Fürschießer, ein Steilaufstgieg im Grünen

Dem wild getürmten Krottenspitzengrat vorgelagert, stellt der grüne Fürschießer einen eindrucksvollen Kontrast zu der kahlen, grauen Felswildnis des Allgäuer Hauptkamms dar. Im Winter erscheint dessen scharf geschnittener Nordgrat wie eine allgäuer Version den Biancogrates. Genau über diesen Nordgrat verläuft auch die einzige lohnende Route auf diesen Berg. Deutlich leichter als die Höfats, aber dennoch mit zwei charakteristischen Schlüsselstellen ausgestattet, ist dieser Anstieg dem erfahrenen Bergwanderer vorbehalten, der mit dürftigen Trittspuren und im weglosen Steilgras zu recht kommt. Besonders im Frühsommer, wenn alles blüht, offeriert dieser Anstieg die gesamt Vielfalt der Allgäuer Alpen.

Zum Tourenverlauf lassen wir nun die Bilder sprechen

Fürschießer

Auch im Herbst ist der Fürschießer ein lohnendes Ziel, besonders dann wenn sich die Laubwälder an seinem Fuß färben.

FürschießerAufstieg

Diese Schrofenwand stellt die erste Schlüsselstelle dar. (Herbstbild)

Aufstieg Fürschießer unten

Nach der Steilstufe.

Fürschießer Krummer Stein
Nach einem Flachstück steilt der Grat wieder auf. Die zweite, kurze Schlüsselstelle I-II kommt in Sicht
Fürschießer Trettach
Der Blick auf Trettach und Mädelegabel wird frei
Fürschier höfats
Auf der anderen Talseite wird der Blick zur Höfats frei
Fürschießer Gipfel 2
Der Fürschießer vom Krummen Stein. Hab hier gibst nur noch sanfte, grüne Hänge
Fürschießer Krummer stein von Oben
Tiefblick vom Krummen Stein über den gerade zurückgelegten Nordgrat.

Fürschießer Blick zum Kratzer

Fürschießer

Fürschießer Gipfel mit Krottenspitzen

Fürschießer Gipfel

Fürschießer-und-Krottenspit
Auch im Herbst eindrucksvoll. Der Fürschießer (li) Krotten- und Öfnerspitze, Krottenkopf und Ramstallkopf

Karte: Alpenvereinskarte Allgäuer-Lechtaler Alpen West 2/1 und BY2. Beide von der Geländezeichnung brauchbar, jedoch sind Hütten und Wege fehlerhaft oder ungenau dargestellt. Besser in letzterem Punkt die „Open-Topo-Map“

Führer: Alpenvereinsführer Allgäuer und Ammergauer Alpen

Hütten: Kemptner Hütte der Sektion Kempten des DAV

Ausrüstung:  Mountainbike, feste Bergschuhe. Steigeisen und Pickel sind bei sommerlichen, trockenen Verhältnissen entbehrlich. Bei „herbstglattem Gras“ und/oder gefrorenem Boden dringend anzuraten.

Höhenunterschied: ca. 1500 m ab Parkplatz Renksteg

Schwierigkeit: im Fels kurze Stelle bis II. Zu Beginn Pfadspuren in einem bis zu 50 Grad steilen Wald mit Seilen versichert. Die Qualität der Seile ist fraglich und man sollte nicht blind darauf vertrauen.  T5-6 nach SAC Wanderskala

Geeignet für wen? Routinierte Bergsteiger die eine Route auch auf dürftigen Pfadspuren finden können können. Bei Nässe und Neuschnee dringend zu widerraten!

Kurzbeschreibung:

Von der Spielmannsau entweder durchs Traufbachtal oder noch ein Stück taleinwärts bis man die Fahrstraße ins Traufbachtal erreicht, die den schluchtartigen Taleingang umgeht. Dieser folgt man bis zu ihrem höchsten Punkt. Hier in südlicher Richtung zu einer steil aufragenden Schrofenwand. An ihrer linken (östlichen) Begrenzung trifft man früher oder später auf Steigspuren die entlang der steilen, waldigen Kante emporführen. Teilweise mit Seilen versichert. Nach Überwindung dieser Stelle  fast ohne weitere Probleme stets dem Grat folgend über den Krummen Stein zum Fürschießer. Kurz vor dem Krummenstein gibst noch eine ganz kurze exponierte II-er Stelle. Der Rest erschließt sich für den erfahrenen Bergsteiger von selbst. Man kann, leichter aber recht verwachsen den flachen Grat oberhalb des ersten Steilaufschwungs (Hierenalpe) auch aus dem Traufbachtal erreichen. Wegen mannhoher Brennnessel empfehle ich dafür auch im Sommer lange Kleidung. Im Abstieg nicht zu empfehlen!

Weiterweg:

Ab dem Fürschießer stehen die Überschreitung von Kreuzeck mit dem Abstieg über den Bettlerrücken offen, aber auch der Krottenspitzengrat oder einfach nur der Abstieg über die Kemptner Hütte.

Die Zufahrt in die Spielmannsau erfolgt ab Oberstdorf am besten mit dem Fahrrad. Ein Mountainbike ist dafür nicht unbedingt nötig.

 

Beste Zeit:

Frühsommer oder Herbst, so lange der Boden noch nicht gefroren ist. Im Sommer  im unteren Drittel ein Zeckenparadies.

 

Kartenausschnitt Fürschießer.jpg

Warum diese Tour veröffentlichen?

Muss das sein, so eine eindrückliche, nicht überlaufene Tour zu veröffentlichen? Kann man da nicht einfach still hinauf steigen, sich darüber freuen und den Mund halten? Ja man kann. Darf es in einer touristisch stark belasteten Region keine Touren mehr geben, wo die wenigen einheimischen Kenner unter sich sind. Ja die darf und soll es geben! Es gibt aber auch Gründe, die dafür sprechen, diese längst bekannte Tour wieder in die Erinnerung zu rufen.  Es gibt in den Allgäuer Alpen, wie woanders auch, viele alte Wege und Steige, die langsam zuwachsen, weil sie kaum noch begangen werden und nach und nach aus den Karten verschwinden. Solche Steige brauchen eine Mindestanzahl an Begehungen, sonst wachsen sie zu und stehen dann dem Einheimischen auch nicht mehr zur Verfügung. Die Steilheit gleich zu Beginn und die Tatsache, dass man den Anfang des Steiges erst mal finden muss, wirken selektiv und sorgen dafür, dass hier niemals der Massentourismus Einzug hält. Vielleicht trägt dieser Beitrag gerade dazu bei, dass der Steig so viel Begehungen erhält, dass er nicht völlig zuwächst.

Mehr zu diesem Thema: https://freieberge.wordpress.com/2015/09/27/rettet-unsere-schwarzen-wege/

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3 Kommentare zu „Fürschießer, ein Steilaufstgieg im Grünen“

  1. Passend dazu: Erst kürzlich im Schweizer ALPSTEIN einen wunderschönen ausgesetzten Jägersteig gegangen, der nur in einer KOMOOT karte zu finden war, nicht mal die Schweizer Topo 25 hatte den drin, jammerschade um so einen tollen Steig, der langsam unsichtbar wird….

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    1. Servus,

      ich kann über die (Schwarz)Wegeverhältnisse im Allgäu zugegeben nichts beisteuern. Die Allgäuer Alpen sind denk ich einmal weitläufiger als die Regionen, in denen ich mich bewege und die Großstädte sind nicht sooo nah wie bei mir.

      Allerdings ist vllt. ein Blick über den Tellerrand gar nicht mal so verkehrt, das nächste was ich in letzter Zeit gemacht hatte war ein „Weglos“ Grat in den Ammergauern, wo tatsächlich durch die stärkere Begehungszahl ein Steig ausgetrampelt wurde. Im Nachhinein hab ich ins Netz geschaut: Zahlreiche euphorische Berichte in den einschlägigen Portalen (Hikr.org etc. )

      Für die Regionen, in der ich mich großteils bewege gilt:
      (Bayerische Voralpen/ Chiemgauer Alpen/ Berchtesgadener)

      Bis vor ca. 11 Jahren stimmte es tatsächlich, das mehrere „schwarze Wege“ verfielen & aus den amtlichen Karten gelöscht wurden.

      In den letzten Jahren wurden aber fast alle dieser Steige von den Forstbehörden/ Jagdpächtern komplett& aufwendig neu hergerichtet (neu ausgefräst/ ausgestochen) und teils sehr großzügig an den ausgesetzten Stellen mit modernsten Seilversicherungen bestückt. Es wurden sogar zahlreiche neue Steige angelegt. (!)

      Andere Steige wurden durch den Outdoorboom ausgetrampelt.

      Dazu kommt die „GPS-Revolution“, die eher orientierungslose Bergsportler in Bereiche lockt, in die sie sich vorher nie gewagt hätten.

      Ganz eng verbunden damit ist die Open Street Map Datenbank, (Open Topo Map etc.). In meinen Regionen wird da jeder (neu angelegte) Jagdsteig eingetragen, dazu kommen weglose Aufstiegsrouten, die als Wege deklariert werden. (In meinen Augen kompletter Schwachsinn)

      Dann kommen noch die vielen Selbstdarstellungs Tourenportale bzw. -Foren hinzu, die Jagd auf die letzten weißen Flecken in der Landkarte hat schon lange begonnen – Alles muss genauestens kartiert, abfotografiert und dokumentiert werden.

      Die Leute, die so etwas forcieren, kommen tatsächlich meistens von Außerhalb, (Neu) Münchner sind federführend.

      Im Gegensatz zu vor 15 Jahren muss man sich in meiner Region wirklich nicht mehr um das Verschwinden von Wegen Sorgen machen, im Gegenteil, ich mache mir Sorgen das ein Hype um sie entsteht bzw. die Folgen, denn Naturschützer, Jäger etc. fordern schon Wegegebote.

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  2. Es freut mich dann ja wen ich eine Tour kenne oder vorher schon selbst „gefunden“ habe. Ich bevorzuge den Aufstieg über den Bettlerrücken und dann als Abstieg was Du beschrieben hast.
    Es gibt noch die Variante von der Hirenalm ins Traufbachtal ist aber doch mit Erlen sehr eingewachsen. Vielleicht verbessert sich hier am Weg was weil an der Alm wurde ein wenig „saniert“.
    Übrigens sind nicht alle Einheimischen erfreut. Ich hatte nur einmal einen getroffen, der war erst überrascht mich zu treffen. Und dann sauer weil er die Unterallgäuer hier jetzt wirklich nicht brauchen kann.
    Kann ich verstehen, ich mag auch die Massen (Kempter Hütte) nicht.
    Ist eine schöne sehr einsame Tour.
    Erich Haid

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