Skitour in Truthahn

Im Nahen Osten, zwischen Europa und Asien liegt ein Land, dass die Engländer in ihrer Truthahn nennen. Viele verbinden mit diesem Truthahn Cluburlaub, Billigflieger, Döner, Gastarbeiter und Kopftuchmädchen und einen osmanischen Möchtegern-Adolf. So jedenfalls die gängigen Vorurteile. Das dieser Truthahn ein Gebirgsland ist, mit einem schier unerschöpflichen Skitourenpotential das wissen nur die Wenigsten. Von diesen Wenigen zieht es die meisten auf den Ararat, der leider in einer politisch instabilen Region liegt. Die wahren Perlen des Truthahns findet man jedoch im Taurusgebirge, den Dolomiten des Orients.

Rassige 2000 Höhenmeterskitouren in einer Dolomitenlandschaft, daneben Vulkanberge und sanfte Skihügel. Einfache und freundliche Menschen und die Tatsache, dass es am Sockel der Berge komplett eingerichtete Sportklettergebiete gibt, werten das Reiseziel Taurus zusätzlich auf. Wir waren sicher nicht zum letzten mal dort.

Die Tour fand 2013 statt und fällt somit in die Kategorie „alte Reiseberichte“

Eine Skitourenreise nach Zentralanatolien sollte es werden, genauer gesagt nach Kappadokien. Will man so eine Reise selbst organisieren, so fordert dies mangels brauchbarer Karten und Führerliteratur einiges an Recherche. Dieser Aufwand hat sich jedoch voll und ganz gelohnt. Unsere Tourenwoche fand Anfang April statt, etwas spät aber noch in Ordnung.

Gegen Mittag landet unser Flieger in Ankara. Eine halbe Tagesreise von unserem Ziel, dem Aladaglar entfernt. Wir übernehmen unseren Mietwagen. Einen Ford Transit und los geht. Über das karge anatolische Hochland fahren wir über zunehmen verkehrsarme Straßen nach Südosten. Nachdem wir den Tuz Gölu (den Salzsee) passiert haben, taucht am Horizont der Hasan Dagi auf. Ein 3268 m hoher Vulkan, der in etwa auf halber Strecke zwischen Ankara und dem Aladaglar liegt. Wir verlassen die Hauptstraße und suchen bereits bei Dunkelheit den Beginn der Straße oberhalb von Helvadere, die zum Sockel des Berges führen sollte, wo wir unser Parkplatzbiwak bezogen.

Zum Hasan Dagi ist nicht viel zu sagen, außer dass es sich die Tragestrecke zu Beginn in Grenzen hielt und dass es sich um einen Idealskiberg handelt, bei dem wir überwiegend guten Schnee erwischten.

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Start zum Hasan Daghi in etwa 2000 m Höhe.
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Nur kurz: Die Tragestecke. Im Hintergrund die typischen Hänge eines Vulkanberges
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Firnabfahrt vom Hasan Daghi

 

Als wesentlich eindrucksvoller empfand ich die Landschaft am Sockel des Berges  mit ihren Erdpyramiden und anderen skurrilen Erosionsformen.

Am Abend des zweiten Tages erreichten wir das Aladaglar Camp. Wir hatten hier schon von zu Hause aus ein Bungalow gebucht. Die Landschaft beeindruckte. Eine offene Steppe mit „Dolomitenbergen“ im Hintergrund.

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In diesem Dorf bei Carmadi befindet sich das Aladaglar-Camp. In der Bildmitte der Beginn des Emli-Tals. Im Hintergrund, etwas rechts der Mitte der Alaca

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Die Skitouren im Aladaglar sind dann auch denen in den Dolomiten ähnlich. Meist beginnen sie am Beginn des auf einer rund fünf Kilometer langen Schotterpiste erreichbarem Emli Tal. In der Regel stoppt der Schnee hier die Weiterfahrt, so dass ein kürzerer oder längerer Talhatsch bevorsteht.

Zu unseren Touren nun ein paar Bilder. Täglich gegen 5.00 Uhr weckte uns ein Tonbandmuezzin aus einer nahegelegenen Moschee. Hat mich irgendwie an heulende Wölfe erinnert.

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Startpunkt unserer ersten Skitour im Emli-Tal

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Aus einem Seitental des Emli Tals geht es in Richtung Alaca
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Blick von unserem ersten Gipfel, ca 3.200 m hoch zum Alaca, den wir an diesem Tag nicht mehr erreichten. Zu langwierig erschien uns von hier der Anstieg, zu verlockend war es, die Abfahrt noch bei gutem Firn zu genießen.
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After-Tour-Szene im Camp

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Wettertechnisch hatten wir einen Tag, der als Totalausfall bezeichnet werden kann. An solch einen Tag bietet es sich an die weltbekannte Höhlenarchitektur bei Gömere, eingebettet in einer irreal anmuteten Erosionslandschaft, zu besuchen. Ebenso ist ein türkisches Bad zu empfehlen.

Natürlich ist die Gegend „touristisch versaut“, was sich in den Preisen, aufdringlichen Händlern und den üblichen Auswüchsen äußert. Trotzdem: Prädikat sehenswert.

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Die Schildkröten haben ihren Spass

Nach dieser gar nicht so ungewollten Zwangspause gelang uns noch die Besteigung des Embler (3.723 m)bei Pulverschnee und die Überschreitung des markanten Alaca (3.688 m.)

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Beginn der Tour zum Emler
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Der Aufstieg zum Emler führt durch eine enge Schlucht

 

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Das Gelände weitet sich
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Die Wolken geben die Gipfel frei
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Auf dem Emler
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Abfahrt vom Emler durch eine eindrucksvolle Felslandschaft
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Auf dem Weg zum Alaca: Der Finger Gottes oder Allah oder wie auch immer
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Es gibt hier auch mehrere Klettertouren
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Wieder eine traumhafte Firnabfahrt
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Die letzte Skitour in unserem Urlaub. Der Kavlatepe nördlich von Carmadi. 1.200 Höhenmeter und steiler als die sanften Formen des Berges vermuten lassen.

 

Türkei Ja oder nein?

Oberflächlich betrachtet spricht derzeit (2018) die politische Lage nicht unbedingt für eine Türkeireise. Kappadokien und der Aladaglar liegen jedoch weit genug von den Krisenherden im Osten und auch weit genug von der syrischen Grenze entfernt. Meiner Ansicht nach ist eine Reise in diesen Teil der Türkei gut vertretbar.

Aus Anlass der Aggression der Türkei gegenüber Kurden in Syrien kann ich nur betonen, dass man dieses Land aus der Nato herauswerfen sollte, bevor wir über den Bündnisfall in einen Konflikt reingezogen werden. Oder noch besser, die Nato ganz auflösen und ein europäisches Verteidigungsbündnis ins Leben rufen.

Boykottaufrufe aber schaden nur den Menschen vor Ort, die vom Tourismus leben.

Führer und Karten:

Wir hatten weder das eine noch das andere. Lediglich auf Grund von privat weitergegeben Skizzen fanden wir unsere Ziele. Inzwischen ist eine brauchbare Wanderkarte vom Aladaglar erhältlich. Sowohl für´s Sport- als auch fürs Alpinklettern gibt es einen Führer, der direkt bei den Haupterschließern und Campbesitzern Recep und Zeynep erhältlich ist.

Übernachten:

Wir haben im Aladaglar Camp ein Bungalow gemietet. Daneben gibt es im Dorf Demirkazi noch die Mountainlogde und auch die Möglichkeit wild zu campieren.

Klettern:

Unbedingt das Kletterzeug mitnehmen. Erstens enden Frühjahrsskitouren meist schon vor Mittag, der Fels und die Landschaft sind traumhaft und die Klettergärten sind gut eingerichtet und nicht überlaufen.

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Zeit:

Der April war für Skitouren etwas spät, aber noch ok. Für eine Ski+Kletter-Kombi halte ich Februar-März am geeignetsten.

 

 

 

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2 Kommentare zu „Skitour in Truthahn“

  1. Aber, aber, wer wird denn gleich so einen kleinen Schafsf***er mit dem Führer auf eine Stufe stellen? Die paar Kollateralschäden bei einer minimalen Grenzbegradigung, da kommt es doch wirklich nicht mehr drauf an. Das wird total überbewertet.

    Adis wahre Wiedergeburt hat sich gerade gestern zum Staatsratsvorsitzenden 2.0 wiederwählen lassen. Nicht, ohne nach guter alter Väter Sitte sämtliche aussichtsreiche Kandidaten zu neutralisieren. Und in Sachen Massenmord hat er es auch fast so drauf. Es ist ja nicht so, dass es kein Entwicklungspotenzial gäbe 😦

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