Achtung Blankeis! Statusreport Skitouren Nr. 3

Bei meinem letzten Statusreport sprach ich die Vermutung aus, dass das Lechtal seinen Rückstand in Punkto Schneehöhe im Vergleich zum Allgäu bei der angekündigten Wetterlage aufholen würde. Das ist nun eingetroffen. Besonders im Vergleich zu den Allgäuer Vorbergen.  Im Schutz der Allgäuer Alpen konnte das für die Schneedecke so vernichtende Zusammenspiel zwischen Regen und stürmischen, warmen Wind nur abgeschwächt wirken.

Das Hauptproblem ist derzeit die Vereisung. Wie es sich gezeigt hat, sind besonders höhere Berge (> ca. 1.800 m.) nah am Alpenrand betroffen.

Meist noch ausreichend Schnee:

Zunächst das erfreuliche. Die schon gut gesetzte Schneedecke hat auf Wärme und Wind nur zögerlich reagiert und so hielten sich mit Ausnahme windexponierter Berge am Alpenrand, dem Alpenvorland  und west-ost ausgerichteter Täler die Schmelzverluste in Grenzen.

Selbst für  südseitige Abfahrten, wie jene vom Wertacher Hörnle oder vom Daumen zum Giebelhaus liegt noch ausreichend Schnee. Im Lechtal konnte sich die vorhandene Schneedecke auf Grund von weniger Regen und weniger Wind eh besser halten. Auch im Kleinwalsertal und in Balderschwang liegt noch reichlich Schnee.

Hochvogel vom Daumen 7.1.2018
7.1.2017 Saharastaub und Föhn zaubern diese Morgenstimmung auf dem Großen Daumen

Blankeis – Absturzgefahr:

Jetzt aber zum Hauptproblem: Durch den am Alpenrand teils bis auf über 2300 m hinauf reichenden Regen hat sich ein Eisdeckel gebildet, der vielfach so hart ist, dass selbst Harscheisen nicht mehr greifen. Gerade in den Expositionen von Nord über West bis Süd ist es extrem hart und eisig!Eislamelle Steineberg

Vielfach endeten Skitouren am letzten Wochenende mit nicht ungefährlichen Rückzugsmanövern. Selbiges wurde vom Ifen-Gipfel , vom Kleinen Daumen, von der Walser Hammerspitze und vom  Iseler Gipfel  berichtet. Auch windexponierte Pisten,  wie die  am Oberjoch waren betroffen. Ich hatte am 6.1.2018 Bergwachdienst auf der Piste auf dem  Oberjoch.  In den letzten 25 Jahren habe ich  noch nie so viele Einsätze wie an diesem Tag erlebt. Dabei waren auch Hilfeleistungen, da überforderte Wintersportler sich nicht mehr trauten, über die Eispiste abzufahren oder am Rand zu Fuß abzusteigen. Früher wirkte der steile Schlepplift hier noch selektiv und nur gute Skifahrer waren auf der steilen Piste unterwegs. Heute kann da jeder hinauf fahren, aber nicht jeder kommt auch gut runter.

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Bild von 2017. Aber vergleichbare Situation mit dem 6.1.2018. Ähnlich wie auf ‚Tour kommt es für den Pistengenuß auf die richtige Zeit an. Nachmittags macht das selbst guten Skifahrern keinen Spass mehr. Anfänger sollten flache Abfahrten wählen.
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7.1.2018: Der völlig vereiste Schlussanstieg zum Kleinen Daumen von Westen. Foto: Tobias Bailer.

Im Lechtal sieht es diesbezüglich etwas besser aus. Es gibt noch Reste von Pulver und ist insgesamt ein bisschen weicher. Dafür wurde von der Hornbachkette aus 2.500 m Höhe von Wumm- Geräuschen berichtet.

Wenn die Sonne heraus kommt, dann man besonders südostseitg auch auf schönen Firn hoffen.

 

Klarer Apell:

Harscheisen, Steigeisen und Pickel gehören derzeit in den Rucksack bzw. an Skier Füße oder in die Hand. Auch gute Skifahrer haben in hartem Steilgelände derzeit keine Freude. Sowohl auf Tour, als auch auf der Piste rate ich, sofern es nicht auffirnt, derzeit zu flachen  Abfahrten.

Gleitschnee:

Nach wie vor bleibt Gleitschnee ein Thema. Unter der pickelharten Oberfläche  ist die Schneedecke noch nass und  somit auch in Bewegung.

Gleitschnee 7.1.2018 Daumen
Lawinenabgang am 6. oder 7.1. 2018 am Laufbichler Kirche. Die Lawine verschüttete die vorhandene Aufstiegsspur

Ausblick:

Die Situation wird sich bis zu den nächsten Neuschneefällen nicht wesentlich ändern. Längerfristige Themen zu Hütten, Parken usw. in Statusreport Nr. 2

 

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2 Kommentare zu „Achtung Blankeis! Statusreport Skitouren Nr. 3“

  1. unverhoffte Gefahren: blankes Eis
    zum Foto von Tobias Beiler, Kleiner Daumen von Westen.
    Wie siehts aus auf der Seite des Berges wo die Abfahrt „“Geht“t (oder nicht? Kein blankes Eis? Hier ist es doch vorbei mit fahrbarem Gelände, bei bei diesen Verhätnissen.
    DIE Helden haben kein Problem, nur der Normalverbraucher auf den eisigen Pisten am Iseler ???
    Gruß
    Hermann

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  2. Ein Teil der Schönheit am Skitourengehen sind ja auch Wildheit und Launen der Natur und zu versuchen, damit umzugehen. Heute bei Abfahrt vom großen Daumen zum Giebelhaus so gut wie perfekte Firnverhältnisse in der späten Mittagszeit, ein Genuss……

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