Allgäuer Lawinentage 13.+14.2.2018

In den letzten Tagen erreichten mich im Rahmen meiner Beobachtertätigkeit für den LWD Bayern acht Rückmeldungen von Lawinen mit Personenbeteiligung im Allgäu. Bis auf eine Ausnahme lagen alle in den Vorbergen, in einer Höhenlage von 1600 m +/- 100 m. Weiter hinten im Raum Oberstdorf, Walsertal blieb es ruhig, obwohl hier besonders am Mittwoch relativ steil gefahren wurde. Dann kamen noch Meldungen vom Prinz-Luitpold-Haus und vom Steinschartenkopf. Also echtes Hochgebirge.

Vorgeschichte

Am 4.1.2018 regnete es im Allgäu bis in eine Höhe von 2.300 m Die schon überdurchschnittlich mächtige Schneedecke sackte zusammen, aber hielt dem Tauwetter stand. Ein weiterer Schwall warmer Luft mit Tauwetter bis über 2000 m erreichte das Allgäu nach dem 20.1.2018. Danach stelle sich niederschlagsarmes und wieder kälteres Wetter ein. Die nach dem Regen vereiste Schneebasis war nun von wenigen cm lockerem Pulverschnee und Reif bedeckt.  Auf diese Schneedecke folgten am 12.2.2018 bis zu 40 cm kalter Neuschnee.

Lagebericht vom Dienstag, 13.2.2018

Gefahrenstellen liegen oberhalb von 1400m im kammnahen Steilgelände der Hangrichtungen Nord über Ost bis Süd sowie in frisch eingewehten Rinnen und Mulden. In diesen Bereichen insbesondere bei geringer Zusatzbelastung, z.B. durch einen einzelnen Skifahrer die Auslösung von Schneebrettlawinen möglich.

Link: Lagebericht 13.2.

Situation am 13.2.2018

Am meisten Schnee, bis zu 40 cm fiel in den Vorbergen. Also am Grünten, Nagelfluhkette und Hörnergruppe. Weiter drin in den Bergen, also ganz hinten im Kleinwalsertal, Oberstdorfer Täler und im Lechtal kam weniger Neuschnee zusammen.

Am 9.2.2018 lag eine Hochnebelschicht mit Obergrenze um die 1.600 m über dem Alpenvorland, die sich tagsüber rasch auflöste. Dort wo sie sich auflöste, bildete sich massiv Oberflächenreif. Am 11.2. regnete es kurz bis etwa 1.500 m darüber fiel mit Wind nasser Schnee (warm auf kalt). Es folgte ohne Windeinfluss am 12.2. bis zu 40 cm kalter Pulver. Es lag also gebundener Schnee, der als solcher ohne graben nicht zu erkennen war, auf einer unregelmäßigen Altschneedecke. Gerade in einem Höhenband um die 1.600 m hatten wir dann eine Kombination aus überschneiten Reif und dem  Gefahrenmuster warm auf kalt.

Diese Kombination erklärt die Häufung der Vorfälle in diesem Höhenbereich.  Bei beiden Vorfälle im Hochgebirge (Prinz-Luitpold-Haus und Steinschartenkopf) passen nicht ganz in dieses Muster und sind ursächlich und vereinfacht ausgedrückt eher mit „zu früh nach dem letzten Schneefall in zu steilem, selten befahrenen Gelände“ zu begründen.

Rückmeldungen kamen:

Sonnenkopf, Wertacher Hörnle, Riedberger Horn, Tennenmooskopf, Hochgrat, Seelenkopf, Dreifahnenkopf, Spieser, sowie hochalpin von Prinz-Luitpold-Haus und von Steinschartenkopf

Fotos

Schneebrett Hochgrat 13.2.2018
13.2.2018 an Hochgrat, 1550 m West. Foto: D. Fleischhauer
Schneebrett hochgrat 2
Gleiche Stelle: Detailfoto (D. Fleischhauer)
Schneebrett Wertacher 2
13.2. 2018 Lawine am Wertacher Hörnle während des Abgangs. 1600 m Nord. Foto M. Waldvogel
Schneebrett Wertacher 1
13.2.2018: Schneebrett westlich des Normalaufstiegs von Süden in einer kleinen steilen Mulde , Expo SO, ca 40-50 cm Anrißhöhe, vermutlich Selbstauslösung. ca. 1500 m. Foto: M. Waldvogel
Schneebrett 2 Spieser
14.2.2018 am Spieser. 1600 m Süd. Foto: Gerwald  Betonstahler-Brockenschraub
Anrisskante Riedberger Horn
13.2.2018. Riedberger Horn. 1650 m Nord. Foto: P. Ehlers
Schneebrett sonnenkopf1
13.2.2018 Sonnenkopf, 1600 m Südost: Foto: S. Schmid
Toreck 13.2.2018
13.2.2018 Tagesanbruch am Toreck(Sonnberg) Man konnte Wumm-Geräusche“ vernehmen.
Derrarinne Milchwanne
14.2.2018. Derrarinne=Milchwanne. Auch bei kritischer Nachbetrachtung ok.
Unspitze 14.2.2018
14.2.2018 Tiefblick von der Güntlespitze
Abfahrt Toreck 13.2.2018
13.2.2018 Mahdtal

Gedanken

Ich danke für die zahlreichen Rückmeldungen. Keines der Lawinenfotos stammt von mir. Selbst war ich am 13.2.2018 am Toreck(Sonnberg). Im Gipfelbereich haben wir dort „Wumm-Geräusche“ vernommen.

Am Mittwoch, 14.2. 2018 war es mir persönlich zu heiß, mit auf eine „pre-work-Tour“ auf den Bärenkopf zu gehen, stattdessen habe ich zusammen mit einem Walser die Derrarinne (Milchwanne) befahren. Dort hinten lag deutlich weniger Neuschnee. In der Rinne war der Untergrund durch vorangegangene Lawinentätigkeit und Befahrungen umgegraben und die Güntle ist eh ständig befahren. Zufall? Glück, Bauchgefühl? Intuition? Ich weiß es selbst nicht. Ich habe in den besagten zwei Tagen keine Lawine gesehen. Erst als ich am Donnerstag früh am Wannenkopf danach gesucht habe, fand ich tatsächlich kritische Schichten und konnte die in den zahlreichen Rückmeldungen beschriebene Situation bestätigen.

Es waren wohl einige Schutzengel über dem Allgäu unterwegs, so dass trotz dieser Häufung von Vorfällen nichts ernstes passiert ist.

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