Skitouren und Wildschutz im Hintersteiner Tal

Skitouren und Jagd stellen oftmals ein Spannungsfeld dar, dass nicht sein muss, wenn beide Seiten ein bisschen auf einander zugehen und bereit sind, die Argumente des anderen anzuhören. Im Hintersteiner Tal gibt es eine Reihe von Schutz- und Schongebieten mit unterschiedlichen, rechtlichen Status. Einige sind an bergsteigerisch völlig uninteressanten Stellen platziert, so dass keine Konflikte zu erwarten sind, bei zwei anderen gibt es Konfliktpotential.

Obertal – Wildfütterung Wengen

Das Obertal zweigt als Seitental des Hintersteiner Tals am Giebelhaus ab. Die geologische Beschaffenheit, der Schneereichtum und das Fehlen von geschlossenen Wäldern macht dieses Tal zu einem der besten Skitourenziele im ganzen Land. Es wäre hoffnungslos überlaufen, wenn es bequem erreichbar wäre.

Am Ende des Tals befindet sich eine Rotwildfütterung. Der zuständige Jäger beklagt immer wieder, dass Skitourengeher und vor allem Schneeschuhgeher die Fütterung aufsuchen, dabei Hinweisschilder ignorieren und sogar in der Futterstelle sich hinsetzen und Brotzeit machen. Die Ski und Wanderroute führt mit relativ geringem Abstand an der Futterstelle vorbei.

Wohin mit den Tieren im Winter?

Nun kann man ausgiebig darüber streiten, wie sinnvoll es ist, Rotwild mittels Futterstelle in so einem schneereichen und waldarmen Tal zu halten. Würde man die Tiere dort nicht anfüttern, würden sie ihrem natürlichen Instinkt folgend, in die schneearmen Illerauen bei Sonthofen ausweichen. Da diese Region dicht besiedelt ist, wären Wildunfälle und Verbisschäden die Folge. Würde man Wölfe als natürlichen Regulator dulden, so würden sich die Wölfe vermutlich am leichter zu erbeutenden Vieh bedienen. Schwierig also.

Ich stehe dem Jagdwesen dann kritisch gegenüber, wenn es dem Hobby einiger gut Betuchter dient, die dann Betretungsverbote fordern, von denen sie selbst ausgenommen sind. Das ist an dieser Stelle meiner Ansicht nach nicht der Fall, da die in der Karte eingezeichneten „Wild-Wald-Schongebiete“ rechtlich eine Empfehlung darstellen und reichlich Platz für jeden vorhanden ist.

Ganz egal, wie man das nun sieht. Die Tiere sind im Winter in diesem Tal. Betritt man die Futterstelle oder ihre Einstände im Waldstreifen darüber, bedeutet das für die Tiere unnötigen Stress. Ich bin kein Veganer und selbst wenn ich einer wäre, käme ich nicht auf die Idee, Hühner in der Massentierhaltung aufzuschrecken, nur weil ich gegen diese Art der Tierhaltung bin. Ganz im Gegensatz zur Massentierhaltung genießen die Hirsche dort hinten ein weitgehend artgerechtes Leben in einer natürlichen Umgebung.

Was kann man tun?

Es gibt keinen, aber auch gar keinen nachvollziehbaren Grund diese Futterstelle zu betreten. In einem Tal mit so vielen tollen Skihängen muss man auch nicht den skifahrerisch allerschlechtesten direkt oberhalb der Futterstelle aufsuchen. Auch die Hänge Sonnenhänge zwischen Engeratsgunder Hof und Wengenalpe sollte man meiden, mit Ausnahme des kleinen, mühsam ausgehandelten Korridor bei der Doismenalpe. Der Baumgrenzbereich stellt zudem einen wertvollen Lebensraum für Birkhühner da. Hier kann und sollte man sich also an die beschilderten Empfehlungen halten. Dafür gibt es auf der anderen Talseite weite Hänge und meist den viel besseren Pulver. Viel Spass.

Der Jäger könnte natürlich noch kurz vor der Futterstelle mit seinem Quad der Skiroute ein Stück weiter folgen und wieder zurück fahren, so dass  bei ungespurten Verhältnissen niemand  blind der Spur folgend in der Futterstelle landet.

Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund, diese Futterstelle aufzusuchen. Einfach weiter taleinwärts, auch wenn die Motorschlittenspur nach rechts zur Futterstelle führt.
Auf der anderen Talseite warten weite Pulverhänge

 

Hier sind  wir Tourengeher gefragt uns konform zu Verhalten.
Obertal 15.4.2020
Konfliktfreier Skigenuß
Auf dem Schochen

Skitour zu Schochen oder Seekopf in Stichpunkten.

Karte: Alpenvereinskarte Allgäuer-Lechtaler Alpen Ost 2/1

Führer: http://www.panico.de/buecher/skitourenfuehrer-snowboardfuehrer/skitourenfuehrer-allgaeu.html

Hütten:  Schwarzenberghütte (1380m) der DAV Sektion Illertissen. Telefon: 0049 / (0)173 / 3927766. Geöffnet von Weihnachten bis zum 1. November. Ca. 40 Übernachtungsplätze.

Ausrüstung:   Normale Skitourenausrüstung

Geeignet für wen? Durchschnittliche  Skibergsteiger

 

Hinterstein- Alpe Mösle- Türle- Gr. Daumen Wintergatter Mösle

Die Ostroute auf den Gr. Daumen. Grün: der Wanderweg und zugleich die Skiroute. Rot: die Umgehung
Zeitweise sah es auf der Umgehung so aus. Ich weiß nicht, ob der Windwurf inzwischen beseitigt wurde (Bild aus dem Frühjahr 2019)

Die Skiroute von Hinterstein über die Alpen Mösle und Nicken über das Türle zum Gr. Daumen ist nicht so lohnend, wie die Südabfahrt vom Gr. Daumen. Zu lange sind die Flachstücke am Beginn und in der Mitte, zu steil ist der Weg durch dichten Wald zwischen Vorsäß und  der Alpe Mösle.

Da im Coronawinter 2021 kein Bus zum Giebelhaus fährt, gewinnt die Route  eine gewisse Bedeutung, da man über sie den Daumen  direkt von Hinterstein erreichen kann.

Unvorteilhafter Weise gibt es zwischen Mösle und Nicken  ein Wintergatter inkl. Futterstelle, dass mitten über den markierten und in Karten eingezeichneten Weg gelegt wurde. Eine westseitige Umgehung ist möglich und wurde im Zuge des DAV Projektes „Skibergsteigen umweltfreundlich“ teilweise markiert. Leider ist die Umgehung teilweise durch Windwurf und dichten Wald erschwert. So wundert es nicht, dass sie manchmal nicht angenommen wird. Noch unvorteilhafter ist die Tatsache, dass man von oben kommend an mehreren Stellen in das Hochtal einfahren bzw. hinab steigen kann. Eine Beschilderung  am Türle macht daher wenig Sinn. Plötzlich steht man vor einem Zaun  mit Verbotsschild und wird auf eine eher unbequeme Umgehung gezwungen. Kein Wunder, dass es hier immer wieder zu Verstößen kommt.

Lösungen

Auch hier ist eine Lösung möglich. Es ist die Jagdseite gefragt. Es ist utopisch, auch im Spätherbst zu glauben, dass das so funktionieren kann. Das amtliche Wildschutzgebiet  liegt über einen in sämtlichen Karten eingezeichneten Weg. Die Smartphonegeneration läuft eh einem Track hinterher und lässt sich auch durch einen von November bis Mai errichteten Zaun nicht aufhalten. Trotz Bußgeldandrohung.

Die Lösung ist, denn Wanderweg komplett am Wintergatter vorbei zu führen. Als guter, mindestens  genau so breiter Weg, wie der restliche Weg zwischen Mösle und Nickenalpe. Wenn das umgesetzt wird, wird kein Mensch mehr über den Zaun steigen. Auch keine rücksichtslosen Wanderer, wie es die Allgäuer Zeitung schreibt. Die sind nämlich nicht rücksichtslos, die wussten einfach nicht wohin, als sie auf dem markierten Wanderweg plötzlich vor einem Zaun standen. Gerade in Abstiegsrichtung ist die Sache problemhaft.

Vielleicht unternimmt man einfach auch eine andere Skitour, wenn man es weiß.

Achtung: Im Winter 2020/-21 fährt bis auf weiteres kein Bus zum Giebelhaus: Stand 25.01.2021

 

Fazit:

In beiden Fällen ist ein Miteinander möglich. Im Obertal ist der Freizeitsportler gefordert, sich an die Empfehlungen zu halten, am Mösle ist die Jagdseite gefordert, eine vernünftige Umgehung anzubieten.  Weitere Wildruhezonen im Hintersteiner Tal liegen abseits von touristisch interessanten Gebieten und sind schon aus diesem Grund weitgehend konfliktfrei.

2 Kommentare zu „Skitouren und Wildschutz im Hintersteiner Tal“

  1. Hallo Kristian,
    der Windwurf auf der Ostseite zum Kl./Gr. Daumen ist Stand 05.01.2021 nicht beseitigt. Es ist ein Durchkommen nur zu Fuß möglich und sehr mühsam. Ohne Ortskenntnis oder einer vorhandenen Spur ist das auch schlecht zu finden, weil die 2 Schilder, die wir gesehen haben, an Anzahl und Position m.E. zu wenig sind. Wir waren zu einer Zeit dort wo eh die unteren 400 hm rauf wie runter zu Fuß zu gehen waren, deshalb haben wir uns da durchgekämpft. Aber schade, dass es so unbequem ist.
    s’Guatzle.

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