Kasbek – ein großer Gipfel by fair means

Von den großen Kaukasusgipfeln wird der Kasbek nach dem Elbrus wohl am häufigsten bestiegen. Er ist mit seinen 5047 m der zweithöchste Gipfel Georgiens und der achthöchste Gipfel des Kaukasus. Anders als am Elbrus gibt es kaum technische Erleichterungen, wie Seilbahnen oder bewirtschaftete Hütten.  Während man im Sommer wenigstens noch die ersten 400 Meter bis zum Kloster Tsminda Sameba  mit einem Geländewagen bescheißen kann, müssen im Winter  die 3300 Höhenmeter von Stephanzsminda komplett mit Muskelkraft bewältigt werden.

Als kleine Erleichterung lediglich die alte russische meteorlogische Station in rund 3700 m zum Übernachten zur Verfügung. Ein eiskalter und schrecklich versiffter Betonbunker, den deutsche Kriegsgefangene nach dem zweiten Weltkrieg erreichten mussten. Wenigstens schützen die kalten Betonmauern vor dem fast ständig heulenden Sturm. Der Kälte sei Dank, hielt sich auch die Geruchsbelästigung durch herum liegenden Müll und menschlichen Exkrementen in erträglichen Grenzen.

Der kaukasische Wettergott war uns wohl gesonnen. Nach einer stürmischen Nacht war es am Gipfeltag so gut wie windstill und nur mäßig kalt. Wir waren nach langer Zeit mit viel Sturm und arktischen Temperaturen unter den Ersten, die den Gipfel in diesem Jahr erreichten. Bei Windstille und bester Fernsicht vom Ararat im Südwesten über weite Teile des Kaukasus hinweg bis in die russische Steppe konnte man es am Gipfel gut aushalten. Die Winterstürme hatten jedoch ganze Arbeit geleistet. Bereits in  4500 m Höhe mussten wir die Skier zurück lassen und mit Steigeisen über Eis und windgepressten Hartschnee aufsteigen. Damit war jedoch zu rechnen. Berge, wie den Kasbek besteigt man eh nicht wegen der Abfahrt. Wenn man diese jedoch fast durchgängig in gutem bis perfekten Schnee erwischt, dann darf man von einer Sternstunde in einem Bergsteigerleben sprechen. Vom 4500 m hohen Skidepot konnten wir am 31.3. 2013 bis 1900 m im griffigen Hartschnee bzw. im feinen Seidenfirn hinab schwingen.

Nach weiteren 100 Höhenmeter Fußabstieg durften wir mit einem Kasbegi Bier auf unseren Erfolg anstoßen.
Die beiden Georgier, die mit uns gemeinsam den Gipfel erreichten, waren die einzigen Menschen, denen wir in diesen zwei Tagen am Berg begegneten. In den Tagen danach wurde der Kasbek mehrfach bestiegen. Allerdings dürften die täglich steigenden Temperaturen der nicht gerade mächtigen Schneedecke stark zugesetzt haben, so dass sich die möglichen Abfahrtsmeter bald reduziert haben.
Ich glaube, wir haben genau DEN RICHTIGEN Tag erwischt.

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Kurz nach dem Aufbruch in Stephanzminda
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Das Kloster Tsminda Sameba gilt als eines der Wahrzeichen Georgiens. Auf dem Weg zum Kasbek passiert man es nach etwa einer Stunde.

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Schnee in Sicht. Die Tragestrecke hat bald ein Ende

 

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Der Kasbek von der gegenüberleigenden Talseite aus. In Falllinie des Gipfels kann man die Bethlemi Hütte erkennen.
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Nach rund 1.000 Höhenemter ist die Hälfte des Hüttenzustiegs geschafft.
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Schön bunt, aber nicht wirklich einladend. Die Bethlemihütte

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Zum Glück ist das Ganze hier tief gefroren.

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morgendlicher Aufbruch am Gipfeltag

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Georgien

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Einreise/Grenzen

Für Deutsche, Österreicher und Schweizer reicht ein maschinenlesbarer Reisepass.

Sicherheit

Unser Eindruck war jene eines sicheren Reiselandes. Die Grenzen zu Südossetien und Russland sollten nicht, wie in den Alpen üblich, einfach überschritten werden.

Es gibt keinen Lawinenlagebericht. Die Lawinengefahr ist eigenständig zu beurteilen. Wer dazu nicht in der Lage ist, sollte sich einer organisierten Skitourenreise anschließen.

Ohne Gefahrenstufe, kein „Munterrechnen“ oder „Snowcardhinhalten“

Ob im Notfall mit einer organisierten Bergrettung zu rechnen ist, wage ich zu bezweifeln. Man ist auf die Kameradenrettung angewiesen.

Währung/Preise

Ein Georgischer Lari entspricht ca. 0,30 €

Generell recht preiswert vor allem Taxifahrten und Gastronomie.

Anreise

Die Anreise nach Georgien in der Regel mit dem Flugzeug. Ist der Kasbek das Ziel wird man meist Tiflis ansteuern. Es gibt Direktflüge ab München mit Lufthansa. Turkish Airline fliegt ebenfalls mit Tiflis an. Allerdings mit Umsteigen in Istanbul.  Wesentlich entspannter ist es ab dem Allgäu Airport/Munic West für wenige Euros nach Kutasi zu fliegen. Allerdings ist von dort die Anreise zum Kasbek deutlich weiter. Wir sind von Tiflis mit dem Taxi nach Gudauri und weiter nach Stephanzminda gefahren und haben die kurzen Strecken vor Ort meist mit dem Taxi zurückgelegt. Das war billiger als ein Mietwagen. Die Straßen sind meist schlecht bis miserabel, so dass man auch für kurze Strecken viel Zeit einplanen muss.

Organisierte Reisen

Unter der Suchanfrage „Skitouren Georgien“ spuckt Tante Google organisierte Skitourenreisen nach Georgien aus. Wir haben alles individuell ohne Führer geplant und durchgeführt.

 

Der Kasbek 5047 m.

Führer/karten: Geo Trekking Map 4 Georgien Khevi .Halbwegs brauchbare Wanderkarte mit grober Geländezeichnung. Kann von der  Qualität nicht an  die Alpenvereinskarten oder die Schweizer Landeskarten heranreichen. Mangels Alternativen dennoch für die Tourenplanung nötig.

Hütten: Bethlemi Hütte, 3680 m. Über die Öffnung und den Zustand sollte man sich vor der Tour in Stephanzminda erkundigen.  Bei uns war die Hütte unbewirtschaftet, offen, schmutzig. Es gab einen Ofen aber kaum Holz und keine Toilette. Ein warmer Schlafsack ist zu empfehlen.

Ausrüstung:   Normale Skitourenausrüstung, zusätzlich für den Gipfelbau Steigeisen, Pickel und Eisschrauben.  Warme, winddichte Kleidung !

Geeignet für wen? Erfahrene Skibergsteiger, die  Hänge bis zu 40 Grad Neigung sicher befahren können.

Zeit: Zwei Tage, Reservetage sollten einkalkuliert werden.

Beste Zeit: Die Wahl der optimalen Zeit für Skitouren in der Gudauriregion ist schwierig. Januar bis März sind ideal für die zahlreichen 3000er um Gudauri. Zu dieser Zeit herrschen am Kasbek arktische Verhälnisse. Der Gipfelbau ist dann meist blank. Später im Mai und Juni dürften die Verhältnisse im Gipfelbereich meist besser sein. Es ist mit weniger Wind und Blankeis zu rechnen. Dann reicht aber der Schnee nicht mehr sehr weit hinab. Anfang April dürfte der ideale Zeitpunkt für eine Skibesteigung sein.

Grenzübertritt zu Russland: Ein Grenzübertritt auch zu Russland ist strengstens verboten. Am Kasbek wird offensichtlich eine Ausnahme toleriert. Der oberste Teil des Anstiegs verläuft über die russische Nordwestseite. Welche Folgen es hat, sollte man dort einen Unfall haben, oder ins falsche Tal abfahren, entzieht sich meiner Kenntnis.

Höhenmeter: Von Stephanzminda bis zur Hütte rund 2.000 Höhenmeter. Anderntags rund 1400 Höhenmeter bis zum Gipfel.

Weitere Touren

 

Wenn der Kasbek das Ziel ist, so wird die Reise zuerst nach Gudauri führen. Die meisten Touren von dort haben den Charakter von Ski plus Touren, da sie meist mit Lifthilfe aus dem Skigebiet erstiegen werden. Es sind von dort auch schöne Rundtouren mit Abfahrten in das Tal nördlich des Kreuzpasses möglich. Dank der günstigen Preise für Taxis, Busse und Liftkarten sollte man diese Möglichkeiten nutzen. Die Berge um Gudauri sind meist um die 3.300 Meter  hoch. Bei einer Schlafhöhe von über 2.000 Meter eignet sich Gudauri gut zum akklimatisieren.

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Im Skigebiet von Gudauri

Südöstlich von Stephanzminda zweigt das Sno-Tal ab. Die Touren dort sind bereits länger und alpiner, wie jene um Gudauri.

Direkt oberhalb von Stephanzminda ziehen zahlreiche Steilrinnen nach Westen hinab. Genaues Geländestudium und sehr sichere Schneeverhältnisse sind Voraussetzung für diese Touren. Wir haben eine davon befahren und sind dazu von Süden, aus dem Sno-Tal aufgestiegen.

Einen guten Überblick über die Touren um Gudauri findet man hier: https://www.stadler-markus.de/expeditionen/georgien/skitouren.html

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