Wollt ihr den totalen Berg!

Was im Allgäu im Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz schief läuft.

Wollt ihr den totalen Berg? Dieses Plakat, dass an einer Bushaltestelle bei Fischen angebracht war, musste ich einfach fotographisch festhalten. Als ich am nächsten Tag meine Kamera  dabei hatte, war es schon nicht mehr da. Aber nach einigen Recherchen habe ich doch noch ein Bild davon bekommen. Schon der Stil der 40er Jahre hat das Potential Empörung auf Knopfdruck auszulösen und Aufmerksamkeit zu erregen.

Anderseits habe ich bewusst  mit diesem Artikel gewartet, bis sich der Sturm der Entrüstung über die Änderung des Alpenplans, die Grundlage dafür ist, dass die Skischaukel am Riedberger Horn genehmigt werden kann, gelegt hat.

Bisher wurden nur die rechtlichen Grundlagen geschaffen, dass die Skischaukel genehmigt werden kann. Nicht mehr. Gleichzeitig lässt man am Grünten ein etabliertes Skigebiet in die Pleite rutschen, dass ohne ökologisch sensible Gebiete zu beeinträchtigen, ohne langwierige Prozesse leicht zu modernisieren gewesen wäre.

Riedberger Horn

Durch die Herausnahme  von 80 Hektar aus der strengsten Alpenplan Schutzzone C  hat die CSU-Mehrheit im Landtag die Möglichkeit geschaffen, dass die geplante Skischaukel genehmigt werden  kann. Es ist davon Auszugehen, dass das Landratsamt Oberallgäu die Genehmigung erteilt. Jahrelange Rechtsstreitigkeiten und Prozesse werden folgen.

Besonders brisant: Die geplante Piste verläuft durch ein amtliches Wildschutzgebiet. Würde das heute von einem Tourenfahrer befahren, wäre eine Anzeige die Folge. Noch brisanter: Sperrungen sind am Riedberger Horn absolut zu befürchten, wenn entsprechende Planungen umgesetzt werden.

Wir können also als Skibergsteiger niemals dafür sein, auch wenn für die 80 Hektar, die aus der Schutzzone C herausgenommen werden, über 300 Hektar neu aufgenommen werden. Also  fast vier mal soviel Fläche, die allerdings laut Naturschutzverbänden nicht diese Qualität als Lebensraum aufweist.

Es wird keinem Tourengeher zu vermitteln sein, warum er plötzlich mit Sperrung konfrontiert wird, die den Ausgleich für einen Lift darstellt, für den er sich gar nicht interessiert.

Und auch der DAV kündigte an, „alle sinnvollen Mittel“ einzusetzen, „um den Alpenplan und das Riedberger Horn zu retten“

Und an dieser Stelle hoffe ich, dass das Projekt aus einem anderen Grund nicht realisiert wird, als durch Klagen des DAV. Warum? Weil wir in den Augen der Befürworter diejenigen sind, die überall rumlaufen, keinem Umsatz generieren,   alles zuparken und wieder gehen.  Wer dann noch versucht einen Klettergarten  einzurichten, einen alten Weg zu erhalten oder ähnliches, der hat dann  im Raum Balderschwang schlechte Karten.

Wer das im Titel abfotographierten Plakat genau betrachtet, erkennt neben den Umrissen des Riedberger Horn einen Birkhahn auf dem R des Wortes Horn

Grünten

Angesichts diesem gewaltigen Konfliktpotential am Riedberger Horn grenzt es schon an den größt möglichen Irrsinn, am Grünten  ein etabliertes Skigebiet in die Pleite zu schicken. Es ist zu billig, diese Pleite der Tatsache in die Schuhe zu schieben, dass die Rettenberger den größenwahnsinnigen Versprechungen eines Schweizer Betrügers aufgesessen sind. Am Grünten bräuchte es keine Hoteldörfer, kein Luxusrestaurant an Stelle der Grüntenhütte sondern nur eine! moderne Bahn oder Lift mit einer Bergstation oberhalb der Grüntenhütte und einen Zwischenausstieg in Höhe der Jörgalpe. Dazu eine leistungsfähige, energieeffiziente Beschneiung.  Fertig! So etwas wäre ohne Proteste, Klagen und endlosen Verfahren zu verwirklichen, läge zudem verkehrsgünstig vor der kemptner Haustür. Mit einem kleinen Ziehweg könnte man sogar die alte Kammereggpiste mit integrieren.

Dazu müssten die verstrittenen Bauern am Grünten es aber erst einmal schaffen, sich an einem Tisch zu setzten und gemeinsam an einem Strang zu ziehen, anstatt gegen einander zu arbeiten. Sonst bleibt am Grünten letztlich nur der Westwind und der Neid.

Wäre schade!

Ich würde den Erhalt der Grüntenlifte bzw. deren maßvolle Sanierung begrüßen. Auch die Grüntenhütte würde eine Modernisierung vertragen.

Modernisierung und alte Verbotsforderungen?

Grundsätzlich spricht meiner Ansicht nichts gegen eine maßvolle Sanierung der Grüntenlifte. Die Frage, die sich hier allerdings stellen würde, ob eine Steigerung der Beförderungsleitung nicht wieder zum Aufleben neuer Verbotsforderungen führen würde, so wie hier beschreiben:https://wordpress.com/post/freieberge.wordpress.com/6640

Hier wäre  ein Bestandsschutz für alle Seiten die friedlichste Lösung. Klettern, Skitouren, Pistenskigebiet, Ruhezonen auf den bisherigen Flächen. Alles andere würde zu Unfrieden und Grabenkämpfen führen. Genau davon gibt es im Allgäu schon genug, weiterer ist mehr als entbehrlich.

 

 

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3 Kommentare zu „Wollt ihr den totalen Berg!“

  1. Super Beitrag Kristian, auf den Punkt gebracht. Das Plakat ist auch sehr cool, danke fürs Festhalten 🙂 Um die Grüntenlifte ist es wirklich schade, das kann man sogar als Skitourengänger so festhalten, auch wenn die Möglichkeiten jetzt dort größer sind. Der Grünten war für eine Tour aber auch schon mit Pistenbetrieb interessant. Hoffen wir, dass das Riedberger Horn so bleibt wie es ist, und dass die Grasgehrenseite nicht alles umbauen wird/darf wie sie möchte. Ich sage nur Stausee im Moor. Da lachen ja die Hühner (noch). Eine Modernisierung der Lifte, ja klar, warum nicht, aber bitte nicht bis zum Mond…

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