Extremer Anstieg der Parkgebühren im Allgäu – Abzocke oder Lenkung?

Öffentliche Straßen und Parkplätze gehören zur steuerfinanzierten Infrastruktur. Erstere werden dem Bürger meist gratis zur Verfügung gestellt, während für die Nutzung der Parkplätze zunehmen horrende Summen zu bezahlen sind. Abgesehen, dass es sich dabei um einen ökologischen Irrweg handelt, ist es vielfach eine Gerechtigkeitslücke zu Lasten der Einheimischen entstanden. Nachstehend ein paar Gedanken zu einer Fehlentwicklung und Ideen, wie man eine manchmal notwendige Verkehrslenkung besser gestalten könnte.

Dort, wo die anfallenden Kosten, z.B. durch Schneeräumung bei gleichzeitig geringen Schlüsselzuweisungen und hohen Bedarf nicht steuerlich gedeckt werden können, ist eine zusätzliche Gebührenfinanzierung akzeptabel. Das ist an beliebten Ausflugszielen in kleinen Gemeinden gelegentlich der Fall.

Das gleiche gilt auch, wenn Privatpersonen oder Firmen eine Parkfläche zur Verfügung stellen. Ansonsten sollen Parkflächen, wie eine Straße auch, kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.

 

Ökologische Aspekte

Vielfach wird als Argument für hohe Parkgebühren der Umweltschutz angeben oder die hohen Gebühren sollen einen Anreiz ergeben auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen, die dann meist nicht fahren, wenn man sie brauchen würde.

Wie die Oberallgäuer Landrätin zutreffend betonte, ist es nicht möglich, alle 15 Minuten von jedem Dorf aus, einen Bus fahren zu lassen. Auch bei den stark wetterabhängigen Ausflugzielen lassen sich Linienbusse nur bedingt einsetzten. Sie sind entweder überfüllt oder leer. Genau hier bleibt das Auto das Transportmittel Nr. 1.  Dasselbe gilt für abendliche Aktivitäten.

Man wird also trotzdem in den meisten Fällen mit dem Auto anreisen. Einen Euro kann man schließlich nur einmal ausgeben. Verschwinden zu viele davon in den hungrigen Schlünden der Allgäuer Parkautomaten, fehlen sie an anderer Stelle. Also lieber eine Parkplatzbrotzeit statt Einkehr und die Kostenneutralität ist wieder hergestellt.   Zudem: Ein Auto, das steht verursacht kein CO². Eine ökologische Lenkung macht nur über einen europaweit einheitlichen hohen Treibstoffpreis, bei gleichzeitiger Streichung aller KFZ-Steuern, Maut und Parkgebühren Sinn. 

Es verhält sich wie mit den vielfach kritisierten Billigflügen. Eine Flugreise, eine Autofahrt eine Parkplatznutzung wird nicht plötzlich gut und sauber, weil sie künstlich verteuert wurde. Sie tendiert damit zum exklusiven Spaß Besserverdienenden und Privilligierten.

KOSTENPLICHTIGE PARKPLÄTZE DIENEN DER BESUCHERLENKUNG …
… und tragen dazu bei, dass der Massentourismus  keinen Schaden an der Natur verursacht? Nach langem Studium muss ich zähneknirschend zustimmen: Ja, ein kostenpflichtiger Parkplatz lenkt tatsächlich die Besucher – und zwar vom jeweiligen Abstellplatz bis hin zum Parkautomat – und weiter nach genau nirgendwo!

Umstieg auf ÖPNV wird meist erschwert oder verunmöglicht

In einer ländlichen Region gibt es selten eine Bushaltestelle oder gar einen Bahnhof in der Nähe der Haustüre. Vielfach dienen die Parkplätze am Ortsrand zur Bildung von beruflichen oder privaten Fahrgemeinschaften oder aber auch, falls verkehrsgünstig gelegen um von dort auf Bus oder Bahn umzusteigen.  Leider sind auch diese Parkplätze, wie zuletzt „Ofterschwang-Tiefenberg nähe B19“ oder Immenstadt Viehmarktplatz gebührenpflichtig oder zeitlich begrenzt. Damit konterkarieren die Lokalpolitiker dass, was sie stets vorgeben zu forcieren. Einen Umstieg auf Bus und Bahn, bzw. Fahrgemeinschaften.  Positiv zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang  die Parkmöglichkeiten zu erwähnen Bad Hindelang Busbahnhof und Fischen Bahnhof.

Benachteiligung der Einheimischen.

Zum Sonnenauf- oder Untergang vor oder nach der Arbeit auf den Grünten. Nicht mehr so leicht möglich, dank unsinniger zeitlicher Beschränkung. Dazu kommt eine kräftige Erhöhung deutlich über dem Verbraucherpreisindex.

Urlauber können mit ihrer Gästekarte im Übernachtungsort oder in der ganzen Region kostenfrei Parken. Zudem steht ihnen auch eine teilweise freie Fahrt mit den Linienbussen zu. Dem Einheimischen nicht. In manchen Gemeinden gibt es für Einheimische günstige Jahresparkkarten, aber schon im Nachbarort gilt man als lästiger Tagesausflügler und hat somit die zuletzt kräftig erhöhten Gebühren zu entrichten. So fördert man Fremdenfeindlichkeit.

Welche Preiserhöhungen sind angemessen?

Alles wird teurer und auch die Parkgebühren müssen von Zeit zu Zeit angepasst werden. Eine angemessene Erhöhung entspricht in etwa dem summierten Verbraucherpreiseindex für einen bestimmten Zeitraum.

Beispiel:

Im Juni 2018 kostete ein Tag parken in Hinterstein „Auf der Höhe“ 2,50 €. Angemessen wäre  Juni 2020 ein Betrag von 2,54 €, Großzügig aufgerunden maximal also 3,– €.  Im Juni 2020 wurde die Gebühr allerdings auf 10,– € erhöht.

103,8   = 2,50 €

105,8 =  X                                                   X= 2,54 €

 

Was kann man dagegen tun?

In der Regel läuft die Reaktion der Menschen wie folgt ab. Es wird bös geschimpft und brav gezahlt. Tut ja im Einzelfall  auch nicht weh. Aber es summiert sich und irgendwann fehlt das Geld an anderer Stelle. Warum soll eine Kommune, welche die Tagesgebühr von 2,50 € auf 10,– € anhebt nicht auch 20,–€ verlangen, wenn der Parkplatz so oder so voll ist. Ganz machtlos ist aber der Bürger dennoch nicht. Die massiv gestiegenen Preise ohne Kontra hinzunehmen, feuert zusätzlich die Inflation an, die es eigentlich zu bekämpfen gilt. 

Ausweichmöglichkeiten ausloten

In vielen Orten gibt es Seitenstraßen, wo man ohne Gebühr und zeitliche Begrenzung sein Fahrzeug abstellen darf. So z.B. in Immenstadt im Bereich der Mittagstraße und in der Nähe von der kleinen Moschee, in Oberstdorf „am Bannholz“ und in einigen Seitenstraßen in Burgberg. Wichtig ist es, dabei keine Einfahrten und Privatparkplätze zu blockieren

Boykott von Parkster & Co.

Welche Strecken zum nächsten Automaten sind eigentlich zumutbar? Nicht jeder ist jung oder sportlich. Nicht jeder kann oder will irgendwelche AbzockAPPS nutzen.

Häufig soll dem Bürger irgendwelche Bezahlapps schmackhaft gemacht  werden. Teils auch mit fast schon unzumutbar weiten Wegen zum nächsten Parkscheinautomaten. Die Tatsache, dass somit die Möglichkeit entfällt, mittels Parkscheinweitergabe Kosten zu sparen, ist die Verwendung von Parkapps in Zeiten von zunehmender digitaler Überwachung zu vermeiden. Außerdem unterstützt man dadurch Teuerung und Coronakrisengewinner.

Kosumverzicht und darüber reden

Quelle: „keine Parkgebühr im Gesäuse“. Das Rechenbespiel würde auch zu Burgberg, Grüntenhaus, Alpenblick usw. passen.

Für einen Euro, der in den hungrigen Schlünden eines Parkautomaten verschwunden ist, kann man nichts anderes mehr kaufen. Wenn also ein Bier und der Parkplatz im Zuge einer kleinen Tour mit Einkehr zusammen 10,– Euro oder mehr kosten, dann verzichtet man halt auf die Einkehr oder konsumiert halt Dosenbier vom Discounter. An letzteres mussten wir uns im vergangenen Winter und Frühjahr eh gewöhnen, warum nicht im Sommer beibehalten?

Wichtig dabei: Den Müll wieder mitnehmen und nicht einfach machen, sondern darüber reden oder schreiben. Nur so kann man über die Wirte Druck auf die politischen Entscheidungsträger ausüben, damit die Sache nicht weiter ausartet oder sogar zurückgenommen wird.

Parkschein weiter geben

Da bei meiner Rückkehr niemand da war, den den noch 20 Stunden gültigen Parkschein gebrauchen konnte, habe ich ihn in das Ausgabefach des Automaten gesteckt. Der nächste freut sich und es wird zudem noch Papier und Strom gespart.

Manchmal ist für ein paar Stunden gleich ein Tagesticket zu lösen. Wer nach drei Stunden zurückkehrt, der kann das Ticket etwa zum halben Preis an den nächsten weitergeben oder er steckt es einfach in das Ausgabefach. Weil man damit noch Strom und Papier spart ist man in der heutigen Zeit auf jeden Fall auf der guten Seite. Noch dazu, da Parkscheine nicht an eine Person oder an ein bestimmtes Auto gebunden sind.

Corona ist nicht schuld

Dumm und nicht glaubhaft. Erhöhung der Parktarife wegen Corona.
Was so alles angedacht ist

Wer derzeit Preise anheben will, den Menschen digitale Zutritts- oder Bezahlsysteme aufzwingen möchte oder sonstige unpopuläre Maßnahmen durchdrücken will, der gibt als Ausrede dafür Corona an. Das gleiche gilt für Lieferrückstände, Terminversäumnisse oder handwerkliche Schlampereien. In den meisten Fällen nur eine dümmliche Ausrede, die es nicht zu akzeptieren gilt. Das trifft nicht nur fürs Parken sondern auch in der Gastronomie zu, obwohl die Preise dort eigentlich fallen müssten. Wurde nicht erst die Umsatzsteuer für ein Bier von 19% auf 7 % in Deutschland und von 20% auf 5% in Österreich gesenkt? Der Verbraucher spürt davon nichts.

 

 

Fallbeispiel

Der bergsportaffine Durchschnittsoberallgäuer Sepp Schumpentreiber aus dem Raum Sonthofen/Immenstadt. Er bewegt sich im Umkreis von einer halben Autostunde um seinen Wohnort. Früh unternimmt er eine Skitour von Baad auf die Güntlespitze, nach der Rückkehr trifft er sich mit Freunden in der Cantina in Riezlern, anschließend holt er in einem Einzelhandelsgeschäft in Oberstdorf einen bestellten Ausrüstungsgegenstand ab und kauft noch ein paar Lebensmittel. Inzwischen ist es Nachmittag.  Da es sonnig ist, steht noch ein Besuch des Klettergarten „Grauen Stein“ bei Burgberg mit einem Freund an.

 

Parken Baad                                                      -> 8,– €

Parken Cantina Riezlern                             -> 3,20 € für bis zu zwei Std

Parken Oberstdorf Bahnhof                      -> 3,00 € für bis zu zwei Std

Parken Burgberg                                                -> 6,–€

Summe:                                                                    20,20 €

Sepp Schumpentreiber ist zwar Allgäuer, wohnt aber in Sonthofen und gilt somit nicht als Einheimischer in den besuchten Orten. Als „lästiger Tagesgast“ kann er weder eine Einheimischenvergünstigungen noch eine zum frei parken berechtigtende Gästekarte nutzen.

Nach dem Klettern meldet sich der Hunger. Der nahegelegene Gasthof „Alpenblick“ hat geöffnet. Aber Sepp hat heute schon genug Geld ausgegeben. Mit seinem Kumpel fährt er nach Hause. Er hat ja noch eine Pizza im Gefrierschrank und einen Kasten Bier im Keller. Zum Wohl.

 

Wäre das nicht auch mit ÖPNV gegangen?

Sofern man am Bahnhof in Sonthofen einen Parkplatz gefunden hätte zum Teil. Aber wohin mit der Skitourenausrüstung, wenn man unterwegs noch etwas einkaufen möchte? Zum Grauen Stein wäre man mit ÖPNV nicht gekommen.

 

Bei einer Fahrt ins Lechtal  hätte eine deutlich billigere Tankfüllung die Mehrkosten durch die weitere Fahrt kompensiert. Da man dort vielfach frei parkt, könnte man die 20,20 für eine Einkehr investieren.

Negativbeispiele

 

Kempten Allgäuhalle – bis vor kurzen kostenlos – jetzt gebührenpflichtig. Einkaufen in Kempten? Mit Parkschein, mit Maske, und ggf. Test und Termin? Dann doch lieber Amazon

Baad Kleinwalsertal – Erhöhung von  3,– auf 8,– € – teils deutliche Erhöhung (über dem Verbraucherpreisindex) und Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung auf bisher gebührenfreie Flächen

Burgberg – teils deutliche Erhöhung (über dem Verbraucherpreisindex) und Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung auf bisher gebührenfreie Flächen

Gunzesried – – teils deutliche Erhöhung (über dem Verbraucherpreisindex) und Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung auf bisher gebührenfreie Flächen

Hinterstein – Erhöhung  von 2,50 € auf 10,– € von 2018 bis 2020 deutliche Erhöhung (über dem Verbraucherpreisindex)

Immenstadt – Parkplatz Viehmarktplatz: Früher gebührenfrei und zeitlich unbegrenzt, heute gebührenpflichtig und begrenzt. War ein idealer Treffpunkt für Fahrgemeinschaften aller Art um zum Umsteigen auf die Bahn.

Was kann man besser machen?

Dort wo es die eingangs erwähnte Schieflage gibt (Großer Platzbedarf bei geringer Einwohnerzahl) ist eine angemessene Gebührenfinanzierung akzeptabel. Als ideologische Lenkung oder Gelddruckmaschine hingegen sind Parkgebühren abzulehnen.

Einheimische müssen im Allgäu, oder besser in vielleicht einem 50 Kilometerumkreis um ihren Wohnort Urlaubern mit Gästekarten gleichgestellt werden. Lieber einen fairen, geringen Grundbetrag für alle ohne Ausnahme anstatt horrende Tarife und gleichzeitig frei parken mit Gästekarte.

Auf Parkplätzen an Bahnhöfen, wichtigen Bushaltestellen und Verkehrsknotenpunkten muss gebührenfreies Dauerparken möglich sein, um Fahrgemeinschaften oder den Umstieg auf ÖPNV zu ermöglichen.

Abend und Nachtparkverbote treffen vor allem einheimische Freizeitsportler, die nach Feierabend noch aktiv sind. Sie sind deshalb abzulehnen.

Das seit Jahren diskutierte 100,–€ ÖPNV Jahresticket endlich einführen.

Bezahlbaren Individualverkehr mit dem Auto besonders zu Zeiten und an Orten zulassen, wo es auf Grund schwankender Nachfrage und  geringer Nachfrage nicht rentabel ist, einen Bus einzusetzen.

Nachtrag 30.6.2021: Auch der Gebroverlag beschäftigt sich mit diesem Thema: 

https://gebro-verlag.de/klettern/Artikel/ind_artikel_P_Allg_001.htm

 

15 Kommentare zu „Extremer Anstieg der Parkgebühren im Allgäu – Abzocke oder Lenkung?“

  1. Wieder eine hervorragende Zusammenfassung der miserablen Entwicklung, die erstaunlicherweise bisher noch nicht zum „Aufstand der vielen einheimischen Sepp Schumpentreiber“ geführt hat, die nicht von ParkApps oder deren Lobby verblödet oder „gefördert“ werden. Aber man zweifelt immer mehr am „gesunden Menschenverstand “ derer, die das in den Kommunen beschließen. Und irgendwann werden auch diese „Volksvertreter“ merken, dass sie den Ast abgesägt haben, auf dem sie alle selbst sitzen…

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  2. Für Kempten stimmt es total. Früher konnte man schnell an die Allgäuhalle fahren und kostenfrei parken um im Forum was einzukaufen. Mittlerweile mache ich es sehr oft auch so, lieber online bestellen und nach Hause bringen lassen. Und seit man auf diesem großen, freien Platz Maskenpflicht eingeführt hat war ich nicht mehr dort. Von der Couch einkaufen ist viel bequemer. Und dies passt auch zum Viehmarktparkplatz in Immenstadt.

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  3. Hier kann ich Dir mal uneingeschränkt zustimmen 😉

    Hinterstein ist ein gutes Beispiel. Ich kann nachvollziehen, dass der Autoverkehr v.a. am Wochenende richtig schlimm ist, wenn die Parkplätze im Ort voll sind und zig Autos beim Suchen rein- und wieder rausfahren. Da würde schon ein Schild am Ortseingang (Säge) reichen, das anzeigt, dass die Parkplätze voll sind. Und ein wenig Hirn bei den Suchern 🙂

    Dass die erhöhten Preise zur Besucherlenkung beitragen, mag in Einzelfällen funktionieren, aber nicht in der Masse: die Parkplätze an der Festhalle und auf der Höh waren trotzdem regelmäßig voll. Ein vernunftbegabter Mensch müsste eigentlich einsehen, dass das mit den höheren Entgelten nicht funktioniert hat. Wurden die Parkplatzpreise dann wieder gesenkt? Nein, natürlich nicht. Es ist alles wie vorher: die Hintersteiner bekommen den Verkehr, nur der Parkplatzbetreiber mehr Geld. Sowas aber auch. Im Ort gibts ja seit einer Weile einen Parkplatz eines Privaten, der Parken für, ich glaub, 6€ anbietet.

    Und auch die Praktikabilität von Staffelung der Preise in Verknüpfung mit dem Busverkehr muss man hinterfragen. Einfaches Beispiel: jemand möchte auf die Willersalpe laufen.

    Möglichkeit 1: Parken auf der Höh, kostet 10€. Direkt loslaufen.
    Möglichkeit 2: Parken bei der Säge, kostet 7€. Durch den Ort laufen, 3€ gespart, dann wieder zurücklaufen? Kann man machen (aber wieviele machen das?). Oder mit dem Bus bis an den Grünen Hut? Was kostet der Bus, also die Beförderung an sich, als Nicht-Allgäu-Walser-Card-Besitzer? Wartezeit? Und wird der Bus noch genügend freie Plätze haben?

    Und was ist mit Früh- oder Spätstartern? Fährt morgens um 6 oder abens um 19 Uhr noch regelmäßig ein Bus? Wir sprechen hier ja nur vom Tourengebiet an sich – was ist mit der Heimatgemeinde? Fährt am Wochenende regelmäßig ein Bus? Kann ich gleichbeantworten: nein, ich würde z.B. am Sonntag aus meinem Ort mit dem ÖPNV gar nicht rauskommen. Grad am Wochenende, also zu den Stoßzeiten, funktioniert „man soll auf den ÖPNV ausweichen“ in vielen Gegenden gar nicht.

    Als Frechheit empfinde ich, dass man als Einheimischer derart benachteiligt wird. Der liebe Gast aus der Ferne, höchstwahrscheinlich mit dem Auto angereist, kann überall frei parken. Schon da muss man festhalten, dass die Lenkung (Reduktion CO2) einfach nicht funktioniert hat – denn würden die Gäste mit der Bahn anreisen, bräuchten sie kein freies Parken. Für „uns“ muss etwas passieren. Zum Beispiel eine Karte für Einheimische mit Erstwohnsitz im LK OA. Von mir aus auch ein Verbund der Gemeinden südlich von Kempten. Erstwohnsitz in einer dieser Gemeinden -> Parken zum halben Preis.

    Diese Apps find ich richtig schlimm. Nicht jeder hat ein Schlaufon, und schon gar nicht auf Tour dabei (man muss im Fall der Fälle ja nur telefonieren können). Man ist Datenlieferant für die Anbieter. Und ich vermute, für die Dienstleistung berechnet der Anbieter der Gemeinde auch noch Gebühren. Aber mei, immer mehr haben ein Smartphone und machen immer mehr damit. Irgendwann akzeptieren dann Geschäfte oder Parkautomaten kein Bargeld mehr, weil … ist ja unpraktisch, unhygienisch usw.

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  4. Interessante Zusammenfassung.

    Eine Frage stellt sich mir. Weshalb sollen Einheimische im 50km Radius auf Tourenausgangspunkt-Parkplätzen Preisvorteile gegenüber länger Anreisenden aus Ulm, Augsburg, München genießen wenn sie doch bspw sowieso schon mit deutlich geringer Anfahrtszeit privilegiert sind? Also dass die Einheimischen hier benachteiligt werden sehe ich nicht. Mit der Walsercard, der übernachtenden Urlauber, kann man ja außerhalb der Übernachtungsgemeinde auch nicht kostenlos parken oder? Sie stellen meiner Erfahrung nach auch einen geringen Anteil der Parkraumbenutzer als einheimische oder auswärtige Tagesausflüger.

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  5. Ich teile deine Analyse zu 100%.
    Deine Lösungsvorschläge und auch der Aufruf zum „kollektiven Gegenwind“ unterschreibe ich auch.

    Nur: Bringen wirds leider nichts.
    Grund ist und bleibt immer derselbe:

    Wir (individuelle „Weglos-Bergsteiger“, Einheimische MTBler und Kletterer oder auch „greater locals“) haben einfach keine Lobby. Wirtschaftlich spielen wir für wirklich niemanden eine Rolle. Auch ohne uns wäre jeder Parkplatz, jede Bergbahn, jede Hütte und jedes Bett im Allgäu voll. Für Urlauber und Tagesausflügler von weiter weg ist so ein Tag in den Bergen eben noch ein echtes Highlight. Da ärgert man sich zwar sicher auch über steigende Parkgebühren, aber ob man deshalb auf eine Einkehr verzichtet, wenn man sich schon seit Wochen auf einen Ausflug in die Berge freut, wage ich zu bezweifeln. Wir hingegen, die zwar mehrmals die Woche, aber job-bedingt eher zu Randzeiten in den Bergen unterwegs sind, lassen doch höchstens gelegentlich und dann bei einer meist sparsamen Einkehr ein bisschen Geld im regionalen Tourismus (Ausnahme sind natürlich alle, die löblicherweise noch beim Einzelhandel vor Ort einkaufen und nicht im WWW ordern). Wer als local zum Feierabend kurz vor knapp über die Höfats rennt, hat sich davor weder ein ebike in Oberstdorf ausgeliehen, noch wird er die Zeit haben, auf der Käser eine Halbe zu schlürfen. Im besten Fall ist unsere Randaktivität dann noch geduldet. In immer mehr Fällen aber auch ganz offen nicht mehr erwünscht: „Vor oder nach der Arbeit noch schnell aufn Berg“ war den Jägern, Förstern und anderen sog. „Umweltschützern“ schon immer ein Dorn im Auge, handelt es sich dabei doch um die „sensibelste Tageszeit“ für Wild (muss da nämlich geschossen werden), angeblich bedrohte Hühner (hab dieses Frühjahr mehr Birkhühner als Dolen gesehen) und sonstiges Getier, dessen physisches wie psychisches Wohlergehen mittlerweile höher eingestuft wird, als das des Homo sapiens.

    Tendenziell wird sich diese Thematik nicht zuletzt durch den aktuellen „Grün-Ruck“ in der Politik wohl eher zuspitzen, als entspannen. Schließlich wird auch die gerade so gehypte Klimapartei nichts gegen die wirklich dringlichen ökologischen Probleme tun können/wollen aufgrund der übermächtigen/spendablen Wirtschaftslobby. Um nach der Amtszeit dennoch irgendwelche politischen Erfolge ihres Kernthemas „Umwelt“ präsentieren zu können, wird es also neue Regeln, Gesetze, Verbote, Schutzgebiete und eben auch gesteigerte Kosten hageln.

    Vor diesem Hintergrund würde mich interessieren:
    Wie positionieren sich denn die lokalen Parteien bzw. Ortsverbände der Großparteien zu diesen relevanten Themen (Parkraum, bezahlbarer Wohnraum für Einheimische, ÖPNV-Ausbau, Vergünstigungen für Einheimische*)? Das sind die politischen Themen, die mich wirklich interessieren und auf Grundlage derer ich auch eine Wahlentscheidung treffen würde. Nicht wegen irgendwelcher Maskendeals, gefälschter Doktortitel oder sonstigem Berliner Boulevard-Gossip.

    Diese Frage an die Lokalpolitiker ist in meinen Augen auch das einzige wirklich wirkungsvolle Werkzeug, welches wir neben den täglichen Konsumentscheidungen noch in der Hand haben: Die hiesigen Politiker werden nämlich nicht von den zahlungskräftigen -/willigen Touristen und Urlaubern von außerhalb gewählt, sondern von uns Ortsansässigen. Jeder – egal ob Vorstand einer Bergbahn oder Handwerksgeselle – hat genau eine Stimme zu vergeben.

    *auf meinen Reisen nach Südamerika musste ich als Ausländer oftmals den doppelten Eintrittspreis bei Nationalparks und anderen Attraktionen zahlen. Und damit meine ich nicht den inoffiziellen Gringo-Aufschlag, der nach der Gesichtskontrolle eh überall noch dazu kommt! Nein – ganz offiziell auf den Tafeln und Info-Flyern ausgeschrieben. Man stelle sich so ein Vorgehen mit dem folgenden shitstorm mal hierzulande vor…

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    1. Vor einigen Jahren hatte ich mal die politischen Vertreter zu lokalen Themen befragt. Zu Themen, die gerade aktuell waren.https://freieberge.wordpress.com/2018/09/05/was-waehlt-ein-allgaeuer-bergsteiger/

      Könnte man vor der Bundestagswahl ja nochmal machen.
      Inzwischen hat sich ja einiges getan:
      Zwei Dinge fallen besonders auf:
      1. Sehr positiver Input im Sinne von eigenverantwortlichen Bergsteigen von den Jungen Liberalen Oberallgäu: https://www.allgaeuhit.de/Oberallgaeu-Sonthofen-Junge-Liberale-Kein-quot;Big-Brotherquot;-in-den-Bergen-article10037951.html

      https://www.allgaeuer-zeitung.de/allgaeu/immenstadt/nach-der-urlauberflut-jungpolitiker-diskutieren-%C3%BCber-overtourism-im-allg%C3%A4u_arid-221700
      2. Manche Parteien, die sich früher immer für ein Europa der offenen Grenzen eingesetzt haben, plädierten plötzlich für Grenzschließungen und Kontrollen. Dagegen eine Partei, die früher schon mal einen Grenzzaun zu Österrreich gefordert hat, steht nun für Freiheit und Öffnung

      Von daher gilt es sauber abzuwägen, wer was fordert und wie oft ein Wortbruch vorgefallen ist.

      Die ausländerfeindliche Preisgestaltung in Südamerika ist mir auch schon aufgefallen.https://freieberge.files.wordpress.com/2018/07/peru-preisliste-macchu-pichu.jpg

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      1. Der Artikel mit der Parteien-Befragung ist ja spitze – Vielen Dank!
        Auch wenn einige Antworten nach den Erfahrungen der vergangenen Monate lustig bis erschütternd wirken… das letzte Jahr hat gezeigt, dass wirklich NICHTS mehr als unrealistisch angesehen werden kann.

        Stichwort: Grüne Grenze in den Bergen überwachen

        Tenor 2018: „Wer soll das tun?“, „Logistisch und technisch unmöglich!“ oder „die Zeiten des Schmuggelns sind Vergangenheit!“

        Frühjahr 2020: Helikopter fliegen die Deutsch-Österreichische Grenze auf der Suche Tourengängern ab, Auswertung von Handydaten, Erstellung von Bewegungsprofilen und automatisierte „Warn-SMS“ der Bundesregierung bei Grenznäherung.

        Wenns nicht so traurig wäre…

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  6. Danke für den guten Artikel, hoffe er findet irgedwo gehöhr. Die Steigerungen sind schon erstaunlich zum Leid von mal kurzen Touren a 2-3 h nach der Arbeit wenn man ein teures Tagesticket kaufen muss und das dann vielleicht 2-3 mal die Woche.

    Fellhornbahn Parkplatz nun auch 9 € (Bahnnutzung 5€ zurück.) gilt wohl für alle OK Bergbahnen nun. Das war auch mal kostenlos, 1€ , 2€ nun 9€ (wenn man den Parkplatz überhaupt nutzen darf)?

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  7. Beim Parkplatz am Alpsee Bühl ist es aktuell ist es so, dass per App andere (geringere) Gebühren verlangt werden, als am Ticketautomaten.
    App: 0,50 EUR/30 min
    Automat: 4,00 EUR für 4 Stunden (kürzer geht nicht)

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  8. Wer sich ein Auto leisten kann, der kann sich auch hohe Parkgebühren leisten. Es gibt kein Recht auf kostengünstiges Abstellen einer permanenten Umweltbelastung namens Auto für die eigene Freizeitgestaltung. Einheimische haben den Vorteil, mit Bike oder E-Bike anzureisen und sollten das auch nutzen. Das kleinliche Gejammer der privilegierten Einheimischen, deren Wohlstand sehr oft unmittelbar oder mittlebar mit dem Tourismus zusammenhängt, ist ein einziges Luxusproblem. Über 6000 Personen haben sich mittlerweile der Online Petition angeschlossen – zum Fremdschämen! Meines Erachtens sind auch die seit 2020 erhöhten Parkgebühren – z.B. auf der Höh in Hinterstein – noch zu niedrig. Ich bin heute noch dankbar, dass Hinterstein die Parkplätze im Winter 2020/2021 überhaupt angeboten hat, nachdem die „OK-Bergbahnen“ und die Gemeinde Oberstdorf uns allen den Mittelfinger gezeigt haben.

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