Vom Winde verweht. Wo ist der angekündigte Schnee geblieben?

 

 

Großspurig wurde der Wintereinbruch für das Wochenende 9.+10.12.2018 für den gesamten Nordalpenbereich von Savoyen bis zum Schneeberg angekündigt. Entsprechende Webseiten veröffentlichten bunt eingefärbte Karten, die die zu erwartende Schneemengen anzeigen. So ein guter Meter war überall drin. Was die Prognosen nicht auf dem Schirm hatten, war die Auswirkung des Windes, obwohl dieser ebenfalls angekündigt war. So kam es, dass von den vollmundigen Prognosen vielerorts kaum etwas übrig geblieben ist.  Ein Stück in den Bergen drin,  schaut es vereinzelt schon ganz gut aus.

Bergex Schneevorhersage ab 6.12.2018
In der Grafik vom 6.12.2018 seht ihr die berechneten Schneemengen der ZAMG bis Dienstag, 11.12.2018 Gelb = 60-70cm, Orange = 70-90cm, hellrot = 90-120cm.

Angekommen sind in Hindelang jedoch nur 10 cm, in Oberstorf knapp 20 cm.

Schneeprognose White hearts
Die Prognose von Whitehearts, ebenfalls vom 6.12.2018 wurde so gut wie nirgends annähernd erreicht.

 

 

Oberhalb von 1800 m gibt es von Nordfrankreich bis zum Arlberg 80-110 cm und in Staulagen 120 bis 150 cm Neuschnee.

So zu lesen auf Powderguide. Eine Webseite, von der ich grundsätzlich sehr viel halte.

https://www.powderguide.com/magazin/powderalarm/artikel/powderalarm-2-201819-ullrs-judgement-day.html

 

 

Screenshot_2018-12-10 Wetter Bad Hindelang Bewölkung Niederschlag
Kräftige Anströmung von Nordwest am 9.12.2018. Man erkennt das die maximalen Niederschläge erst südlich von Innsbruck, am Alpenhauptkamm hängen bleiben.

An was hats gelegen?

  1. Wohl viele Metrologen haben die Wirkung des Sturmes unterschätzt. Die Schneewalze wurde schlicht und einfach über die Alpen hinweggeblasen und ist eher an den zweiten und dritten Bergketten hängengeblieben, anstatt in den typischen nordalpinen Staugebieten.

Das Thema der kräftigen Staulage habe ich hier ausführlich behandelt.

https://freieberge.wordpress.com/2016/01/13/wenn-die-staulage-kraeftig-wird/

 

  1. Die Luft war zu Beginn noch relativ mild. Der Effekt, dass durch Starkniederschlag die Schneefallgrenze in abgeschlossen Tälern rasch absinkt entsteht nicht, wenn ständig massiv frische und noch warme Luft nachkommt.

 

Zur Starkniederschlagsabkühlung siehe hier

https://freieberge.wordpress.com/2018/01/11/das-inneralpine-schneewunder/

 

  1. Mit einen ganz normalen Meldung: „Es könnte am Wochenende bis zu 30 cm schneien“, erreicht man keine Klicks, keine Follower, keine hohen Zugriffszahlen. Dafür braucht es schon eine Schneewalze, einen Blizzard, eine Russenpeitsche, einen Powderarlarm oder sonstige Begriffe aus der Vollpfostenmetrologie.

Was kam wirklich?

Ganz klar, nicht die angekündigten Mengen. Immerhin hat es zum Ende der Niederschlagsphase in den windgeschützten Täler doch noch ganz ordentlich abgeladen. So zeigte am Abend  des 10.12. 18 die Messstation Schwarzenberg des Bayerischen Lawinenwarndienst 70 cm.  Ein guter Beleg dafür, dass die Anströmung am Alpenrand einfach zu kräftig war ist ein Vergleich der Messstationen Fellhorn (Bayern) und Jöchlspitze (Tirol). Diese liegen gut vergleichbar in gleicher Höhe und Exposition. Bei einem normalen Witterungsverlauf kommt an der im Windschatten der Allgäuer Alpen gelegenen Jöchlspitze meist deutlich weniger Schnee an. Aktuell hat aber die Jöchlspitze mehr Schnee bekommen.

Manchmal sollte man doch eher auf alte Weisheiten hören, wie „Wenns luftet mag´s it scheia“, anstatt auf die bunten Grafiken im Web zu schauen.

 

Wo geht schon was?

Ein Stück in den Bergen drin schaut es durchaus brauchbar aus. Ganz hinten im Kleinwalsertal, am Riedbergpass oder ganz hinten im Lechttal bei Warth kann man auf jeden Fall ins Gelände.  Auch hinten im Gunzesried sollte schon was gehen. Aber aufpassen mit überschneiten Felsbrocken, wenn man auf Nagelfluhbergen unterwegs ist. Tannheimer Tal: Abseits der Piste weitgehend zu wenig Schnee, da meist steiniger Hauptdolomitboden. Ausnahmen: In großen Leehängen und auf glatten Wiesenhängen  reichts für ein paar nette Schwünge.

Neuschnee, fast ohne Unterlage bedarf natürlich einen glatten, grasigen Boden. Weil es weitgehend auf warmen Boden geschneit hat, wird Gleitschee in den nächsten Tagen ein Thema werden. Also sollte es auch nicht zu steil sein. Sprich: Gute Kenntnisse, wie das Gelände im Sommer ausschaut ist derzeit kein Schaden.

Schwarwassertal 12.12.2018
12.12. 2018. Es reicht bedingt
Gleitschnee 12.12.2018
War zu erwarten. Der Boden ist noch warm. Selbst in Schattenlagen (12.12. 2018)

Für Pistenfahrer wird es am kommenden Wochenende dank Kunstschneebasis überall im Allgäu gut reichen.

Wer ein Skitourengebiet sucht, wo es bereits eine Unterlage gibt, der sollte vielleicht ins Rojental schauen, was sich für die meisten Leser sicher nur für zwei oder drei Tage lohnt.

 

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