Riedberger Horn- Ende gut- Alles gut? Leider Nein!

Ganz im Gegensatz zu seinen bisherigen Stellungnahmen hat der bayerische Ministerpräsident Markus Süden der umstrittenen Skiverbindung zwischen Balderschwang und Grasgehren eine Absage erteilt.

Auf den ersten Blick hätte es nicht besser laufen können. Die auf die geplante Erschließung unvermeidlich folgende Diskussion um Ausgleichsflächen, Sperrgebiete und Besucherlenkung ist die Grundlage entzogen und das Projekt ist nicht an einer Klage eines Bergsteigerverbandes gescheitert. Wir sind also im Auge der Einheimischen vor Ort nicht die Bösen, die überall hin wollen und gegen alles sind.

Bei genauerer Betrachtung bleibt mehr als ein bitterer Nachgeschmack und einige Fragezeichen.

Der Wortbruch

Markus Soder hat sich  in seiner Funktion als „Heimatminister“ mehrfach für die Liftverbindung ausgesprochen und mit der Herausnahme der dafür benötigten Flächen aus der Schutzzone C des Alpenplans die Grundlagen geschaffen. Er hat der Bevölkerung von Balderschwang und Obermaiselstein das Blaue vom Himmel versprochen, Hoffnungen geweckt, und Dinge versprochen, die er jetzt, im Vor der Landtagswahl nicht bereit ist, zu halten. Er steht damit ganz in der Tradition der Unionsparteien.  Helmut Kohl hat die deutsche Einheit auch ohne Steuererhöhungen versprochen. Den Soli und 19 statt 14% Mehrwertsteuer zahlen wir heute noch. Ganz egal, wie man zu dem Projekt steht. Ein Wortbruch  geht gar nicht! Solche Politiker verdienen kein Vertrauen.

Nur aufgeschoben?

Die Änderung des Alpenplanes, sprich der Flächentausch, der diese Verbindung erst ermöglichen würde, wurde nicht aufgehoben.

„Ein Skigebietszusammenschluss zwischen dem Riedberger Horn und Grasgehren wird zunächst nicht beantragt“, verkündete der örtliche CSU-Landtagsabgeordnete Eric Beißwenger einer verblüfften Öffentlichkeit. Mindestens für die nächsten zehn Jahre sei das Thema vom Tisch.(Quelle: all-in.de, 18.4.2018)

Vielleicht doch kein Wortbruch sondern nur eine Verschiebung in die Zeit nach dem Wahlkampf?

Auf Kosten der Steuerzahler?

20 Millionen an Steuergeldern um den treuesten Stammwählern Söders Wortbruch schmackhaft zu machen?

20 Millionen Euro haben Söder und die CSU den beiden Hörnerdörfern versprochen. Viel Geld, sagen manche hinter vorgehaltener Hand, und im benachbarten Ostallgäu schielen einige bereits neidisch auf die Hörnerdörfer. Der Münchner SPD-Politiker Florian von Brunn bezeichnet die zugesagten Millionen als „Skandal“ angesichts der Finanznot anderer hoch verschuldeter Alpengemeinden, „die sogar ihre Schwimmbäder zusperren müssen“. (Quelle: all-in.de, 18.4.2018)

……… sagt Anna Schöll von der Tourismus-Info. Sie meint damit die Entscheidung um die Liftverbindung am Riedberger Horn, die Ministerpräsident Markus Söder vor knapp zwei Wochen gekippt hat ………………….

„Mit dieser Entscheidung kann ich gut leben“, sagt die 28-Jährige. „Wir bekommen ja 20 Millionen Euro. Unter anderem auch für unsere Infrastruktur. (Quelle: all-in.de 20.4.2018)

20 Millionen, für gerade mal 100 Wahlberechtigte?- Wahnsinn!!!

Was kommt da auf uns zu?

In einem anderen Beitrag habe ich die Befürchtung geäußert, dass, wenn das Thema vom Tisch ist, die Naturschutzseite uns Bergsteigern in den Rücken fällt, da sie uns nicht mehr als Partner braucht. Sprich immer mehr Lenkungen und Regelungen fordert. Im Moment sieht es da ganz gut aus. Der Naturpark Nagelfluhkette versucht es mit einer gerade zu mustergültigen Lenkung, die, sollte das so fortgeführt werden, unsere Unterstützung verdient. Wichtiger als eine Lenkung ist es jedoch, geeignete Lebensräume für die Birkhühner zu erhalten und zu schaffen. Auch dafür könnte man Söders Wortbruchmillionen verwenden.

Es ist ein Naturerlebniscenter geplant, finanziert aus Söders Wortbruchkasse. Wird uns als Bergsteiger eher weniger interessieren. Der breiten Masse bringt es auf jeden Fall die Zusammenhänge in der Natur näher. Dürfte also eher positiv zu bewerten sein.

Geplant sind ein Naturerlebniszentrum, ein Pilotprojekt für umweltfreundlichen Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Alpenraum, die Förderung modernen Skisports sowie die digitale Weiterentwicklung beider Gemeinden. Genaue Planungen gebe es noch nicht. „Das Ganze muss durchdacht sein und einen touristischen Mehrwert bieten“, betonte der Rathauschef.(Quelle: all-in.de 13.2.2018)

Markus Söder vor knapp zwei Wochen gekippt hat und verkündete, dass Balderschwang und Obermaiselstein „Modelldörfer für modernen Ski- und Bergtourismus im Einklang mit der Natur werden“.(Quelle: all-in.de 20.4.2018)

Das wäre doch auch eine Chance das Klettern dort auch zu etablieren. Bei den letzten Diskussionen wurden wir ja auch vom Balderschwanger Bürgermeister fast schon als naturschädliche Deppen hingestellt. Für die neue Ausrichtung des Ortes sind solche Ansichten natürlich unangemessen. Da nun keine Liftverbindung gebaut wird, entfallen auch die fadenscheinigen Begründungen dafür, sich so massiv gegen das Klettern an den Gauchenwänden auszusprechen.

Auf jeden Fall bedeutet die neue Situation für den Skitourengänger, Mountainbiker und Kletterer sowohl eine Chance als auch Risiko.

Taktische Spielchen

Söders Wortbruch gegenüber den Bürgern von Balderschwang und Obermaiselstein  ist, wie oft auch in der Presse zu entnehmen war, dem Bestreben geschuldet, das Thema aus dem kommenden Wahlkampf in Bayern heraus zu halten. Außerhalb dieser Gemeinden gibt es kaum nennenswerte Zustimmung zu dem Projekt. Ebenso soll wohl die Option „schwarz-grün“ bestehen bleiben, die vor allem dann relevant wird, wenn FDP, Freien Wählen und AFD der Einzug in den Landtag gelingt. Wer also „schwarz-grün“ möchte,  wird seine Stimme der AfD geben müssen, denn mit dieser koaliert keiner und sie zieht vor allem Stimmen von der Union ab.  Ist aber „schwarz-grün“ tatsächlich sinnvoll? Als Individualist und Bergsteiger fürchte ich bei „schwarz-grün“ dass einerseits die Union die Grünen niemals an die Schaltstellen der mächtigen bayerischen Industrie heranlässt. Etwa wenn es darum ginge, bei Neuzulassungen das 3-Liter Auto durchzusetzen. Da die Grünen natürlich auch ihre Duftmarken setzten wollen und müssen, werden sie dies dann dort tun, wo sie aus Söders Sicht keinen Schaden anrichten. Nämlich in vielen kleinen Verboten und Lenkungen, wie Aushöhlung des Freien Betretungsrecht zur Natur, Parkscheinautomaten, 30ger Zonen. Eben viele nervige Kleinigkeiten.

 

Noch ein Tipp für andere Gemeinden im Alpenraum.

Beantragt etwas, was möglicherweise nicht durch zu setzen ist! Betont die Wichtigkeit für die Region und lasst es euch versprechen. Söder wird ja sagen. Es steht ja eine Wahl bevor. Wenn sich Widerstand regt und er den Rückzieher macht, wird er euch den Wortbruch mit großzügigen Mittel versüßen!

 

 

 

Hier noch ein interessanter Link zum Thema: Klick

Weitere Links auf Freie Berge. Zum Teil nicht mehr ganz aktuell.

https://freieberge.wordpress.com/2016/10/02/bergsteiger-zwischen-naturschutz-und-kommerz-am-beispiel-riedberger-horn/

https://freieberge.wordpress.com/2018/01/10/wollt-ihr-den-totalen-berg/

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