Tourenskischuhe besohlen

Viele Skibergsteiger kennen das Problem. Ein an sich noch voll funktionsfähiger Skitourenschuh ist nicht oder nur noch eingeschränkt zu verwenden, da der Zehenteil der Sohle abgelaufen ist. Kein Problem sollte man meinen. Doch die Antwort von Scarpa, auf die Frage nach einer neuen Sohle, bzw. einem Ersatzteil ist erbärmlich.

Das eine Sohle ein Verschleißteil ist, dass auch mal ausgewechselt werden muss, ist bei vielen Schuhe so. Auch bei einem Skitourenschuh läuft sich die Sohle mit der Zeit ab, wenn man mehr macht, als nur Pistentouren im Hochwinter. Der eine oder andere Gipfelbau verlangt leichte Kletterei, nicht immer reicht der Schnee bis ins Tal, so dass vielleicht ein paar hundert Höhenmeter zu Beginn und am Schluss der Tour zu Fuß zurück gelegt werden müssen.

Moderne Bindungen  verlangen einen passgenauen Schuh. Ist im Frontbereich die Sohle abgelaufen, so kann es möglicherweise bei manchen hochtechnischen Pin-Bindungen zu Problemen kommen, da die Höhe nicht mehr stimmt. Läuft man anstatt auf Gummi, auf Hartplastik oder Metall, so werden kurze Felspassagen, unkomfortabel und schwieriger. Es sind hier die Hersteller der Schuhe die gefordert sind, nicht die Produzenten der Bindungen.

Die Erwartung an den Hersteller ist damit klar. Es muss eine entsprechend Ersatzsohle geben, wie an einem Berg- oder Kletterschuh auch,  mit der jeder Schuhmacher den Schuh neu besohlen kann.

Der Mailverkehr mit Scarpa

Betreff: Scarpa Maestrala – Haltbarkeit der Sohle- Neu besohlen- Probleme mit Pin-Bindungen
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich trage seit Jahren auf meinen Touren Skischuhe von Scarpa, genauer gesagt den Scarpa Maestrale und den Scarpa Maestrale  RS. Soweit, so gut. Es handelt sich um solide Tourenskischuhe. Meine Frequenz beträgt ca. 60-90 Tourentage pro Jahr. Von der einfachen Pistentour bis zur anspruchsvollen Hochtour. Gerade im Frühjahr liegt es in der Natur der Sache, dass man die Skier zu Beginn der Tour mal ein Stück tragen muss. Unverhältnismäßig rasch läuft sich dabei die Sohle ab. Ähnlich verhält es sich, wenn bei einem Gipfelanstieg mal ein paar Meter ohne Ski in leichter Kletterei zurück gelegt werden müssen. Mit der Folge, dass dann der einstellte Abstand bei Pin-Bindungen nicht mehr passt, der Einstieg erschwert ist und ggf. die Sicherheitsfunktion der Bindung beeinträchtigt ist.
Auf Rückfrage beim Fachhändler an, dass Scarpa keine Sohlen anbietet, um den Frontbereich neu zu besohlen, so wie man das bei anderen Bergschuhen auch macht. Kann das wirklich sein? In dieser Preisklasse erwarte ich ein langlebiges Qualitätsprodukt und nicht einen Schuh, der nach bereits einer Saison nicht mehr zuverlässig in einer Pin-Bindung zu verwenden ist, weil im Zehenbereich die Sohle abgelaufen ist.
Im Anhang Bilder zur Verdeutlichung des Problems. Es darf einfach nicht sein, dass man einen, ansonsten noch voll funktionsfähigen Schuh in dieser Preisklasse austauschen muss, weil ein Stück der Sohle abgelaufen ist.  Jeder Skibergsteiger weiß auch, dass im Tourengelände abseits der Piste schneefreie Passagen dazu gehören, die man eben zu Fuß zurücklegt. Eine zweckfremde Verwendung kann man somit nicht feststellen.
Mit freundlichen Grüßen und der Bitte um Rückmeldung
Scarpa Abgelaufen
Scarpa Maestrale nach drei Wintern. Dieser Schuh ist je nach Bindung nur noch eingeschränkt zu verwenden. Man läuft zu Fuß schon auf Plastik oder Metall. Im Prinzip wäre nur der Frontbereich neu zu besohlen.
Scarpa neu
Bereits nach einem Winter war der Frotbereich der Sohle beim Maestrale RS fast abgelaufen. Noch passt er problemlos in jede Pin-Bindung. Man steht im Frontbereich noch auf dem Sohlengummi, nicht auf Plastik oder Metall.

Darauf die Antwort von Scarpa

Guten Tag Herr Rath,
besten Dank für Ihre Nachricht. Die Bilder sind leider in zu schlechter Qualität, als das man etwas darauf erkennen könnte.
Generell können wir jeden Schuh, egal ob Leder oder Plastik, neu besohlen. Hierfür darf das Trägermaterial nicht defekt sein. Bei einem Skitourenschuh wird der komplette Vibram-Sohlenblock erneuert.
Diesen Service kann jeder Scarpa Fachhändler bei uns anmelden und in Auftrag geben.
Beste Grüsse
Scarpa Schuhe AG Verwaltung:
Lörracherstr.60 
CH4125 Riehen

meine Rückantwort

Sehr geehrter Herr xxxxx,
heißt das, dass man den Schuh zum Händler bringen muss und dieser schickt ihn dann zu Scarpa? Gibt es keine Sohlen, wie für jeden Bergschuh, den man von jedem Schuhmachermeister neu besohlen lassen kann?
Was kostet eine Neubesohlen?
Wie kann es sein, dass bei einem Tourenskischuh bereits nach relativ wenig Strecke, die man zu Fuß zurück gelegt hat, der Frontbereich zu erneuern ist, ein gleichwertiger Bergschuh  oft Jahre hält?
Mit freundlichen Grüßen und der Bitte um Rückmeldung

 

die Rückantwort von Scarpa

Guten Tag Herr Rath,
nein, eine einfach Sohle gibt es nicht, diese wird nur in Italien im Werk erneuert. Bei Wanderschuhen gibt es dies auch nicht, diese werden nur also kompletter Sohlenblock verbaut.
Warum bei Ihrem Skitourenschuh dies so passiert ist, müsste man sich anschauen. Ich kann Ihnen nur mitteilen, dass dies eher selten der Fall ist, das dieser Service in Anspruch genommen wird.
Die Kosten für eine Neubesohlungen erfahren Sie über Ihren Scarpa Fachhändler.
Beste Grüsse

Es geht hier um grundsätzliche Dinge:

Eine Sohle ist ein Verschleißteil, dass eben auch mal ausgewechselt gehört. In so fern, ist schon die Frage von Scarpa unverständlich, warum das bei diesem Skischuh so passiert ist. Ganz einfach: Eine Sohle aus weichem Gummi läuft sich eben schnell ab, und muss erneuert werden. Das macht bei einem Bergschuh der Schuhmachermeister, den es fast noch in jedem Ort gibt. Bei Scarpa sollte man deshalbhalb über den Händler den Schuh nach Italien schicken und dann ist Scarpa nicht mal in der Lage, die Kosten dafür zu benennen. Schwachsinn so einen Antwort, ich schicke meinen Mazda zum Reifen wechseln auch nicht nach Japan.

Bei einem so hochpreisigem Produkt, wie z.B. der Maestrale RS kann man eine gewisse Qualität und Langlebigkeit erwarten. Ganz klar: Es handelt sich in vieler Hinsicht um einen hochwertigen, funktionsfähigen Schuh. Dazu gehört aber auch, dass sich Verschleißteile unkompliziert auswechseln lassen. Zum „Respekt vor der Natur“ wie Scarpa aus seiner Homepage schreibt, gehört auch die Langlebigkeit der Produkte  und  unkomplzierte Reparaturmöglichkeiten.

Kreuzsspitze
Kommt vor. Ein Gipfel ist vom Skidepot nur zu Fuß zu erreichen. Nein, hier geht man weder mit Steigeisen, was den Schuh schonen würde, noch mit Kletterschuhen. Trotzdem belasten solche kurzen Passagen einen Tourenskischuh stark.
111IMG_9139
Kommt im Frühjahr ebenfalls vor. Der Schnee reicht nicht mehr bis ins Tal. Es müssen ein paar Höhenmeter zu Fuß abgestiegen werden.

Zum Nachdenken:

Meinen ersten Tourenskischuh habe ich in den 80er Jahren gekauft. Er war von Hanwag, hielt bei selber Beanspruchung gute zehn Jahre und hat nur 240,– DM (rund 120,–€) gekostet. Bei einer Preissteigerung, die weit über dem durchschnittlichen VPI liegt, fragt man sich schon, warum die  heutige Ausrüstung eine immer kürzere Lebensdauer hat.

Der Fairness halber muss man allerdings sagen, dass mein alter Hanwang  (Modell weiß ich nicht mehr) deutlich schwerer war und nur in eine Silvretta 400 passen musste.

Es liegen mir keine Erkenntnisse vor, ob und nach welcher Zeit die geschilderte Problematik bei  Produkten anderen Herstellern auftreten und wie es um Ersatzteile und Reparaturmöglichkeiten bestellt ist.

Tipp:

Ein guter Schuhmacher schafft es aber auch, ohne Originalteile den Frontbereich zu reparieren.

 

3 Kommentare zu „Tourenskischuhe besohlen“

  1. Kann es sein, dass Du hier etwas viel Ärger auf Scarpa projezierst?
    Hast Du Dir (und Deinem Fachhändler) die Mühe gemacht, nach dem Preis dre Besohlung zu fragen?
    Meine Erfahrung im Sommer ’17 mit einem Scarpa Alien (mit „Plastik“ Schaft): Der Schuh hatte vier Winter hinter sich, Tourentage kann ich nicht beziffern. Gesamt liegen sie im oberen Bereich der Deinigen, ich geh aber noch mit einem anderen Schuh. Sie hatte überwiegend reinen Schneekontakt, es gab aber auch viele Frühlings-Hm vor allem im Krawendel – sprich: Schotterrinnen und Schrofenfelder rauf/runter, leichte Kletterei an felsigen Gipfelaufbauten, usw. Die Sohle sah vorne in etwa genau so aus, wie bei Deinem (älteren?) roten Maestrale: Vorne an den bis zum Schalenkunststoff runter gelaufen, und im Großzehenbereich diesen noch so weit abgeschliffen, dass das Insert in meiner Erinnerung sogar noch etwas freier lag als an Deinem Schuh. Ebenso hinten an der Ferse bis zum Metallclip der Fersen-Pins abgelaufen.
    Ok, es gab noch einen weiteren Schaden: Die eingenietet Manschette im Achillessehnen Bereich war mehrfach eingerissen. Die wollte ich ersetzen lassen.

    Der Schuh machte auf mich wirklich keinen guten Eindruck mehr. Trotzdem fragte ich Ende Juli trotzdem mal beim Händler an, ob das zu reparieren ist.
    Der rief sofort bei Scarpa an: 90€.
    Das war für mich in Ordnung, da es doch deutlich günstiger, als ein neuer Schuh war.
    Den Versand inkl. Verpacken usw. übernahm der Händler (bei dem ich den Schuh und einiges andere kaufte). Nach einigen Wochen, in denen mir der Schuh nicht abging, war er wieder da, und wie vereinbart:
    o Sohlen neu und tiptop besohlt
    o Manscheten hinten ausgetauscht
    + Die vorderen, gelben Manschetten ausgetauscht
    + Boa Verschlüsse ausgetauscht
    + Neue Zungen eingesetzt.
    Im Großen und Ganzen waren alle Verschleißteile neu.

    Die meisten Bergsschuhe dürfte eine gerade Zwischensohle haben. Hier ist es deutlich einfacher eine Ersatz-Sohle von Vibram oder wem auch immer zu verbauen. Beim Skischuh muss die Sohle auf die Schalenform passen. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die Hersteller, Scarpa dürfte da nicht alleine sein, den Logistikaufwand für den Vertrieb der Sohlen ersparen wollen, da der Kosten/Nutzen zu gering ist. Wie viele Leute gehen denn derart viele Touren, laufen den Schuh in drei Wintern so ab? Wieviele Touren macht der Durschschnittstourengeher und wieviele davon bei Verhältnissen, die die Sohle beanspruchen?
    Ich möchte wetten, dass kein zweistelliger Prozentsatz der verkauften Schuhe soweit abgenutzt wird. Sollte der Schuh des Durchschnitts-Skitouristen soweit abgenutzt sein, ist es der Ski erst Recht. Dann gibt es das neue Komplettset Ski+Bindung+Schuh und gut ist.
    Langer Rede kurzer Sinn: Ich kann die Hersteller verstehen, wenn sie den Logistik Aufwand für Ersatzsohlen scheuen.

    Den Einwand, dass ein so abgelaufener Schuh nicht mehr mit den Pin-Bindungen zu nutzen ist, kann ich nicht nachvollziehen. Mein alter TLT6 sah noch schlimmer aus und ich kam immer problemlos in meine Bindungen.

    Wie Du schon schreibst: Der alte Hanwag war deutlich schwerer. Das dürfte wohl einen großen Teil der höheren Haltbarkeit gerade im Sohlenbereich ausmachen.
    Ich freu mich, dass meine Ausrüstung nur noch einen Bruchteil dessen wiegt, was sie früher wog. Diesen Komfort zahle ich mit dem Preis und dem Bewusstsein, dass eben auch zT. am Material gespart wird.
    Und: Sicher, dass der Hanwag in etwa so genutzt wurde, wie der Scarpa?

    Versteh mich nicht falsch: Ich habe auch kein Verständnis dafür, dass der Kunde als Beta-Tester heralten muss. Ich ärgere micch auch, wenn Teile mit einmal richtig Nachdenken verschleißärmer konstruiert hätten werden können, oder essentiell wichtige Teile einer Schuhschnalle verloren gehen können, sie aber nur mit der kompletten Schnalle als Ersatzteil zu bekommen sind (dabei erfordert der Austausch des besagten Teils überhaupt keine techn. Fähigkeiten).
    Aber wenn Du erst gar nicht versucht hast, den Preis über Deinen Fachhändler zu erfragen, verstehe ich hier Dein Hersteller Bashing nicht.
    Chris

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  2. Hallo Ihr!

    In meinem Bergsteiger Leben habe ich schon mehrere Berg-Schuhe wieder besohlen lassen. Bei meinen ein Jahr alten Scarpa Bergschuh hätte das Besohlen bei Scarpa über 100 Euro gekostet (über einen den Intersporthändler bei dem ich die Schuh gekauft habe). Bei lokalen Schumacher habe ich 45 Euro bezahlt.
    Sonst habe ich für das Besohlen (Hanwang/Meindl) immer 40-70 Euro bezahlt beim Fachhänlder/Schuhmacher,

    Für meine Salomon Skitouren Schuhe habe ich Sohlen nachgekauft die ich selber wechslen kann (habe nun Pin und normale Sohle für Alpin).

    Schöne Grüße

    Markus

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  3. Natürlich habe ich telefonisch den übrigens sehr guten Fachhändler telefonisch kontaktiert und erhielt dort die Auskunft, dass keine Sohlen vorrätig wären und dass man den Schuh ggf. einschicken müsse. Daher die direkte Anfrage an Scarpa. Ich sehe in diesem Punkt auch den Hersteller in der Verantwortung, nicht den Händler. Herstellerbashing ist das übrigens nicht. Im Blogbeitrag habe ich durchaus erwähnt, dass ich den Maestrale für einen hochwertigen Schuh halte. Bashing ist inhaltsloses schlecht machen
    Die Bindungshersteller klagen über Reklamationen, weil Bindungen mit alten Schuhen nicht mehr zuverlässig funktionieren. Mit der Vipec Evo 12 neueren Herstellungsdatums hatte ich diesbezüglich keine Probleme. Ist aber der Frontbereich irgendwann komplett abgelaufen, so stimmt die Höhe nicht mehr, mit der Folge, dass die Pins einer jeden Pin-Bindung nicht mehr passgenau greifen.
    Wie viele Leute mit einem TOUREN!-Skischuh auch mal ein Stück zu Fuß gehen, oder eine kurze, leichte Kletterstelle überwinden, ist mir nicht bekannt. Ich schätze doch gut im zweistelligen Prozentbereich, wenn man den Andrang auf den 4000er-Normalwegen sieht. Allerdings trägt man dabei oft Steigeisen, was dann wieder „schuhschonend“ ist.

    Grundsätzlich:
    Wie eine Sohle am Schuh befestigt ist, ist für den Kunden letztlich unerheblich. Wichtig ist nur, dass ein Verschleißteil von Kunden selbst oder von JEDEM FACHKUNDIGEM HANDWERKER ausgewechselt werden kann.
    Überall plärrt man über Verkehr, insb. Alpentransit, über Ressourcenverschwendung, die Wegwerfgesellschaft usw. Genau mit einer Produktionsweise, die Reparaturen durch den Handwerker um die Ecke kaum noch möglich machen, werden diese Probleme verstärkt.

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