Schneeprofile? Wozu?

Ein Schneeprofil gibt Aufschluss über die Zusammensetzung der Schneedecke. In der Regel wird ein Schneeprofil aus drei Gründen gegraben.

  • Um Informationen über das Vorhanden sein bestimmter Schichten zu erhalten
  • Zur Einzelhangbeurteilung
  • Um Einblick in die „Schneegeschichte“ des ganzen Winters zu bekommen

  • Um Informationen über das Vorhanden sein bestimmter Schichten zu erhalten

Der Lawinenlagebericht gibt eine Beurteilung für eine ganze Region heraus. Nicht für den Einzelhang. Daher ist es für die Lawinenprognostiker auch nicht so relevant, ob eine Schwachschicht in 30 oder in 40 cm Tiefe liegt. Viel wichtiger ist, ob diese flächig vorhanden ist und in welchen Expositionen und Höhenlagen sie anzutreffen ist. Stichwort Prozeßdenken.

In der Regel schaut man mittels CT in die Schneedecke. Um die Erkenntnisse zu vertiefen immer wieder. Teilweise wird nicht mal ein richtiger „kleiner Blocktest“ (CT) durchgeführt, sondern immer wieder mal in die Schneedecke geschaut, ob eine bestimmte Sicht auch flächig vorhanden ist. Das allerdings ziemlich oft.

zwischenschichten

Die Lawinenprognostiker sehen an den Grafiken der Messstation, dass sich eine Schwachschicht gebildet haben könnte. Hier eine Reifschicht die in einer kurzen Niederschlagspause entstanden ist.

Der Beobachter schaut nach, ob dies auch der Fall ist. Dazu reicht die reduzierte Form eines CT (kleinen Blocktest). Dass allerdings oft und an verschiedenen Stellen. Es soll die Informationen gewonnen werden, ob die vermutete Schwachschicht flächig in der ganzen Region vorhanden ist und somit im Lagebericht berücksichtigt werden muss.

Der Text würde dann lauten: Im Neuschneepaket der letzten 24 Stunden sind störanfällige Zwischensichten eingelagert.

 

Kompressionstest (CT)
Der CT dient primär zur Schwachschichtdiagnose. Er ist einer der am schnellsten durchzuführenden Tests, jedoch weniger „verlässlich“ als der Rutschblocktest oder der ECT, da er keine Informationen zur Bruch-fortpflanzung liefert. Wir können damit jedoch herausfinden, ob sich innerhalb der Schneedecke Schwachschichten befinden, die wir durch Belastung zum Kollabieren bringen können. Beim CT wird eine 30 x 30 cm große, freigelegte Schneesäule über ein Schaufelblatt stufenweise belastet. Die Impulse aus dem Handgelenk und dem Ellbogen erfolgen mit der flachen Hand – aus dem Schultergelenk dann mit der Faust. Die Steilheit der aussagekräftigen Stelle sollte ca. 35° betragen.

sattelkopf-profil-1

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Auf der Suche nach einer Schwachschicht
screenshot_2019-01-12 messdaten
Der kurzzeitige Temperaturabfall am 11.1. könnte die Bildung einer Schwachschicht zur Folge haben. Immerhin gab es am nächsten Tag einen Zuwachs der Gesamtschneehöhe von 10 cm. Die tatsächliche Neuschneemenge dürfte aber deutlich mehr betragen, da sich die Schneedecke durch das Eigengewicht auch setzt. Ob das so ist, erfährt man nur, durch einen Blick in die Schneedecke. Jedenfalls weiß man schon mal, nach was man suchen muss.
  • Zur Einzelhangbeurteilung

Besser für die Einzelhang Beurteilung ist der „Erweiterte Blocktest“ ETC. Der klare Vorteil hierbei ist, dass sich die Bereitschaft zur Bruchfortpflanzung gut erkennen lässt. Denn nicht immer führen schlecht verbundene Schichten auch zu einem Schneebrett.  Der Nachteil ist, der etwas höhere Zeitaufwand. Der Test zeigt, ob man die Kombination von Schneebrett-Schwachschicht tatsächlich stören kann, wie schwer dies gelingt und ob sich ein Bruch auch ausbreitet. Wenn man zwar Brüche erzeugen kann, diese sich aber nicht ausbreiten, ist zu vermuten, dass eine Bruchfortpflanzung und somit ein Schneebrett unwahrscheinlich sind.

Um eine gewisse Aussagekraft zu bekommen, sollte die Stelle des Profils ca. 35 Grad betragen. Das bringt es mit sich, dass man sich ggf. im zu untersuchenden Hang schon mitten im gefährdeten Gelände befindet.  Ein, an flacherer Stelle, etwa ein Stück vom Hangfuß entferntes Profil , könnte ein anderes Ergebnis bringen. Hier bin ich allerdings der Ansicht, dass ein an flacherer Stelle gegrabenes Profil ein schlechteres Ergebnis bringt, da alle kritischen Schichten noch voll umfänglich vorhanden sind und nicht durch die langsame Hangabwärtsbewegung des Schnees schon entspannt wurden. Genau zu diesem Punkt würde ich gerne die Meinung anderer Fachleute hören.

Hier versagt die Einzelhangbeurteilung mit dem Schneeprofil

Beim Nigg Effekt versagt die Einzelhangbeurteilung mit dem Schneeprofil.  Steigt man von unten einen Schattenhang nach positiver Beurteilung mit einem ETC empor, befindet man sich kurz vor dem Grat in brandgefährlichem Gelände.

Hier helfen nur lokales Hintergrundwissen, Wetterbeobachtungen oder der Text im Lagebericht, sofern die Ersteller den Nigg Effekt tatsächlich auf dem Schirm hatten.

Aber mal ehrlich. Wer beachtet die Phrase… im kammnahen Steilgelände……. Bei ansonsten sicheren Verhältnissen wirklich?

https://freieberge.wordpress.com/2018/03/20/nigg-effekt-ein-heimtueckisches-problem/

 

Erweiterter Kompressionstest (ECT)
Der ECT ermöglicht eine Abschätzung der Bruchfortpflanzung in der Schneedecke und hält somit etwas mehr Informationsgehalt als der CT. Dazu legt man eine 90 x 30 cm große Schneesäule frei an deren seitlichen Begrenzungsrand das Schaufelblatt aufgelegt und stufenweise – entsprechend den Stufen des CT – belastet wird. Die Eingabe des ECT erfolgt ähnlich dem CT:
ECTP#@… (Erweiterter Kompressionstest mit Fortpflanzung)
Bruch pflanzt sich beim Schlag # bzw. beim nächstfolgenden Schlag durch den gesamten Block fort; dabei ist # jener Schlag, bei dem der Bruch entsteht.
ECTN#@… (Erweiterter Kompressionstest ohne Fortpflanzung)
Bruch entsteht beim Schlag # und pflanzt sich auch beim folgenden Schlag nicht durch den ganzen Block fort. Die Bruchfortpflanzung kann aber, muss jedoch nicht, bei weiteren Schlägen erfolgen.
ECT31… Bis zum Ende des Tests kann kein Bruch herbeigeführt werden.
Um zu definieren ob es sich um einen ECTP oder einen ECTN handelt, muss jeweils bei Ergebnis die passende Auswahl getroffen werden: „plötzlicher Bruch (P)“ oder „Teilbruch (N)“.

 

 

 

  • Um Einblick in die „Schneegeschichte“ des ganzen Winters zu bekommen

— Beim krigisischen Lawinenwarndienst–

Eher wissenschaftlich und dokumentarisch handelt man, wenn man das Profil täglich, immer an der selben Stelle gräbt. Sehr interessant fand ich, die Männer des kirgisischen Lawinenwarndienstes bei der Arbeit zuzusehen.

Wir trafen bei einer Skitour beim Töö Ashuu-Pass auf eine bewohnte Hütte  weit oberhalb der Straße mitten in der weißen Schneelandschaft. Rasch kamen wir mit den drei Männern dort ins Gespräch. Ihre Aufgabe war es, jeden Tag um 12.00 Uhr ein Schneeprofil zu gaben und die Ergebnisse mittels uralter Morsegerätschaften an die Zentrale nach Bischkek zu melden.

Mitten in einer gleichmäßigen, leicht geneigten Fläche stachen sie jeden Tag ein Stück Schnee ab, bestimmten mit einer Federwage die Dichte, begutachteten die Korngröße und den Rammwiderstand. Akribisch wurde alles in ein großes Buch eingetragen.

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Schneeprofilerstellung in Kirgistan. Jeden Tag um 12.00 Uhr wird am Ende des Grabens ein Stück abgegraben und beurteilt.

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Alle Messwerte werden akribisch in ein Buch eingetragen. Die Übertragung nach Bischkek erfolgt mittels Morsetechnik.

Vor alles wird man damit Wetter- und Schnee- und Klimadaten über einen langen Zeitraum hin erheben können. Natürlich auch über die aktuelle Gefährdung der nahegelegenen Passstraße

 

Benennung von Schwachschichten

Ursprünglich aus Kanada kam der Input, dass man relevante Schwachsichten benennt. Zum Beispiel nach dem Datum ihrer Entstehung oder ähnlich der Hochs und Tiefs in der Wettervorhersage. Ich finde, dass macht Sinn, sonst redet man immer, von dem eingeschneiten Reif, der am 25.1.2019 entstanden ist und von gebundenen Triebschnee überlagert ist.

Man könnte richtig tückische Schichten auch mit negativ behafteten Namen benennen. Also Luzifer oder Adolf, aber das würde wieder zu Grundsatzdiskussionen führen, wenn man mehr Namen braucht, als diese beiden.

Ich habe mich dann dafür entschlossen, es mal mit dem Namenstagskalender zu versuchen, da ich diesen als wertfrei betrachte.

screenshot_2019-01-24 lawis
In den Allgäuer Alpen findet man recht homogen zwischen ca. 1.300 und 2.300 m folgenden Schneedeckenaufbau vor: Eine immer noch leicht feuchte und harte Basis aus Schmelzformen, die mit einer dicken Eislamelle (Heiligabendschicht) nach oben abschließt. Es folgen nordseitig mehrere Schichten teils kantig aufgebauter Schnee (südseitig Schmelzformen) und darüber feinkörniger Schnee vom 30.12.2018. Überdeckt wird dieser von einer dünnen, flächig vorhandenen Eislamelle, die durch gefrierenden Nieselregen am Sylvestertag entstanden ist (Sylvesterschicht). Darüber liegen mehrere mächtige Schichten überwiegend feinkörnigen Schnee aus der Zeit bis zum 11.1.2019. Am Samstag, 12.1. bildete sich aus gefrierendem Nebel heraus abermals eine flächige Eislamelle (Ernestus lt. Namenstagskalender), die von inzwischen meist lockerem, aufgebautem Schnee überdeckt wird. Hinweis: Für die markanten Schichten in der Schneedecke, die für den gesamten Winter bedeutend sind, vergebe ich einen Namen, der sich in der Regel nach dem Namenstag ihrer Entstehung orientiert. Derzeit haben wir: Heilig Abend, Sylvester, Ernestus.

 

 

Weiterführende Links

Zum Graben und zur Interpretation von Schneeprofilen empfehle ich die nachstehenden Links.

https://www.lukasruetz.at/2018/11/schneeprofil-lesen-interpretieren/

http://www.bergundsteigen.at/file.php/archiv/2006/4/print/66-69%20%28der%20nietentest%29.pdf

 

 

 

 

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