Skitourenstatus Allgäu – Corona und Grenzsperren

Der Coronavirus hat Europa im Griff. In Österreich herrscht eine Ausgangssperre. Ausgenommen sind nur wenige, dringend notwendige Anlässe. Der deutsche Alpenanteil ist schmal und somit sind die Tourenmöglichkeit trotz weitgehend bester Frühjahrbedingungen stark eingeschränkt. Ob man angesichts der Krise Skitouren unternehmen soll, darüber gehen die Meinungen auseinander. Ein paar Gedanken zum Für und Wider und ein paar Tipps zu den aktuell (noch) legalen Touren im Allgäu.

Dem Charakter der Allgäuer Alpen entsprechend gibt es jede kurze und ganz leichte Touren in den Vorbergen und viele sehr anspruchsvolle in den Allgäuer Hochalpen. Zudem kommt, dass die Ausgangspunkte zu den Touren in den Allgäuer Hochalpen in abgelegenen Tälern liegen, die oft nur mühsam erreichbar sind. Die mittelschweren, Touren, also dass, was die breite Masse sucht, liegen meist im Kleinwalsertal und im Tannheimer Tal und sind derzeit nicht legal zugänglich.

 

Aktuelle Verhältnisse:

Unter 1.000 m gibt es kaum noch Schnee. Für viele Touren muss man zu Beginn die Ski ein Stück tragen. Nordseitig ist der Schnee hart gefroren  und eisig mit dünner Pulverauflage, Südseitig firnt es tagsüber bei Sonneneinstrahlung auf. Das heißt ganz klar: Harscheisen und für steilere Sachen Pickel und Steigeisen. Die anspruchsvollen Touren im Allgäuer Hauptkamm sind meist nordexponiert und entsprechend hart. Der Linkerskopf und die Route Bockkar-Bacherloch firnen bei diesen Verhältnissen NICHT auf.  Der Sperrbach dürfte von Lawinenbollen verwüstet sein.

Ski + Bike-Touren  in der Heimat

Leicht und auch leicht erreichbar sind die Touren um den Riedbergpass, wie Riedberger Horn und Wannenkopf. Hier reicht der Schnee noch.

Als Ski und Biketouren eignen sich derzeit vor allem Schochen, Seekopf Himmeleck, Schneck (Vorgipfel) vom Giebelhaus aus. Dort gibt es noch reichlich Schnee und man darf ich über gut Verhältnisse freuen.  Die Touren sind meist ostseitig und erfordern im März einen zeitigen Aufbruch.

Nordwestexponiert sind die meisten Touren am Prinz-Luitpold-Haus. Die Touren dort sich auch schon deutlich anspruchsvoller und  nur teilweise findet man hier Firn.

Die für KFZ gesperrte Straße zum Giebelhaus ist trocken und schneefrei. Ebenso die Straße zum Oytalhaus.

Ebenfalls gut geeignet sind die Touren aus dem Oytal. Wildenfeld und Schneck (Vorgipfel) sind westexponiert und damit auch für Langschläfer geeignet. Außerdem ist es wegen der beginnenen Birkhahnbalz nicht erwünscht, wenn man bereits zur Dämmerung an der Käseralpe auftaucht. Ist auch nicht nötig, da das Wildenfeld nicht vor 12.00 Uhr auffirnt.

Auch noch ein Tipp: Alpgund-, Roßgund- und Grießgundkopf, sowie der Fiderepass aus dem Warmatsgund. An der Talabfahrt der Fellhornbahn wird eventuell Schnee geräumt. Dann bitte über den Fußweg aufsteigen.

Der Entschenkopf geht derzeit auch gut.

Ökologische Lage:

Mag sein, dass manch ein Naturschützer diese Zeilen nicht gerne liest. Zum Trost sei gesagt, dass die Nutzung der Freizeitmöglichkeiten der Haustüre verkehrs- und CO² politsch sinnvoll und eigentlich gewollt ist. OK. die kritische Zeit fürs Wild ist eh vorbei und was die Birkhahnbalz betrifft, habe ich ja schon einen Hinweis zum entsprechenden Verhalten gegeben. Wenn das Virusthema erledigt ist, schicken wir die Leut wieder nach Tirol oder Vorarlberg oder über den Fernpass in die Zentralalpen.

Risikomanagement für und wider Skitouren

 

Dafür spricht,

dass Tourengehen ein gesunder Sport ist. Die Gefahr, jemanden anzustecken oder angesteckt zu werden tendiert gegen Null, sofern man Touren alleine oder mit seinen Mitbewohnen unternimmt. Von dem her ist es nicht nachvollziehbar, dass selbst in Tirol kleine Spaziergänge erlaubt sind, Einkaufen auch, aber eine Skitour ohne jedes Ansteckungsrisiko nicht.

Beitrag vom Landeshauptmann des Landes Salzburg
Littich Skitouren Corona
Manch ein Zeitgenosse nutzt die Krise um seine fremdenfeindlichen und beleidigenden Postings gegen Skitourengänger unter die Leute zu bringen. Frei von jeder Logik und jedem Anstand.

 

Dagegen spricht,

dass im Fall einer Verletzung das ohnehin schon überlastete Gesundheitswesen  und die Rettungskräfte unnötiger Weise beansprucht werden.

Steil und mit einem gewissen Risiko behaftet: Die Touren im Allgäuer Hauptkamm. Von solchen Touren würde ich derzeit trotz der eigentlich günstigen Verhältnissen Abstand nehmen

https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/coronavirus-bergrettung-und-alpenverein-raten-bei-touren-zu-risikominimierung;art4,3240300

Winterräume

In den Allgäuer Alpen sind die nach wie vor geöffnet. Ob aktuell, zumindest an den Wochenenden eine Übernachtung sinnvoll erscheint, sei dahin gestellt. Es wurde berichtet, dass am vergangenen Wochenende 17 Personen in einem Winterraum im Allgäu übernachtet haben. Abstand zu seinen Mitmenschen und Hygiene sind unter diesen Umständen nicht einzuhalten.

Fazit und Empfehlung.

Geht auf Tour, dort wo ihr es dürft, haltet Abstand zu euren Mitmenschen und beachtet ein Risikomanagement, so als wäret ihr irgendwo in einem Drittweltland auf Tour, wo es keine ausreichende Versorgung und keinen Rettungsdienst gibt.

Bitte nur Sport mit geringem Verletzungsrisiko!

Die meisten Unfälle passieren übrigens zu Hause und im alpinen Bereich müssen die Retter am häufigsten wegen Pistenunfällen und Wanderern ausrücken. Frische Luft und Sicherheitsabstand sind gesünder und schöner als mit einem Lagerkoller gelangweilt zu Hause zu hocken.

Vielleicht nimmt sich aber auch mal jemand Zeit,  für jemanden Einzukaufen, der wegen des Virus zu Hause bleiben muss.

Selbstverantwortung steht gerade für liberal denkende Menschen  an oberster Stelle. Dafür benötigen Individuen allerdings das nötige Vorwissen, um die Tragweite ihrer Taten und Unterlassungen einschätzen zu können.

Passt auf euch auf, genießt den Frühling und bleibt gesund.

Hinweis: Die Bilder in diesem Beitrag sind nicht aktuell.

 

 

 

10 Kommentare zu „Skitourenstatus Allgäu – Corona und Grenzsperren“

  1. Hallo Kristian,
    ich hätte es begrüsst, wenn Du die gleiche Entscheidung wie Powderguide, bzgl. deines Blogs, getroffen hättest.
    Mit diesem Beitrag wird die Wahrscheinlichkeit, dass eine allg. Ausgangsbeschränkung verhängt wird, def. grösser werden.

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  2. Es gibt leider immer noch Vollposten, die gar nichts kapieren. Einfach mal den persönlichen Egoismuns zurück stellen und die Füße still halten, kann doch nicht so schwer. Die Berge sind auch nächstes Jahr noch da, manch ein geliebter Mensch leider nicht mehr, wenn sich einige so ignorant und selbstsüchtig Verhalten wie der Verfasser dieses Artikels.

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  3. Servus Kristian,

    danke für deinen Beitrag, ich bin der gleichen Meinung. Eigenverantwortung und unabhängiges Denken ist das Gebot, nicht nur der Stunde!

    Es freut mich sehr — und ich hab‘ es von dir auch nicht anders erwartet! — dass du dich dem vorauseilenden Gehorsam anderer Tourenwebseiten (Powderguide, Gipfelbuch) nicht angeschlossen hast.

    Mitlerweile wurde die starke Hand gezeigt und die Blockwarte haben Hochkonjunktur (in München am Freitag 110 Anrufe/Stunde bei der Polizei, noch VOR den „Ausgangsbeschränkungen“).

    Mit Wehmut im Herzen und Hoffnung auf baldige Normalisierung schöne Grüsse aus Oberbayern!

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  4. Hallo Kristian,
    mal wieder ein sehr guter und ausgewogener Beitrag von Dir, den ich inhaltlich voll und ganz teile. Stimmt denn das Argument der „unnötigen Beanspruchung der Rettungskräfte“ wirklich? Du bist ja bei der Bergwacht in Hinterstein. Könnt ihr Euch nicht mit Mundschutz und Handschuhen relativ einfach schützen, wenn ihr zu einem Einsatz müsst? Ist die Gefahr, sich zu infizieren, in der Bergwachtgruppe im Einsatzfall wirklich größer als wenn die Bergwachtler zuhause oder in der Arbeit sind? Habt ihr tatsächlich wegen Corona die „Bereitschaftsstärke“ verkleinert, damit Bergwachtler in den Krankenhäusern und bei den allgemeinen Rettungsdiensten mithelfen können oder habt ihr das in der Zukunft vor? Ist die Einsatzwahrscheinlichkeit nicht schon deshalb deutlich gesunken, weil die Skigebiete geschlossen sind und die „Übernachtungsgäste“ mangels Unterkünften in Alpennähe eh wegfallen, also ohnehin viel weniger in den Bergen unterwegs sind? Deine Einschätzung würde mich wirklich sehr interessieren, es ist schließlich das einzige Argument, das unter „Solidaritätsgesichtspunkten“ stichhaltig sein könnte.

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    1. Das Hauptproblem ist, dass es in einem Bergrettungseinsatz kaum ausreichend Schutz für Rettungskräfte und den Patienten in Bezug auf Corona gibt. Die Kapazität sehe ich nicht als Problem an .Es sind auch die vielen Kontakte und auch die Auflagen.

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  5. Lieber Kristain, Dein aktueller Blog hat, wie ich jetzt sehe, ja einen Vorläufer.
    Auch leider wenig rühmlich, Du (und andere) scheinst Dich ja generell sehr eingesperrt und reglementiert zu fühlen.
    Ich wünsche mir, dass Du Dich als NICHT-Fachmann nicht zu Risikoanalysen samt Empfehlungen hinsichtlich Verbreitungsmöglichkeiten SARS CoV-2 hinreißen läßt.
    Auch nicht in Deiner Funktion als Bergwachtler …
    Du tust damit niemandem was Gutes …

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    1. Lieber Wolfgang, ich hoffe sie waren im Vorcoronazeitraum ein vorbildlicher Moralapostel der mit seiner ganzen Kraft allerlei Missstände bekämpft hat! Und ich erwarte, nein ich verlange von ihnen, dass sie es auch im Anschluss bleiben! Genauso wie ich es von allen anderen Moralisten erwarte. Dann leben wir bald in einer besseren Welt, soviel Moral wie gerade aus allen Ecken strömt. Allein, ich glaube nicht daran.

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