Sonnig und trocken – Schneerückblick April

Der  überwiegend zu warme und viel zu trockene April begann mit eisiger Kälte und endete nass-kalt. Dazwischen gab es viel Sonne, sensationelle Firnverhältnisse und eine rasche Schneeschmelze. Lawinentechnisch herrschten über lange Zeit die denkbar sichersten Verhältnisse, die man sich bei Schneebedeckung vorstellen kann. Ein weitgehend aufs Allgäu beschränkter Schnee- und Tourenrückblick.

Der April begann mit Kälterekorden. In höher gelegenen Talenden, wo noch Schnee lag, wurden Ende März, Anfang April 2020 die tiefsten Temperaturen des gesamten Winters gemessen. Ende März hatte es noch ein paar cm geschneit, so dass man sich Anfang April in nicht zu steilen Nordhängen über perfekten Pulverschnee, südseitig über feinen Firn freuen konnte. Ungewöhnlich für die Jahreszeit war die Tatsache, dass man sich den ganzen Tag über Zeit lassen konnte und selbst am späten Nachmittag noch optimale Firnverhältnisse herrschten.

Saisongrafik 2020 Fellhorn
Saisongrafik 2020 am Fellhorn. Die Schneehöhe lag auch im April deutlich unter dem langjährigem Mittel. Gut sichtbar die Unterbrechnung der Schmelze Ende März/Anfang April
Kühtai Saisongrafik bis Mai 2020
Ein ähnliches Bild ergibt sich in den Zentralalpen. Dank der Schneefälle im November rutsche die Schneehöhe hier erst Mitte März unter den Durchschnitt.
Saisongrafik obertillach
In den Südalpen tat sich im April in mittlerer Höhenlage schneemäßig gar nichts mehr.
Oberstdorf Saisongrafik Temperatur
Saisongrafik des DWD für Oberstdorf. Der Beginn des Aprils war markant zu kalt, das Ende ein wenig. Im Durchschnitt war der der April deutlich zu warm. Der letzte Monat, der auch im Durchschnitt zu kalt war, ist der Mai 2019

https://www.dwd.de/DE/wetter/wetterundklima_vorort/bayern/oberstdorf/_node.html

Wie fast überall in den Alpen gab es im April sehr wenig Niederschlag. Die Schnee- und Regenfälle beschränkten sich auf die letzten beiden Tage des Monats.

https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/news/april-2020-sehr-warm-sehr-trocken-und-sehr-sonnig

https://www.slf.ch/de/lawinenbulletin-und-schneesituation/wochen-und-winterberichte/2019/20/wochenbericht-24-30-april-2020.html

Gut zu lesen auch die Berichte der ZAMG für Österreich und des letzten Wochenberichtes des SLF für die Schweiz

 

Zuerst noch ein bisschen Pulver

Jochspitze
Rauheck
Gatschkopf, Parseierspitze und Dawinkopf
Großer Wilder vom Schneck 5.4.2020
Käseralpe
Marchspitze

Bessere Luft sorgt für sensationelle Firnverhältnisse?

Kälte, kräftige Sonneneinstrahlung und eine sehr trockene Luft waren über lange Zeit wetterbestimmend.  Bei diesen Bedingungen schmilzt tagsüber nur wenig Schnee, meist verdunstet er, oder richtig ausgedrückt – er sublimiert. Durch die kräftige nächtliche Abstrahlung war die Schneedecke durch und durch gefroren. Eine interessante Theorie in diesem Zusammenhang ist, dass durch den Coronalockdown die Luft besonders sauber war und besonders das Fehlen von Kondensstreifen zu einer besseren, nächtlichen Abstrahlung geführt hat. Ich denke durchaus, dass es dahingehend einen gewissen Einfluss gab, allerdings dürfte dieser gering sein.

Die langanhaltenden, guten Firnverhältnisse lagen meiner Ansicht nach an dem trockenen Hochdruckwetter und wären auch ohne Lockdown entstanden.

Gefahrenstufe „null“

Anfang April ist die Gleitschneeaktivität so gut wie völlig zum erliegen gekommen. Auch im weiteren Verlauf des Monats konnte man so gut wie keine Bewegungen in der Schneedecke mehr beobachten, obwohl die tageszeitliche Erwärmung ab dem 5.April recht markant war. Auch hier war der Anteil des Schnees der sublimiert anstatt zu schmelzen entscheidend. Wenn nur wenig Wasser durch die Schneedecke oder die Gleitschneemäuler zu Boden sickert, so kann sich zwischen Boden und Schnee keine Schmierschicht bilden. Erst als Ende April nach nächtlichen Regenfällen mehr Wasser den Boden erreichte, als dieser aufnehmen konnte, konnten wieder Lawinenabgänge beobachtet werden.

Mein Risikomangement: Immer Steigeisen und Pickel dabei und rechtzeitig, also dort wo es noch flach ist, anziehen. Habe  das Zeug oft, sogar mal am Normalweg vom Iseler gebraucht. Dafür  habe ich Sonde, Schaufel und VS-Gerät  oft daheim gelassen. Warum nicht, wenn man nicht unter Gleitschneerissen aufsteigt und potentielle Wechtenbrüche auf dem Schirm hat? Ich war eh alleine unterwegs.

5.4.2020
22.4.2020
7.5.2020
Die Alpen Breitengehren. Lawinensichere Bauweise mit einm Erdwall am bergseitigem Giebel. 28.4.2020

Rasches Winterende und Neuschnee zum Schluss.

Ein paar Eindrücke zur Veränderung der Schneedecke im April 2020. Dank Grenzsperren ist man meist auf den gleichen Touren unterwegs. Am 29. und 30.4. gab es in den Hochlagen rund 40 cm Neuschnee. Endlich, denn der Niederschlag war für die ausgetrockneten Böden im Alpenvorland dringenst notwendig.

Lachenkopf 15.4.2020
15.4.2020
Lachenkopf 24.4.2020
24.4.2020
Lachenkopf 28.4.2020
28.4.2020

 

Obertal 7.4.2020
Obertal 7.4.2020
Obertal 15.4.2020
Obertal 15.4.2020
Obertal 24.4.2020
Obertal 24.4.2020
Obertal 28.4.2020
Obertal 28.4.2020

 

Seealpsee und IFEN
Die lange Trockenheit geht zu Ende. Wetterumschwung am Seekopf mit Blick nach Westen Ende April 2020

Es wird Frühling

Schneeheide auf dem Iseler (19.4.)

 

Hintersteiner Tal 24.4.2020
Im Hintersteiner Tal am 24.4. Wie jedes Jahr wird auch heuer der Große Wilde die letzte Möglichkeit bieten, mit den Skiern unterwegs zu sein.
Blick vom Grünten

Fazit:

Ein Tourenmonat geht zu Ende, den man  mit „langweilig schön“ beschreiben könnte. Zum einem vom Wetter und den Schneeverhältnissen her, zum anderen, da die Auswahl mangels Reisefreiheit und zunehmender Schneeschmelze auf die immer gleichen Touren, bei immer guten Verhältnissen beschränkt war. Ideal wäre der Monat auch im Hochtourenbereich gewesen. Mit der (geschätzten) Annahme, dass spaltenreiche Gletscher und windexponierte Flanken (Blankeis) deutliche Einschränkungen bedeutet hätten.

4 Kommentare zu „Sonnig und trocken – Schneerückblick April“

  1. Ich war zwar nicht so oft mehr unterwegs, aber die Beobachtungen decken sich. Leider lag die Schneegrenze für die Jahreszeit sehr hoch, so dass Bike und Ski sich teilweise die Waage hielten.

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  2. Zu den Kondensstreifen:

    „Die Kondensstreifen haben nichts mit Corona oder der Zahl der Flugzeuge zu tun. Ist es in Reiseflughöhe trocken, kurze oder keine Kondensstreifen. Ist es feucht, dick und Ausbreitung.“

    Zur saubereren Luft: weniger Flugzeuge (nicht null, siehe flightradar), aber ob das so viel ausmacht? Eher: kräftiger Wind (oft aus Ost, daher trocken -> keine Kondensstreifen) und wärmer -> weniger Heizen (Holz, Öl, …). Und sicher auch etwas weniger Autoverkehr.

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    1. Hallo Josef, Jede Bewölkung, egal durch was sie entstanden ist, hat einen Einfluss auf das Zusammenspiel von Ein- und Abstrahlung. Also auch Kondesstreifen, von denen es jetzt weniger gibt. In wie weit der Einfluss von der Größenordnung relevant ist, ist eine andere Frage. Ich fand die Theorie einfach interessant und wollte sie zur Diskussion stellen.

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      1. Hallo Kristian,
        schon klar, dass (im weiteren Sinne) Wolken diesen Effekt haben. Der Punkt, um den es Kachelmann geht, ist ja folgender: es hängt von der Luftfeuchtigkeit ab, ob überhaupt Kondensstreifen entstehen. Auch bei normalem (also nicht-Corona) Flugverkehr würde man bei furztrockener Luft keine Kondensstreifen sehen.

        Die primäre Ursache für die Verhältnisse ist also die trockene Luft. Die Frage, die man stellen könnte: haben die fehlenden Kondensstreifen einen zusätzlichen Effekt? Wenn man deren potentielle Größe mit der Größe des Himmels vergleicht, dürften das bestenfalls wenige Prozent sein. Behaupte ich jetzt einfach mal 😉

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