Rappenköpfle – Publikumswirksame Steilgrastour

Durchaus interessant, bisweilen auch erheiternd ist es, an einem Sommernachmittag den Gesprächen zu lauschen, die sich ergeben, wenn die Hüttengäste auf der Terrasse der Rappenseehütte einen Bergsteiger auf dem Rappenköpfle entdeckt haben. Wie kommt der den da rauf? Wie kommt man da wieder runter?. Oooh…! Guck mal da klettert einer! Für das durchschnittliche Publikum der Rappenseehütte, dass sich überwiegend aus Bergwanderern mit Ziel Heilbronner Weg zusammensetzt, ist dieser Gipfel auch unerreichbar. Wer allgäu-typisches  Steilgras, gewürzt von kurzer, brüchiger Kletterei nicht scheut, dem bietet sich dieser Gipfel als eindrucksvoller Schlussakt der Rappenseeumrundung an. Oder aber auch als relativ kurze Nachmittagstour, sofern man den Zustieg mit dem Bike abkürzen kann.

Schnellster Zugang zur Rappenseehütte

Zweck meiner Tour an einem herbstlichen Spätnachmittag war weniger einen bestimmten Gipfel zu erreichen, sondern das hintere Rappenalptal nach versteckten Skitourenmöglichkeiten abzusuchen. Insbesondere nach einer idealen Verbindung Mindelheimer-Rappenseehütte. Wie nicht anders zu erwarten war, habe ich keine ohne die dort üblichen alpinen Schikanen gefunden. Dafür aber den besten und schnellsten Zustieg zur Rappenseehütte mit Bikeunterstützung.

Screenshot_2018-10-01 OpenTopoMap - Topographische Karten aus OpenStreetMap Rappenköpfle
Die Open Topo Map ist die Einzige Karte, auf der Hütten und Wege in diesem Bereich zutreffend eingezeichnet sind.

Anstrengende 600 Höhenmeter bei gut 12 Kilometern Strecke muss man auf einem asphaltierten Sträßchen vom Parkplatz im Stillachtal bis zu dessen Ende nach der Alpe Biberkörb zurücklegen. Dafür ist es von hier zur Rappenseehütte nur noch ein Katzensprung. Wer keine Überschreitung plant, kann auf einem breiten Weg, der nun allerdings nicht mehr asphaltiert ist, den Wanderweg Schwarze Hütte- Rappenseehütte mit dem Bike erreichen und dieses bis zur Hütte hinaufschieben. Eine Abfahrt mit dem Bike dürfte auf dieser Route auch für durchschnittliche Biker möglich sein.

Nun, ich habe eine Überschreitung eines oder mehrerer Gipfel vor und möchte zudem eine Möglichkeit einer wintertauglichen Mutzentobelquerung erkunden. So lasse ich das Bike am Straßenende stehen und finde prompt einen guten Steig, der weder in der Alpenvereinskarte 2/1 Allgäuer-Lechtaler Alpen Westblatt, noch in der Alpenvereinskarte BY2 Hoher Ifen-Kleinwalsertal eingezeichnet ist. Keine Ahnung, warum er dort hinauszensiert wurde. In der Open Topo Map ist er allerdings zutreffend eingezeichnet. Durch offenes Gelände und lichten Wald geht es hinauf zur Schafalpe. Dabei wird der Mutzentobel in 1600 m Höhe gequert. Damit habe ich schon die flache Terrasse erreicht, die in ca. 1800 m Höhe die gesamte Westflanke des Rappenköpfle quert und somit einen bequemen und im Winter sicheren Zustieg zur Rappenseehütte ermöglichet. Ermöglichen würde, wäre da nicht noch ein paar kleine, aber steile Tobel zu queren und bei entsprechend kritischen Verhältnissen dürften die Lawinen auch die flache Terrasse überspülten. Trotzdem sehe ich in dieser Route nicht der schlechtesten Winteraufstieg. Doch was juckt mich das jetzt im Herbst. Die Zeit ist rascher fortgeschritten als geplant und so entscheide ich mich für den kleinsten Gipfel in der Rappenseeumrahmung.Rappenkoepfle 1

 

Damit wären wir also bei unserem Giftzwerg im Allgäuer Hauptkamm. Der Aufstieg über den Südgrat ist zwar kurz und übersichtlich. Auf Grund des schlechten Fels und der Steilheit, darf man hier auf etwa zehn Meter von einem IIIer sprechen. Die Orientierung ist einfach. Man steuert den breiten Sattel zwischen Rappenköpfle und Hochrappenkopf an und folgt stets dem Grat. Dort wo dieser senkrecht aufsteilt, weicht man kurz nach links (Westen) aus um baldmöglichst zum Grat zurück zu queren. Man kann den Südgrat mit dem Aufstieg zu einem der vier Höfatsgipfel im Zuge deren Überschreitung vergleichen, nur mit dem Zusatz, dass sich die Höfats über deutlich besseren Fels erfreut.

Für meine Verhältnisse bin ich froh, hier nicht mehr abklettern zu müssen. Im Januar 1988, jung und unbekümmert habe ich dies mal im Zuge einer Skitour gemacht. Heute wäre das im Winter für mich ein „No-go“.

Rappenköpfle südgrat
Der kurze Südgrat des Rappenköpfle in der Draufsicht
Schluesselstelle südgrat rappenköpfle
Die anspruchvollste Stelle der Tour. Man steigt von links unten nach rechts oben zum Grat empor. Gut gestuft, aber brüchig.
Stand Gipfel Rappenköpfle
Bohrhakenstand unterhalb des Gipfels

Am Ende des Südgrates fand ich einen Stand mit zwei Bohrhaken vor. Mit einem Doppelseil könnte man hier bis unterhalb der Schlüsselstelle abseilen. Aber wer schleppt schon ein Doppelseil wegen einer zehn Meter hohen bröseligen IIIer-Stelle hier hinauf. Vielleicht ein Bergführer zum Nachsichern seiner Gäste? Wie auch immer.

Der Gipfel des Rappenköpfle ist ein exklusiver, selten betretener Ort. Um so bedauerlicher ist es, dass wieder die Tupperdosenpfuscher am Werk waren und das Gipfelbuch in einer ekligen Suppe aus toten Insekten, faulen Pflanzenresten und abgestandenem Wasser eingelegt war. Auf solchen Bergen ließt man immer gerne, wer wann oben war. Zum Thema Boxen für Gipfelbücher siehe hier : https://freieberge.wordpress.com/2017/10/27/gipfelbuecher/

Gipfelbuch
Schade: Die Box war gebrochen und ekelhaftes Wasser floss herhaus. Eine Tupperbox eignet sich nicht für Gipfelbücher.

Zum Abstieg gibt es nicht viel zu erzählen. Ich wählte die mittlere Rippe der Westflanke, die außer ein kurzes Stück lästiges Erlengestrüpp kurz vor dem Wanderweg wohl die bequemste Variante darstellt. Das Gras war noch, wie erwartet, gut im Saft, so dass weder Steigeisen und Pickel nötig waren, die ich eh nicht dabei hatte. Trotzdem erfordert die kurz  bis zu 55 Grad steile Westflanke konzentriertes Steigen.

Knapp 1 ½ Std nach dem Aufbruch am Gipfel lud ich am Parkplatz in der nähe der Fellhornbahn das Bike ins Auto. Womit bestätigt ist, dass diese Variante zumindest im Abstieg (oder für E-Biker in beiden Richtungen) die schnellste und bequemste Möglichkeit darstellt, die Berge um die Rappenseehütte zu erreichen.

Rappenköpfle von wesst
Die Westflanke. Ich stieg über die mittlere Rippe ab.
Rappenalptal
Die Rappenseeumrahmung von Westen: Linkerskopf, Rotgundspitze, Hochgundspitze, Rappenseekopf, Rappenköpfle und Hochrappenkopf (v. l.n.r.)

Karte: Alpenvereinskarte Allgäuer-Lechtaler Alpen West 2/1 und BY2 .Beide von der Geländezeichnung brauchbar, jedoch sind Hütten und Wege fehlerhaft oder ungenau dargestellt. Besser in letzterem Punkt die „Open-Topo-Map“

Führer: Alpenvereinsführer Allgäuer und Ammergauer Alpen

Hütten: Rappenseehütte der Sektion Kempten des DAV

Ausrüstung:  Mountainbike, feste Bergschuhe. Steigeisen und Pickel sind bei sommerlichen, trockenen Verhältnissen entbehrlich. Bei „herbstglattem Gras“ und/oder gefrorenem Boden dringend anzuraten.

Höhenunterschied: ca. 1400 m ab Parkplatz Fellhornbahn

Schwierigkeit: im Fels kurze Stelle bis III, anhaltend  exponiertes Gehegelände  T5-6 nach SAC Wanderskala

Geeignet für wen? Routinierte Bergsteiger die den angegebenen Schwierigkeitsgrat im  ohne Seil bewältigen können. Bei Nässe und Neuschnee dringend zu widerraten!

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