Archiv der Kategorie: Lawinen

Winter 2017/-18 Rückblick auf einen Winter der Extreme

 

Einen Winterrückblick für das Allgäu zu schreiben, bevor der Kratzer mit dem zeigen seiner Rippen das Ende des Tourenwinters signalisiert macht wenig Sinn. Doch nun ist es es weit. Der zurückliegende Winter war ein extremer Winter. Der kälteste November seit über zehn Jahren. Reichlich viel Neuschnee und Kälte im Dezember, ein milder Januar,, eisige Kälte im Februar, ein eher durchschnittlicher März und schließlich zum Ende hin ein gerade zu hochsommerlicher April, der die bis dahin so mächtige Schneedecke rascher dahinschmelzen ließ, als man das für möglich gehalten hätte. Das Besondere am vergangen Winter: Nicht nur in einer Region, sondern nahezu in den gesamten Alpen und am Balkan zeigte sich Frau Holle außerordentlich großzügig. Winter 2017/-18 Rückblick auf einen Winter der Extreme weiterlesen

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Firn, Föhn und Saharastaub – Skifrühling 2018

Seit nunmehr 14 Tagen bestimmt mehr oder weniger eine Südströmung das Wettergeschen in den Alpen. Das bedeutet mildes, oftmals sonniges Wetter nördlich des Alpenhauptkamms, mehr oder weniger dichte Staubewölkung im Süden davon und letzte Powderschwünge am Hauptkamm. Nicht immer muss eine Südströmung zu diesem stereotypischen Muster- Föhn im Norden und Regen am Süden –  führen.  Fehlt die Feuchtigkeit, so kann auch bei Südströmung am Gardasee die Sonne scheinen. Großräumige Südströmungen bringen nicht selten eine Ladung Saharastaub über die Alpen. Das bedeutet oft ein trüber Himmel, wenig Fernsicht, aber auch spektakuläre Farben zum Sonnenauf- und untergang. Normalerweise würde bei solch einer Wetterlage der Schnee förmlich unter den Skiern wegschmelzen. Nicht so 2018, wo Frau Holle nahezu in den gesamten Alpen eine großzügige Basis hinterlassen hat. Nachfolgend ein paar Eindrücke aus dem Skifrühling 2018 aus dem Allgäu, dem Außerfern und dem Kleinwalsertal mit einem Blick über den heimischen Tellerrand hinaus. Firn, Föhn und Saharastaub – Skifrühling 2018 weiterlesen

Nigg Effekt – Ein heimtückisches Problem

Der so genannte Nigg Effekt ist ein heimtückisches Problem in der Lawinenkunde, dass  mit den probabilistischen Methoden zur Einschätzung der Lawinengefahr (Snowcard, Munter, Stop-or Go“) kaum einzuschätzen ist. Mit einer analytischen Herangehensweise würde die  Beurteilung besser funktionieren,  vorausgesetzt wir wissen genau, wie es in der letzten Zeit um den zu beurteilenden Hang ausgesehen hat. Was aber nur selten der Fall ein dürfte. Nigg Effekt – Ein heimtückisches Problem weiterlesen

Allgäuer Lawinentage 13.+14.2.2018

In den letzten Tagen erreichten mich im Rahmen meiner Beobachtertätigkeit für den LWD Bayern acht Rückmeldungen von Lawinen mit Personenbeteiligung im Allgäu. Bis auf eine Ausnahme lagen alle in den Vorbergen, in einer Höhenlage von 1600 m +/- 100 m. Weiter hinten im Raum Oberstdorf, Walsertal blieb es ruhig, obwohl hier besonders am Mittwoch relativ steil gefahren wurde. Dann kamen noch Meldungen vom Prinz-Luitpold-Haus und vom Steinschartenkopf. Also echtes Hochgebirge.

Vorgeschichte

Am 4.1.2018 regnete es im Allgäu bis in eine Höhe von 2.300 m Die schon überdurchschnittlich mächtige Schneedecke sackte zusammen, aber hielt dem Tauwetter stand. Ein weiterer Schwall warmer Luft mit Tauwetter bis über 2000 m erreichte das Allgäu nach dem 20.1.2018. Danach stelle sich niederschlagsarmes und wieder kälteres Wetter ein. Die nach dem Regen vereiste Schneebasis war nun von wenigen cm lockerem Pulverschnee und Reif bedeckt.  Auf diese Schneedecke folgten am 12.2.2018 bis zu 40 cm kalter Neuschnee.

Lagebericht vom Dienstag, 13.2.2018

Gefahrenstellen liegen oberhalb von 1400m im kammnahen Steilgelände der Hangrichtungen Nord über Ost bis Süd sowie in frisch eingewehten Rinnen und Mulden. In diesen Bereichen insbesondere bei geringer Zusatzbelastung, z.B. durch einen einzelnen Skifahrer die Auslösung von Schneebrettlawinen möglich.

Link: Lagebericht 13.2.

Situation am 13.2.2018

Am meisten Schnee, bis zu 40 cm fiel in den Vorbergen. Also am Grünten, Nagelfluhkette und Hörnergruppe. Weiter drin in den Bergen, also ganz hinten im Kleinwalsertal, Oberstdorfer Täler und im Lechtal kam weniger Neuschnee zusammen.

Am 9.2.2018 lag eine Hochnebelschicht mit Obergrenze um die 1.600 m über dem Alpenvorland, die sich tagsüber rasch auflöste. Dort wo sie sich auflöste, bildete sich massiv Oberflächenreif. Am 11.2. regnete es kurz bis etwa 1.500 m darüber fiel mit Wind nasser Schnee (warm auf kalt). Es folgte ohne Windeinfluss am 12.2. bis zu 40 cm kalter Pulver. Es lag also gebundener Schnee, der als solcher ohne graben nicht zu erkennen war, auf einer unregelmäßigen Altschneedecke. Gerade in einem Höhenband um die 1.600 m hatten wir dann eine Kombination aus überschneiten Reif und dem  Gefahrenmuster warm auf kalt.

Diese Kombination erklärt die Häufung der Vorfälle in diesem Höhenbereich.  Bei beiden Vorfälle im Hochgebirge (Prinz-Luitpold-Haus und Steinschartenkopf) passen nicht ganz in dieses Muster und sind ursächlich und vereinfacht ausgedrückt eher mit „zu früh nach dem letzten Schneefall in zu steilem, selten befahrenen Gelände“ zu begründen.

Rückmeldungen kamen:

Sonnenkopf, Wertacher Hörnle, Riedberger Horn, Tennenmooskopf, Hochgrat, Seelenkopf, Dreifahnenkopf, Spieser, sowie hochalpin von Prinz-Luitpold-Haus und von Steinschartenkopf

Fotos

Schneebrett Hochgrat 13.2.2018
13.2.2018 an Hochgrat, 1550 m West. Foto: D. Fleischhauer
Schneebrett hochgrat 2
Gleiche Stelle: Detailfoto (D. Fleischhauer)
Schneebrett Wertacher 2
13.2. 2018 Lawine am Wertacher Hörnle während des Abgangs. 1600 m Nord. Foto M. Waldvogel
Schneebrett Wertacher 1
13.2.2018: Schneebrett westlich des Normalaufstiegs von Süden in einer kleinen steilen Mulde , Expo SO, ca 40-50 cm Anrißhöhe, vermutlich Selbstauslösung. ca. 1500 m. Foto: M. Waldvogel
Schneebrett 2 Spieser
14.2.2018 am Spieser. 1600 m Süd. Foto: Gerwald  Betonstahler-Brockenschraub
Anrisskante Riedberger Horn
13.2.2018. Riedberger Horn. 1650 m Nord. Foto: P. Ehlers
Schneebrett sonnenkopf1
13.2.2018 Sonnenkopf, 1600 m Südost: Foto: S. Schmid
Toreck 13.2.2018
13.2.2018 Tagesanbruch am Toreck(Sonnberg) Man konnte Wumm-Geräusche“ vernehmen.
Derrarinne Milchwanne
14.2.2018. Derrarinne=Milchwanne. Auch bei kritischer Nachbetrachtung ok.
Unspitze 14.2.2018
14.2.2018 Tiefblick von der Güntlespitze
Abfahrt Toreck 13.2.2018
13.2.2018 Mahdtal

Gedanken

Ich danke für die zahlreichen Rückmeldungen. Keines der Lawinenfotos stammt von mir. Selbst war ich am 13.2.2018 am Toreck(Sonnberg). Im Gipfelbereich haben wir dort „Wumm-Geräusche“ vernommen.

Am Mittwoch, 14.2. 2018 war es mir persönlich zu heiß, mit auf eine „pre-work-Tour“ auf den Bärenkopf zu gehen, stattdessen habe ich zusammen mit einem Walser die Derrarinne (Milchwanne) befahren. Dort hinten lag deutlich weniger Neuschnee. In der Rinne war der Untergrund durch vorangegangene Lawinentätigkeit und Befahrungen umgegraben und die Güntle ist eh ständig befahren. Zufall? Glück, Bauchgefühl? Intuition? Ich weiß es selbst nicht. Ich habe in den besagten zwei Tagen keine Lawine gesehen. Erst als ich am Donnerstag früh am Wannenkopf danach gesucht habe, fand ich tatsächlich kritische Schichten und konnte die in den zahlreichen Rückmeldungen beschriebene Situation bestätigen.

Es waren wohl einige Schutzengel über dem Allgäu unterwegs, so dass trotz dieser Häufung von Vorfällen nichts ernstes passiert ist.

Frühwinterfreuden

Heuer ist alles anders. Der kälteste November seit zehn Jahren liegt hinter uns. Zudem noch ein November mit überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen. Waren in den letzten Jahren milde Südwestströmungen, gefolgt von blockierenden Hochdrucklagen wetterbestimmend, so folgte heuer im Spätherbst/Frühwinter eine feuchtkalte Nordwestströmung auf die nächste. Schoss der Kaltlufteinbruch westlich an den Alpen vorbei ins Mittelmeer, so wurde dort die Tiefdrucktätigkeit angekurbelt, so dass auch Teile der Südalpen inzwischen tief verschneit sind. Kurze milde Wetterphasen sorgten für eine rasche Setzung des frischen Schnees, so dass nun im Allgäu und den angrenzenden Gebieten nicht nur Pulverschnee sondern ab mittlere Höhenlage auch eine gut gesetzte Unterlage vorhanden ist. Frühwinterfreuden weiterlesen

Kleinräumige Gefahrenstellen

Bekannter Weise erfassen die meisten Leser des Lawinenlageberichtes nur die Gefahrenstufe. Die wichtigsten  Informationen im Text werden häufig ausgeblendet und überlesen. Was aber, wenn bei im Groben sicheren Verhältnissen, sich kleine lokale Gefahrenstellen erhalten haben? Die Gefahrenstufe betrachtet eine ganze Region z.B. Allgäu, Außerfern, Oberengadin). Weil  es nur wenige Gefahrenstellen gibt, wird dann meist Stufe 2 oder gar 1 vergeben. Da kann man doch alles fahren??! Wirklich??? Kleinräumige Gefahrenstellen weiterlesen

Schnippenkopf- Lawine und Besucherlenkung

Eine Lawine, ein Altschneeproblem und eine missglückte Besucherlenkung.

Gleich vorab: Die schlechte Bildqualität ist den Sichtverhältnissen, genauer gesagt Nebel, Schneefall und dem  bedeckten Himmel geschuldet. Am 15.1.2017 haben wir eine Skitour von Reichenbach auf den Schnippenkopf unternommen. Tiefer Powder von oben bis unten. An diesem Tag eine super schöne, an die Verhältnisse angepasste Tour, die überwiegend zwischen den Bäumen verläuft. Es überwiegt der positive Eindruck. Dennoch gab es einige weniger positive Beobachtungen, die es Wert sind, weiter gegeben zu werden. Schnippenkopf- Lawine und Besucherlenkung weiterlesen

Iran Teil 4: ZOS- Zentralorientalisches Schwimmschneefundament

Die Muster sind sich überall auf der Welt ähnlich. Je weiter ein Gebirge in der Hauptzugrichtung der Wetterfronten vom nächsten Meer entfernt ist, je trocknener das Klima, desto häufiger ist man mit einem Altschneeproblem konfrontiert. Das ist in den Alpen so, in den Rocky Mountains, in Zentralasien und auch im Iran. In Gebieten, in denen kein Lawinenlagebricht zur Verfügung steht, hilft nur der Blick in die Schneedecke und das Verständnis der Prozesse darin. Doch selbst langjährige Erfahrung schützt nicht zwangsläufig davor sich am Ende der Reise, bei der es keine kritischen Situationen gab, durch Gruppendynamik und Finaldenken in genau so eine kritische Situation zu begeben. Iran Teil 4: ZOS- Zentralorientalisches Schwimmschneefundament weiterlesen

Messstationen

Die Messstationen der Lawinenwarndienste geben dem interessierten Nutzer wertvolle Hinweise zur aktuellen Situation. Als Ergänzung zum aktuellen Lagebericht oder aber um sich auf Basis des letzten verfügbaren Berichtes selbst einen aktuellen Lagebericht zu erstellen. Die Darstellung der veröffentlichten Daten ist von Land zu Land unterschiedlich, was die Lesbarkeit für den Anwender erschwert. Taupunkt, Wind, Strahlung, Oberflächentemperatur, Schneehöhe usw. Welche Daten können wir nutzen? Wäre eine einheitliche Darstellung sinnvoll? Messstationen weiterlesen