Winterraum 2.0

Die Gesellschaft, die menschlichen Werte und vieles ändert sich im Laufe der Zeit. So auch die alpine Ausrüstung, die Bergsteiger, deren Unterkünfte und damit auch die Winterräume. Vielfach hat der technische Fortschritt das Leben besser und leichter gemacht. Doch nicht alles, was neu ist, ist auch gut. Winterraum 2.0 ist in der real existierenden Form eher ein Rückschritt und eigentlich ein rechter Schmarren.

Winterräume sind für manche Alpenvereinssektionen ein ungeliebtes Relikt aus der Frühzeit des Alpinismus, als Hütten noch dem satzungsmäßen Zweck dienten, die Bereisung und Erforschung des Alpenraums zu erleichtern.  Erst  viel später wurden die Hütten zweitweise bewirtschaftet und während der unbewirtschafteten Zeit, bis auf einen, meist kleinen Raum, den Winterraum versperrt.  Gerade aber zu dieser Zeit der Kälte und der kurzen Tage ist ein zugänglicher, möglichst heizbarer Raum nötig, um die satzungsgemäße Funktion als Schutzhütte zu erfüllen. Die Ausstattung der Winterräume  der Alpenvereinshütten könnte unterschiedlicher nicht sein.  Manche sind liebevoll und zweckmäßig eingerichtet, andere befinden sich in irgend einem feuchten Loch.

Das knisternde Feuer, dass nach und nach die Kälte aus dem kalten Gemäuer treibt, das Schnee schmelzen, das Kochen gehört einfach zu einer winterlichen Durchquerung dazu.

Es gibt zunehmend Winterräume, die über elektrischen Strom verfügen. Zum Schnee schmelzen und Kochen wäre das durchaus ein begrüßenswerter Fortschritt, wenn es funktioniert. Besonders am Morgen durchaus sinnvoll, wenn man nicht wegen einer Tasse Kaffee oder Tee nochmal unter immenser Holzverschwendung den Ofen anheizen möchte.

 

W-Lan statt Ofen

Ofen Tilisuna
Ein noch voll funktionsfähiger Ofen. Dummerweise mit massivem Schloss unbrauchbar gemacht

Auf der Tilisunahütte im Rätikon funktioniert es allerdings mehr schlecht als recht. Großmundig wird im Winterraum die Stromheizung, die elektrischen Herdplatten und das W-Lan als Fortschritt angepriesen. Doch war es im Februar 2020  damit kaum möglich für die 12 anwesenden Personen genügend Schnee zum Kochen zu schmelzen, bzw. den kleinen Raum auf über 15 Grad zu heizen.  Kein Wunder bei einem Heizkörper der an der Raumdecke angebracht ist. Schade. Zu gerne hätten wir den noch vorhandenen Ofen benutzt. Doch der war mit einem massiven Schloss versperrt. Dafür gibt es ein W-Lan und eine Webcam, die  man da oben wirklich nicht braucht.

Hier rate ich dazu, einen  oder zwei Tauchsieder oder sogar einen kleinen Heizlüfter mit zu nehmen, denn Steckdosen gibt es genügend.

Winterraum 2.0 1

Winterraum 2.0 2
Schade, der Ofen war gemütlicher und brachte mehr Leistung
Winterraum 2.0 3
Bei keinem Winterraumaufenthalt hatte ich heuer einen qua´lmenden Herd und heulende Feuermelder. Wüsste auch nicht warum.

Schön dagegen die Winterräume die ich zwei Wochen später im Salzburger Land besucht habe. Es gab jeweils einen Ofen, genügend Holz  zum Kochen und Schnee schmelzen war kein Problem.

Selbstverständlich haben wir alle Winterräume wieder ordentlich verlassen und die Übernachtung bezahlt.

Kocher mitnehmen!

Ein Tipp noch: Es macht durchaus Sinn, einen kleinen Kocher mitzunehmen. Das ist am Morgen einfach effektiver als den Ofen  nochmals an zu heizen bzw. Wasser auf einer leistungsschwachen Herdplatte zu erhitzen.

Last die Winterräume so wie sie sind

Nicht immer war früher alles besser, aber manchmal schon.  Last die Winterräume einfach so wie sie sind. Mit AV Schlüssel zugänglich oder offen, mit einem Ofen, mit genügend Decken, Töpfen  und Geschirr und wer es ganz gut machen will, vielleicht noch mit einem Gasofen zum Kochen. Dafür werfe ich gerne was in die Kasse.

Ein vorbildlicher Winterraum mit Ofen, Klo, Gaskocher. (Prinz-Luzitpold-Haus – Allgäuer Alpen)

Seid fair

 

nachstehend ein Screenshot der Facebookseite der Marteller Hütte. Mit solchen Aktionen zerstört man die Bereitschaft einen Winterraum zur Verfügung zu stellen. Bitte seid fair, beazhlt die Übernachtung und hinterlasst den Raum sauber!

Noch ein Link zum Thema:

https://freieberge.wordpress.com/2015/11/05/huette-geschlossen-winterraum-ueberfuellt-wann-sollte-eine-huette-bewirtschaftet-werden/

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