Seitenblicke an Viehscheid

Der Viehscheid (Für Nichtallgäuer: Die Rückkehr der Kühe von den Bergweiden und deren Rückgabe an die Bauern, verbunden mit einem Markt und  einem Bierzelt mit Musik) ist für viele Allgäuer eine der wichtigsten Veranstaltungen im Jahresverlauf. Für manche steht der ursprüngliche Sinn dabei im Hintergrund. Gefragt ist einfach das Fest im Bierzelt. Eine Art Allgäuer Oktoberfest. In Summe immer wieder sehenswert, was der Besucherandrang weit über das Allgäu hinaus zeigt. Neben den vielen schönen Eindrücken, die man jährlich erleben  kann, gibt es auch Dinge zu beobachten, die so nicht in der Zeitung oder den Hochglanzprospekten stehen. Besonders zu später Stund, wenn der eine oder andere schon einen über den Durst getrunken hat.  Nichts Schlimmes! Alles im Rahmen. Das Allgäu ist ja meist brav und wertkonservativ.  Ich habe nur ein paar Beobachtungen der letzten Jahre gesammelt und möchte diese traditionelle Veranstaltung keineswegs  in Frage stellen. Seitenblicke an Viehscheid weiterlesen

Helft dem Schrecksee

Helft dem Schrecksee ist ein Aufruf den die Gemeinde Bad Hindelang  derzeit über soziale Netzwerke verbreitet. Einem Aufruf, dem ich mich anschließen möchte. Zwar setzte ich mich immer wieder für einen freien, eigenverantwortlichen Alpinismus ein, der das naturverträgliche biwakieren mit und ohne Zelt einschließt, doch hier ist leider etwas gewaltig auf dem Ruder gelaufen. Wegen einiger Vollidioten, die anstatt dezent zu biwakieren ein Zeltlager aufgeschlagen haben, mangels natürlichem Holzvorkommen die Zaunpfähle der Alphirten für´s Lagerfeuer verwendet sowie  Müll und Fäkalien  zurückgelassen  haben, hat die Belastung für die Natur am Schrecksee die Grenze des Verträglichen überschritten, den Unmut der Alphirten und den Aktionismus der Bürokraten auf dem Landratsamt ausgelöst.  Doch es sind nicht nur die Zelte, es ist die Summe der Belastungen vom Trittschaden durch Menschen, Kühe, Umweltbelastung durch Sonnenöl, Seifen, Shampoo´s, Fäkalien  die vor allem der Vegetation im Uferbereich und der Wasserqualität schaden. Helft dem Schrecksee weiterlesen

Zelten in den Allgäuer Alpen – Teil 2

Das Thema „Zelten in den Allgäuer Alpen“ geht in die nächste Runde. Am 20.8.2016 erschien in der Allgäuer Zeitung ein Artikel zu diesem Thema. Besonders in Verbindung mit einem wohl zufällig daneben stehenden Artikel „Engagiert für den Bergwald“ tauchen einige Fragen und Widersprüche auf. Ob das Zelten und Biwakieren erlaubt oder verboten ist, lässt sich nicht mit einem schlichten JA oder NEIN beantworten. Deshalb habe ich im letzten Sommer dazu einen Bericht verfasst, der darüber Auskunft gibt. Das nun, lt. der Allgäuer Zeitung mehrere Bußgeldbescheide zwischen 100 und 500 Euro verhängt wurden zeigt, dass Aufklärung Not tut. Eigentlich wäre das ja Aufgabe des Alpenvereins hier aufzuklären und Lobbyarbeit für die Bergsteiger zu machen, aber der schweigt sich zu diesem Thema lieber aus. Zelten in den Allgäuer Alpen – Teil 2 weiterlesen

Das Rote Schrofenmonster

Geißeln, hier Gaisl genannt, gibt es in den Pragser Dolomiten vermutlich mehr als in einem Sado-Maso-Shop. Eine Kleine, eine Niedere, eine Pragser, eine Schlechte, ein Gaisele und schließlich noch die Hohe Gaisl.

Ein bisschen Masochismus gehört schließlich auch dazu, sich ausgerechnet mit diesem roten Schrofenmonster anzulegen, dass die Italiener Croda Rossa nennen.

Dolomitenpapst Richard Goedeke schreibt in seinen „3000er der Dolomiten“

Wohl der alpinste unter allen 3000er der Dolomiten. Selten angegangen und noch viel seltener erfolgreich bestiegen. Das liegt weniger an den technischen Schwierigkeiten, – diese gehen bei richtiger Routenfindung über Stellen IV nicht hinaus- als an den Dimensionen des Berges und der Tatsache das der Berg weithin nicht nur nicht abgekletterten sondern auch in der Substanz brüchigen Fels aufweist.

Das klingt wie Musik, flößt aber auch eine ganze Menge Respekt ein.

Ganz so schlimm kam es dann doch nicht. Mag sein, dass der Altmeister des Dolomitenkletterns hier etwas übertreibt, oder auch, dass jemand, der pfadlose Anstiege in den Allgäuer und Lechtaler Alpen im III Grad gewohnt ist, beim Thema Brüchigkeit ein anderes Schmerzempfinden hat, als jemand, für den ein geröllbedecktes Band schon eine widernatürliche Erscheinung darstellt.

Das für so ein Unternehmen Wetter und Verhältnisse passen müssen, versteht sich von selbst. Daraus ergibt sich, ein spontaner Aufbruch, wenn diese eben passen.

Erfahrungsgemäß braucht im August  in den Dolomiten gar nicht erst zu versuchen, eine Unterkunft für eine Nacht zu finden, wo einem auch noch zu früher Morgenstund das Frühstück serviert wird.  Somit verbleibt ein Parkplatzbiwak am Ausgangspunkt.

Dieser Ausgangspunkt ist die kitschig schöne Plätzwiese. Eine Dolomitenlandschaft wie aus dem Bilderbuch. Eine sanfte hügelige Wiese, mit alten Bäumen und Heustadeln vor wilden Felsbergen.

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Die Hohe Gaisl von der Plätzwiese

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Die Ostwand der Hohen Gaisl

Zustiege sind in den Dolomiten bekanntlich kurz und so stehen wir schon recht bald unter der von der Morgensonne beschienenen rotgoldenen Ostwand der Hohen Gaisl. Beim Einstieg in die Winklerschlucht wird klar, warum Goedeke schreibt: „noch viel seltener erfolgreich bestiegen“ Steiles, zusammengeklebtes Geröll, darunter schwarzes Eis. Dazu Dauerbeschuss von oben. Der ganze Berg scheint auseinander zu fallen. Wenn das so weitergeht,können wir den Aufstieg vergessen. Eine Trittspur leitet oberhalb von geröllbedecktem Eis aus der Schlucht hinaus auf eine kleine Kanzel. Nach ein paar heiklen Metern haben wir dieses steinschlägige Kanonenrohr verlassen und die Welt sieht schon wieder ganz anders aus.

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Heikel, Querung hinaus aus der Winklerschlucht

Dezente Trittspuren führen über kleine Felsstufen nach oben. Zwar liegt einiges an Geröll herum, der Fels darunter ist durchaus brauchbar. Stellenweise richtig genussverdächtig. Dieser Genuss steigert sich noch in der langen Kaminreihe und der anschließenden exponierten Querung hinaus zum Ostgrat. Alles im unteren III Grad. Ich bin froh um meine Klettersteigturnschuhe.. Im zusammengebackenen Geröll der Einstiegsrinne habe ich diese noch verflucht.

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Steil und griffig und ein Bohrhaken vor der Nase: Die Schlüsselstelle
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Auf der Schulter im oberen Drittel

Dolomiten plaisier?

Vor der ersten IV-er Stelle seilen wir an. Der Fels ist fest und griffig und in dem abdrängenden Wulst der Schlüsselstelle stecken zwei Bohrhaken im 3 Meter Abstand. Dolomiten plaisier also. Nach zwei weiteren Seillängen in unteren IV oder oberen III Grad verstauen wir das Seil wieder im Rucksack. Die Felsqualität lässt wieder etwas nach, bleibt jedoch erträglich. Hin und wieder weisen rote Punkte den Weg. Dieser schlängelt sich elegant durch den oberen Teil der Ostwand empor zum Gipfelgrat ohne dabei den oberen II Grad zu überschreiten. Nach einer kurzen exponierten Klettereinlage über die Türme des Gipfelgrates liegt uns das rote Schrofenmonster zu Füßen.

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leichte, exponierte Kletterei am Gipfelgrat

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HG Gipfel

Das Panorama ist überwältigend. Einer jener selten Hochsommertage mit fast grenzenloser und klarer Sicht. Zwar gehört die Gaisl nicht zu denen Orten an denen man sich durch die bloße Anwesendheit was schönes eingebrockt hat, doch all zu lange sollte man am Gipfel angesichts des bevorstehenden Abstieges doch nicht verweilen. Zunächst mal ist abklettern angesagt. Nie wirklich schwierig, nicht wirklich heikel, aber doch ständig Konzentration fordernd und immer ein bisschen anspruchsvoll. Die schwierigsten Passagen lassen sich problemlos mit abseilen überwinden. Gut eingerichtete Abseilstellen vermitteln ein Gefühl der Sicherheit.

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Abklettern im oberen Drittel

Als besonderes Plus erwies sich die neue Abseilpiste vom Ostgrat durch den unteren Teil der Südostwand. Nach dreimaligem Abseilen erreicht man unschwieriges Schrofengelände. Damit war auch die unangenehme Einstiegsschlucht umgangen. Ein letztes Mal sorgte die Route für Spannung. Die Frage, ob man auf dieser Abstiegsroute wieder zur Plätzwiese absteigen kann, blieb bis zum Erreichen der Pinscharte offen. Erst hier wird die Geröllrinne sichtbar, die den direkten Abstieg zu Plätzwiese ermöglicht.

Stilecht sind wir nach der Tour im Badhotel Altprags abgestiegen. Ein altes Hotel aus der K&K Zeit. Kostengünstig, bietet im Falle von schlechtem Wetter ein Dach über dem Kopf und ruhig gelegen. Etwas heruntergekommen zwar aber nur fünf Fußminuten von Pizza und Rotwein entfernt

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Die Ruine des Hotel Altprags bietet sich als Biwakplatz im Tal an

Fazit:

Eine rundum eindrucksvolle Tour. Mit Ausnahme der ersten 50 Meter guter bis brauchbarer Fels. Dazwischen reichlich Geröllablagerungen. Somit gefährlich wenn mehrere Partien gleichzeitig unterwegs sind. Besonders wenn am Seil gegangen wird. Stets anspruchsvoll, aber nie wirklich heikel oder gefährlich. Wenn man den richtigen Zustieg benutzt (im Karboden in Aufstiegsrichtung links) angenehmer und kurzer Zustieg. Um das Zeitbudget nicht zu stark zu strapazieren, sollte exponiertes II-er Gelände im Aufstieg und im Abstieg seilfrei begangen werden.

Vergleichtour:

Hoher Zwölfer (Sextner Dolomiten), Langkofel. Letzeren empfand ich als anspruchsvoller

Ausgangspunkt  Plätzwiese ca. 2000 m, diese ist von Norden aus dem Pustertal über das Pragsertal zu erreichen. Die Straße ist mautpflichtig und unter tags gesperrt. Die aktuellen Verkehrsregeln findet man hier.

Karte: Tabacco Karte 031 Pragser Dolomiten Enneberg

Führer: 3000er in den Alpen. Die Normalwege: Südliche Ostalpen mit Dolomiten

Hütten: keine

Ausrüstung:   Einen Strang eines 60 m Doppelseils reicht. Im Aufstieg reichen 30 m Seillänge aus. Stand immer an den Abseilketten alle 25 m., ca. 5 Exen, ein Satz Keile und ein paar Bandschlingen.

Höhenunterschied: ca. 1.200 m ab Plätzwiese

Schwierigkeit: im Fels Stellen bis IV, anhaltend II-III und exponiert.

Topo: http://www.hochpustertal.info/media/b147c1d5-9d66-46c3-8873-499b8539a82e/hohe-gaisl-innerkofler.pdf

Gaisl Route

Geeignet für wen? Bergsteiger die auch klettern und einen großen, nicht überlaufenen Dolomitengipfel besteigen möchten.  Kletterer,  für die der Klettergenuß und die Schwierigkeit nicht an erster Stelle stehen, denen das alpine Gesamterlebnis wichtig ist.  Stellen bis III sollten im Aufstieg aus Zeitgründen seilfrei beherrscht werden.

Walser Steilgrasrunde

Walser Steilgrasrunde

ganz hinten im Kleinwalsertal gibt es eine auf den ersten Blick unscheinbare Kette steiler Grasberge, die so ganz im Schatten des optisch so dominanten Widderstein stehen. Bei näherer Betrachtung wirken die Gipfel steil und abweisend und werden aus diesem Grund kaum begangen. Zu recht, denn die Überschreitung dieser blumengeschmückten Messerschneide bleibt den wenigen vorbehalten, die wissen, auf was sie sich mit einer für die Allgäuer und Lechtaler Alpen typischen Steilgrastour einlassen. Mit Wandern hat die Tour nichts zu tun, mit Klettern auch nichts. Wer Touren wie die Höfatsüberschreitung oder die Überschreitung von Rotwand und Pfeilspitze in den Lechtaler Alpen schätzt, dem kann diese Überschreitung empfohlen werden. Alle anderen tun es besser den zahlreichen Touristen gleich die sich mehr oder weniger mühsam durchs Bärgunttal zum Widderstein schleppen Walser Steilgrasrunde weiterlesen

Chachany, einer der leichtesten 6000er

Im trockenen Südwesten Perus stehen eine Reihe 6000er, die meist ohne besondere technische Schwierigkeiten zu besteigen sind. Auf Grund des trockenen Klimas und des Wassermangels können Tragtiere für die Zustiege kaum eingesetzt werden. Der logistische Aufwand um überhaupt an den Sockel des erstrebten Berges zu gelangen ist mit unter enorm.  Am Chachany halten sich die logistischen Hürden in Grenzen. Damit ist dieser mächtige Vulkan wohl einer der leichtesten 6000er Amerikas.

Trotzdem haben wir uns dafür entschieden ausgerechnet diesen leichten Gipfel in einer organisierten Gruppe, mit einem Bergführer zu besteigen.

 Zwei Fragen tauchten darauf hin auf:

  1. Welches ist überhaupt der leichteste 6000er?
  2. Gilt ein Gipfel, für dessen Besteigung man einen Bergführer bucht, als bestiegen?

Fragen, auf die es keine eindeutigen Antworten gibt. Chachany, einer der leichtesten 6000er weiterlesen

Der „Lake-Effekt“über dem Bodensee

Das westliche Oberallgäu und der Bregenzer Wald gehören zu den niederschlagreichsten Regionen Mitteleuropas. So gilt Balderschwang  mit 2450 ltr/m²  pro Jahr als der niederschlagsreichste Ort Deutschlands. Damüls im Bregenzer Wald rühmt sich als der schneereichste Ort der Welt. Die Nord- und Weststaulagen am Nordrand der Alpen sind dafür überwiegend verantwortlich. Doch es gibt noch einen weiteren Effekt, der sich in den genannten Regionen zu Stau und Hebung dazu addiert.

Den „Lake-Effekt“  wie man ihn von den „Großen Seen“ in Nordamerika kennt, gibt es unter bestimmten Voraussetzungen auch über dem Bodensee. Das führt dazu, dass es in Sachen Schnee und Regen im Allgäu und Bregenzer Wald oft mal ein bisschen mehr sein darf. Der „Lake-Effekt“über dem Bodensee weiterlesen

Ausangate – Ein zäher 6000er

Unter den zahlreichen 6000er der Anden gibt es leichte und schwierige, selten und häufig bestiegene. Der Ausangate zählt zu den selten besuchten Bergen. Von der Schwierigkeit würde ich ihn in die „gehobene Mittelklasse“ einordnen.

 Wer Einsamkeit sucht und das Fehlen jeglicher Infrastruktur nichts ausmacht, der findet hier in der Cordilliera Vilcanota sein Paradis.  Die meisten Touristen geben sich damit zufrieden, die Sechstausender von unten zu betrachten. Abgesehen vom abgelegenen Yayamari bietet keiner einen leichten Zugang.

(Hermann Kiedler- Die Anden)

Doch nicht nur die technischen Schwierigkeiten sind bei einer Andenexpedition zu berücksichtigen. Es sind auch die logistischen Hindernisse, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden können. Ausangate – Ein zäher 6000er weiterlesen

Krottenspitzen – Der längste Allgäuer Grat

Der markante Krottenspitzengrat mit seinen gegenläufig ausgerichteten Hörnern der Krottenspitze und des Krummen Turms  erstreckt sich landschaftsprägend über dem Oberstdorfer Talkessel. Die Überschreitung des gesamten Grates stellt eine der eindrucksvollsten und längsten Grattouren des Allgäus dar. Trotzdem erhalten die zahlreichen Zacken dieses Grates nur selten Besuch. Zu schwierig für den Wanderer und den normalen Bergsteiger, zu kurz die richtigen Kletterstellen, zu lang der Zustieg, zu viele Schrofenpassagen für den alpinen Kletterer. Der stete Wechsel zwischen leichtem und schwerem Gelände kostet Zeit und fordert eine angepasste Seiltechnik. Krottenspitzen – Der längste Allgäuer Grat weiterlesen

Überschreitung von Höllhörnern und Kleinem Wilden

Die Überschreitung der beiden Höllhörner und des Kleinen Wilden gehört zu den großen Gratüberschreitungen des Allgäus. Häufig wird wird nur der als alpine Genußkletterei bekannte Südgrat des Südlichen Höllhorn gegangen. Die Betonung liegt hier auf alpin, denn neben einigen wirklich schönen Kletterstellen gibt es auch brüchige Passagen. Daran ändert auch die gute Absicherung nichts. Vor einigen Jahren fiel zudem die erste Seillänge samt guten Kleilstellen einem Blitzschlag zum Opfer. Verblieben ist eine gefährlich, brüchiger Einstieg an labilen Blöcken. Am 30.7.2016 haben wir rechts davon einen alternativen Einstieg eingerichtet, der zwar deutlich schwieriger ist, aber eben auch fester. Überschreitung von Höllhörnern und Kleinem Wilden weiterlesen