Skitourenstatus Allgäu 2020/-21 Teil 1 Achtung Altschnee

Während die Südalpen Anfang Dezember im Schnee versunken sind, zeigte sich Frau Holle am Nordalpenrand sparsam. Westlich des Inn gab es wenigsten ein paar kosmetische Schneefälle bis in tiefe Lagen, so das der Landschaftseindruck durchaus winterlich ist. Das gemeine. Die Schneemenge steigt mit zunehmender Meereshöhe kaum an und oberhalb der Waldgrenze gibt es, ein für die Allgäuer Alpen untypisches Altschneeproblem. Machen Skitouren im Allgäu derzeit Sinn? Eher nicht – aber ein bisschen was geht doch.

Zunächst sind da einmal die Pistenskitouren. Da die Skigebietsbetreiber noch an Söders Aussage, glauben, dass sie am 10. Januar öffnen dürfen, wurde in den letzten Tagen fleißig Kunstschnee produziert. Weil im Gelände nur wenig  geht und man zudem die SöDDR (vormals Freistaat Bayern) de facto nicht in Richtung schneereichen Zentralalpen verlassen darf, wurden die Pistentouren in den letzten Tage von den Massen gestürmt. Sehr zum Leidwesen der Bahnbetreiber, die zurecht beklagen, dass in den letzten Tagen Schläuche und Kabel von Beschneiungsanlagen beschädigt wurden und befürchtet wird, dass es auf den harten Kunstschneehäufen zu Unfällen mit ungewisser Haftung kommt. Aus diesem Grund wurden einige Parkplätze gesperrt, was den Druck auf die wenigen, verbliebenen Möglichkeiten zusätzlich verstärkt hat. Insgesamt eine sehr ungute Situation.

Wer im freien Gelände unterwegs ist, sollte sich sehr gut auskennen und seine Ziele auf Berge mit glatten, grasigen Untergrund beschränken. Vor einigen Tagen habe ich die Möglichkeit eines drohenden Altschneeproblems beschrieben. Die Befürchtungen sind eingetreten.

Das hätte ein ETC werden sollen. Der Block löste sich schon, bevor er ausgestochen wurde.

 

Das Problem tritt vor allem dort auf, wo der lockere, aufgebaute Schnee vom 20.11. 2020 auf dem harten Novemberschnee liegt. Somit gibt es eine dünne Schwachschicht auf einer glatten Unterlage. Wenn diese Schwachschicht von gebundenen, also windgepressten Schnee überdeckt ist, bedeutet das eine sehr kritische Situation. Zum Glück sind die beschriebenen Stellen nur kleinräumig, oberhalb der Waldgrenze vorhanden. Vermutlich sehr kritisch könnte es nach dem nächsten, größeren Schneefall werden.

https://www.lawis.at/lawis_api/v2_2/files/profiles/tmp/snowprofile_1607856873531.png?v=1528915

Wumm-Geräusche beim Aufstieg, der Widerstand, gefolgt vom plötzlichen Durchsacken beim Stocktest deuteten auf die Gefahr hin. Ein Schneeprofil hat es bestätigt.
11.12. im Hintersteiner Tal.Aber das ist nur die halbe Wahrheit.
Der andere Teil der Wahrheit sieht so aus. Im Aufstieg ok, in der Abfahrt ein Desaster.

 

Der Lawinenwarndienst hat ein Problem.

Neben den automatisch erhobenen Daten der Messstationen fließen vor allem die Rückmeldungen der Beobachter in die Lagebeurteilung ein. Ein Großteil dieser Beobachter ist bei der Skiwacht als Pistenretter in den Skigebieten beschäftigt. Da diese auf Anordnung der bayrischen Staatsregierung nicht öffnen dürfen, fehlen die Beobachtungen der Skiwacht. Die hochalpinen Gebiete in Bayern (Allgäuer Hochalpen, Wetterstein und Berchtesgadner Alpen) sind somit nur schwer, mit großen Aufwand und einer gewissen Eigengefährdung zu erreichen. Entsprechend dünn ist die aktuelle Datenlage aus den hochalpinen Regionen.

Was kann man tun?

13.12.2020. Abendstimmung auf dem Iseler. Frischer Neuschnee hat die Bedinungen verbessert. Gut sind sie im Allgemeinen noch nicht.

In der Nacht zum 13.12. fielen im Allgäu zwischen 10 und 40 cm Schnee. Das erweitert die Tourenmöglichkeiten. Im Allgemeinen bleiben die Verhältnisse bescheiden.  Riedberger Horn, Blaicher Horn und der Iseler gehen nun einigermaßen.

Die Güntlespitze vomWalmendiger Horn aus gesehen. Diese kann man mit alter Ausrüstung versuchen. Mit einem kleinräumigen Altschneeproblem ist auch hier zu rechnen. Ob ab dem 18.12. von österreichischer Seite die verschärften Einreisebedingungen auch für das Kleinwalsertal gelten, ist noch noch offen.
Aufstieg aufs Rangiswanger Horn am 12.12.2020
Auf dem Weg zum Rangiswanger Horn.

Wer über das Rangiswanger Horn zum Ofterschwanger Horn aufsteigt, vermeidet Parkplatzprobleme  und ggf. lästige Diskussionen. Im Aufstieg durchaus machbar, für die Abfahrt ist das Rangiswanger Horn nicht zu empfehlen.

 

Morgenstimmung auf dem Walmendinger Horn 10.12.2020

Im Allgemeinen herrschen eher ungute Verhältnisse. In einem normalen Jahr müsse man die Empfehlung aussprechen, ein anderes Tourengebiet zu wählen oder vielleicht in die Kletterhalle zu gehen. Da das aber kaum möglich ist, verbleibt nur der Hinweis, sich auf Pistentouren rücksichtsvoll zu verhalten, diese bei Präparierung zu meiden und im freien Gelände sehr vorsichtig unterwegs zu sein. Am ehestens kann man noch irgendwie in die Schweiz aufweichen, was wenigstens ein bisschen zur Entlastung der allgäuer Tourengebiete beitragen würde. In den nächsten Tagen ist zumindest teilweise mit sonnigen und milden Wetter zu rechnen. Einige südexponierte Klettergärten am Hirschberg und am Grünten dürften durchaus gute Kletterbedingungen aufweisen. Ob man gemeinsam mit einem Kletterpartner aus einem anderen Haushalt noch an den Fels darf, ist auch ungewiss. Einer unbestätigten Aussage nach, wurde in den letzten Tagen am Riedbergpass Abstände kontrolliert. Während des ersten Lockdown machten Söders Schergen auch mal im Klettergarten Oberjoch Stress. Am besten also, man überlegt sich vorher etwas. So könnte der Kletterpartner auch der Kumpel sein, mit dem man seit 14 Tagen in einer Art WG zusammen wohnt aber sich noch nicht umgemeldet hat. Natürlich bleiben Papiere, EC Karten und Handys zu Hause. Gegen die ansich sinnvolle  getrennte Anreise mit dem haushaltsfremden Tourenpartner sprechen leider die in der letzten Zeit extrem gestiegenen Parkgebühren und die angespannte Parkplatzsituation.

Winterbergsteigen zu Fuß

Des weiteren bieten sich winterliche Bergtouren zu Fuß an. Hier aber ein ganz klarer Warnhinweis.

Auch wenn es, schon auf Grund der geringen Schneemenge weitgehend sicher ist. Kleinräumige, sehr brisante Gefahrenstellen gibt es natürlich auch beim Winterbergsteigen zu Fuß

Viele Wege sind aktuell unangenehm vereist und nur mit einer dünnen Schneedecke überzogen.

Zudem sind einige Wege, auch im Sommer harmlose Wanderwege mit einem Eispanzer überzogen, der zwingend Steigeisen erfordert.

Ich liebe bei schneearmen Spätherbst/-Frühwinterbedingungen die Überschreitung von Bschießer und Ponten ab Hinterstein, die Überschreitung des Rauhhorns, die Hohen Gänge (Breitenberg-Rotspitze oder die Überschreitung es Entschenkopfs. Das sind Um diese Jahreszeit allesamt keine Wanderungen. Die zu erwarteten Verhältnisse entsprechen denen, einer westalpinen Hochtour und erfordern entsprechende Ausrüstung. Die Winterräume sind aktuell nur eingeschränkt benutzbar. Meist ohne Decken, manchmal auch ohne Holz. Einige sind völlig verschlossen. So bleiben nur Tagestouren oder biwakieren, was in felsigen oder felsnahen Bereichen in den Allgäuer Hochalpen erlaubt ist.

Frühwinterlicher Anstieg aufs Rauhhorn. Die Verhältnisse entsprechen denen einer westalpinen Hochtour. Bild nicht aktuell.
Rauhhorn
Auf den Hohen Gängen im Frühwinter. Bild nicht aktuell
Hohe Gänge. Bild nicht aktuell

Auch in den Vorbergen muss man mit eisigen Wegen rechnen. Der Grünten geht fast immer. Dieses Bergabenteuer teilt man aber mit Hunderten anderen.

Schwierige Zeiten also. Neben Schneemangel, Altschneeproblem und dem Virus haben wir es noch mit jeder Menge menschlichen Schikanen zu tun. Macht einfach das Beste draus.

Zum Schluss noch eine schöne Abenstimmung 13.12.2020

 

3 Kommentare zu „Skitourenstatus Allgäu 2020/-21 Teil 1 Achtung Altschnee“

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