Archiv der Kategorie: Freie Berge

Das Zerrbild vom rücksichtslosen Freerider und Tourengeher

Lügenpresse ist ein Begriff, der im Normalfall vom rechtsorientierten Pegida-Ossi verwendet wird. Man darf, soll und muss diesen Begriff aber auch verwenden, wenn die Mainstreampresse subtil ein Zerrbild vom verantwortungslosen, rücksichtslosen Tourengeher und Freerider zeichnet, dass so nicht der Realität entspricht. Das Zerrbild vom rücksichtslosen Freerider und Tourengeher weiterlesen

Schnippenkopf- Lawine und Besucherlenkung

Eine Lawine, ein Altschneeproblem und eine missglückte Besucherlenkung.

Gleich vorab: Die schlechte Bildqualität ist den Sichtverhältnissen, genauer gesagt Nebel, Schneefall und dem  bedeckten Himmel geschuldet. Am 15.1.2017 haben wir eine Skitour von Reichenbach auf den Schnippenkopf unternommen. Tiefer Powder von oben bis unten. An diesem Tag eine super schöne, an die Verhältnisse angepasste Tour, die überwiegend zwischen den Bäumen verläuft. Es überwiegt der positive Eindruck. Dennoch gab es einige weniger positive Beobachtungen, die es Wert sind, weiter gegeben zu werden. Schnippenkopf- Lawine und Besucherlenkung weiterlesen

Bergsteiger zwischen Naturschutz und Kommerz am Beispiel Riedberger Horn

Es soll nicht Thema dieses Artikels sein, die schon vielfach vorgetragen Argumente für und gegen die Skigebietsverbindung Balderschwang-Grasgehren vorzutragen. Vielmehr möchte ich am Beispiel Riedberger Horn  aufzeigen, wie das eigenständige, individuelle Bergsteigen zwischen Kommerz und Naturschutz zerrieben wird. Die eine Seite erschließt den Berg, die andere fordert dafür Ausgleichsflächen.  Genau diese Forderung nach Ausgleichsflächen säht Zwietracht zwischen der Bergsteigerseite und den Einheimischen rund um Balderschwang, weil sie dazu zwingt, dagegen zu sein. Bergsteiger zwischen Naturschutz und Kommerz am Beispiel Riedberger Horn weiterlesen

Helft dem Schrecksee

Helft dem Schrecksee ist ein Aufruf den die Gemeinde Bad Hindelang  derzeit über soziale Netzwerke verbreitet. Einem Aufruf, dem ich mich anschließen möchte. Zwar setzte ich mich immer wieder für einen freien, eigenverantwortlichen Alpinismus ein, der das naturverträgliche biwakieren mit und ohne Zelt einschließt, doch hier ist leider etwas gewaltig auf dem Ruder gelaufen. Wegen einiger Vollidioten, die anstatt dezent zu biwakieren ein Zeltlager aufgeschlagen haben, mangels natürlichem Holzvorkommen die Zaunpfähle der Alphirten für´s Lagerfeuer verwendet sowie  Müll und Fäkalien  zurückgelassen  haben, hat die Belastung für die Natur am Schrecksee die Grenze des Verträglichen überschritten, den Unmut der Alphirten und den Aktionismus der Bürokraten auf dem Landratsamt ausgelöst.  Doch es sind nicht nur die Zelte, es ist die Summe der Belastungen vom Trittschaden durch Menschen, Kühe, Umweltbelastung durch Sonnenöl, Seifen, Shampoo´s, Fäkalien  die vor allem der Vegetation im Uferbereich und der Wasserqualität schaden. Helft dem Schrecksee weiterlesen

Zelten in den Allgäuer Alpen – Teil 2

Das Thema „Zelten in den Allgäuer Alpen“ geht in die nächste Runde. Am 20.8.2016 erschien in der Allgäuer Zeitung ein Artikel zu diesem Thema. Besonders in Verbindung mit einem wohl zufällig daneben stehenden Artikel „Engagiert für den Bergwald“ tauchen einige Fragen und Widersprüche auf. Ob das Zelten und Biwakieren erlaubt oder verboten ist, lässt sich nicht mit einem schlichten JA oder NEIN beantworten. Deshalb habe ich im letzten Sommer dazu einen Bericht verfasst, der darüber Auskunft gibt. Das nun, lt. der Allgäuer Zeitung mehrere Bußgeldbescheide zwischen 100 und 500 Euro verhängt wurden zeigt, dass Aufklärung Not tut. Eigentlich wäre das ja Aufgabe des Alpenvereins hier aufzuklären und Lobbyarbeit für die Bergsteiger zu machen, aber der schweigt sich zu diesem Thema lieber aus. Zelten in den Allgäuer Alpen – Teil 2 weiterlesen

Still und starr ruht der See

Ruhig und einsam liegt derzeit der Schrecksee unter einem dicken Eispanzer. Keine Wildcampierer, die man mittels Polizeihubschrauber vertreiben muss. Unsere Polizei , die gemäß zahlreicher Pressemeldungen wegen der Flüchtlingskrise personell an der Belastungsgrenze angekommen ist, kann sich also wieder um ihre Aufgaben kümmern. Zum Beispiel Radarkontrollen. Damit sind sie derzeit ziemlich fleißig, wenn man die Berichte in Allgäu-Blitzer verfolgt.

Auf dem im Hintergrund des Titelbildes verlaufenden Grenzkamm zu Österreich wurde noch kein Grenzzaun errichtet, auch wenn das von der AfD, der FPÖ und Teilen der CSU immer wieder gefordert wird. Still und starr ruht der See weiterlesen

Neuer Gipfel in den Allgäuer Alpen sucht einen Namen

367 Gipfel  über 1000 m zählt die Liste der Gipfel der Allgäuer Alpen in der Wikipedia.(Okt. 2015) Laut UIAA handelt es sich um einen Gipfel, wenn die Schartenhöhe, also die Prominenz mehr als 30 Meter beträgt.

In den Alpen gilt nach einer von der UIAA getroffenen Festlegung eine Erhebung als Gipfel, wenn ihre Schartenhöhe mindestens 30 Meter beträgt.Um bei einem Gipfel auch von einem eigenständigen Berg zu sprechen, werden für die Alpen ein Mindestmaß von ca. 100[ bis 300 Metern Schartenhöhe genannt. Im Himalaya sind sogar 500 Meter als Wert zu finden

Manche markanten  Berge wie der Giebel oder der Breitenberg fehlen, da ihnen mangels Schartenüberhöhung die Gipfeleigenschaft fehlt. Ein nach seiner Schartenüberhöhung gemessener sehr eigenständiger Gipfel fehlt ebenfalls, obwohl er an Prominenz so manchen bekannten Gipfel der Allgäuer Alpen übertrifft. Wohl nur deshalb, weil er keinen Namen trägt. Die Rede ist von dem markanten Felskopf im Ostgrat des Hochvogels.

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Matterhorn – Ein Permit durch die Hintertür

In vielen Ländern mit der Rechtstradition des Common Law   ist das private Grundeigentum stark geschützt und der Zugang zur Natur reglementiert. Häufig ist für eine Bergbesteigung ein Permit notwendig, wie man das aus Nordamerika oder dem Himalaya kennt. Im Bereich der römisch-deutschen oder gar der Nordischen Rechtsordnungen haben die mit dem Grundeigentum verbundenen sozialen Verpflichtungen einen höheren Stellenwert. Das heißt, dass  die Natur traditionell frei zugänglich ist. Das System aus Permit und Genehmigungen ist unüblich.
Da der Deutsche, Schweizer, Österreicher gerne regelt, gibt es besonders in touristischen Hochburgen immer öfters Bestrebungen den freien Zugang zur Natur zu beschränken bzw. von der Zahlung eines Geldbetrages abhängig zu machen. Meist stehen diesen Bestrebungen die Rechtstraditionen des Heimatlandes im Wege. In Zermatt hat man es aber geschafft ein Permit  für das Matterhorn durch die Hintertüre einzuführen.

150,– Franken !!! muss der Bergsteiger für eine Übernachtung in der Hörnlihütte bezahlen, die der Burgermeinde Zermatt gehört.  Einfach zu biwakieren, wenn man diesen Wucherpreis nicht bezahlen möchte oder wenn die Hütte ausgebucht ist, geht nicht. Der Bergsteiger ist faktisch gezwungen eine überteuerte Hüttenübernachtung zu buchen. Ein Permit und eine Zugangsbeschränkung durch die Hintertüre. Sogar die Polizei macht Jagd auf Wildcamper.
Natürlich wird dieser Wucher dem Zeitgeist entsprechend mit den Begriffen Naturschutz und Nachhaltigkeit umschrieben. Werfen wir ein Blick auf die Webseite der Hörnlihütte

Auszüge daraus:

Das neue Energie-Versorgungs-System wird einen nachhaltigen, effizienten und reibungslosen Betrieb der Hütte gewährleisten.#

Preis: CHF 150.- pro Person inkl. HP = Nachtessen (ohne Getränke) um 18:30 Uhr, Frühstück#

Die Hörnlihütte hat neu 130 Plätze und ist jeweils von Juli bis September geöffnet.#

Camping verboten#

  •  Total 34 Zimmer
    •    4 Zimmer mit 8 Betten
    •   10 Zimmer mit 6 Betten
    •    6 Zimmer mit 4 Betten
    •    3 Zimmer mit 3 Betten
  • Nasszellen / WC’s und Dusche auf der Etage
  •  Zusätzlich     2 Suiten mit eigener Dusche/ Nasszelle/ WC
  • Aufenthaltsraum für 130 Personen
  •  WiFi auf der Terrasse und im Aufenthaltsraum#

Der Wirt der Hörnlihütte in „Blick.ch. Vollständiger Artikel siehe dort

.Im Gegensatz zu mir sind die Polizisten berechtigt, Wildcamper wegzuschicken und wenn nötig auch zu büssen.» Die Beamten stehen vom Tag der Eröffnung des Base Camps an im Einsatz und schauen für Recht und Ordnung. Das sei dringend nötig, sagt Lauber. «Wildcampen ist im sensiblen hochalpinen Gebiet besonders schädlich

Sich in diesem Fall auf ein „sensibles hochalpines Gebiet“ zu berufen, ist an Dummheit und Ignoranz kaum zu überbieten. Kaum ein Alpental ist so verbaut und verdrahtet wie Zermatt. Hinzu kommt der ständige Lärm von  Helirundflüge. Diese Auswüchse sind scheinbar nicht besonders schädlich.

Wie auf´s Matterhorn?
Da es nur wenige Bergsteiger dazu in der Lage sind, das Matterhorn von Zermatt oder vom Schwarzsee aus als Tagestour zu besteigen, bleibt am Hörnligrat nichts anderes übrig, als langfristig zu reservieren und diesen Wucherpreis für einen Luxus, den man dort oben gar nicht braucht zu bezahlen.

Der Zmuttgrat ist  wesentlich anspruchsvoller und weist selten gute Verhältnisse auf.  Durchaus sinnvoll erscheint es, den Gipfel von Italien aus zu versuchen. Engpässe auf der Hütte sind dort zwar bei guten Verhältnissen zu erwarten, jedoch spricht nichts gegen ein Biwak unterhalb der Südwand. Nach Breuil mag zwar für viele die Anfahrt ein bisschen länger sein, jedoch besteht von dieser Seite aus nach wie vor die Möglichkeit, bei passenden Verhältnissen spontan aufzubrechen und notfalls auch zu biwakieren, wenn die Hütten belegt sind. Als angenehme Begleiterscheinung kann man nach der Tour in Italien Rotwein und Pizza zu einem Preis genießen, für den des in Zermatt nicht mal eine Vorspeise gibt.

Allgemeines Statment

Allgemeines Statement
Grundsätzlich sollte man eine vorhandene Hütte auch benutzen, vorausgesetzt ein Platz ist vorhanden und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Wer auf 3200 m Luxus konsumiert, soll dafür auch einen entsprechenden Preis entrichten. Nicht in Ordnung ist es, den Bergsteiger zu diesem Konsum zu zwingen, wenn er über den Hörnligrat aufs Matterhorn will. Bei einer vollen Hütte oder 150,– CHF über eine Hüttenübernachtung ist Biwakieren ein legitimes Ausweichverhalten.

Will man in einem Alpental ohne Industrie der Bevölkerung Arbeit und Brot bieten, so ist eine gewisse touristische Erschließung nötig. Dazu gehören auch Skigebiete, deren Verfügbarkeit in der Saison auch mit künstlicher Beschneiung sichergestellt wird. Das ist eine gewisse Notwendigkeit, will man Abwanderung oder Fernpendeln verhindern. Der Grad der Erschließung beginnend von unschönen Hotelbauten bis hin zu lärmenden Helirundflügen überschreitet in Zermatt das Maß des verträglichen. Sich dann angesichts ein paar Zelte am Fuß des Matterhorns auf Naturschutz und Nachhaltigkeit zu berufen ist an Dummheit und Heuchlerei kaum zu überbieten.

Um eine spontane Besteigung zu ermöglichen, sollte ein Biwakbereich mit Toiletten gegen eine geringe Gebühr zur Verfügung stehen.

Ich stand bisher zwei mal auf dem Matterhorn. Falls es ein Drittes mal gibt, dann von Italien aus. Ich entscheide gerne spontan, den Verhältnissen angepasst, an welchem Tag ich einen Gipfel besteige und wann ich am Morgen aufbreche.