Archiv der Kategorie: Allgäu

Riedberger Horn- Ende gut- Alles gut? Leider Nein!

Ganz im Gegensatz zu seinen bisherigen Stellungnahmen hat der bayerische Ministerpräsident Markus Süden der umstrittenen Skiverbindung zwischen Balderschwang und Grasgehren eine Absage erteilt.

Auf den ersten Blick hätte es nicht besser laufen können. Die auf die geplante Erschließung unvermeidlich folgende Diskussion um Ausgleichsflächen, Sperrgebiete und Besucherlenkung ist die Grundlage entzogen und das Projekt ist nicht an einer Klage eines Bergsteigerverbandes gescheitert. Wir sind also im Auge der Einheimischen vor Ort nicht die Bösen, die überall hin wollen und gegen alles sind.

Bei genauerer Betrachtung bleibt mehr als ein bitterer Nachgeschmack und einige Fragezeichen. Riedberger Horn- Ende gut- Alles gut? Leider Nein! weiterlesen

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Firn, Föhn und Saharastaub – Skifrühling 2018

Seit nunmehr 14 Tagen bestimmt mehr oder weniger eine Südströmung das Wettergeschen in den Alpen. Das bedeutet mildes, oftmals sonniges Wetter nördlich des Alpenhauptkamms, mehr oder weniger dichte Staubewölkung im Süden davon und letzte Powderschwünge am Hauptkamm. Nicht immer muss eine Südströmung zu diesem stereotypischen Muster- Föhn im Norden und Regen am Süden –  führen.  Fehlt die Feuchtigkeit, so kann auch bei Südströmung am Gardasee die Sonne scheinen. Großräumige Südströmungen bringen nicht selten eine Ladung Saharastaub über die Alpen. Das bedeutet oft ein trüber Himmel, wenig Fernsicht, aber auch spektakuläre Farben zum Sonnenauf- und untergang. Normalerweise würde bei solch einer Wetterlage der Schnee förmlich unter den Skiern wegschmelzen. Nicht so 2018, wo Frau Holle nahezu in den gesamten Alpen eine großzügige Basis hinterlassen hat. Nachfolgend ein paar Eindrücke aus dem Skifrühling 2018 aus dem Allgäu, dem Außerfern und dem Kleinwalsertal mit einem Blick über den heimischen Tellerrand hinaus. Firn, Föhn und Saharastaub – Skifrühling 2018 weiterlesen

Allgäuer Lawinentage 13.+14.2.2018

In den letzten Tagen erreichten mich im Rahmen meiner Beobachtertätigkeit für den LWD Bayern acht Rückmeldungen von Lawinen mit Personenbeteiligung im Allgäu. Bis auf eine Ausnahme lagen alle in den Vorbergen, in einer Höhenlage von 1600 m +/- 100 m. Weiter hinten im Raum Oberstdorf, Walsertal blieb es ruhig, obwohl hier besonders am Mittwoch relativ steil gefahren wurde. Dann kamen noch Meldungen vom Prinz-Luitpold-Haus und vom Steinschartenkopf. Also echtes Hochgebirge.

Vorgeschichte

Am 4.1.2018 regnete es im Allgäu bis in eine Höhe von 2.300 m Die schon überdurchschnittlich mächtige Schneedecke sackte zusammen, aber hielt dem Tauwetter stand. Ein weiterer Schwall warmer Luft mit Tauwetter bis über 2000 m erreichte das Allgäu nach dem 20.1.2018. Danach stelle sich niederschlagsarmes und wieder kälteres Wetter ein. Die nach dem Regen vereiste Schneebasis war nun von wenigen cm lockerem Pulverschnee und Reif bedeckt.  Auf diese Schneedecke folgten am 12.2.2018 bis zu 40 cm kalter Neuschnee.

Lagebericht vom Dienstag, 13.2.2018

Gefahrenstellen liegen oberhalb von 1400m im kammnahen Steilgelände der Hangrichtungen Nord über Ost bis Süd sowie in frisch eingewehten Rinnen und Mulden. In diesen Bereichen insbesondere bei geringer Zusatzbelastung, z.B. durch einen einzelnen Skifahrer die Auslösung von Schneebrettlawinen möglich.

Link: Lagebericht 13.2.

Situation am 13.2.2018

Am meisten Schnee, bis zu 40 cm fiel in den Vorbergen. Also am Grünten, Nagelfluhkette und Hörnergruppe. Weiter drin in den Bergen, also ganz hinten im Kleinwalsertal, Oberstdorfer Täler und im Lechtal kam weniger Neuschnee zusammen.

Am 9.2.2018 lag eine Hochnebelschicht mit Obergrenze um die 1.600 m über dem Alpenvorland, die sich tagsüber rasch auflöste. Dort wo sie sich auflöste, bildete sich massiv Oberflächenreif. Am 11.2. regnete es kurz bis etwa 1.500 m darüber fiel mit Wind nasser Schnee (warm auf kalt). Es folgte ohne Windeinfluss am 12.2. bis zu 40 cm kalter Pulver. Es lag also gebundener Schnee, der als solcher ohne graben nicht zu erkennen war, auf einer unregelmäßigen Altschneedecke. Gerade in einem Höhenband um die 1.600 m hatten wir dann eine Kombination aus überschneiten Reif und dem  Gefahrenmuster warm auf kalt.

Diese Kombination erklärt die Häufung der Vorfälle in diesem Höhenbereich.  Bei beiden Vorfälle im Hochgebirge (Prinz-Luitpold-Haus und Steinschartenkopf) passen nicht ganz in dieses Muster und sind ursächlich und vereinfacht ausgedrückt eher mit „zu früh nach dem letzten Schneefall in zu steilem, selten befahrenen Gelände“ zu begründen.

Rückmeldungen kamen:

Sonnenkopf, Wertacher Hörnle, Riedberger Horn, Tennenmooskopf, Hochgrat, Seelenkopf, Dreifahnenkopf, Spieser, sowie hochalpin von Prinz-Luitpold-Haus und von Steinschartenkopf

Fotos

Schneebrett Hochgrat 13.2.2018
13.2.2018 an Hochgrat, 1550 m West. Foto: D. Fleischhauer
Schneebrett hochgrat 2
Gleiche Stelle: Detailfoto (D. Fleischhauer)
Schneebrett Wertacher 2
13.2. 2018 Lawine am Wertacher Hörnle während des Abgangs. 1600 m Nord. Foto M. Waldvogel
Schneebrett Wertacher 1
13.2.2018: Schneebrett westlich des Normalaufstiegs von Süden in einer kleinen steilen Mulde , Expo SO, ca 40-50 cm Anrißhöhe, vermutlich Selbstauslösung. ca. 1500 m. Foto: M. Waldvogel
Schneebrett 2 Spieser
14.2.2018 am Spieser. 1600 m Süd. Foto: Gerwald  Betonstahler-Brockenschraub
Anrisskante Riedberger Horn
13.2.2018. Riedberger Horn. 1650 m Nord. Foto: P. Ehlers
Schneebrett sonnenkopf1
13.2.2018 Sonnenkopf, 1600 m Südost: Foto: S. Schmid
Toreck 13.2.2018
13.2.2018 Tagesanbruch am Toreck(Sonnberg) Man konnte Wumm-Geräusche“ vernehmen.
Derrarinne Milchwanne
14.2.2018. Derrarinne=Milchwanne. Auch bei kritischer Nachbetrachtung ok.
Unspitze 14.2.2018
14.2.2018 Tiefblick von der Güntlespitze
Abfahrt Toreck 13.2.2018
13.2.2018 Mahdtal

Gedanken

Ich danke für die zahlreichen Rückmeldungen. Keines der Lawinenfotos stammt von mir. Selbst war ich am 13.2.2018 am Toreck(Sonnberg). Im Gipfelbereich haben wir dort „Wumm-Geräusche“ vernommen.

Am Mittwoch, 14.2. 2018 war es mir persönlich zu heiß, mit auf eine „pre-work-Tour“ auf den Bärenkopf zu gehen, stattdessen habe ich zusammen mit einem Walser die Derrarinne (Milchwanne) befahren. Dort hinten lag deutlich weniger Neuschnee. In der Rinne war der Untergrund durch vorangegangene Lawinentätigkeit und Befahrungen umgegraben und die Güntle ist eh ständig befahren. Zufall? Glück, Bauchgefühl? Intuition? Ich weiß es selbst nicht. Ich habe in den besagten zwei Tagen keine Lawine gesehen. Erst als ich am Donnerstag früh am Wannenkopf danach gesucht habe, fand ich tatsächlich kritische Schichten und konnte die in den zahlreichen Rückmeldungen beschriebene Situation bestätigen.

Es waren wohl einige Schutzengel über dem Allgäu unterwegs, so dass trotz dieser Häufung von Vorfällen nichts ernstes passiert ist.

Wollt ihr den totalen Berg!

Was im Allgäu im Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz schief läuft.

Wollt ihr den totalen Berg? Dieses Plakat, dass an einer Bushaltestelle bei Fischen angebracht war, musste ich einfach fotographisch festhalten. Als ich am nächsten Tag meine Kamera  dabei hatte, war es schon nicht mehr da. Aber nach einigen Recherchen habe ich doch noch ein Bild davon bekommen. Schon der Stil der 40er Jahre hat das Potential Empörung auf Knopfdruck auszulösen und Aufmerksamkeit zu erregen.

Anderseits habe ich bewusst  mit diesem Artikel gewartet, bis sich der Sturm der Entrüstung über die Änderung des Alpenplans, die Grundlage dafür ist, dass die Skischaukel am Riedberger Horn genehmigt werden kann, gelegt hat.

Bisher wurden nur die rechtlichen Grundlagen geschaffen, dass die Skischaukel genehmigt werden kann. Nicht mehr. Gleichzeitig lässt man am Grünten ein etabliertes Skigebiet in die Pleite rutschen, dass ohne ökologisch sensible Gebiete zu beeinträchtigen, ohne langwierige Prozesse leicht zu modernisieren gewesen wäre. Wollt ihr den totalen Berg! weiterlesen

Achtung Blankeis! Statusreport Skitouren Nr. 3

Bei meinem letzten Statusreport sprach ich die Vermutung aus, dass das Lechtal seinen Rückstand in Punkto Schneehöhe im Vergleich zum Allgäu bei der angekündigten Wetterlage aufholen würde. Das ist nun eingetroffen. Besonders im Vergleich zu den Allgäuer Vorbergen.  Im Schutz der Allgäuer Alpen konnte das für die Schneedecke so vernichtende Zusammenspiel zwischen Regen und stürmischen, warmen Wind nur abgeschwächt wirken.

Das Hauptproblem ist derzeit die Vereisung. Wie es sich gezeigt hat, sind besonders höhere Berge (> ca. 1.800 m.) nah am Alpenrand betroffen. Achtung Blankeis! Statusreport Skitouren Nr. 3 weiterlesen

Statusreport Skitourenverhältnisse

S‘ Chrischtkindle isch kumma und hatte jede Menge Schnee im Gepäck und zudem noch reichlich Sonne. Ach ja, das Weihnachtstauwetter war auch noch da, zudem recht pünktlich. Allerdings nur als kleiner „Reminder“ so auf die Art: Ich bin auch noch da. Um die Schneedecke nennenswert zu schmelzen war das Tauwetter zu schwach und die Schneeecke zu mächtig. Immerhin hat das Tauwetter gereicht um den Pulver ziemlich flächig in Bruchharsch zu verwandeln. Wer gut geplant hat, konnte aber auch über die Feiertage immer wieder Pulver oder Firn genießen. Meine Betrachtungen sollen hier nicht  nur die ganz aktuellen Schneeverhältnisse beschreiben. Diese ändern sich zur Zeit eh schneller, als ein Blogbeitrag verfasst ist, sondern befassen sich auch mit längerlebigen Fakten rund ums Skibergsteigen im Allgäu, Lechtal und Kleinwalsertal. Statusreport Skitourenverhältnisse weiterlesen

Frühwinterfreuden

Heuer ist alles anders. Der kälteste November seit zehn Jahren liegt hinter uns. Zudem noch ein November mit überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen. Waren in den letzten Jahren milde Südwestströmungen, gefolgt von blockierenden Hochdrucklagen wetterbestimmend, so folgte heuer im Spätherbst/Frühwinter eine feuchtkalte Nordwestströmung auf die nächste. Schoss der Kaltlufteinbruch westlich an den Alpen vorbei ins Mittelmeer, so wurde dort die Tiefdrucktätigkeit angekurbelt, so dass auch Teile der Südalpen inzwischen tief verschneit sind. Kurze milde Wetterphasen sorgten für eine rasche Setzung des frischen Schnees, so dass nun im Allgäu und den angrenzenden Gebieten nicht nur Pulverschnee sondern ab mittlere Höhenlage auch eine gut gesetzte Unterlage vorhanden ist. Frühwinterfreuden weiterlesen

Statusreport Skitourenverhältnisse

Kaum sind die Berge im Spätherbst weiß überzuckert, scharrt die Gemeinschaft der Skitourengänger  mit den Hufen. Ähnlich dem letzten Jahr gibt es heuer Mitte November schon eine für Touren ausreichende Schneedecke in den Allgäuer Alpen und den angrenzenden Gebieten. Allerdings begann letztes Jahr ab dem 20.11.2016 eine extrem milde Phase, so dass bis Anfang Dezember die Berge unterhalb von 2000 m weitgehend wieder schneefrei waren.  Wohin also am Wochenende? Statusreport Skitourenverhältnisse weiterlesen

Gipfelbücher

September 2017. Innerhalb einer Woche habe ich drei einsame Gipfel in den Allgäuer Alpen bestiegen. Der Blick ins Gipfelbuch ist auf solchen Bergen immer recht interessant, da man die Personen hinter den meisten Einträgen kennt. Interessant auch, wer im Winter oben war und wie sich die Besucherzahlen entwickeln.

Leider habe ich drei mal  anstatt einer interessanten Lektüre einen nassen Papierklumpen in einer mehr oder weniger zerrissenen Plastiktüte gefunden. Schade.

Tupperboxen, Gurkengläser und Keksdosen eigenen sich nicht  als Depot für ein Gipfelbuch. Auf Dauer kann  nur eine doppelte, also Innen und Außenkassette, oder eine Kassette, denen Deckel die Gesamte Höhe der Box umschließt,  das Buch anständig schützen. Gipfelbücher weiterlesen

Fehlentwicklungen auf Alpenvereinshütten

Im Zeitraum von etwa 1870 bis zum Beginn des zweiten Weltkriegs wurden von Alpenverein (damals noch DuOeAV) zahlreiche Hütten in den Alpen errichtet, um ihren satzungsgemäßen Auftrag zu erfüllen. Dieser lautete sinngemäß „Bergfahrten in den Alpen zu fördern und erleichtern“ . Erst nach und nach brachten steigende Besucherzahlung die Notwendigkeit mit sich, eine Hütte zu bewirtschaften. Der Umfang der Bewirtung und der nötige Komfort stellten seit jeher ein Streitthema dar.

In den Nürnberger Leitsätzen von 1919 wurde beschlossen, dass die Ausübung, Ausbildung und Förderung des Bergsteigens die Kernaufgabe des Alpenvereins sei. Künftige Hütten sollten nur bergsteigerischen Interessen dienen, überflüssiger Komfort auf den Hütten wurde abgelehnt. Ruhe, Ursprünglichkeit und ungestörter Naturgenuss sollte in den Alpen bewahrt werden und die hochalpinen Regionen nur den Bergsteigern vorbehalten bleiben.

Von diesem Ideal sind die bewirteten Alpenvereinshütten weit entfernt. Völlig richtig ist es, dass man Komfort, Technik, Brandschutz, Entsorgung usw.  an den technischen Fortschritt anpasst. Über das, was ein überflüssiger!!! Komfort ist, kann man unterschiedlicher Meinung sein.  Das eine Hütte nur bergsteigerischen Interessen diesen soll, darf nicht in Frage gestellt werden. Die beschriebene Situation betrachtet in erster Linie die Alpenvereinshütten in den Allgäuer Alpen, allerdings mit bewußtem Blick über den Tellerrand hinaus. Fehlentwicklungen auf Alpenvereinshütten weiterlesen