Schöner als der Schrecksee – Alternativen zum angeblich schönsten Bergsee der Alpen.

Er wurde schon als „der schönste Bergsee der Alpen“ bezeichnet. Der Schrecksee. Nur ist er das wirklich? Gut schön ist es da oben schon – sehr schön sogar. Aber der schönste? Inzwischen ist der See zum touristischen Hotspot geworden. Eine Pflichtlocation für das perfekte Instagramfoto oder Youtube-Video. Dafür sollten  Licht, Sonnenstand, Gras- und Schneeverhältnisse passen, was die wenigsten berücksichtigen. Gibt es Alternativen? Vielleicht sogar noch schönere Plätze fürs perfekte Foto? Vielleicht sogar welche, an denen man ungestört biwakieren kann?

Lange hat man in Hindelang, im Oberallgäu und auch im benachbarten Tannheimer Tal mit der Schönheit des Schrecksees geworben.  Inzwischen sind die entsprechenden Fotos aus den Hochglanzprospekten und Webauftritten verschwunden.

Inzwischen werden drastische „Antitourismusmaßnahmen“ wie eine extreme Erhöhung der Parkgebühren, Kameraüberwachung und das Aufstellen von zahlreichen Verbotsschildern ergriffen um den Ansturm in erträglichen Grenzen zu halten.

Dazu kann man stehen, wie man will. Es ist jetzt so. Etwas weniger Touristen würden dem Hintersteiner Tal sicher nicht schaden.

Auch das war ein bisschen verplant. Hoppla, da liegt ja noch Schnee und das im Mai.  Wo anders ist es doch auch schön und da waren noch keine Influenzer vor euch!

Plansee Schrofennas

Eindrucksvoller Blick in das Y des Plansees.

Erreichbar auf nicht markiertem Weg. Etwas Trittsicherheit erforderlich. Schöne Halbtagestour.

Beste Zeit: Mai bis Oktober am Spätnachmittag

Biwak/Zelt: eher ungeeignet, keine ebenen Flächen, kein Wasser in der Nähe. Am Fotopoint aktuell kein Behördenstress bekannt.

https://austrianoutdooraddict.blogspot.com/2018/10/einzigartige-aussicht-uber-dem-plansee.html

Plansee 5

Pragser Wildsee

Bekannter Tourihotspot in den Dolomiten mit allem was dazu gehört. Teuren Parkplätzen, Verbotsschildern, Kiosk und Verkehrschaos unter Tags. Dazu ein wirklich schöner See zwischen dunklen Nadelwäldern und hellen Kalkfelsen.

Erreichbarkeit: Mit dem Auto oder dem Bus bis an den See

Beste Zeit: ganzjährig

Biwak/Zelt: Gibt vermutlich Ärger. Gilt auch für Übernachten im Campingbus.Pragser Wildsee

Pragser Wildsee 2
Am Pragser Wildsee: Die schauen wohl grad auf Instragram, wie schön es am Pragser Wildsee ist 🙂

Gufelsee

Der türkisfarbige Bergsee in den Lechtaler Alpen lebt vor allem vom Kontrast zwischen den saftig grünen Wiesen um den See und der eigentümlich geschichteten Felsbergen rundrum.

Erreichbar lange und mühsam von Gramais oder Boden

Beste Zeit: Juni bis Oktober am Vormittag

Biwak/Zelt: gut geeignet und bei dezenten Verhalten ist auch kein Behördenstress zu erwarten. Kein Feuer machen. Zelt nur bei Regen nach Einbruch der Denkelheit aufstellen und Mülll wieder vollständig mit nach Hause nehmen. Siehe hierzu: Zelten und Biwakieren in Tirol

https://www.lechtal-info.com/touren/gufelsee.html

Roßkarsee

Zählt wohl zu den schönsten Bergseen in den Lechtaler Alpen. Im Gegensatz zu manchen Touristenhotspots parkt man in Gramais immer noch günstig, was man nach der Tour auch mit einer Einkehr honorieren sollte.

Erreichbarkeit: Knappe 1000 Höhenmeter auf einem  markierten Wanderweg.

Beste Zeit: Juni bis Oktober, früher Morgen und Vormittag

Biwak/Zelt: gut geeignet.  Da der See releativ leicht erreichbar ist, hat das die Behörde eventuell schon auf dem Schirm.  Wenn, dann nicht unbeding am Seeufer und wirklich ganz dezent und rücksichtsvoll. Kein Feuer machen. Zelt nur bei Regen nach Einbruch der Denkelheit aufstellen und Mülll wieder vollständig mit nach Hause nehmen. Siehe hierzu: Zelten und Biwakieren in Tirol

Roßkarsee

Eibsee

Bekannter Tourihotspot in Oberbayern mit allem was dazu gehört. Teuren Parkplätzen, Verbotsschildern, Kiosk und Verkehrschaos unter Tags. Dazu ein wirklich schöner See zwischen dunklen Nadelwäldern und hellen Kalkfelsen und Karibikstimmung was die Farbe des Wassers, nicht aber die Temperatur betrifft.

Erreichbarkeit: Mit dem Auto, dem Zug odermit dem Bus bis an den See

Beste Zeit: ganzjährig

Biwak/Zelt: Gibt sehr sicher Ärger. Gilt auch für Übernachten im Campingbus. Oberbayern hat gerade kurz nach dem Lockdown seine fremden- und touristenfeindliche Fratze gezeigt.

Zwischenablage01
Südsee oder Oberbayern. Tiefblick vom Waxensteingrat auf den Eibsee

Großer Alo See Tadjikistan

Türkisfarbiger See in mitten einer kargen Berglandschaft umgeben von 4000 und 5000ern des Fan Gebirges.  Outdoorfans finden hier alles, was ihnen im engen Europa untersagt ist. Eine Trekkingtour dorthin passt auch bestens ins Weltbild der Allgäuer Umweltschützer. Anstatt eine  naturverträgliche Fläche zum biwakieren im Gebirge auszuweisen, lieber eine Fernreise.

Erreichbarkeit: Im Zuge einer knapp einwöchigen Trekkingtour, bei der Zelt und Lebensmittel selbst zu tragen sind. Für Maultiere, Esel und andere Tragtiere ist der Weg zu rauh.

Biwak/Zelt: Nötig, als Tagestour nicht zu erreichen. Behördenstress wegen zelten???. So was gibst im fernen Europa, aber nicht hier.Alo See 2

Alosee 1

Fan

Woyaler See

An der Grenze zwischen Kärnten und Friaul in einer saftigen Wiese von hellen Kalkbergen umgeben. Er zählt zu den landschaftlichen Höhepunkten der Karnischen Alpen. Erreichbarkeit: Zu Fuß auf markierten Wanderwegen
Beste Zeit: Juni bis Oktober
Biwak/Zelt: Nicht nötig. Es gibt zwei Hütten am See. Eine in Italien, eine in Österreich.Woyaler See

Seewiseen

Die drei Seewiseen zählen zu den landschaftlichen Höhenpunkten des Fernwanderweges E5 und sind auf diesem erreichbar.
Beste Zeit: Juni bis Oktober, am Morgen
Biwak/Zelt: Die Memminger Hütte ist oftmals von Bergschulen und Fernwanderern belegt. Der individuelle Bergsteiger fühlt sich hier oft deplatziert. Falls man biwakiert, am besten sehr dezent am oberen See.

Parseierrunde 1
Der Klassiker: 1000fach fotografiert. Der Untere Seewisee mit der Freispitzgruppe
Parseierrunde 2
Noch mal ein Klassiker: Der Obere Seewisee

Da ist noch einer

Dieser  Tiroler See war bis vor wenigen Jahren nur einigen Gebietskennern bekannt. Inzwischen stellt er ein beliebtes Fotomotiv dar und läuft Gefahr zu einer Art Schrecksee 2.0 zu werden. Behördenstress ist bei einem sommerlichen Biwak wahrscheinlich. Ich sag jetzt mal nicht, wo er ist. See

Und noch einer

Dieser Allgäuer See war schon als Fotomotiv bekannt, als nur wenige Insider den Weg zum Schrecksee fanden. Seltsamer Weise hat er sich nicht zum Biwak- und Instagram-Hotspot entwickelt. Sollte so bleiben. Seealpsee

Warum fehlt hier der XY See?

Grundsätzlich ist „der schönste“ sehr subjektiv. Dieser Artikel soll vor allem die Influenzer- und Instragramgemeinde dazu bewegen, mal selbst auf Entdeckungsreise zu gehen und nicht nur wegen einem Foto, mit dem man zeigt, dass man dort gewesen wo man gewesen sein muss einen Ort aufzusuchen.

Musste das sein, den YZ See in diesem Zusammenhang zu verraten?

Tja, ich sag mal Ertrag und Last des Tourimus sollten ein bisschen gleichmäßiger verteilt werden. Fakt ist, das Hinterstein ein bisschen mehr Ruhe braucht und es andere Regionen gibt, die noch ein paar Menschen mehr vertragen.

Meine Prämisse: Eine Einkehr nach der Tour erhöht die Akzeptanz der einheimischen Bevölkerung für den Bergtourismus. Aber bitte nur dort, wo Parkscheinautomaten und Verbotsschilder nicht wie Giftpilze aus dem Boden schießen. Nur dort, wo man bergsteigerischen Aktivitäten und Menschen mit fremden Autokennzeichen positiv gegenüber steht.

Seid kreativ, geht selber auf Entdeckungsreise. Es muss nicht immer Hinterstein und der Schrecksee sein.

9 Kommentare zu „Schöner als der Schrecksee – Alternativen zum angeblich schönsten Bergsee der Alpen.“

  1. Kristian, Du hast auf jeden Fall vergessen, die Mecklenburger Seenplatte und vielleicht auch die kaschubische Schweiz in Polen zu erwähnen. Dann hat die Touri-Karawane noch ein bissle mehr Futter :-). Ansonsten: kein schlechter Ansatz in Sachen „Schreckseeentlastung“.

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    1. Tja, und dann gibt’s noch ca. 160.000 Seen in Norwegen – und da rede ich nicht von Tümpeln☺️ Tanke gerade mein Hirn mit Eindrücken voll, die ich auf Wanderungen sammle. Dann brauche ich im Allgäuchen die Seechen nicht sooo dringend

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  2. Tja, zu den Hindelangern kann man Goethe zitieren:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Zauberlehrling

    Herr, die Not ist groß!
    Die ich rief, die Geister
    werd ich nun nicht los.

    Das ist halt immer ein zweischneidiges Schwert: man macht/bekommt Werbung, es kommen mehr Touristen, und plötzlich wirds zuviel. Die kurzfristig ergriffenen Maßnahmen scheinen dann eher von Aktionismus geprägt. Langfristig soll sich da was mit dem ÖPNV tun, aber die Frühaufsteher haben halt nichts davon.

    Am Gaisalpsee soll es mit der Zeit auch nicht besser geworden sein:

    https://www.sueddeutsche.de/reise/bergsee-alpen-gaisalpsee-allgaeu-1.4995491

    Na mal schaun. Es gibt noch genügend ruhige Ecken 🙂

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  3. „Na mal schaun. Es gibt noch genügend ruhige Ecken 🙂“ – stimmt. Gott sei Dank. Aber musst du, Kristian, diese Ecken in einem Blog mit „Roß und Reiter“ nennen? Wenigstens ohne „Brief und Siegl“. Bei einem anderen Beitrag hast du Namen rausgenommen. Kristian, warum erscheinen sie hier wieder? Ich kenne und schätze dich als Quer- und scharfen Denker, aber hier kann ich dir überhaupt nicht zustimmen – auch wenn die Zustiege für manche evtl. mühsam sind.

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  4. Hier noch 2 passende Beiträbe von Quer (BR):

    Man hakt einfach nur noch einen Eintrag in der persönlichen „Da muss ich gewesen sein um es meinen Freunden zeigen zu können“-Liste ab. Keine Nachhaltigkeit, kein echtes Interesse an Natur, Ort etc.

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