Frühwinterfreuden

Heuer ist alles anders. Der kälteste November seit zehn Jahren liegt hinter uns. Zudem noch ein November mit überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen. Waren in den letzten Jahren milde Südwestströmungen, gefolgt von blockierenden Hochdrucklagen wetterbestimmend, so folgte heuer im Spätherbst/Frühwinter eine feuchtkalte Nordwestströmung auf die nächste. Schoss der Kaltlufteinbruch westlich an den Alpen vorbei ins Mittelmeer, so wurde dort die Tiefdrucktätigkeit angekurbelt, so dass auch Teile der Südalpen inzwischen tief verschneit sind. Kurze milde Wetterphasen sorgten für eine rasche Setzung des frischen Schnees, so dass nun im Allgäu und den angrenzenden Gebieten nicht nur Pulverschnee sondern ab mittlere Höhenlage auch eine gut gesetzte Unterlage vorhanden ist.

Fellhorn Saisongrafik
Die Messstation Fellhorn zeigt Anfang Dezember 2017 bereits Werte deutlich über dem langjährigem Mittel.
Stazione Limonte Piemontese
Noch fleißiger war Frau Holle in den Seealpen: Die Abnahme der Schneehöhe ab dem 2.12. bedeutet kein Tauwetter, sonder die typische Setzung nach starken Schneefällen durch das Eigengewicht.

Freilich, auch in den vergangenen Jahren gab es im November oder Dezember einige schöne Pulvertage. Doch beschränkten sich diese auf lokale Staulagen und waren auf wenige Tage beschränkt.

Abfahrt Seekopf
Pulverabfahrt vom Kleinen Seekopf im November 2016. Dieser Pulvertraum blieb die Ausnahme. Eine Woche später waren die Berge wieder grün. Erst sechs Wochen später, Anfang 2017 erfolgte ein nachhaltiger Wintereinbruch.
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Erste Pulverschwünge. 15.11.2017 am Walmendinger Horn
Schneck 18.11.2017
Gleitschneelawinen sind typische Erscheinungen im Frühwinter. 18.11.2017 (Schneck)

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Spur Schochen
18.11.2017 Schochen, Hintersteiner Tal
26.11.2017 Tennenmooskopf
Sonnenstunden waren im Frühwinter 2017/-18 eher selten. Schlechte Sicht beudeutet: Bleib zwischen den Bäumen! Dafür reichte der Schnee auch schon. Noch nicht überall, aber eben doch schon verbreitet, so wie hier am Tennenmooskopf. 26.11.2017
Kuhgehren 2
Kuhgehrenspitze; 1.12.2017
Kuhgehren 2.12.2017
Kuhgehrenspitze

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2.12.2017. Ein „optimaler Tourentag“ mit Pulverschnee, geringer Lawinengefahr und praktisch keinem schlechten Schwung. (Daumen)
Jöchelspitze
Welch ein Kontrast: Dezember 2016 im Lechtal.
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Schneedeckenuntersuchung am Gr. Daumen. Gut ein Meter Schnee, frei von kritischen Schichten.
Shithead1
Sunrise below the shithead

Inzwischen werden schon die meisten gängigen Touren befahren. Doch bevor ich zu sehr in Euphorie angesichts der bereits wahr geworden Pulverträume schwelge, möchte ich auch gleich mal die Bremse reinhauen. Immerhin ist noch Dezember, der Boden ist warm und die Gesamtschneedecke ist trotz überdurchschnittlicher Schneehöhen der frühen Jahreszeit entsprechend immer noch in der Entstehungsphase.

Aufstieg Horlemannskopf s2
Genug gejubelt. Meinem Anspruch auf ehrliche Berichterstattung tue ich hiermit genüge und poste nicht nur Powderbilder sondern auch die Realiät einer Tragepassage durch steilen Wald, wenn der Schnee noch nicht reicht. (Horlemannskopf Lechtaler Alpen 3.12.2017)
Aufstieg Horlemannskopf
Wenige Meter weiter ist die Winterwelt schon wieder in Ordnung.
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Gleitschnee bleibt ein Thema. Krabachtal Lechtaler Alpen
Schwarzer Kranz 3.12.2017
Typisch Lechtaler Alpen: Gleitschnee auf steilen Grasflanken.
Aufstieg Lärchspitze
Einsame Spur in den Lechtaler Alpen (3.12.2017)
Wösterspitzen
Das Zwischenhoch ist von kurzer Dauer. Über den Wösterspitzen zieht bereits die nächste Front auf. Was wird diese bringen? Nicht wie in den vergangen Jahren im Dezember mildes „Westwindwetter“ sondern eine neue Ladung Schnee.

Bunte Karten in sozialen Netzwerken

Schneevorhersage vom 8.11.2017.jpg

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Die beiden Bilder zeigen wie wenig auf die vielversprechenden Karten von bevorstehenden Neuschneefällen verlass ist. Lt. obiger Karte bei bergfex.at hätte im Zentralen Berner Oberland rund ein Meter Neuschnee ab dem 8.11.2017 fallen sollen. Am 14.11. 2017, also nach Beendigung der Niederschläge wird deutlich, dass es nicht mal gereicht hat um die Steine um die Hütte und das Blankeis auf dem Gletscher zuzudecken. Sehr oft  habe ich den Eindruck, dass  diese bunten Karten oft nur das Höhenrelief in etwas abgeändeter Form wieder geben.  Anders lässt es sich nicht erklären, warum die höher gelegene Arlbergregion immer mehr Schnee bekommen soll, als die tiefer gelegenen Staulöcher des Allgäus und des Bregenzer Waldes. In Wahrheit ist es regelmäßig umgekehrt. Ebenso unrealistisch die regelmäßig prognostizierten enormen Neuschneeerwartungen im Monte Rosa Gebiet.

Also, bei solchen Karten ist leider meist der Wunsch der Vater der bunten Farben.

Also, bunte Karten bei FB posten bringt selten den erhoften Schnee.

Wie geht es weiter?

Lt. seriösen Quellen soll am kommenden Wochenende (9.+10.12.2017) ein weiterer Wintereinbruch bevorstehen. Was danach kommt, lässt sich meiner Ansicht nach nicht zuverlässig vorhersagen.

Schlussbemerkung:

Meine Betrachtungen beziehen sich auf das Allgäu und die angrenzenden Gebiete Vorarlbergs und Tirols mit einem gelegentlichen Blick über den Tellerrand hinaus. Da das Oberallgäu wie ein spitzes Dreieck zwischen Tirol und Vorarlberg nach Süden in die Alpen ragt, betrachte ich die Wetterdaten der ZAMG dafür recht brauchbar. Ebenfalls gut, die Wetterdaten des DWD in Oberstdorf

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3 Kommentare zu „Frühwinterfreuden“

  1. Hallo , gute und hochauflösende Modell liefert kachelmannwetter.com .
    Beispiel des hochauflösenden Modell mit Raster 1*1 km für Oberallgöu.
    Am oberen Rand gibt es weitere Modelle Je weiter man nach rechts die Modelle anwählt desto grober das Raster. Bergfex dürfte nur das GFS verwenden womöglich. GFS ist sehr grobrastig. Hier der link zu den erwarteten Schneemengen Oberallgäu.
    https://kachelmannwetter.com/de/modellkarten/sui-hd/oberallgaeu/schnee-akkumuliert/20171210-0600z.html .
    Anhand des SuperHD erkennt man fast das Profil des Oberallgäus. Es gibt auch weitere interesante Parameter für die Bergtourenplanung auf der Seite. Ich hab mit dem SuperHD, welches 2-3 tage im vorraus rechnet überwiegend sehr gute Erfahrungen gemacht für die Bergtourenplanung.

    Gruß

    Frank

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  2. Frage: im Lawinenlagebericht wird gern mal die Waldgrenze genannt. Aktuell auch. Ist damit gemeint um etwa 1800hm herum oder ist damit tatsächlich die Grenze gemeint an der am jeweiligen Berg keine Bäume mehr wachsen?
    Allen die morgen losziehen wünsche ich viel Spaß und guten Pulver.

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