Das Altschneeproblem in den Alpen: Zusammenhang mit der Baumarten-Verteilung

Die ISSW 2018 im Oktober in Innsbruck naht. Es ist der weltweit größte Kongress von Wissenschaftlern und Praktikern im Bereich von Schnee & Lawinen. Sie findet im zweijährigen Rhythmus statt, wobei der Austragungsort immer zwischen Europa, Kanada und den USA wechselt.

Auch Lukas und ich habe ein paar Ideen aus der Praxis in diesem Zuge auf Papier gebracht. Folgend geht es mehr um einen interessanten Zusammenhang der in den Alpen aus der Praxis abgeleitet wurde. Dank detaillierter Lawinenlageberichte  findet er weniger in den Alpen  Anwendung,  sondern in anderen Gebieten der Erde.

Je dunkler, desto häufiger ein schlechter Schneedeckenaufbau (Techel & Winkler, 2015)
Waldverteilungskarte der Schweiz: Verbreitung der Zirbe bzw. Arve

Klar erkennbar: Die Gebiete mit häufigem Altschneeproblem sind flächengleich mit der Verbreitung der Zirbe, bzw. mit den Gebieten, wo die Buche fehlt.

Ich hatte dieses Phänomen ursprünglich die „Buchen-Lärchen-Theorie“ genannt, da ich die ersten Feststellungen dazu im Lechtal gemacht habe. Genauer gesagt war es auffällig, dass sich genau dort, wo die Buche im Bergmischwald durch die Lärche ersetzt wird, sich regelmäßig auch der Schneedeckenaufbau ändert. Lukas hat bei der Auswertung der gesammelten Daten festgestellt, dass es mit der Zirbe (Arve) noch besser passt. Anstatt der Buche kann auch die Weißtanne als Reverenzbaum gewählt werden.

Larche Sud 2

abfahrt
Skitour in Albanien. Hier ist die Buche bestandsbildent bis zu Waldgrenze. Sämliche Schwachschichten waren im oberen Bereich der Schneedecke zu finden.

Früher, als es noch keine oder verhältnismäßig sehr ungenaue Lawineninformationen bzw. -lageberichte gab, war die Veränderung in der Baumartenzusammensetzung der jeweiligen Gebiete ein erster Anhaltspunkt mit welchem Schneedeckenaufbau man eher rechnen konnte. Im Speziellen handelte es sich um die Unterscheidung zwischen randalpinen Wäldern die bis zur Waldgrenze von der Buche und der Weißtanne bevölkert werden und den inneralpinen Wäldern wo es kaum bis gar keine Buchen gibt und die Waldgrenze primär von der Zirbe beherrscht wird.

In unserer Arbeit haben wir verschiedenste Baum-Verbreitungskarten über den gesamten Alpenraum studiert und haben diese mit Winterniederschlägen und – wo bereits vorhanden – Daten des „durchschnittlichen“ Schneedeckenaufbaus im Früh- und Hochwinter verglichen.

Buchen sollst du suchen

Dabei hat sich die  Theorie bewahrheitet: Dort wo man primär Zirben im so genannten „kontinentalen Zirben-Lärchenwald“ in der subalpinen Zone findet (also an der Waldgrenze und knapp darunter) ist die Wahrscheinlichkeit für einen schlechten Schneedeckenaufbau am größten. Dort wo man kaum bis gar keine Zirben findet und der Wald bis zur Waldgrenze von Weißtannen, Buchen und teilweise auch dem Ahorn gebildet wird, gibt es fast nie bodennahe, lang bestehende Schwachschichten.

Natürlich macht eine Buche den Schneedeckenaufbau nicht gut, genau so wenig macht ihn eine Lärche oder Zirbe schlecht.

Vielmehr zeigen diese Bäume Klimabedingungen an, die besonders häufig zu einem bestimmten Schneedeckenaufbau führen.

Die Erkenntnis ist statistischer Natur und zeigt mit was in einer Region wahrscheinlich zu rechnen ist. Für den aktuellen Schneedeckenaufbau ist immer das kurzfristig zurückliegende Wetter verantwortlich. Wir dürfen Wetter und Klima nicht verwechseln.

Ein kleiner Teil für die Praxis für heute liegt trotzdem in solchen Zusammenhängen: In Gebirgen wo es noch keine oder nur unzureichende Lawineninformationen gibt, kann man sich ein wenig während einer Skitourenreise oder bereits bei der Planung von zu Hause aus,  an der Vegetation orientiere und unter Umständen seine Sinne für eine potentiell erhöhte Wahrscheinlichkeit von Schwachschichten in der Schneedecke schärfen: Ändern sich die Vegetationstypen? Finden wir auf einmal Pflanzen- und Baumarten, die es in einem anderen Teil des Gebirges nicht auf diese Höhe gegeben hat?

Da bei einem internationalen Kongress Englisch die gebräuchliche Sprache ist, hat Lukas unsere Arbeit übersetzt. Schon auf Grund der vielen Fachbegriffe eine mühsame und zeitraubende Arbeit. Danke dafür.

Die vollständige Arbeit gibt es hier.

Hinweis: Lukas hat auf seinem Blog schon eine Kurzfassung auf deutsch veröffentlicht. Diese habe ich übernommen. Ergänzungen von mir habe ich rot markiert.

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