Wärme – Trockenheit – Kälte Schneerückblick März 2020

Zunächst setzte sich im März 2020 das unbeständige Westwetter des Februars fort. Das bedeutete ein stetes auf und ab der Schneefallgrenze. Pünktlich zum Wochenende 7.+8.3. 2020 erfolgte dann dass, worauf wir in diesem Winter so gut wie vergebens gewartet haben. Frischer Neuschnee bis in tiefe Lagen ohne Wind gefolgt von schönem Wetter. Danach folgte eine sonnige Wetterphase mit deutlich ansteigenden Temperatur, bis ein Kaltluftvorstoß am 22.3. die kälteste Wetterphase des gesamten Winters einleitete. Insgesamt ein Monat der durch überwiegend gute Tourenbedingungen aber auch durch Einschränkung der Bewegungsfreiheit geprägt war.

Die kumulierten Schneehöhen lagen im Allgäu während des gesamten Monats unter dem langjährigem Durchschnitt. Die ausgesprochen kalte Wetterlage ab dem 22.3. verhinderte ein all zu frühes Ende des Tourenwinters.

Fellhorn Saisongrafik 2020
Die kalte Periode ab dem 22.3. stopte die Schneeschmelze für etwa zehn Tage (Pfeil)

In den Zentralalpen sorgten vor allem die Schneefälle vom November, dass die Schneehöhen bis  März in etwa den Durchschnittswerten entsprachen. Dann machte  sich auch hier der fehlende Niederschlag bemerkbar.

typischer zentralalpiner Verlauf im Winter 2020. Auch hier ist die Unterbrechung der Schneeschmelze Ende März erkennbar.

Noch deutlicher zeigt sich sich die Auswirkung des Novemberschneefalls, gefolgt von langer Trockenheit in den Südalpen (Obertillach- südliches Osttirol). Grundsätzlich sind die möglichen Schwankungen der Schneemenge in den Südalpen immer extremer.  Also  in einem Winter Schneemassen und im nächsten ein Totalausfall.

Eine typische Südalpenstation. Rekordschneefälle mit Allzeithoch im November, danach beständiger Rückgang mangels Niederschlag bis zu einem erneuten Starkschneefallereignis Anfang März 2020
Abfahrt Schneck 2
1.3.2020. Ein Zwischenhoch sorgt für beste Verhältnisse. Es gab wenige cm Pulverschnee auf harter Unterlage. Schneck Allgäuer Alpen.

Das perfekte Powderwochenende

Bis zum 6. März folgte wechselhaftes Westwindwetter mit schwankender Schneefallgrenze. Am 6.3. kam dann das große Geschenk für alle Wintersportler. Ruhig gefallener Pulverschnee bei einer Schneefallgrenze um die 800 m. Somit war das Wochenende 7.+ 8. 2020 das perfekte Tourenwochenende.

Ramudelkopf Vinschgau
Abfahrt vom Ramudelkopf 8.3.2020 (Foto Julia Gebauer)
8.3.2020. Ein Traumtag im Vinrschgau. Die Wolkenkappe über dem Ortler kündigt einen Wetterumschwung an.

Das wechselhafte Westwetter geht weiter.

11.3.2020. Abendlicher Aufstieg zum Grünten. Es ist ungewöhnlich mild und nur dank Kunstschnee kann man hier noch mit Ski aufsteigen. Der letzte Tourenabend auf der Grüntenhütte.

In der Nacht auf den 11.3.2020 stieg die Schneefallgrenze auf über 2.500 m an um am Freitag wieder in tiefe Lagen zu sinken. Die Niederschlagsmengen blieben aber gering.

Traumtag 15.3.2020

15.3.2020. Tagesanbruch in den Lechtaler Alpen. Blick auf den Kaunergrat
Hoher Riffler

Immerhin deutete sich ein schönes Wochenende an, dass wir, anders als geplant, in einem Winterraum in den Lechtaler Alpen verbrachten, da es inzwischen erste Meldungen gab, dass die Grenze zur Schweiz wegen der Coronakrise geschlossen werden könnte.

15.3.2020. Blick über das nebelverhüllte Stanzer Tal
Über den Südostgrat auf die Samspitze
Nur eine dünne Pulverschicht auf hartem Altschnee. Knappenböden Lechtaler Alpen
Es geht zur Holzgauer Wetterspitze

Für den Rest des Monats ab dem 16.3.  beschränken sich meine Betrachtungen auf das Oberallgäu. Auf Grund eingeschränkter Reisefreiheit habe ich Touren nur noch in der Heimat- oder Nachbargemeinde unternommen.

Sonnig und mild geht es weiter.

Es stellte sich eine Woche mit  Frühjahrsbedingungen ein. Das hieß früh aufstehen und selbst dann gab es es nur noch teilweise guten Firn, teilweise war die Abstrahlung einfach unzureichend. Immer wieder waren Leute zu Beobachten, die viel zu spät unterwegs waren. Die Tage ab dem 16.3. 2020 waren ideal für die ersten Hochtouren. Doch nur in der Schweiz lief das Tourenleben halbwegs normal weiter. In Österreich wurden sämtliche alpinen Ambitionen verboten, während Politiker noch Corona Partys feierten.

Spielmannsau 18.3.2020
18.3.2020. Unterwegs in den Oberstdorfer Bergen

Doch auch die Allgäuer Alpen haben einiges zu bieten, was dann auch die Leute entdeckt haben, die bei offenen Grenzen eher in die Zentralalpen gefahren wären. Dort sind 3000er eben leichter zu erreichen, wie Gipfel um 2.500 m in den Allgäuer Alpen.

März 2020. Die Zeit der Bike+Ski-Touren

Die Kälte kommt zurück

 

22.3.2020 Ein seltenes Wetterphänomen. Wolkenstau von Osten her, föhnig aufgeheitert im Ostrachtal. Dazu eisig kalter Ostwind.
Die durch Sonne, Wind und Kälte geprägte Schneeoberfläche wandelt sich zu Büßerschnee um, wie man ihn von den Gipfeln der Anden her kennt.
Meist deutlich zu warm, aber in den letzten Märztagen zu kalt. Der Winter 2020. Hier die Daten von Oberstdorf 800 m. In höheren Lagen, dort wo noch Schnee lag,  fiel die Kälteperiode Ende März noch deutlicher aus.
Da auf der Nordhalbkugel ein Hoch mit dem Uhrzeigersinn dreht, führt diese Lage eines Hochs zu einem Kaltluftvorstoß nach Mitteleuropa

Aufstieg zum Entschenkopf

Die für die Nacht zum 22.3.2020 angekündigten Niederschläge blieben weitgehend aus. Nur ein paar Schneeflocken zogen übers Land. Dafür kehrte mit kräftigem Ostwind der Winter und die Kälte zurück. Trotz wolkenlosem Himmel blieben auch tagsüber in der folgenden Woche die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Über den noch schneebedeckten Talenden, wurden die tiefsten Temperaturen des gesamten Winters gemessen. Nur in ganz steilen Südseiten firnte es tagsüber manchmal leicht auf. War eine eine Woche oft zu beobachten, dass viele Tourengeher zu spät unterwegs waren, so waren die jetzt zu früh unterwegs um wenigstens ein bisschen Firn zwischen 12.00 und 14.00 Uhr zu erwischen.

Im Retterschwanger Tal

Kaum Lawinengefahr

28.3.2020. Auf der Kesselspitze im Allgäu
28.3.2020. Blick auf die zentrale Hornbachkette . In der Bildmitte das Kaufbeurer Haus

Fast im gesamten Alpenraum konnte man während des März 2020 von geringer oder maximal mäßiger Lawinengefahr sprechen. Die Schneedecke war durch das auf und ab der Schneefallgrenze und den vielen Wind stark komprimiert. Spätestens nach dem Kälteeinbruch konnte man sagen: Sicherer geht nicht. Es sei denn man wäre im Sommer im Flachland unterwegs.

28.3.2020 Fünf cm grobkörniger, stark aufgebauter Lockerschnee auf harter Unterlage. Also grobe Körner und dünne Schwachschicht. Das hätte eine kritische Situation gegeben, wenn es, wie angekündigt drauf geschneit hätte.
Es kamen nur wenige cm Neuschnee. Mehr Anraum und Reif als tatsächlich Neuschnee. Blick bei einer abendlichen Tour Ende März ins Tannheimer Tal.

Trotzdem gab es kurze Momente, wo die Beobachter des Lawinenwarndienstes noch aufmerksam die Situation verfolgten. Sie hätte  sich rasch verschärfen  können, wären die angekündigten Niederschläge auch gekommen.

Der März geht, wie er gekommen ist

Der März ist gegangen, wie er gekommen ist. Mit Sonne und ein bisschen Pulverschnee. Fast der perfekte Tourenmonat und doch ein Monat in dem menschlicher Wahn und ein Virus  unser freies Europa, die Menschenrechte und tausende Existenzen zerstört haben.

31.3.2020. Winterliche Kälte und wenige cm Pulverschnee am Iseler.

 

Weiterführende Links

https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/news/maerz-2020-mild-sonnig-und-groesstenteils-trocken

https://www.slf.ch/de/lawinenbulletin-und-schneesituation/wochen-und-winterberichte/2019/20/wochenbericht-13-19-maerz-2020.html

https://www.slf.ch/de/lawinenbulletin-und-schneesituation/wochen-und-winterberichte/2019/20/wochenbericht-27-maerz-02-april-2020.html

 

 

Ein Gedanke zu „Wärme – Trockenheit – Kälte Schneerückblick März 2020“

  1. Lieber Kristian, gell Du kannst es nicht lassen!
    Nach einem lesenwerten und informativem Bericht kommt:
    Zitat: „ein Monat in dem menschlicher Wahn und ein Virus unser freies Europa, die Menschenrechte und tausende Existenzen zerstört haben.“

    1) Was verstehst Du denn unter „menschlichem Wahn“?
    2) Welche Menschenrechte (Original: http://www.un.org/depts/german/menschenrechte/aemr.pdf) wurden zerstört und durch wen?
    3) Was wurde zusätzlich zu durch Orban & Konsorten erfolgten Ungeheuerlichkeiten nun in „unserem“ Europa zusätzlich zerstört?
    4) Was hättest denn Du bzgl. des SARS-CoV-2 gemacht?

    Würde Dich doch sehr um Details zu den 3 Punkten bitten …. bevor Deine Follower mich wieder „finden“

    Gefällt 1 Person

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