Skitourenstatus Allgäu 2020/-21 Teil II Restart des Winters.

Mit dem Bericht vom 14.12. habe ich auf das tückische Altschneeproblem hingewiesen, dass sich in weiten Teilen der nördlichen Ostalpen gebildet hat. Auf das Weihnachtstauwetter war jedoch Verlass und so hat es die eh nicht besonders mächtige Schneedecke in Allgäuer Alpen teilweise weggeregnet. Dort wo noch Schnee verblieben ist, wurde der locker aufgebaute Schnee feucht und die kritische Schwachschicht somit zerstört.  Einzig an den höchsten Allgäuer Gipfeln ist selbige noch aktiv. Pünktlich zum Heilig Abend brachte das Christkindle eine Portion Neuschnee. Ein Restart des Winters also.

Schwimmschnee auf 2000 m im Hintersteiner Tal am 19.12.2020
Das sieht nicht gut aus. Wenig Schnee und schlechter Aufbau 19.12.2020
Fellhorn (li) und Nebelhorn (mitte) am 23.12.2020. Die noch vorhandene Unterlage ist lückig.

Frau Holle war aber vergleichsweise sparsam und dort, wo die Unterlage fehlt, sind Skitouren ohne Belag- und Vegetationsschäden eigentlich nicht möglich. Nach wie vor bieten sich Pistentouren an. Jedoch haben einige Skigebiete auf Grund unklarer Haftungsfragen die Parkplätze gesperrt, bzw. nicht geräumt. Mit der Folge, dass sich die Massen dort tummeln, wo es einigermaßen geht. Das sind in erster Linie der Riedbergpass, das Oberjoch und Baad/Kleinwalsertal.

Positive Entwicklung in Bezug auf die bodennahe Schwachschicht.

Schneefallgrenze in Tirol am 22.12. (Quelle Lawinenblog Tirol) Das Allgäu liegt auf diesem Bild links oben

Klicke, um auf snowprofile_13156.pdf zuzugreifen

Das Bild zum verlinkten Schneeprofil. Bruch ETC23 in 7 cm Höhe. Sprich schon recht stabile Verhältnisse in Bezug auf das zuvor noch vorhandene Altschneeproblem.
27.12.2020 im Oberallgäu

Am 22.12.20 hat es im Allgäu bis auf Nebelhorn und vermutlich noch ein Stück höher hinauf geregnet. Dort, wo die Schneedecke vollständig, bis zum Boden durchfeuchtet wurde, ist die bodennahe Schwachschicht vom 20.11. nun zerstört. Das ist in etwa bis in eine Höhenlage von 2000  bis 2200 m der Fall. Ganz oben, etwa im Bereich des Heilbronner Weges, ist sie nach wie vor noch vorhanden. Um zu beurteilen, wie brisant, wie spannungsgeladen die überlagernden Schichten sind, fehlen derzeit die Informationen. Möglicher Weise ist auch der Bereich kritisch, wo es nur mehr kurz geregnet hat und der Feuchtigkeitseintrag nicht für eine vollständige Durchfeuchtung gereicht hat. Also der Höhenbereich von ca. 2000 bis 2400 m. Hier ist nur eine dünne Kruste entstanden, die bei Belastung brechen kann.

Der Föhnsturm

In der Nacht zum 28.12. fegte ein Föhnsturm über die Allgäuer Alpen. Dabei blieb es, für eine Föhnlage ungewöhnlich kalt, so dass es keine Schmelzverluste, jedoch umfangreiche Verfrachtungen gab. Danach setzten wieder Schneefälle bis in tiefe Lagen ein. Letztere haben die Situation deutlich verbessert. Von ausreichenden Mengen kann man aber immer noch nicht sprechen.

Achtung: Nach dem Föhnsturm gibt es wieder Triebschnee

 

Was kann man tun, wo kann man hin?

 

Pistentour von Balderschwang aufs Riedberger Horn. 26.12.2020
Auf dem Riedberger Horn 26.12.2020
27.12.2020. Solche Augenblicke sind aktuell selten. Aber es gibt sie im Allgäu

Nun, viel neues, außer dem alt bekannten kann man nicht berichten. Es fehlt einfach an Schnee.   Das Riedbergerhorn geht einigermaßen gut. Auch von Oberjoch zum Iseler geht es gut, sofern man mit den Skiern bloß bis zur Bergstation aufsteigt und den Gipfel zu Fuß besteigt.  Das Blaicher Horn könnte ebenfalls halbwegs gehen. Wer die Mühe auf sich nimmt, zehn Kilometer auf einer eisigen Straße zu radeln, kann unter Beachtung der aktuellen Lawinengefahr auch den Seekopf im Hintersteiner Tal besteigen. Für die anderen Ziele dort hinten liegt eher noch zu wenig Schnee.

29.12.2020 Hählekopf und Pellingerkopf sollten einigermaßen gehen

Positiv ist auf jeden Fall, dass die Ein- und Ausreise ins Kleinwalsertal beidseitig ohne Quarantäneandrohung möglich ist. Das entlastet zum Glück die Oberallgäuer Hotspots ein wenig. Die Güntlespitze geht, aber auch hier gilt es die potentielle Lawinengefahr im Gipfelbereich zu beachten. Das auch hier kräftig über Tourengeher geschumpfen wird, war fast schon klar.

Natur unter Druck

Muss das sein? Vegetationsschäden am Riedberger Horn. Bei offenen Grenzen würden viele Leute halt in die aktuell schneereichen Südalpen fahren, wo Skitouren naturverträglicher möglich sind. So ist das halt ein Kollateralschaden von Söders Coronapolitik.

Jedes Verbot, jede Grenzsperre, jeder geschlossene Parkplatz erhöht den Druck auf die noch verbliebenen Gebiete mit akzeptablen Verhältnisse. So kam es, dass am 26.12. am Riedbergpass die Parkplätze genau so voll waren, als wenn das kleine Skigebiet dort geöffnet hätte. Fast täglich steht zu diesem Thema etwas in der Zeitung. Oft gut recherchiert, manchmal aber auch als dumpfe Polemik gegen Wanderer und Skitourengänger. Ich kann die Jäger und die Naturschützer durchaus verstehen, wenn ihnen das über den Kopf wächst. Die Ranger vom Naturpark Nagelfluhkette  und Znalp sind an den Hotspots unterwegs und versuchen zu überzeugen und aufzuklären. Oftmals ein guter Weg. Weitere Verbote würden den Druck an anderer Stelle wiederum erhöhen. Zum Glück für die Tiere ist der Winter im Allgäu  aktuell nicht besonders schneereich, so dass  Futter und Deckung noch zugänglich sind.

Recht Interessant zum lesen ist die Facebookseite vom Naturpark Nagelfluhkette.

26.12.2020 Der Parkplatz am Riedbergpass ist genau so voll, als würde regulärer Skibetrieb herrschen.
Postet in sozialen Medien nicht nur tolle Pulverbilder. Das ist nur ein Teil der Wahrheit. Ruhig auch mal so ein Bild. Gipfelbereich des Walmendiger Horn nach dem Föhnsturm.

Lösungen

Niemand, der vielleicht 100 Kilometer oder mehr angereist ist, für ein bisschen Auszeit aus dem sorgenvollen, stressigen oder langweiligen Coronaalltag wird wegen gesperrter oder überfüllter Parkplätze wieder nach Hause fahren. Er sucht sich irgend eine Möglichkeit. Mit  überhöhnten Parkgebühren, Strafen und fremdenfeindlichen Kommentaren darauf zu reagieren ist der falsche Weg. Kurzfristig wären, ähnlich wie  es bei Großveranstaltungen  (Viehscheid oder dem Hindelanger Weihnachtsmarkt) gemacht wird, geeignete Flächen als Ausweichparkplatz auszuweisen.

Also nächstes wären die völlig sinnbefreiten Grenzsperren und Quarantäneregeln zu überdenken.  Reisebeschränkungen zwischen Regionen mit etwa gleichartigen Infektionsgeschehen sind in etwa so sinnvoll, wie einen Damm mitten in eine überschwemmte Wiese dann zu bauen, wenn das Wasser schon alles überflutet hat. Nach einer Langlaufrunde im Tannheimer Tal muss ein Bayer in Quarantäne, während eine private Weihnachtsfeier mit fünf oder zehn Personen und unzähligen Kindern in einem sächsischen Hotspot keine Folgen gehabt hätte. Daran sieht man wie dumm der Bayerndiktator und sein österreichischer, kurznamiger Langohrdackel sind. 

Wären eine Skitourenwoche im schneereichen Osttirol möglich, würde niemand zum Leidwesen der Natur und der Naturparkranger bei unzureichender Schneebedeckung Heidelbeersträucher und Alpenrosen mit den Stahlkanten abmähen.

Toleranz ist gefragt. Tolerieren wir Menschen, die Angst vor Covid19 haben und sich zu Hause einsperren. Wir erwarten die selbe Toleranz, wenn wir raus in die Natur gehen. Heute bin ich Einheimischer und muss meinen Hausberg mit ortsfremden teilen, morgen bin ich ortsfremd und erwarte vom Einheimischen, dass ich dort akzeptiert werden. Wo ist das Problem?

Das fremdenfeindliche Allgäubild, dass in sozialen Medien nach außen transportiert wird ist zum fremdschämen. Eine Autonummer, auch nicht eine Münchner oder eine Stuttgarter darf nicht zum Stigma werden.

Um der Natur und den Anwohnern der touristischen Hotsports eine nötige Erholungspause zu gewähren, könnte man im nächsten Winter vielleicht eine Werbeaktion für andere Regionen starten, die schöner sind als das Allgäu.

https://www.facebook.com/blaulichtreportsuedschwaben/posts/1769981506509206?notif_id=1609244835214332&notif_t=comment_mention&ref=notif

Zum Glück ist das Allgäu nicht Spitzenreiter der Fremdenfeindlichkeit. Diesen Platz gebührt Oberbayern.

https://www.allgaeuer-zeitung.de/allgaeu/immenstadt/balderschwang-gesperrte-parkpl%C3%A4tze-und-falschparker_arid-258157

 

6 Kommentare zu „Skitourenstatus Allgäu 2020/-21 Teil II Restart des Winters.“

  1. Hallo Kristian, vielen Dank, dass Du Deine Erkenntnisse mit uns teilst. Das Verschwinden der Schwachschicht beruhigt ja etwas, die hätte wahrscheinlich bis zum Frühjahr Probleme bereitet. Was die Parkproblematik betrifft, wird in Zukunft nur ein intelligentes Parkleitsystem die Lösung sein: mittels Handyapp erfahren die Tagestouristen schon auf der Anreisen, wie die Parkplatzsituation vor Ort ist und können dann noch rechtzeitig ein anderes Ziel ansteuern. Offenbar soll so etwas ja schon in der Entwicklung sein (https://bayerncloud.digital/tourismus/), wird aber bestimmt noch Jahre brauchen, bis es zur Anwendung kommt. Auch aus den Mittelmeerländern ist mir kein vernünftiges Konzept bekannt, um den Tagestourismus zu lenken. Dort wird dann eben mit Sanktionen gearbeitete (vgl. die Regelungen in Dubrovnik bezüglich der Kreuzfahrtschiffe), was aber auch keine echte Lösung ist.

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    1. „mittels Handyapp erfahren die Tagestouristen schon auf der Anreisen, wie die Parkplatzsituation vor Ort ist und können dann noch rechtzeitig ein anderes Ziel ansteuern. “

      Wenn schon Handy-App, warum nicht gleich die Hotspots reservierungspflichtig machen?

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  2. Berlingersköpfle hatte am 26. extrem viele Steine, die Tour war mit Steinski nicht irgendwie vernübftig oder unvernünftig machbar, außer mit Ski runter tragen. Gestern sah der Hang über der Melköde nicht nennenswert besser aus. Asphalt und Steine auf dem Weg zur Schwarzwasserhütte. Was wirklich gut geht, ist Hahnenköpfle. Abgesehen von umgeackerten Kunstschneebollen, Raupen, die mit Winden präparieren, und natürlich dem tricky Parken. Heute machten Verzweifelte Skitouren in der Hörnergruppe, aber Schneelage ist mangelhaft. Schön dass es kühl bleibt. Wo bleibt Nachschub?

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