Archiv der Kategorie: Schnee

Firn, Föhn und Saharastaub – Skifrühling 2018

Seit nunmehr 14 Tagen bestimmt mehr oder weniger eine Südströmung das Wettergeschen in den Alpen. Das bedeutet mildes, oftmals sonniges Wetter nördlich des Alpenhauptkamms, mehr oder weniger dichte Staubewölkung im Süden davon und letzte Powderschwünge am Hauptkamm. Nicht immer muss eine Südströmung zu diesem stereotypischen Muster- Föhn im Norden und Regen am Süden –  führen.  Fehlt die Feuchtigkeit, so kann auch bei Südströmung am Gardasee die Sonne scheinen. Großräumige Südströmungen bringen nicht selten eine Ladung Saharastaub über die Alpen. Das bedeutet oft ein trüber Himmel, wenig Fernsicht, aber auch spektakuläre Farben zum Sonnenauf- und untergang. Normalerweise würde bei solch einer Wetterlage der Schnee förmlich unter den Skiern wegschmelzen. Nicht so 2018, wo Frau Holle nahezu in den gesamten Alpen eine großzügige Basis hinterlassen hat. Nachfolgend ein paar Eindrücke aus dem Skifrühling 2018 aus dem Allgäu, dem Außerfern und dem Kleinwalsertal mit einem Blick über den heimischen Tellerrand hinaus. Firn, Föhn und Saharastaub – Skifrühling 2018 weiterlesen

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Allgäuer Lawinentage 13.+14.2.2018

In den letzten Tagen erreichten mich im Rahmen meiner Beobachtertätigkeit für den LWD Bayern acht Rückmeldungen von Lawinen mit Personenbeteiligung im Allgäu. Bis auf eine Ausnahme lagen alle in den Vorbergen, in einer Höhenlage von 1600 m +/- 100 m. Weiter hinten im Raum Oberstdorf, Walsertal blieb es ruhig, obwohl hier besonders am Mittwoch relativ steil gefahren wurde. Dann kamen noch Meldungen vom Prinz-Luitpold-Haus und vom Steinschartenkopf. Also echtes Hochgebirge.

Vorgeschichte

Am 4.1.2018 regnete es im Allgäu bis in eine Höhe von 2.300 m Die schon überdurchschnittlich mächtige Schneedecke sackte zusammen, aber hielt dem Tauwetter stand. Ein weiterer Schwall warmer Luft mit Tauwetter bis über 2000 m erreichte das Allgäu nach dem 20.1.2018. Danach stelle sich niederschlagsarmes und wieder kälteres Wetter ein. Die nach dem Regen vereiste Schneebasis war nun von wenigen cm lockerem Pulverschnee und Reif bedeckt.  Auf diese Schneedecke folgten am 12.2.2018 bis zu 40 cm kalter Neuschnee.

Lagebericht vom Dienstag, 13.2.2018

Gefahrenstellen liegen oberhalb von 1400m im kammnahen Steilgelände der Hangrichtungen Nord über Ost bis Süd sowie in frisch eingewehten Rinnen und Mulden. In diesen Bereichen insbesondere bei geringer Zusatzbelastung, z.B. durch einen einzelnen Skifahrer die Auslösung von Schneebrettlawinen möglich.

Link: Lagebericht 13.2.

Situation am 13.2.2018

Am meisten Schnee, bis zu 40 cm fiel in den Vorbergen. Also am Grünten, Nagelfluhkette und Hörnergruppe. Weiter drin in den Bergen, also ganz hinten im Kleinwalsertal, Oberstdorfer Täler und im Lechtal kam weniger Neuschnee zusammen.

Am 9.2.2018 lag eine Hochnebelschicht mit Obergrenze um die 1.600 m über dem Alpenvorland, die sich tagsüber rasch auflöste. Dort wo sie sich auflöste, bildete sich massiv Oberflächenreif. Am 11.2. regnete es kurz bis etwa 1.500 m darüber fiel mit Wind nasser Schnee (warm auf kalt). Es folgte ohne Windeinfluss am 12.2. bis zu 40 cm kalter Pulver. Es lag also gebundener Schnee, der als solcher ohne graben nicht zu erkennen war, auf einer unregelmäßigen Altschneedecke. Gerade in einem Höhenband um die 1.600 m hatten wir dann eine Kombination aus überschneiten Reif und dem  Gefahrenmuster warm auf kalt.

Diese Kombination erklärt die Häufung der Vorfälle in diesem Höhenbereich.  Bei beiden Vorfälle im Hochgebirge (Prinz-Luitpold-Haus und Steinschartenkopf) passen nicht ganz in dieses Muster und sind ursächlich und vereinfacht ausgedrückt eher mit „zu früh nach dem letzten Schneefall in zu steilem, selten befahrenen Gelände“ zu begründen.

Rückmeldungen kamen:

Sonnenkopf, Wertacher Hörnle, Riedberger Horn, Tennenmooskopf, Hochgrat, Seelenkopf, Dreifahnenkopf, Spieser, sowie hochalpin von Prinz-Luitpold-Haus und von Steinschartenkopf

Fotos

Schneebrett Hochgrat 13.2.2018
13.2.2018 an Hochgrat, 1550 m West. Foto: D. Fleischhauer
Schneebrett hochgrat 2
Gleiche Stelle: Detailfoto (D. Fleischhauer)
Schneebrett Wertacher 2
13.2. 2018 Lawine am Wertacher Hörnle während des Abgangs. 1600 m Nord. Foto M. Waldvogel
Schneebrett Wertacher 1
13.2.2018: Schneebrett westlich des Normalaufstiegs von Süden in einer kleinen steilen Mulde , Expo SO, ca 40-50 cm Anrißhöhe, vermutlich Selbstauslösung. ca. 1500 m. Foto: M. Waldvogel
Schneebrett 2 Spieser
14.2.2018 am Spieser. 1600 m Süd. Foto: Gerwald  Betonstahler-Brockenschraub
Anrisskante Riedberger Horn
13.2.2018. Riedberger Horn. 1650 m Nord. Foto: P. Ehlers
Schneebrett sonnenkopf1
13.2.2018 Sonnenkopf, 1600 m Südost: Foto: S. Schmid
Toreck 13.2.2018
13.2.2018 Tagesanbruch am Toreck(Sonnberg) Man konnte Wumm-Geräusche“ vernehmen.
Derrarinne Milchwanne
14.2.2018. Derrarinne=Milchwanne. Auch bei kritischer Nachbetrachtung ok.
Unspitze 14.2.2018
14.2.2018 Tiefblick von der Güntlespitze
Abfahrt Toreck 13.2.2018
13.2.2018 Mahdtal

Gedanken

Ich danke für die zahlreichen Rückmeldungen. Keines der Lawinenfotos stammt von mir. Selbst war ich am 13.2.2018 am Toreck(Sonnberg). Im Gipfelbereich haben wir dort „Wumm-Geräusche“ vernommen.

Am Mittwoch, 14.2. 2018 war es mir persönlich zu heiß, mit auf eine „pre-work-Tour“ auf den Bärenkopf zu gehen, stattdessen habe ich zusammen mit einem Walser die Derrarinne (Milchwanne) befahren. Dort hinten lag deutlich weniger Neuschnee. In der Rinne war der Untergrund durch vorangegangene Lawinentätigkeit und Befahrungen umgegraben und die Güntle ist eh ständig befahren. Zufall? Glück, Bauchgefühl? Intuition? Ich weiß es selbst nicht. Ich habe in den besagten zwei Tagen keine Lawine gesehen. Erst als ich am Donnerstag früh am Wannenkopf danach gesucht habe, fand ich tatsächlich kritische Schichten und konnte die in den zahlreichen Rückmeldungen beschriebene Situation bestätigen.

Es waren wohl einige Schutzengel über dem Allgäu unterwegs, so dass trotz dieser Häufung von Vorfällen nichts ernstes passiert ist.

Das inneralpine Schneewunder

Eingelagert in eine kräftige, großräumige Westströmung staute sich am 4.1.2018 feuchtmilde Luft von Norden an den Alpen. Die Schneefallgrenze stieg im Allgäu rasch auf ca. 2.300 m. Im Alpenvorland und an windexponierten Alpenrandbergen konnte man den Schnee regelrecht dahinschwinden sehen. In den oberallgäuer Tälern hielten sich die Schmelzverluste in Grenzen. Im Inntal schneite es am gleichen Tag noch relativ lange  auf unter 1.000 m hinab und selbst im nur 250 m hoch gelegenen Bozen fiel Schnee bis ganz herunter ins Tal.

Verkehrte Welt: Regen bei nördlicher Anströmung  im naßkalten Allgäu auf den Nebelhorngipfel, während im sonnigen Südtirol die  Weinstöcke unter der Neuschneelast ächzen?

Wie kommt so etwas zu Stande? Das inneralpine Schneewunder weiterlesen

Achtung Blankeis! Statusreport Skitouren Nr. 3

Bei meinem letzten Statusreport sprach ich die Vermutung aus, dass das Lechtal seinen Rückstand in Punkto Schneehöhe im Vergleich zum Allgäu bei der angekündigten Wetterlage aufholen würde. Das ist nun eingetroffen. Besonders im Vergleich zu den Allgäuer Vorbergen.  Im Schutz der Allgäuer Alpen konnte das für die Schneedecke so vernichtende Zusammenspiel zwischen Regen und stürmischen, warmen Wind nur abgeschwächt wirken.

Das Hauptproblem ist derzeit die Vereisung. Wie es sich gezeigt hat, sind besonders höhere Berge (> ca. 1.800 m.) nah am Alpenrand betroffen. Achtung Blankeis! Statusreport Skitouren Nr. 3 weiterlesen

Schneehöhen nach Starkniederschlägen

Die Messstation Hochgrat Hörmoos zeigt aktuell (19.12.2017)  ein Allzeithoch der Schneehöhen für den Dezember  an. Anstatt ein dezembertypischer Wechsel aus milden Westströmungen, schneereichem Nordstau und milden Föhnlagen brachte der Dezember 2017 eine schneereiche Kaltfront nach der anderen. Doch warum zeigt eine Messstation nur einen Neuschneezuwachs von 30 cm an, wenn ein halber Meter Neuschnee gefallen ist?

Die Antwort findet sich in diesem Beitrag, den ich vor drei Jahren verfasst habe. Schneehöhen nach Starkniederschlägen weiterlesen

Kleinräumige Gefahrenstellen

Bekannter Weise erfassen die meisten Leser des Lawinenlageberichtes nur die Gefahrenstufe. Die wichtigsten  Informationen im Text werden häufig ausgeblendet und überlesen. Was aber, wenn bei im Groben sicheren Verhältnissen, sich kleine lokale Gefahrenstellen erhalten haben? Die Gefahrenstufe betrachtet eine ganze Region z.B. Allgäu, Außerfern, Oberengadin). Weil  es nur wenige Gefahrenstellen gibt, wird dann meist Stufe 2 oder gar 1 vergeben. Da kann man doch alles fahren??! Wirklich??? Kleinräumige Gefahrenstellen weiterlesen

Schneehöhenmessung der ZAMG

Die Ankündigung des automatischen Schneehöhenmesssystem „Snowgrid“ klingt nach dem, was der Alpinist lange sehnsuchtsvoll gewünscht hat. Eine  flächige und zentimetergenaue Schneehöhenmessung für Österreich und auch für die angrenzenden Gebiete. Seit dem Winter 2015/-16 ist dieses Tool nun auf der Webseite der ZAMG verfügbar. Die Beschreibung klingt vielversprechend.

Das Programm berechnet für 28 Millionen Punkte in Österreich und Umgebung die Schneehöhe und Neuschneemenge sowie den Schneewasserwert und die mittlere Schneetemperatur. Zahlreiche Anwender nutzen bereits die Daten, wie Lawinenwarndienste, hydrologische Dienste, die Energiewirtschaft und Straßendienste. Ab sofort sind SNOWGRID-Analysen frei zugänglich auf

Doch taugt dieses Tool auch für die Tourenplanung. Ich habe die Probe aufs Exempel gemacht. Schneehöhenmessung der ZAMG weiterlesen

Messstationen

Die Messstationen der Lawinenwarndienste geben dem interessierten Nutzer wertvolle Hinweise zur aktuellen Situation. Als Ergänzung zum aktuellen Lagebericht oder aber um sich auf Basis des letzten verfügbaren Berichtes selbst einen aktuellen Lagebericht zu erstellen. Die Darstellung der veröffentlichten Daten ist von Land zu Land unterschiedlich, was die Lesbarkeit für den Anwender erschwert. Taupunkt, Wind, Strahlung, Oberflächentemperatur, Schneehöhe usw. Welche Daten können wir nutzen? Wäre eine einheitliche Darstellung sinnvoll? Messstationen weiterlesen

Wie war der Winter 2014/-15?

Im Dezember 2014 habe ich eine Wintervorschau veröffentlicht. Die Kernaussage lautete: „November kalt dem Winter die G´walt“. Nun wird es Zeit für einen Rückblick auf den zurückliegenden Winter und eine Antwort auf die Frage, ob die genannten Bauernregel zutreffend war oder nicht.

Winter Forchach
23.12.2014: Forchach im Lechtal mit Blick auf die Tannheimer Berge
Weiherkopf
27.12.2014: Erste Skitour im Dezember nach kräftigen Schneefällen in der Hörnergruppe im Allgäu
Wetterwerte Oberstdorf Winter 2014 15
Die Wetterdaten des Winters 201/-15 aus Oberstdorf. Quelle: Deutscher Wetterdienst. Wohl kaum ein Wetterdienst im Alpenraum macht aus den Wetterdaten so ein Staatsgeheimnis. Der Versuch, die Wetterdaten im WWW zu finden scheitert ebenso, wie die Telefonnr. oder Email des Standortes Oberstdorf herauszufinden. Deshalb wurden die Daten einfach in Oberstdorf im Schaukasten bei der Gemeinde abfotografiert und zurechtgeschnitten 🙂

Wie war der Winter 2014/-15? weiterlesen

Überraschende Riesenlawine am Schneck

Auf den ersten Blick wirkt es schockierend zu sehen, über welche Schwachsichten wir im Laufe des Winters bedenkenlos gefahren und aufgestiegen sind. Die Bilder stammen vom 14.5.2015. Der Lawinenabgang dürfte maximal zehn Tage alt sein. Die Länge der Anrisskante beträgt fast einen Kilometer, die Höhe bis zu drei Metern!!!. Während des gesamten Winters wurde dieser Hang mit mäßiger, aber regelmäßiger Frequentierung befahren, ohne dass es zu Zwischenfällen gekommen ist. Wie kann es nun zu so einer Riesenlawine kommen?Anrisskante Lawine Schneck 16.5.2015 Überraschende Riesenlawine am Schneck weiterlesen