Übernachtungsprobleme – Wir brauchen Hütten im Tal

Jeder kennt die Situation,  am Wochenende ist gutes Wetter angekündigt, die Lawinengefahr (Winter) oder das Gewitterrisiko (Sommer) sind gering. Sprich beste Verhältnisse, alles passt. Zeit ein Wochenende oder gar ein langes Wochenende abseits seiner Heimatregion im Gebirge zu verbringen um sich seine alpinen Träume zu erfüllen. Also nochmal Wetter und Verhältnisse checken uns los. Handelt es sich bei unserem Ziel um eine Hochtour wird man meist auf einer Hütte übernachten oder aber biwakieren, wenn diese voll ist. Geht man das Wunschziel vom Tal aus, wird’s schwierig. Gerade im Winter. Wohl dem der einen Campingbus oder ein gutes Zelt hat. Doch nicht überall gibt es einen passenden Campingplatz oder wird „wildes Campieren“ toleriert. Wer von Samstag auf Sonntag ein Zimmer sucht, wird damit oftmals keinen Erfolg haben womit wir wieder beim „wilden Campieren“ sind. Ähnlich die Situation für Pistenskifahrer aus alpenfernen Gegenden, die nur Samstag/Sonntag  zum Skifahren anreisen.

 

 

Die Sicht der Einheimischen und der Vermieter

 

Zunächst mal wird es den meisten Einheimischen ziemlich wurscht sein, ob irgendwo  am Parkplatz vor den Ort ein Campingbus oder ein Zelt steht. Nimmt selbiges jedoch überhand und  die Wiese hinter dem Parkplatz ist regelmäßig mit menschlichen Ausscheidungen gedüngt und  mit den dazugehörigen Papieren verziert, dann kann ganz schnell die Stimmung kippen. Wer zudem noch selber kocht, erntet vom Gastwirt rasch neidvolle und ärgerliche Blicke. Wenn Toiletten  und Papierkörbe aufgestellt werden, kommt in einer Berggemeinde rasch die Diskussion auf, warum man für Leute, die keinen Cent vor Ort ausgeben noch Sanitäranlagen bezahlen soll.

Der Pensionsbesitzer möchte seine Zimmer natürlich an so vielen Tagen im Jahr wie möglich belegt haben. Am liebsten ist ihm die Urlauberfamilie aus Nordrhein Westfalen, die im August 2017 schon drei Wochen für den August 2018 bucht, ein bisschen wandert, zwischen  8.00 Uhr und 10.00 Uhr frühstückt und auch kommt, wenn es im Juli dauerregnet oder an Weihnachten kein Schnee liegt. Aber wenigstens eine Woche sollte der Gast bleiben. Jemanden für eine Nacht  von Samstag auf Sonntag aufzunehmen, wegen dem dann dass Zimmer  vielleicht für einen Gast nicht mehr zur Verfügung steht, der eine Woche bleibt? Jemanden aufnehmen, der plötzlich kurzfristig absagt, weil die geplanten Klettertouren nass sind oder die Lawinengefahr  für seine Tour zu hoch ist? Für jemanden um 4.00 Uhr das Frühstück bereitstellen, weil man für die ostexponierte Skitour um 9.00 Uhr abfahren sollte? So was macht man, wenn überhaupt höchstens kurzfristig, wenn man Zeit hat und grad alles frei ist.

Betriebswirtschaftlich ist das auch verständlich. Wer kann es sich leisten, Zimmer auszubauen die fast das ganze Jahr leer stehen und nur an schönen Wochenenden für eine Nacht belegt sind. So etwas rechnet sich nicht. Davon kann man nicht leben.

 

Aus Sicht des Bergsteigers

 

Wenn ich mich am Freitagabend oder Samstagnacht ins Auto setzte, eine Anreise auf mich nehme, dann tue ich dies nur, wenn Wetter und Verhältnisse so sind, dass ich die geplante Tour auch durchziehen kann. Trotzdem hinfahren, weil man schon vor einer Weile eine Hütte oder ein Zimmer gebucht hat und dann man schauen, genau das ist der erste Schritt zum Unfall. Denn wenn man schon mal da ist, dann versucht man auch mal etwas  bei fraglichen Verhältnissen, dass man zu Hause bei so einem Wetter nie gemacht hätte. Vielleicht findet sich ja ein Zimmer für eine Nacht (gerade im Winter, oder falls abendliche Gewitter angesagt sind.) Aber wir müssen natürlich früh aufbrechen. Bei unserer  Dolomitenklettertour sollte man um 6.00 Uhr am Einstieg stehen, unsere Skitour ist ostseitig. Wir sollten um 9.00 Uhr am Gipfel mit der Abfahrt beginnen. Je nach Ort und Saison braucht man es gar nicht versuchen, kurzfristig ein Zimmer zu bekommen. Also richte ich mich gleich auf ein Parkplatzbiwak ein und suche gar kein Zimmer. Das spart Zeit und Geld und, was am wichtigsten ist, es ermöglicht eine flexible Planung.Biwak

Angebot und Nachfrage

treffen sich auf dem Markt. Dort bestimmen sie den Preis. So die Volkswirtschaftslehre. Doch in unserem Fall treffen sich Angebot und Nachfrage selten oder nie. Obwohl Bergsteigen mit seinen verschiedenen Spielarten boomt,  ist das touristische Angebot in den meisten Alpenregionen nicht auf Bergsport ausgelegt.  Das ist etwa so, als wenn man gerne ein Schnitzel essen würde, der Wirt aber nur Kaffee und Kuchen anbietet und sich dann beschwert, dass nichts konsumiert wurde.

Lösungen/Ideen

Selbst habe ich mich längst damit abgefunden, dass ich bei meinen Touren überwiegend biwakiere. Meist im Tal und im Idealfall in der Fußgängerdistanz zu einem Restaurant für das Abendessen. Oft frage ich gar nicht nach, ob es irgendwo ein Zimmer gibt, weil ich in meiner Tourenplanung flexibel sein möchte. Zum Essen geh ich in der Regel in ein Restaurant und verrichte dort auch mein Geschäft.  Das ich diese Praxis überwiegend anwende bedeutet nicht, dass ich nicht auch gerne mal in einem Zimmer schlafen würde, zumal ich mir das auch finanziell leisten kann, sondern ist der Tatsache geschuldet, dass es oft keine auf meine Art zu Reisen zugeschnittene Unterkunft gibt.

Wie so oft eröffnet ein Blick über den Tellerrand Lösungsansätze.

Das Hostal

ist in Südamerika die übliche Unterkunft für Rucksackreisende und Bergsteiger. Meist eine Mischung aus Hütte, Pension und Jugendherberge.

Das Touristenlager

In der seit jeher teuren Schweiz stand  und steht die Gastronomie unter starkem Preisdruck. Viele Gaststätten bieten sogenannte Touristenlager an. Vergleichbar mit den Lagern in einer Hütte. Oftmals ist auch ein eigener Schlafsack erforderlich. Aber immerhin ein Dach überm Kopf, eine Dusche am Abend. Vielleicht sogar die Möglichkeit, sich selbst das Frühstück zubereiten. Für den Besitzer bedeutet das keine großen Investitionen und das Ganze läuft so nebenher  und ist eher wurscht, wenn es unter der Woche leer steht und am Wochenende auch mal recht voll ist. Mit dieser Möglichkeit haben es die Schweizer geschafft, die Fixkosten zu senken und eine, zumindest für schweizer Verhältnisse recht günstige Übernachtungsmöglichkeit zu kreieren. Wer  mehr Luxus wünscht, muss sich eben ein Zimmer suchen, was in der Schweiz fast immer möglich ist, aber meist nicht dem  „normaleuropäischen Preisniveau“ entspricht.

Der Camping

Im Sommer die Ideallösung. Man stellt einfach sanitäre Anlagen auf eine Wiese und gestattet dort gegen eine gewisse Gebühr  das Campieren. In Frankreich fast schon „die übliche Art“ den Urlaub, nicht nur im Gebirge zu verbringen.

 

Der Camping „Ailefrode“ nimmt fast den ganzen Talkessel ein. Man zeltet legal, es gibt Klo und Dusche für 7,– € am Tag pro Person inkl. Auto und Zelt.  (2017) Ideal um die Massen unterzubringen und ereugt keine Leerstandskosten, falls es regent und der Bergsportler plötzlich abreist. In nasskalten, regenreichen Regionen, wie dem Allgäu könnte man so etwas durchaus um einen Aufenthaltsraum zum Sitzen und Kochen beim schlechtem Wetter erweitern.

Leider sind solche einfachen Campingplätze mit gutem Preis/Leistungsverhältniss fast nur in Frankreich und seltener noch in der Schweiz zu finden.Camping Ailefroide

Italienische Campingplätze, wie z.B. dieser in den Dolomiten sind schon auf Grund des Preises, für den man in manchen  Orten  schon ein Zimmer mit Frühstück bekommt uninteressant.  Hier bezahlt man für einen Komfort, den man gar nicht braucht oder man campiert eben diskret wild. (19,75 pro Personen, bei zwei Personen mit Auto und Zelt – 2017)

Die Hütte im Tal

Die Hütte im Tal, als Mischung zwischen Hostal, Pension, dem Touristenlager und der klassischen Berghütte könnte die Lösung darstellen. Im Idealfall an eine Pension oder an ein Hotel angeschlossen. Einfache Übernachtungsräume und ein Selbstversorgerbereich reduzieren die Fixkosten und die Kapitalbindung für den Betreiber und ermöglichen  das Grundprodukt „Übernachtung im Mehrbettzimmer oder Lager“ zu einem Preis anzubieten, der auch akzeptiert wird. Gewünschter Komfort, wie Bettwäsche,  Einzel- oder Doppelzimmer, Dusche im Zimmer,  Frühstück oder Halbpension können dazu gebucht werden, müssen aber reserviert werden, da der Wirt auch entsprechend einkaufen  muss.

So ein Model ermöglicht es kurzzeitig irgendwo zu übernachten, bei Bedarf auch mal früh um 4.00 Uhr zu frühstücken um so flexibel auf die Tourenverhältnisse zu reagieren. Es würde auch dazu beitragen, aus dem Tagesausflügler oder Wildcamper einen Übernachtungsgast zu machen.

Fährt man im Sommer über die Dolomitenpässe oder über den Furkapass, so fallen die hunderte von Campingbusse, Zelte usw. auf, die irgendwo stehen. Es ist gerade  zur töricht von der Tourismuswirtschaft für diesen Potential kein an die Bedürfnisse angepasstes Angebot bereitzustellen.

 

Regulierungen erschweren pragmatische Lösungen.

Oft habe ich mich gefragt, warum man das eine oder andere nicht so umsetzen kann wie in Frankreich (Camping) oder in Südamerika (Hostal). Es ist der „Gutmenschenterror“ der, wie der Name sagt nur gut gemeint ist, aber mit einer Vielzahl von Vorschriften in den Bereichen Hygiene, getrennte Toiletten, Umweltauflagen, Ortsbild, Brandschutz, Fluchtwege, Gewerberecht, Gaststättenrecht einfache Lösungen verhindert. Viele dieser Vorschriften sind wurden von Menschen in guter Absicht erlassen, erweisen sich aber oft als übertrieben und in der Umsetzung als zu teuer, was sich dann im Preis niederschlägt oder die Möglichkeit für eine einfache, preiswerte und spontane Übernachtung gänzlich verhindert.

 

Wer gute, auf Bergsteigerbedürfnisse zugeschnittene Übernachtungsmöglichkeiten kennt, der darf gerne eine Kommentar schreiben!

 

 

 

 

 

 

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2 Kommentare zu „Übernachtungsprobleme – Wir brauchen Hütten im Tal“

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