Torkopf – ein Allgäuer Giftzwerg

Dem mehre Kilometer langen Wandabbruch der Oberen Gottesackerwände nördlich vorgelagert, fällt der Torkopf kaum auf. Seine Eigenständigkeit sticht nur ins Auge, wenn man sich von Osten aus dem Mahdtal oder von Westen, von Sibratsgäll aus nähert. Dieser kleine Gipfel fällt von seiner Form völlig aus dem üblichen Landschaftsbild des Ifengebietes heraus, in dem sonst Plateaus und langezogene Wandabbrüche charakteristisch ist. Vom Charakter her ähnelt der Torkopf stark anderen, geologisch dem Helvetikum zuzurechnenden Gipfel in den den Vorbergen der Westalpen, wie zum Beispiel dem Girenspitz im Alpsteinmassiv. Die kurze Bergtour eignet sich als Halbtagestour. Einfach und zu unterschätzen ist sie jedoch nicht.

 

Als ich den Torkopf das erste mal bestiegen habe, bin ich der Beschreibung im alten Alpenvereinsführer Allgäuer Alpen, Ausgabe 1978 über den Südgrat gefolgt. Die Kletterstelle ist zwar nur kurz, aber ich dachte mir oft, „das gibst doch nicht?, Du stellst dich an, wie der letzte Mensch“ Vorsichtig taste ich mich die ca. 15 Meter hohe Steilstufe in schlechtem, brüchigen Fels hinauf. Das gibt’s doch nicht, das ist doch nur ein II er. Die letzte und immer noch aktuelle Ausgabe von 1997 spricht dagegen von einem IV er.

„Zugang: Mühsam, jedoch unschwierig von W in den Sattel zwischen Toreck und Torkopf, zu dem der Torkopf mit ca. 20 m hohen Wandstufe teilweise überhängend abbricht.

Route: Die Bezwingung der Wand ist schwierig (IV)“

Das wars. Eine IV also. Gut einen IV er würde ich für die Stelle nicht vergeben und das erste Stück umgeht man knapp westseitig. Der Fels ist jedoch steil, fast jeder Griff wackelt, aber doch gut gestuft. Ein brüchiger IIIer würde ich sagen. Trotzdem war ich froh, hier nicht abklettern zu müssen.

Torkopf v aus dem Mahdtal
Der Torkopf aus dem Mahdtal
Torkopf mit Route
Der Torkopf mit dem Aufstieg über den Südgrat
Torkopf südgrat
Brüchige Steilstufe am Südgrat

Blick vom Torkopf.jpg

Torkopf GipfelGottesackerwände 1

Gottesackerwände.jpg

Toreck von Norden

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Blick vom Torkopf nach Westen
Blick vom Torkopf nach Westen in Richtung Bregenzer Wald
Torkopf von Westen
Der Gipfelbau des Torkopf von Westen. Rechts der Südgrat, in der Draufsicht der Nordwestgrat

Windecksattel

Windecksattel
Abendstimmung am Windecksattel
Torkopf
Herbstliche Teleaufnahme von Riedberger Horn. Zwischen Oberer und Unterer Gottesackerand der Torkopf
Gottesacker-2
Auch im Herbst eindrucksvoll. Die Oberen Gottesackerwände, davor der Torkopf im Herbst
Torkopf IMG_1077
Tiefblick im Winter vom Toreck (Obere Gottesackerwände) auf den Torkopf

Den besagten Sattel erreicht natürlich auch von Osten, von der Madhtalalpe. In Verbindung mit dem Abstieg über den Nordwestgrat ergibt sich eine reizvolle Überschreitung in meist recht heiklem Gelände, das keinen Fehler verzeiht.

Beim Aufstieg durchs Mahdtal passiert man das Hölloch, dass bis zur Entdeckung der Riesendinghöhle als Deutschlands größtes Höhlensystem galt.

Auf der Nordwestseite des Ifens liegt das vermutlich niederschlagsreichste Gebiet der Nordalpen in dieser Höhenlage. Das nahegelegene Balderschwang ist lt. DWD der niederschlagsreichste Ort Deutschlands, Damüls in Vorarlberg, Luftlinie auch nur einen Katzensprung entfernt, bewirbt sich als das schneereichste dorf der Welt. Na ja. ich denke das die Werte von Damüls von einigen Orten in Hokkaido leicht übertroffen werden.

Hinweise zur Tour

Diese Tour führt durch eine eigenwillige, fast mystische Landschaft. Senkrechte Wandabbrüche und flache Karstplateaus wechseln einander ab. Die Überschreitung des Torkopfes ist heikel  (meiner Ansicht nach ein bisschen unangenehmer als die Höfatsüberschreitung) und kann nur Bergsteigern empfohlen werden, die sich in brüchigen Steilschrofen sicher bewegen können.

Ähnliche landschaftliche Eindrücke, kann man ganz ohne Schwierigkeiten auf mit der Besteigung der Unteren Gottesackerwände erleben. Auch die  Überschreitung der Oberen Gottesackerwände oder eine andere Runde in diesem Gebiet bieten landschaftlich viel.  Da alle relevanten Stellen am Torkopf westexponiert sind, rate ich den Berg erst so spät zu besteigen, bis die Sonne das Gras abgetrocknet hat.

Kugelblume.jpg

Für Fotographen empfehle die Stunden kurz nach Sonnenaufgang oder kurz vor Sonnenuntergang im Hochsommer. Nur dann zeigen die Gottesackerwände ihre Struktur im Seitenlicht.  Wer ein Biwak plant, sollte das äußerst dezent tun und dabei das 11. Gebot beachten, was da lautet: Du sollst dich nicht erwischen lassen“. Das beginnt schon damit, dass beim Aufstieg durchs Mahdtal keine zu großen Rucksäcke mit überstehenden Isomatten getragen werden.  Die Nord- und Westseite des Ifens liegen im Epizentrum des Jagdunwesen, was sich an zahlreichen Schildern an den Ausgangspunkten, unzähligen Hochsitzen, Vandalismus an Wegweisern und Markierungen äußert. Kaum irgendwo im Alpenraum gibt es eine derartige Dichte von Hochsitzen, Wildruhezonen und Sperrgebieten als im Dreieck zwischen Schönenbach, Ifen und Rohrmoos. Die hier beschriebene Route ist im Sommer jedoch keinen Einschränkungen unterworfen

Die Tour in Stichpunkten

Karte: AV BY2 Kleinwalsertal – Hoher Ifen, Widderstein

Führer: Alpenvereinsführer Allgäuer Alpen, Ausgabe 1997. Kein aktuelles Führerwerk vorhanden.

Einkehr: eventuell im Mahdtalhaus

Ausrüstung:  Bergschuhe mit denen man im Steilgras gut stehen kann.

Höhenunterschied: ca. 900 m ab Mahdtalhaus

Schwierigkeit: im Fels Stelle  III,  einige Stellen II, überwiegend extremes Gehgelände und im Gratbereich sehr exponiert.  T6 nach SAC Wanderskala. Durchwegs potentielles Absturzgelände. Zur Unteren Gottesackerwand ohne Schwierigkeiten.Karte Torkopf.jpg

Weiterführende Links:

http://www.festivaltour.de/forum/thema/torkopf-1-930m-und-obere-gottesackerw%C3%A4nde-2-033m.1085/#post-33510

https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6lloch_(Deutschland)

https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6lloch_(Deutschland)

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Ein Gedanke zu „Torkopf – ein Allgäuer Giftzwerg“

  1. Es ist doch möglich, dass Du bei WordPress die Bilder per Popup größer werden lassen kannst wenn man diese anklickt. Denn auf dem Desktop PC bleiben die in der aktuellen Ansicht sehr klein, sodass man nur schwer was sehen kann (speziell auch die Karte)

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