Sommerschnee

Als Sommerschnee bezeichnet man tragfähigen, kompakten Schnee mit einer auffälligen, wabenförmigen Oberfläche. Wie der Name schon sagt, ist diese Schneeart eine Erscheinung des Sommers und des Frühjahrs. Nachstehend ein paar Bilder und ein paar Gedanken zu seinen Eigenschaften und seiner Entstehung.

Eigenschaften

Sommerschnee ist auch bei hohen Temperaturen tragfähig, sogar für Fußgänger.  Feinkörnige Kristallstruktur mit geringem Wasseranteil und hoher Dichte. Die Oberfläche zeichnet sich durch eine auffällige Wabenstruktur aus. Für den Fußgänger bieten die Waben gute Tritte, die es ermöglichen kurze, steile Passagen ohne Absturzgefahr ohne Steigeisen zu begehen. Für den Skifahrer ist die Wabenstruktur lästig. Im gefrorenen Zustand greifen die Harscheisen nur bedingt und in der Abfahrt vermindert die Struktur jeglichen Fahrgenuß. Sommerschnee gehört zu den wenigen Schneearten, bei denen es vorteilhaft ist, wenn vor einem schon viele andere abgefahren sind. Wenn er nicht gefroren ist, wirkt die feine Struktur des Schnees  beim Abfahren bremsend.

Entstehung.

Grundsätzlich benötigt Sommerschnee für seine Entstehung warme, sommerliche Temperaturen und einen hohen Einstrahlungswinkel der Sonne.  Ebenso ist eine hohe, mächtige Schneedecke erforderlich, sonst schmilzt der Schnee dahin, bevor er sich zu Sommerschnee umgewandelt hat.

Nach längeren, sommerlichen Temperatur und Strahlungsverhältnissen ohne neuen Schneefall ist die Schneeoberfläche oft von allerlei Schmutz verunreinigt. Saharastaub, angewehte Pflanzenteilchen, Blütenstaub und sonstige Verunreinigungen lagern sich auf der Schneeoberfläche ab. Die unterschiedlichen Materialien erwärmen sich bei Sonneneinstrahlung unterschiedlich stark und strahlen die Sonnenenergie unterschiedlich stark in den Weltraum zurück. Man spricht hier von der Albedo, also dem Rückstrahlungsvermögen einer Oberfläche.

Dort wo sich der Schnee schneller erwärmt, taut er schneller, sprich die Schneehöhe nimmt schneller ab, als nebenan, wo er sich langsamer erwärmt. Das im Schnee zum Boden hin abfließende Wasser taut an solchen Stellen zusätzlich die vorhandenen Schneekristalle. Es entstehen also Mulden auf der einen Seite und Grate und Spitzen auf der anderen. Sind die Mulden erst mal tief genug, sammelt sich dort feuchte Luft. In feuchter Luft schmilzt der Schnee schneller als nebenan auf den Graten und Spitzen, wo er ggf. gar nicht schmilzt, sondern sublimiert, also direkt vom festen in den gasförmigen Zustand übergeht. Dadurch wird dieser Effekt weiter verstärkt.  Dieser Prozess setzt sich so lange fort, bis der Schnee weggetaut ist oder sich durch Neuschnee, kältere Temperaturen und tieferen Sonnenstand die Bedingungen ändern. Die  Waben sind vermutlich gleich groß , weil ab einer gewissen Wassermenge (die von der Fläche abhängt) der Schnee das Wasser nicht mehr halten kann und sich damit in regelmäßigen Abständen die vertikalen Abflussgänge in der Schneedecke bilden.

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Das im Schnee abfließende Wasser hat anstatt der üblichen Wabenstruktur ein Rillenmuster gezaubert.
Sommerschnee Muttekopf
Entstehender Sommerschnee in den Lechtaler Alpen. Weiter oben ist die Schneedecke noch glatt. Bevor sich das Wabenmuster richtig gebildet hat, wird die Schneedecke allerdings verschwunden sein.
Sommerschnee ifen gipfel
Der Beginn der Entwicklung in den Allgäuer Alpen. Noch ist die Schneedecke halbwegs glatt und morgens genußvoll zum befahren.
Sommerschnee Gottesacker
Am gleichen Tag, wie das obige Bild, nur etwa 500 Meter tiefer. Hier ist die Entwicklung dank größerem Wärmeeintrag schon deutlich fortgeschritten.
Sommerschnee Gigglistock Ende Juni 2008
Anfang Juli 2008. Welliger Sommerschnee auf dem Gigglistock in den Urner Alpen. Skifahren macht hier keinen Spass mehr.
Sustenhorn Sommerschnee
Die letzten Meter der Sustenhornabfahrt im typischen Sommerschnee. Bei solchen Verhältnissen ist es zum Vorteil, wenn der Schnee nicht gefroren ist.

 

Abgrenzung/Weiterentwicklung zum Büßerschnee?

Der Entstehungsprozess des Büßerschnees, der Penitentes verläuft anders. Für die Entstehung der Penitentes weniger der Wärmeeintrag, sondern in erster Linie die Sonneneinstrahlung und die unterschiedliche Albedo der Schneeoberfläche verantwortlich. Büßerschnee entsteht in  tropischen Gebirgen und dort bevorzugt in Regionen mit einer ausgeprägten Trockenzeit. Die Penitentes „wachsen“ der Mittagssonnen entgegen, die in den Tropen im Zenit steht. In weiter nördlich oder südlicheren Regionen ist die Entstehung schon deshalb gehemmt, da Penitentes, die einer schräg stehenden Sonne entgegen wachsen, bald durch das Eigengewicht umfallen.

Die besten Bedingungen für die Entstehung von  Büßerschnee ist so heiße Luft wie möglich,  bei  gleichzeitig so geringer Luftfeuchtigkeit wie möglich. Zudem sollte die Sonne im Zenit stehen.  Also bspw. +30°C  mit einem Taupunkt von -50°C und Mittag am Äquator.

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Büßerschnee in der Cord. Vilcanota, Peru

Rillenschnee

Dieser entsteht bei Wärmeeintrag und vorallem bei viel Regen ohne nennenswerte Sonneneintrahlung. Also bevorzugt im Winter. Bevorzugt dann, wenn das Wasser nicht im Boden versickern kann, sondern innerhalb der Schneedecke abfließt.

Kurz und Knapp:

Wärmeeintrag ohne Sonne und Strahlung gibt Rillen

Wärmeintrag Mit Sonne und Strahlung gibt „Sommerschnee“

Überwiegt Sonnenschein und Strahlung ohne nennenswerte Wärme und Feuchtigkeit entsteht bei senkrechtem Sonnenstand Büßerschnee.

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