Archiv der Kategorie: Freie Berge

Höllhörner – Ein Klettersteig im Nichts

Heimlich, still und leise ist am Nördlichen Höllhorn ein neuer Klettersteig entstanden. Wer ihn gebaut hat und warum konnte ich nicht heraus finden. Durch einen Artikel auf Hikr.org wurde ich auch diesen Steig aufmerksam.

Über Klettersteige kann man geteilter Meinung sein. Ich meide sie eher.  Nun aber, da es ihn nun einmal gibt, möchte ich darlegen, für welche Touren dieser „Klettersteig im Nichts“ eine Erleichterung darstellt und welche Möglichkeiten er eröffnet. Höllhörner – Ein Klettersteig im Nichts weiterlesen

Ruhiges Allgäu – Wirken die Antitourismusmaßnahmen?

Frühsommer 2022 im Allgäu und in den angrenzenden Regionen Österreichs. Es ist ruhig in den Bergen. Bei optimalen Bedingungen trifft man oft den ganzen Tag keinen oder nur wenige Menschen auf Tour, die Parkplätze sind nur mäßig gefüllt und in den Wirtschaften bekommt man problemlos einen Platz. Was ist los? Wirken die „Antitourismusmaßnahmen“? Haben die Bergsteiger vom Allgäu  und Außerfern die Schnauze voll? Beobachtungen zwischen Mai und Juli 2022. Ruhiges Allgäu – Wirken die Antitourismusmaßnahmen? weiterlesen

Wehe, wenn der Herbst kommt

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr gross.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

(Rainer Maria Rilke, 1875-1926, deutsch-österr. Dichter)

Ja wenn man den Medienberichten glauben schenken will, dürfte im Herbst einiges passieren. Alpin und in der großen weiten Welt.

Doch welche Winde werden auf den Fluren losgelassen? Wehe, wenn der Herbst kommt weiterlesen

99 Luftballons – Bergdrama und Realsatire im Walsertal

Jetzt hat es der unscheinbare Heuberggrat in die europaweiten Schlagzeilen gebracht. Wegen einer angeblich falschen Tourenbeschreibung und einem Bergdrama, dass eher als Lachnummer zu bezeichnen ist. In den Kommentarspalten tobt der Mob und so manch fremden und bergsteigerfeindlicher Kommentar dürfte vor allem die Touristiker in die Bredouille bringen. Ihre Klassenfahrt, die in einer der besten Realsatiren seit Langem endete, werden die 99 Schüler und ihre Lehrer wohl so rasch nicht vergessen. 99 Luftballons – Bergdrama und Realsatire im Walsertal weiterlesen

Schilderwahn – Ma sott amol wiedr schwende!

Ma sott amol wiedr schwende!

Man sollte mal wieder schwenden.

Das Allgäu wird landschaftlich zum großen Teil durch den Wechsel von offenen Weideflächen und Wald  geprägt. Diese freien Weideflächen machen den Reiz unserer Landschaft aus. Genau jene Weideflächen müssen von Zeit zu Zeit „geschwendet“ *1) werden, damit sie frei bleiben! Sonst wachsen sie zu. Anstatt freier Sicht und Blumenwiesen würde ein dichtes, einengendes Fichtengestrüpp das Landschaftsbild bestimmen.  Nicht schön anzuschauen und ökologisch fast tot. Doch nicht nur der Fichtenwald sollte hin und wieder zurechtgestutzt werden, wenn wir unser freies, offenes Landschaftsbild erhalten wollten. Auch im Schilderwald sollte man von Zeit zu Zeit mal Hand und Säge anlegen.
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Freies Zelten – Kommt das „Jedermannsrecht“?

Bei manchen Pressemeldungen traut man seinen Augen nicht. Ausgerechnet die Grünen fordern lt. dem „Merkur“ eine Art Jedermannsrecht  in ihrem Wahlprogramm. Diese skandinavische Rechtsform besagt im Groben, dass man überall, außerhalb von privaten Gärten und landwirtschaftlichen Nutzflächen zelten, feuermachen, biwakieren und vieles mehr darf. Waren es nicht grüne Lokalpolitiker aus dem Allgäu, die in den letzten Jahren immer wieder das Thema Wildcampen hochkochen ließen und höhere Strafen und mehr Kontrollen gefordert haben?

Auch die FDP hat fordert in ihrem Wahlprogramm ein Jedermannsrecht. Das verwundert weniger, haben doch die Jungen Liberalen aus dem Allgäu zu diesem Thema bereits in der Vergangenheit recht konstruktive Vorschläge eingebracht.

Ein völlig freies Jedermannsrecht nach schwedischem Vorbild ist im stark touristisch genutzten Alpenraum schwer vorstellbar. Ein reduziertes, an naturverträglichen Stellen, wäre hingegen erstrebenswert—> Freies Zelten – Kommt das „Jedermannsrecht“? weiterlesen

Reisefreiheitsermangelungstouren

Zu den Kernkompetenzen der Unionsparteien gehört es, der Bevölkerung etwas zu versprechen, um wenig später wortbrüchig zu werden. Auch zu den Themen Grenzsperren und zweiter Lockdown. So kommt es, dass wir im Frühjahr 2021 unsere alpinen Aktivitäten auf den näheren Umkreis des Wohnortes, aber zumindest meist auf das eigene Land beschränken müssen. Das mag auf die Dauer langweilig sein, inspiriert aber auch dazu, die Heimat auf ungewöhnlichen Wegen neu zu entdecken.

Wenn man kreativ ist finden sich schon Möglichkeiten, ohne seinen inzwischen zur Modetour mutierten Ex-Geheimtipp zum zwanzigsten Mal aufzusuchen. Nachstehend ein paar Erlebnisse, Tipps und Beobachtungen.

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Vor einem Jahr – Der letzte Tourenabend – die letzte Lechtalskitour

Vor einem Jahr saßen wir zum letzten mal in gemütlicher Runde bei einem Tourenabend auf der Grüntenhütte. Drei Tage später konnten wir zur letzten, gemeinsamen Lechtalskitour aufbrechen. Die Stimmung war bereits etwas bedrückend. Dort die deutsche Bundesregierung beruhigte. Man solle keinen Gerüchten glauben schenken, dass eine Einschränkung des öffentlichen Lebens bevorstehen würde, log der Gesundheitsminister Spahn die Bevölkerung an. Wenige Tage später folgte der erste Lockdown, Grundrechte wurden außer Kraft gesetzt, die Gesellschaft gespalten und die Grenzen geschlossen. Wie hat sich der Alpinismus seit dem verändert? Was ist eingetreten und was nicht? Vor einem Jahr – Der letzte Tourenabend – die letzte Lechtalskitour weiterlesen

Anti- Tourismusmaßnahmen – Schaden wir Allgäuer uns selbst am Meisten?

Es war absehbar und doch hat die Tourismuslawine Ende Mai 2020 die Gemeinden im südlichen Allgäu unvorbereitet erwischt. Nachdem die coronabedingten Beschränkungen zum  Teil gelockert wurden, Bergtouren wieder zu den empfohlenen Beschäftigungen gehörten und die Grenzen zu den Nachbarländern noch geschlossen waren, erlebte das südliche Allgäu einen Touristenansturm, wie es ihn noch nie zuvor*1) gegeben hat.

Die Gemeinden haben auf die Situation vielfach hilflos, mit eher dümmlichen Kurzschlussaktionen reagiert, anstatt, wie bei Großveranstaltungen angemessen auf einen kurzfristigen Besucheransturm zu reagieren. Letztlich werden wir Allgäuer uns mit diesen Anti-Tourismus-Maßnahmen in erster Linie selber schaden. In zweifacher Hinsicht. Anti- Tourismusmaßnahmen – Schaden wir Allgäuer uns selbst am Meisten? weiterlesen

Das Virus, der Bergsteiger und der Blockwart

Es kam schleichend, lautlos und hat es innerhalb von vier Wochen das Europa, so wie wir es kennen hinweggefegt. Zuerst weit weg, dann plötzlich da. In Stein gehauen geglaubte Grundrechte, Reisefreiheit, Arbeitsplätze – weg. Dafür ist er wieder da. Der 1945 begrabene Blockwart. Freiwillig, im Dienst der plötzlich diktatorisch gewordenen Staatsmacht meldet er kleinste Verstöße gegen die Ausgangsbeschränkungen. Statt einem europäischem Miteinander gilt nur wieder nationale Abgrenzung. In sozialen Medien stehen sich die „ich geh raus Fraktion“ und die „stay at home Fraktion“ zunehmend unversöhnlich gegenüber. Die Gesellschaft ist gespalten. Trotzdem gelingen noch kleine Fluchten in die Berge, weit weg von einem sorgenvollen Alltag. Das Virus, der Bergsteiger und der Blockwart weiterlesen