sagen – Klettern am Grünten“

  1. Hallo Christian,

    so viel Nettigkeit hätte man den Allgäuer / Rettenberger Bauern gar nicht zugetraut.

    Was die Grüntenlifte betrifft musst du dir glaube ich aber keine sorgen machen. Ich persönlich glaube, dass die Grüntenlifte die kommende Saison ein letztes mal auf Notbetrieb laufen werden und war es das.

    Der Herr Walimann mit seinen angeblichen Investoren hat tatsächlich noch nicht ein einziges Grundstück, Hütte etc. geschweige denn den Lift gekauft. Im Gegenteil er hat schon Notartermine platzen lassen.

    Ich glaube nicht dass er das Geld hat oder auftreiben kann die Lifte zu übernehmen oder gar zu sanieren. Der Grünten wird ein reiner Rodel und Skitourenberg werden.

    Dies ist allerdings meine persönliche Einschätzung die ich allerdings mit vielen Rettenberger teile.

    Gruß

    Willi

    Wilhelm Kleinheinz

    Gefällt mir

  2. Nach einem Klettertag dort droben kehre ich auch immer noch beim Abstieg in der Hütte auf ein Radler ein – und gebe mich auch ganz bewusst als Kletterer zu erkennen. Ich denke, wenn dies von der Klettergemeinde auch in anderen „Problem-Gebieten“ so praktiziert werden würde, wäre die Stimmung gegen bzw. die Meinung über uns auch oft eine andere, als das landläufige Bild von „dreckerten Wildcampierern“, die sowieso keine Regeln befolgen. Du hattest ja in einem anderen guten Post bzgl. der Ifen-Problematik darauf hingewiesen, dass es auch durchaus anders geht: Wie in Tirol die Kletterer als potentielle Zielgruppe auch touristisch/gastronomisch erkannt wurden. Im Vinschgau wird speziell auf die Mountainbiker eingegangen (die im Allgäu meistens als Rowdies angesehen werden). So weit sind wir hier im Allgäu noch lange nicht (und ob man das mit allen Konsequenzen so auch hier einführen wollen würde, sei mal dahin gestellt…), aber um zumindest etwas Akzeptanz zu verbreiten und die freien Berge auch weiterhin frei für alle zu halten, zeigt die Erfahrung, dass man schon auch aktiv etwas dafür tun kann.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s