Schneereicher Frühsommer Segen und Fluch zugleich!

Ein schneereicher Januar und ein deutlich zu kühler Mai haben dafür gesorgt, dass weite Teile der Alpen Mitte Juni 2019 noch unter einer dicken Schneedecke liegen. Eigentlich ein Segen. Doch die Jammerei über den vielen Schnee ist groß. Manche Hütten haben die Öffnung verschoben, weil das bevorzugte, oftmals etwas unbeholfene Fernwanderpublikum kaum bereit ist, sich auf eine Situation einzustellen, die es in den 80ger Jahren noch regelmäßig gab. Der Skitourengänger freut sich über die Saisonsverlängerung. Die Gletscherschmelze ist zumindest für eine Weile ausgebremst. Klimahysteriker und Klimawandelleugner suchen anhand eines örtlich und zeitlich begrenzten Phänomen nach ihnen passenden Argumenten. Ein schneereicher Frühsommer bietet auf jeden Fall tolle Tourenmöglichkeiten, tut der Natur gut, birgt aber auch Gefahren. Nachfolgend ein paar Eindrücke und Tipps.

Oytal 5.6.2019
Blick ins Oytal am 5.6.2019
Sperrbach
Schnee und sommergrüne Bäume im Sperrbachtobel
Bacher Loch
Blick ins Bacherloch
Schönenberghütte
Eine angepasste Bauweise, sprich den bergseitigen Giebel im Hang versenken und im Herbst den Kamin abnehmen, verhindert Lawinenschäden.
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Aufstieg zum Gr. Wilden am 5.6.2019
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Perfekter Sommerschnee am 5.6.2019 am Gr. Wilden

 

Gleitschnee

Besonders auf grasigen, lehmigen Untergrund wie er für weite Teile der Allgäuer und Lechtaler Alpen typisch ist, besteht die Gefahr von Gleitschneelawinen und zwar so lange, bis wirklich kein Schnee mehr liegt. Gleitschneelawinen brechen zu jeder Tages- und Nachtzeit los und können kaum vorsorglich gesprengt werden.  Der Aufenthalt unter den typischen Schneemäulern sollte vermieden werden oder so kurz wie möglich gehalten werden.

Lawine Wilder Ende Mai 2018

Lawinenbollen Wilder

Gleitschnee 13.6.18
Sommerlicher Gleitschnee am Aufstieg zum Waltenberger Haus Juli 2018
Gleitschnee 13.6. 18 2
Gleitschnee bleibt ein Thema, so lange Schnee liegt. Entsprechender Untergrund vorausgesetzt.

Wechtenbrüche

Im Prinzip gilt das gleiche wie bei Gleitschnee, nur dass man diese durch Zusatzbelastung auch noch selber auslösen kann. Hierzu gibt es von Lukas Ruetz einen interessanten Beitrag

 

Wechte Schneck
Wechte am Schneck. 5.6.2019
Wechte Höfats
Sommerliche Wechte an der Giseler Wand (Oytal) Juli 2012

Unterspülte Schneefelder

Eine weitere Gefahr stellen von Bachläufen unterspülte Schneefelder dar. Mit etwas Gespür fürs Gelände kann man solche Gefahrenstellen manchmal erahnen. Das Einbrechen durch die Schneedecke ist besonders, wenn man nur dünne Kleidung trägt sehr oft tödlich. Einen tragischen Umfall gab es diese Woche im Kleinwalsertal. Mein Beileid an die Hinterbliebenen. Die Kommentare dazu in der Onlineausgabe der Vorarlberger Nachrichten waren zum Teil derart verletzend, dass es gut ist, dass die VN die Kommentarfunktion abgeschaltet hat, bevor ich Screenshots machen konnte und mit einer Gegenreaktion vermutlich über das Ziel hinaus geschossen wäre.

Bachquerung

 

Eigentlich selbstverständlich

Pickel und Steigeisen helfen die Abrutschgefahr auf „sommerharten“ Schneefeldern zu verringern.

 

Endless Winter

 

Tipps zu Frühsommerskitouren gibt es hier . Wenn es nicht andauernd überdurchschnittlich  heiß wird,  ist das von hohen Pässen aus noch gut vier Wochen lang möglich

 

Knieschonende Abstiege

Die Aussage spricht für sich.

 

Tourenplanung – Die Webcam- und Snowgridverweigerer

Die Tourenplanung war noch nie so einfach wie heute. Webcams, Snowgrid und die Messdaten der Lawinenwarndienste helfen uns, dass passende Ziel zu finden. Je nachdem ob wir noch Schnee oder keinen Schnee mehr suchen. Es ist Flexibilität angesagt. Wenn beispielweise der E5 nicht geht, plant man eben eine Durchquerung der Bayerischen Voralpen von Oberstdorf zum Königssee.  Trotzdem werden soziale Medien derzeit von Fragen im Stil“ kann man den schon auf die X-Hütte, die Y-Spitze überflutet. Antworten darauf kann wer mag. Ich beschränkte meine Fragen und Antworten auf solche Touren, wo keine Webcams oder sonstige Informationen zur Verfügung stehen. Da frage und antworte ich gerne.

 

Ich verstehe die Menschheit nicht.

Neulich ein Gespräch mit einer jungen Dame, die Ende Mai dabei war, ihr Auto vom Eis frei zu kratzen.

Ist das kalt! Ich kann kein Schnee mehr sehen! Ich will jetzt Sommer. Du kennst dich doch mit dem Wetter aus. Mimimimi….

Ich: Wie findest du eigentlich das Abschmelzen der Alpengletscher, den Dürresommer 2018, den Klimawandel und die Greta?

Sie fand das schrecklich und die Greta toll.

Tja, das ist so eine Sache. Wenn die Gletscher nicht schmelzen sollen, braucht es nasskalte Frühsommer.Wenn das eintritt,  wofür Greta zum Schulstreik aufruft, nämlich den Temperaturanstieg stoppen, dann wird’s immer wieder Schnee im Mai und Juni geben. Also müssten wir uns ja darüber freuen.  Aber scheinbar ist das auch nicht recht. Stoppt den globalen Temperaturanstieg, aber lasst es bitte warm und sonnig sein???  Ich verstehe es nicht und freue mich darüber, das die Berge noch so wunderbar weiß sind.

 

Tourentipps

 

So lange der Kratzer seine Rippen nicht zeigt, herrscht in den Allgäuer Hochalpen tiefster Winter. Am Morgen des 7.6.2019 waren die Rippen noch nicht zu sehen.

Wer ohne Ski dort unterwegs sein will, kann den Glasfelderkopf vom Prinz-Luitpold-Haus besuchen, den Ponten von der Willersalpe oder den Entschenkopf von Reichenbach. Ansonsten mit Ski oder in den Vorbergen bleiben.

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6 Kommentare zu „Schneereicher Frühsommer Segen und Fluch zugleich!“

  1. Deine Einschätzung, dass Gletscher nasskalte Früsommer brauchen stimmt, ist aber nur die halbe Wahrheit; sie brauchen vor allem auch verregnete Sommer. Dann schneit es meist dort droben; das bringt zwar etwas, meist aber nur wenig Zuwachs, bei frischem Schnee ist aber die Albedo (Rückstrahlung des Sonnenlichts) sehr hoch, so dass das Abschmelzen bei klarem Himmel stark verzögert wird.

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  2. Vielen Dank für deinen Beitrag und speziell die Skitourentipps. Habe einige davon beherzigt, daher hier ein kurzes Bild zur Lage:

    Clariden vom Klausenpass:
    Am 03.06. von der Passhöhe aus gestartet. Wird noch einige Zeit gehen.

    Sustenhorn und Gwächtenhorn vom Sustenpass:
    Am 04.06. gegangen. Pass bisher nur von Westen erreichbar. Vom Hotel Steingletscher aus gut zu gehen und noch lange genug Schnee. Ansonsten demnächst halt ab Umpol. Wurde den Tag noch freigefräst.
    Am 05.06. noch den Mittler Tierberg gegangen. Ebenfalls eine lohnende Tour in der Ecke.
    Am 07.06. Schesaplana gegangen ab Talstation Lünersee. Unterhalb des Sees sind die Schneefelder leider mit Steinen garniert sodass ich zum Ski tragen rate. Aufstieg geht zu Fuß bis auf die Westseite des Sees besser. Ab da mit Ski. Abfahrt bis auf 2000m wird dort auch noch ne Weile gehen.

    Maroiköpfe:
    Heute bin ich von Alpe Rauz durchs Skigebiet bis Albonagrat. Von dort weiter auf Maroiköpfe. Abfahrt bis ins Maroital bis auf 2 Meter im Gipfelbereich noch sehr gut möglich. Allerdings sehr weich und nass. Von daher bin ich retour und habe den Kaltenberg gestrichen. Abfahrt bis Alpe Rauz mit 2 kurzen Tragestücken (30 und 20m). Sonst bis Parkplatz möglich.

    Morgen wohl noch den Trittkopf als Abschluss. Kurze Tragepassagen auf der Piste unten sollten auch dort die Ausnahme sein.

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  3. Hier noch ein Tourentipp: Pizzo Stella am 02.06. konnten wir ca. 100 m vom Auto entfernt die Skianziehen. Oben absolute Topverhältnisse. DIe Tragepassage unten wird aber sicher bald länger werden, aber die Tour lohnt sich trotzdem!

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  4. Für die Bodensee nahe Fraktion: Dürrboden(Davos) geht inzwischen mit etwas Tragestrecke auch noch gut (schätze inzwischen eine halbe Stunde, aber relativ flach., klare Nächte sind halt wichtig, Sommerschnee ist es noch nicht komplett. Ansonsten noch Flüela. Wer noch Lust hat, ich bin vielleicht Do dort, wenn die Nacht klar wird (eher unwahrscheinlich)

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  5. Man muss seine Pläne/Aktivitäten eben den Verhältnissen und damit meist dem Wetter anpassen. Alter Hut. Ob es allerdings sinnvoll ist, viele Kilometer v.a. mit dem Auto (oder gar dem Flugzeug) zurückzulegen, nur um seine Pläne zu verwirklichen, muss jeder mit sich selbst (und seinem Gewissen) ausmachen.

    Man muss sich halt darüber im Klaren sein, dass man mit seinem Verhalten u.U. sein Scherflein zum Klimawandel beisteuert und dazu beiträgt, die Verhältnisse zu ändern, die man eigentlich schätzt. Bei uns liegt zu wenig Schnee? Dann fahr ich halt nach Österreich/Schweiz/Italien, wo genug liegt. Heli-Skiing in Kanada oder Georgien? Warum nicht! Was kann ich allein schon ausrichten… Und sollen doch erstmal alle anderen… und so lange leb ich eh nicht mehr…

    Ich kann mich an Winter erinnern, da war ich nur 1- oder 2mal beim Skifahren. Ich wäre gerne öfter gegangen, aber wenn es Zeit und Verhältnisse nicht hergeben, dann ist das halt so. Und ich hatte nicht das dringende Bedürfnis (Sucht?), das mittels langer Autofahrt zu ändern. So what? So mancher wird schon noch die bittere Erfahrung machen müssen/dürfen, dass die Einhaltung der Klimaziele mit Verzicht/Einschränkung einhergehen wird. Zu viele hoffen halt noch auf das St.-Florians-Prinzip…

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