Skitourengänger in der Wahrnehmungsverzerrung

Wenn sich Tourengeher daneben benehmen oder gar eine Lawine auslösen, dann wird der Fall gewöhnlich durch die Medien geprügelt, selbst wenn es sich um Bagatellen handelt. Fußballspieler und deren Fans dürfen dagegen auch mal die Sau rauslassen. Warum wir nicht. Ein bewußt etwas überspitzer Vergleich.

Warum genießen Fußballfans Narrenfreiheit und wir nicht?

 

Ein Fußballländerspiel sei friedlich verlaufen titelt die tz. Ok;  es hat kleinere Gewaltausbrüche und ein paar Sachbeschädigungen gegeben, aber kein Problem, so lange nicht ganze Straßenzüge in Flammen aufgehen.

Vor dem Spiel hatte es nur kleinere Gewaltausbrüche aufseiten der englischen und deutschen Anhänger gegeben. Am Freitagabend musste die Polizei eingreifen, als etwa 50 Fans in einem Pub an den Hackeschen Höfen randalierten und einen Teil der Einrichtung beschädigten.

Englische und deutsche Fan seien getrennt von einander ins Stadion eingelassen worden. Warum wohl?

Und wir Bergsteiger? Wo dürfen wir randalieren, ein paar Besucherlenkungsschilder und Parkscheinautomaten zerdeppern und demjenigen, der die falsche Skihose trägt, mit dem falschen Nummernschild am Parkplatz steht oder unsere Abfahrtsspur kreuzt, einfach mal eine in die Fresse schlagen?

Ja ja… ein paar täten vielleicht ganz gerne auch  mal 🙂

Englische und deutsche Fan seien getrennt von einander ins Stadion eingelassen worden. Warum wohl?

Wenn bei einem Skitourenrennen, wie dem Jennerstier mein Favorit verliert, darf ich dann grölend durch Berchtesgaden ziehen? Warum aber dürfen das Fußballfans?

Wo dürfen wir unsere lokalpatriotischen  Vorurteile hemmungslos ausleben?

Wenn sich von uns mal einer daneben benimmt, es zu einer Rangelei kommt, bei der es keine Verletzten gibt, sich der Täter nachträglich entschuldigt und auf eine Anzeige verzichtet wird, dann steht nicht etwa in der Zeitung „Tourenabend auf der Rosskogelhütte  friedlich verlaufen“ sondern der Fall des gewalttätigen Tourengehers wird von der Presse breit getreten.

Sind wir mal ehrlich. Es gab keine Anzeige. Niemand wurde verletzt. Der Täter hat sich entschuldigt. Wäre so etwas im Umfeld eines Fußballspiel überhaupt eine Randnotiz wert?

Was passiert, wenn ein Autofahrer wegen was auch immer, auf die Gegenfahrbahn schleudert, gerade noch mal das Lenkrad rumreißt vor dem Gegenverkehr und wieder die Kontrolle über sein Fahrzeug gelangt und weiter fährt.  Nichts passiert!

Würde der Autofahrer bei diesem Manöver von der Fahrbahn abkommen und anschließend verletzt im Krankenhaus liegen, gäbe es eine Randnotiz im Lokalteil der Heimatzeitung.

Wenn aber ein Tourengeher eine Lawine auslöst und anschließend verletzt im Krankenhaus liegt, dann ist eine viertel Seite in der lokalen Presse sicher inkl. dem Shistorm in den Kommentarspalten der Onlineausgabe.

In beiden potentiell lebensbedrohliche Situationen mit völlig unterschiedlicher medialer Wirkung. Warum?

Ein Verkehrschaos nach einem Fußballspiel gilt als gesellschaftlich akzeptiert, verursachen Tourengeher an einigen Wochenenden ein selbiges, so führt das in der Regel zu Wut und Ablehnung bei den betroffenen Talendbewohnern.

Phänomen Fußball

Mag sein, dass gut und notwendig ist, Freiräume wie Fußballspiele und deren Umfelder gibt, in denen man einfach mal Machogehabe, Macht und Stärke demonstrieren kann. Dinge die in unserer heutigen, abgesicherten, geregelten und politkorrekten Welt verpönt sind. Einfach mal ganz unreflektiert lospoltern So lange sich Schlägereien, Beleidigungen der Gegner und Rassismus in Grenzen halten, sollte man das nicht überbewerten.

Vorfälle nach gleichen Maßstäben bewerten.

Bei der medialen Berichterstattung würde ich mir dort eine gleichwertige Darstellung wünschen. Also kein Fass aufmachen, wenn‘s mal eine Rangelei gibt ohne Anzeige gibt. Wenn das in der Fankurve passiert, berichtet ihr darüber auch nicht. Warum aber beim Tourengeher?

Das Gleiche gilt für Unfälle

Sind wir froh, dass es in unserem Sport fast immer friedlich zugeht und die Polizei, selbst bei Massenandrang so gut wie nie einschreiten muss. Unsere Gruppendynamik folgt zum Glück noch anderen Gesetzen, als in der Fankurve. Glückshormone und Adrenalin schenkt  uns die Natur und nicht eine „Wir-gegen-die-Mentalität“ im Stadion.

Ein Gedanke zu „Skitourengänger in der Wahrnehmungsverzerrung“

  1. Asis gibts überall… Das darüber unterschiedlich Berichtet wird ist leider auch normal. Im Grunde genommen passiert beim Fußball eher ziemlich wenig, wenn man die Masse der Besucher mit einbezieht – aber weils gern ins Bild passt wird natürlich trotzdem jeder Anlass genutzt.

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